Zum Vergleich der Klassifikationen: ich verstehe es so, dass die aktuelle Forschung das Diskrepanzkriterium gar nicht mehr stützt und die ICD-11 es trotzdem noch vorsieht.
Ok. Das verstehe ich. Wobei das Diskrepanzkriterium schon mindestens seit meinen Studienzeiten umstritten ist. Unter Sonderpädagogen vermutlich mehr als unter Psychologen und Medizinern - würde ich zumindest annehmen?
Ich dachte, das würde das Vorgehen verändern. Mir war nicht bewusst, dass jemand bislang eine "Regression" berechnet.
Das habe ich tatsächlich auf der von dir verlinkten Seite auch das erste Mal gelesen. Ich kenne bislang nur das Verfahren der "einfachen Differenz", wie es dort bezeichnet wird. Ich kann aber die Argumentation nachvollziehen, dass und warum das ungenauer sein soll.
Ich weiß nicht, ob das Verfahren mit der Regression im medizinischen oder psychologischen Kontext schon weiter verbreitet ist.
Da ich, wie gesagt, zwar die einzelnen Tests durchführe, aber keine medizinische Diagnose als Schlussfolgerung daraus ziehe, sondern eine solche medizinische oder psychologische Diagnostik höchstens empfehle und ggf. vorliegende Testergebnisse mitgebe, ist das ja auch nicht in meiner Verantwortung und tangiert mich insofern eher weniger, mit welchem Verfahren das dann errechnet wurde.
IQ-Tests führen bei uns in der allgemeinen Diagnostik nur noch diejenigen durch, die dafür eine Fortbildung gemacht haben. Es wird nur dieser bestimmte Test zugelassen.
Wir haben eine recht umfangreiche Sammlung von einfachen und eher eindimensionalen (meist nonverbalen) bis hin zu komplexeren Intelligenztest. Je nach Alter des Kindes, Fragestellung usw. finden auch durchaus unterschiedliche Tests Anwendung. Eine regelmäßige Fortbildung dazu ist natürlich sinnvoll notwendig.
Wenn dich das Thema näher interessiert: Es gibt eine recht aktuelle Dissertation zum Einsatz von Intelligenztests durch Sonderpädagogen, die du hier als E-Book kostenlos herunterladen kannst: Die Anwendung von Intelligenztests im sonderpädagogischen Kontext - Eine empirische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der Durchführungs- und Auswertungsobjektivität. Mit Online-Materialien - Torsten Joél | BELTZ
Sehr interessant dabei sind die deutlichen bundeslandspezifischen Unterschiede, die der Autor herausarbeitet.