Sorry, aber durch den Reifen springe ich nicht. Das weißt du selbst.
Du stellst eine These auf ("SuS mit kognitiven Förderbedarf bremsen fitte SuS aus"), aber begründest sie nicht einmal?
Nun, auf diesem Niveau:
Ich kenne die Situation aus meiner eigenen Schulzeit an einer Gesamtschule. Die Langeweile, die ich dort jeden Tag ertragen musste [...]
Ich habe mich auch am Gymnasium oft gelangweilt. Ergo: Gymnasien gehören abgeschafft, denn sie bremsen fitte SuS aus.
Ich erlebe das auch bei den 5ern immer wieder, dass die froh sind, endlich in vernünftigem Tempo lernen zu können, statt vor sich hin zu dümpeln und "anderen zu helfen".
Wenn das so ist, ist das wohl ein Problem des Unterrichts der entsprechenden Grundschulen, aber kein Argument gegen Heterogenität oder Inklusion.
Auf die absurde Idee, dass körperlich Behinderte zu einem schlechteren Leistungsniveau führen, muss man erstmal kommen.
Wir reden doch hier gerade von leistungsheterogenen Klassen und der Inklusion von Kindern mit Förderbedarf G (oder L). Wie kommst du auf einmal auf körperbehinderte SuS?
Den Teil meines Beitrages, in dem ich meine bisherige Haltung in der Diskussion - in der ich teilweise natürlich bewusst ein bisschen den Advocatus Diaboli spielte - bezüglich des wissenschaftlichen Konsens zumindest ein Stück weit relativieren muss, habe ich mir jetzt für das Ende aufgehoben:
Eine recht interessante Übersichtsstudie (Literaturreview) zum diskutierten Thema findet man unter:
(PDF) Academic and Social Effects of Inclusion on Students without Disabilities: A Review of the Literature (researchgate.net)
Darin heißt es zusammenfassend:
Zitat von Kart/Kart (2021)
The literature suggests mostly positive or neutral effects of inclusion on the academic achievement of typically developing students at the preschool or primary school stages, whereas neutral or negative effects are suggested for the secondary schooling level.
Dafür, dass die Resultate in der Sekundarstufe etwas ernüchternder sind als in der Elementar- und Primarstufe, führen die Autoren potentiell im System liegende Gründe an, wie sie in diesem Thread auch schon diskutiert worden sind (z. B. Lehrerausbildung, Fachlehrerprinzip, mangelnde Kooperation zwischen Regelschullehrkräften und Sonderpädagogen).
Und ja, du kannst natürlich auch argumentieren, dass wir hier im Thread zuletzt eigentlicht explizit von leistungsstarken SuS sprachen, während im Artikel überwiegend von "typically developing students" die Rede ist.
Darauf, dass diesbezüglich noch spezifischere Forschung nötig ist, weisen auch die Autoren hin:
Zitat von Kart/Kart (2021)
Throughout the literature, there is insufficient evidence related to the impact of inclusion on high and low achievers and
students from different educational stages [18,20,24,26].
Jedenfalls: Wenn du tatsächlich an der Methodik zu solchen Studien interessiert sein solltest, kannst du in diesem Artikel sowie in den darin zitierten Studien fündig werden.
Dazu:
Wie genau soll nachgewiesen werden, dass ein Schüler ohne deutlich schwächere Mitschüler keine besseren Leistungen erzielt hätte? Das funktioniert so nicht.
Natürlich kann keine Aussage zum einzelnen Schüler getroffen werden. Auch in der evidenzbasierten Medizin kann keine Studie zum einzelnen Patienten getroffen werden. Dennoch können glücklicherweise sinnvolle Behandlungsmethoden abgeleitet werden.
Aus dem Artikel auch ziemlich interessant finde ich Ergebnisse zu den sozialen Effekten von Inklusion auf die SuS ohne Förderbedarf:
Zitat von Kart/Kart (2021)
Students without disabilities mostly benefited from being in inclusion classrooms with students with disabilities. Reduction of fear, hostility, prejudice, discrimination, increasing acceptance, understanding, and tolerance of individual differences are the major findings of the social effects of inclusion on students without special needs [9,14,15,36]. Peer acceptance and friendship rates are higher in inclusion classes
than traditional general education classes, and students without disabilities have more favorable attitudes toward students with disabilities in most of the previous studies and reviews.
Ich weiß, darum ging es hier in unserer Debatte nicht. Ich halte das dennoch auch für einen nicht zu vernachlässigenden Aspekt bei der Frage, ob (zieldifferente) Inklusion auch am Gymnasium sinnvoll ist.