Beiträge von Plattenspieler

    Wie geschrieben: Man sagt auch heute noch, dass Kinder mit Lernbehinderung im Schnitt ca. zwei Jahre "zurück" seien (mit großer Varianz natürlich). Insofern passt prinzipiell der "Stoff" von Klasse 1 für Klasse 3 und von Klasse 2 für Klasse 4 schon.

    Wobei man zumindest heute die Inhalte eher streckt als einfach zwei Jahre nach hinten zu verschieben.

    Zugegeben: Etwas gestreckt ist es schon auch. Addition und Subtraktion mit Zehnerübergang aus Klasse 1 Regelschule kommt hier erst im Buch für Klasse 4 (statt 3), in Klasse 4 fehlen dann noch die komplette Multiplikation und Division sowie Addition und Subtraktion mit zweistelligen Zahlen (aus Klasse 2 Regelschule).

    Aber seltsam fand ich halt, dass das Buch von Klasse 3 so wirkt, als würde mit den Ziffern da erst begonnen. Würde man heute sicher nicht mehr so machen, halte ich für die damalige Zeit nicht für ausgeschlossen: Aufbauend auf obig skizzierten Annahmen, dass man ca. zwei Jahre unter Regelschulniveau ansetzen müsste, hat man sicherlich in Klasse 1 klassische Schulvorbereitung gemacht: Motorik (Basteln, Malen), Konzentration, Wahrnehmung, aus dem mathematischen Bereich vermutlich Pränumerik, evtl. etwas Geometrie (das fehlt in beiden Büchern hier ganz). Entsprechend gab es für Klasse 1 und 2 wohl noch keine Schulbücher, weil man eher davon ausging, die Inhalte der letzten beiden Kindergartenjahre zu erarbeiten.

    Vom Anspruch passen die Bücher imho auch für Kinder mit Schwerpunkt Lernen und mit leichter geistiger Behinderung. Für Menschen mit schwerer geistiger Behinderung ist es viel zu abstrakt, an G-Schulen gibt es ja oft gar keine Schulbücher (was nicht selten von Eltern auch kritisiert wird).

    Die Hilfsschule in der DDR müsste für SuS mit Lernbehinderung und leichter geistiger Behinderung gewesen sein.

    Für SuS mit stärker ausgeprägter geistiger Behinderung (damals als "schulbildungsunfähig" bezeichnet) gab es meines Wissens separate Einrichtungen. Diese könnten auch nicht mit diesen Materialien arbeiten.

    Aus Interesse: Für Klasse 1 und 2 der Hilfsschule gibt es keine analogen Schulbücher? Zwei Jahre "zurück" passt zwar als klassischer Mittelwert recht gut zum Förderschwerpunkt Lernen; dass erst in Klasse 3 mit Zahlen begonnen wird, halte ich aus heutiger Sicht trotzdem für seltsam.

    Mir scheint, du weißt nicht was dir fehlt und weil du es nicht weißt, denkst, es sei nicht viel.

    [...]

    Entschuldige, das ist wohl ein Missverständnis:

    Mir ist durchaus bewusst, dass ich niemals die einzigartige und herausragende Fachlichkeit, Gruppenleitungskompetenz und Souveränität eines Studienrates erreichen werde.

    Aber es ging ja um die Abordnung eines Gymnasialkollegen an die G-Schule. Und dazu habe ich hier gelernt: Inhalte weiter zu vereinfachen geht immer, kleine Klassen zu leiten ist einfacher als große, und Gymnasiallehrer sind sowieso die einzigen Lehrkräfte, die ein richtiges Studium absolviert haben.

    Also was spricht dagegen?

    dass die Arbeit an einer Regelschule identisch zu der an Förderschulen (GE/LE/EE) bzw. die Arbeit mit geistig behinderten Schülern dieselbe iet wie mit nicht geistig behinderten Schüler.

    weiß ganz genau, wie die Arbeit dort läuft

    Wo habe ich denn so etwas behauptet?!

    Nirgends.

    Im Gegenteil: Ich schrieb, dass man sich einarbeiten könne. Wäre die Arbeit identisch, müsste man das ja nicht ...

    Du hast die Frage immer noch nicht beantwortet, ob du jemals an einer anderen Schulform als an der Förderschule unterrichtet hast. Ich werte das dann jetzt mal als "nein" und damit ist für mich die Diskussion endgültig beendet weil sie nur noch lächerlich ist.

    Ich bin regelmäßig für Diagnostik und Beratung an Regelschulen. Außerdem habe ich Praktika an Regelschulen absolviert. Fest an einer Regelschule gearbeitet habe ich nicht. Welche Rolle spielt das für die Diskussion?

    Einerseits konnte ich es mir nie vorstellen an einer em.soz.-Förderschule zu arbeiten. [...] Andere wiederum konnten es sich nicht vorstellen, an die Förderschule GE zu gehen. [...]

    Als Sonderpädagoge kann man prinzipiell an Schulen aller Förderschwerpunkte und in allen Altersstufen (von Frühförderung bis berufliche Bildung) eingesetzt werden. Ich denke, das ist allen klar, die das studiert haben oder studieren.

    Bei uns wurden auch schon Kolleginnen an Schulen anderer Schwerpunkte abgeordnet, ohne dass es ein solches Drama darum gegeben hätte wie hier im Forum bei den Gymnasialkollegen.

    Wimre arbeitest du doch auch in einem Förderschwerpunkt, den du nicht studiert hast? Und da sogar in der Beratung ... Du hast dich da doch offensichtlich auch gut einarbeiten können? Warum sollte das für Gymnasiallehrer unmöglich oder unzumutbar sein?

    Die Organisation der Schulen, z. B. Klassenlehrerprinzp vs. Fachlehrerprinzip, die Tagesstruktur, gestaltete Freizeit und Aufsichten, die Unterrichtsfächer und ihre Inhalte, die Didaktik und Methodik; spezielle Aufgabenbereiche wie Diagnostik, Beratung vs. Abitur usw.

    Das sind Unterschiede, aber imho keine prinzipiellen oder wesentlichen, und die speziellen Aufgabenbereiche lassen sich alle den Kernbereichen des Lehrerberufs zuordnen (Unterrichten, Erziehen, Beurteilen, Beraten, Innovieren).

    Was lässt manche glauben, dass es hier behindertenfeindlich gemeint war? Die entsprechenden Zitate kann ich immer noch nicht finden.

    Waren im anderen Thread und wurden gelöscht, da behindertenfeindlich.

    Der Hauptgrund ist für mich, dass ich - egal ob Förderschule, Grundschule oder Unterstufe irgendeiner anderen allgemeinbildenden Schule - nicht mit Kindern, sondern mit älteren SuS/Jugendlichen ab 15 Jahren arbeiten möchte.

    Die Förderschule Geistige Entwicklung besuchen die SuS meist bis mindestens 18 Jahre, in manchen Ländern ist auch eine Verlängerung bis 20/21 Jahre möglich.

    Das spräche also nicht grundsätzlich gegen diese Schulform.

    Es geht doch nicht darum einen Kollegen dauerhaft in eine Schulform abzuschieben für die er nicht geeignet ist. Es geht, zumindest in NRW, darum extreme Mangelsituationen zu verwalten. Einen Überschuss auf der einen Seite gegenüber einem extremen Mangel auf der anderen Seite. Hier geht es um kurzfristige Abordnungen für einen begrenzten Zeitraum.

    Das das wurde hier schon anders dargestellt oder eingeschätzt:

    Das Problem ist ja, dass das Abordnungen sind, die in eine Versetzung münden sollen.

    Ich weiß allerdings nicht, auf welcher Grundlage.

    Wir haben ständig mit dem Thema Inklusion zu tun. Seit meiner eigenen Schulzeit habe ich keine Schule von innen gesehen, an der es keine Schüler im Rollstuhl, Kleinwüchsige, (fast) Blinde, Schwerhörige, Taube, Asperger Autisten und/oder Schüler mit anderen körperlichen Behinderungen gibt.

    Aha. Und was genau hat das mit Inklusion zu tun bzw. wie führt zu einer ständigen Beschäftigung mit dem Thema?

    Inklusion heißt doch nicht: "Wir lassen (einzelne, möglichst wenig störende) Menschen mit Behinderung gnädigerweise mitmachen."

    Sorry, aber durch den Reifen springe ich nicht. Das weißt du selbst.

    Du stellst eine These auf ("SuS mit kognitiven Förderbedarf bremsen fitte SuS aus"), aber begründest sie nicht einmal?

    Nun, auf diesem Niveau:

    Ich kenne die Situation aus meiner eigenen Schulzeit an einer Gesamtschule. Die Langeweile, die ich dort jeden Tag ertragen musste [...]

    Ich habe mich auch am Gymnasium oft gelangweilt. Ergo: Gymnasien gehören abgeschafft, denn sie bremsen fitte SuS aus.

    Ich erlebe das auch bei den 5ern immer wieder, dass die froh sind, endlich in vernünftigem Tempo lernen zu können, statt vor sich hin zu dümpeln und "anderen zu helfen".

    Wenn das so ist, ist das wohl ein Problem des Unterrichts der entsprechenden Grundschulen, aber kein Argument gegen Heterogenität oder Inklusion.

    Auf die absurde Idee, dass körperlich Behinderte zu einem schlechteren Leistungsniveau führen, muss man erstmal kommen.

    Wir reden doch hier gerade von leistungsheterogenen Klassen und der Inklusion von Kindern mit Förderbedarf G (oder L). Wie kommst du auf einmal auf körperbehinderte SuS?

    Den Teil meines Beitrages, in dem ich meine bisherige Haltung in der Diskussion - in der ich teilweise natürlich bewusst ein bisschen den Advocatus Diaboli spielte - bezüglich des wissenschaftlichen Konsens zumindest ein Stück weit relativieren muss, habe ich mir jetzt für das Ende aufgehoben:

    Eine recht interessante Übersichtsstudie (Literaturreview) zum diskutierten Thema findet man unter:

    (PDF) Academic and Social Effects of Inclusion on Students without Disabilities: A Review of the Literature (researchgate.net)

    Darin heißt es zusammenfassend:

    Zitat von Kart/Kart (2021)

    The literature suggests mostly positive or neutral effects of inclusion on the academic achievement of typically developing students at the preschool or primary school stages, whereas neutral or negative effects are suggested for the secondary schooling level.

    Dafür, dass die Resultate in der Sekundarstufe etwas ernüchternder sind als in der Elementar- und Primarstufe, führen die Autoren potentiell im System liegende Gründe an, wie sie in diesem Thread auch schon diskutiert worden sind (z. B. Lehrerausbildung, Fachlehrerprinzip, mangelnde Kooperation zwischen Regelschullehrkräften und Sonderpädagogen).

    Und ja, du kannst natürlich auch argumentieren, dass wir hier im Thread zuletzt eigentlicht explizit von leistungsstarken SuS sprachen, während im Artikel überwiegend von "typically developing students" die Rede ist.

    Darauf, dass diesbezüglich noch spezifischere Forschung nötig ist, weisen auch die Autoren hin:

    Zitat von Kart/Kart (2021)

    Throughout the literature, there is insufficient evidence related to the impact of inclusion on high and low achievers and
    students from different educational stages [18,20,24,26].

    Jedenfalls: Wenn du tatsächlich an der Methodik zu solchen Studien interessiert sein solltest, kannst du in diesem Artikel sowie in den darin zitierten Studien fündig werden.

    Dazu:

    Wie genau soll nachgewiesen werden, dass ein Schüler ohne deutlich schwächere Mitschüler keine besseren Leistungen erzielt hätte? Das funktioniert so nicht.

    Natürlich kann keine Aussage zum einzelnen Schüler getroffen werden. Auch in der evidenzbasierten Medizin kann keine Studie zum einzelnen Patienten getroffen werden. Dennoch können glücklicherweise sinnvolle Behandlungsmethoden abgeleitet werden.

    Aus dem Artikel auch ziemlich interessant finde ich Ergebnisse zu den sozialen Effekten von Inklusion auf die SuS ohne Förderbedarf:

    Zitat von Kart/Kart (2021)

    Students without disabilities mostly benefited from being in inclusion classrooms with students with disabilities. Reduction of fear, hostility, prejudice, discrimination, increasing acceptance, understanding, and tolerance of individual differences are the major findings of the social effects of inclusion on students without special needs [9,14,15,36]. Peer acceptance and friendship rates are higher in inclusion classes
    than traditional general education classes, and students without disabilities have more favorable attitudes toward students with disabilities in most of the previous studies and reviews.

    Ich weiß, darum ging es hier in unserer Debatte nicht. Ich halte das dennoch auch für einen nicht zu vernachlässigenden Aspekt bei der Frage, ob (zieldifferente) Inklusion auch am Gymnasium sinnvoll ist.

    Darauf läuft es aber hinaus. Zu stark leistungsheterogene Klassen fördern Mittelmaß. Leistungsstarke Schüler können sich nicht weiterentwickeln und leistungsschwache Schüler fallen im Endeffekt trotzdem weiter hinten runter.

    Die Idee, dass sich leistungsstarke Schüler bremsen müssen, weil die Leistungsschwachen oder geistig Behinderten nicht mitkommen kannst du wohl kaum ernst meinen. Leistung muss gefördert, nicht erstickt werden.

    Ich schrieb nie, dass leistungsstarke SuS sich "bremsen" sollen. Ich schrieb, dass für manche SuS Rücksicht in manchen Situationen auch ein Lernziel sein kann.

    Ich schrieb aber sehr wohl, dass natürlich auch leistungsstarke SuS gefördert werden müssen (auch bei uns an der Förderschule natürlich).

    Wie du darauf kommst, dass leistungsheterogene oder inklusive Klassen das verhindern, hast du mir trotz Nachfrage noch nicht erklärt.

    Wie gesagt ist wissenschaftlicher Konsens, dass genau das nicht der Fall ist.

    Wie oft hat mein Kind in der GS- Zeit erzählt, dass die LK etwas NOCHMAL erklären musste, weil es nicht alle beim ersten mal verstanden hatten und wie sehr es das langweilte...

    Und jeden Tag musste es sich diese mehrfachen Erklärungen anhören...

    1. Und am Gymnasium hörte das schlagartig auf?

    2. Konnte dein Kind wegen dieser mehrfachen Erklärungen seine Leistung nicht zeigen und steigern?

    3. Wenn nur einzelne SuS wiederholte Erklärungen benötigen, dann kann man natürlich schauen, wie sie diese erhalten können, ohne dass die Mehrheit dadurch warten und sich ggf. langweilen muss. Das ist in den meisten Situationen imho auf verschiedene Weise gut umsetzbar. Das ist natürlich eine Frage der Unterrichtsgestaltung, aber kein spezifisches Problem der heterogenen Schülerschaft der Grundschule.

    4. Dennoch kann es auch ein Lernziel für SuS sein, sich einmal zurückzunehmen und Rücksicht zu nehmen, wenn andere länger brauchen. (Nein, damit meine ich nicht, dass SuS sich jeden Tag langweilen sollen.)

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