Beiträge von Plattenspieler

    Leistung ist kein Schimpfwort. Auch leistungsfähige Schüler haben ein Recht auf einen Raum, in dem sie ihre Leistung zeigen und steigern können.

    Selbstverständlich.

    Können leistungsfähige SuS diesen Raum nicht haben, wenn auch leistungsschwächere bzw. SuS mit Förderbedarf in der gleichen Klasse sind?

    Die aktuellen Studienlage sagt: doch.

    Und auch die Praxis an den Grundschulen zeigt, dass es geht.

    (Ja, ich weiß, es gibt auch Grundschulen, an denen es weniger gut umgesetzt wird.)

    kann ich nachvollziehen, dass jemand, der kontinuierlich das Lernklima und den Klassenfrieden stört, als nervig wahrgenommen wird

    Das kann ich auch nachvollziehen. Was machst du dann, wenn es solche SuS gibt? Oder gibt es die bei euch nicht?

    Ich kann nicht mit geistig Behinderten arbeiten. Natürlich kann ich meine Fächer auf Grundschulniveau herunterbrechen.

    Das verstehe ich nicht. Worin liegt der grundlegende Unterschied?

    Natürlich kann ich meine Fächer auf Grundschulniveau herunterbrechen. Das nimmt ihnen aber vollkommen den Sinn und Zweck

    Das verstehe ich ebenfalls nicht. Meinst du, deine Fächer sollten nicht in der Grundschule unterrichtet werden?

    Wir sind am Gymnasium nicht die empathiebefreiten Arschlöcher, für die wir hier offenbar gehalten werden.

    Falls sich das auf mich beziehen sollte: Das habe ich weder geschrieben noch gemeint. Es ist natürlich eine Systemfrage, dass bei kleineren Klassen, Klassenlehrerprinzip, Förderstunden etc. eine andere Beziehungsarbeit möglich ist. Und dass bei zentralen Abschlussprüfungen (die ich für wichtige halte!) ein gewisser Druck von allein entsteht, ist mir auch bewusst. Das mit dem Druck bezieht sich eher auf die ein oder andere (auch nicht alle!) mir bekannte Grundschule, wo der Druck imho noch nicht in einem solchen Ausmaß nötig wäre.

    Gerade die Förderkinder e erfahren an den E Schulen erstmal eine große Entlastung (... sagt mein Mann), da sie endlich mal nicht die Bösen sind.

    Und meine L Kinder freuen sich, dass sie mal beste sein können. Sie blühen auf.

    Ist mir schon klar, dass das so ist. Ist bei uns ja ähnlich.

    Ist aber natürlich auch eine Folge des Unterrichts- und Leistungsprinzips der Regelschulen bzw. der Gesellschaft - dass wir das nicht problemlos umkehren können, ist mir auch klar.

    Aber: Wenn an Regelschulen normal wäre, dass SuS unterschiedlich weit sind und unterschiedliche Aufgaben bekommen, und der Schwerpunkt der Bewertung mehr auf dem individuellen Fortschritt läge, würden sich L-SuS dort weniger als leistungsschwach erleben.

    Und wenn es an Regelschulen mehr Beziehungsarbeit, kleinere Klassen und weniger Druck gäbe, wären die E-SuS dort vielleicht auch weniger die 'Bösen'.

    Das spezielle Problem bei den ADSLern ist, dass die nach 15 min Prüfungszeit das Hirn abstellen und dann oft gar nichts mehr aufs Blatt schreiben. Mehr Zeit bringt's da also genau gar nicht. Kennt da jemand von euch alternative Massnahmen?

    Liegt es an der Ablenkung durch andere SuS oder die Umgebung? Dann in einem separaten, möglichst reizarmen Raum schreiben lassen. Oder Lärmschutzkopfhörer und Sichtschutz.

    Ansonsten: Klausur auf zweimal Schreiben aufteilen bzw. Pause ermöglichen.

    Fragen mündlich beantworten oder Antworten als Audio aufnehmen lassen.

    Oder am Computer schreiben lassen, wenn Tippen schneller und konzentrierter geht als handschriftlich.

    Ich weiß nicht, ob das rechtlich bei möglich ist: Bei mehreren gleichen/ähnlichen Aufgabentypen jeweils eine streichen. Das Anforderungsprofil würde dadurch ja nicht geändert, nur der Umfang.

    Hier habe ich etwas zu Zürich gefunden:

    In Schulgemeinden, welche Kleinklassen anbieten, stehen diese Primar- und Sekundarschülerinnen und -schülern mit besonders hohem pädagogischem Förderbedarf in einzelnen oder mehreren schulisch relevanten Lebens- und Erfahrungsbereichen zur Verfügung. Zentral sind die Bereiche:
    > Allgemeines Lernen (z.B. Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Lern- und Problemlösestrategien)
    > Schreiben und Lesen (einschliesslich Spracherwerb und Begriffsbildung)
    > Mathematisches Lernen
    > Umgang mit Anforderungen (z.B. Motivation, Steuerung des eigenen Verhaltens, Umgang mit Gefühlen wie Freude und Frustration)
    > Umgang mit Menschen (Sozial- und Verhaltenskompetenz, Regelung von Nähe und Distanz)

    [...]

    ein wichtiges Ziel der Schulung und Förderung in einer Kleinklasse ist die Reintegration in eine Regelklasse. Schülerinnen und Schüler besuchen deshalb nach Absprache teilweise den Unterricht in einer Regelklasse.

    [...]

    Da Auffälligkeiten im Bereich Verhalten und Sozialkompetenz eine häufige Begründung für die Einweisung in eine Kleinklasse sind [...]

    Klingt für mich verglichen mit Deutschland nach SuS aus den Förderschwerpunkten L, E und S sowie mit Teilleistungsstörungen und allgemeinen Entwicklungs- und Lernrückständen.

    Für mich keine so große Überraschung, wie gesagt, dass sicher nicht alle, aber doch einige SuS aus diesem weiten Personenkreis auch ein Studium absolvieren können.

    Aber ich freue mich wie gesagt über Praxisberichte, was für SuS tatsächlich in diesen Kleinklassen sind und was es mit den Bezeichnungen der früheren Kleinklassentypen B, C und D (und A?) auf sich hat.

    Und bis dazu jemand etwas schreibt, nerve ich jetzt auch nicht mehr mit Off-topic-Beiträgen. :_o_)

    Wenn du so krass sozial-enotional wie die Schüler an unserer Zweigschule E bist, dann schaffst du nicht mal den Förderschullehrplan.

    An den E-Schulen wird hier i. d. R. der Lehrplan der allgemeinen Schule zugrunde gelegt, ggf. für einzelne SuS auch der L-Lehrplan. Ich kenne wie gesagt auch ehemalige E-SuS, die ein Studium absolviert haben. Wie "krass" die mal waren, weiß ich nicht. Aber prinzipiell sind E-Schulen wie auch S-Schulen ja auch als "Durchgangsschulen" konzipiert, von denen die SuS, wenn sie die Probleme (weitgehend) überwunden haben, wieder in den Regelbereich wechseln können und sollen.

    Wenn ich das richtig verstehe, folgen die früheren Kleinklassentypen B und D den Lernzielen der Regelklassen.

    Die heutigen "allgemeinen" Kleinklassen haben die früheren Kleinklassentypen B, C und D ersetzt.

    So ganz schlau werde ich aber noch nicht aus den Informationen, die man findet.

    Vielleicht ist es auch kantonal unterschiedlich?

    Das ist jetzt etwas, das mich tatsächlich interessiert. Kannst du hier weiterhelfen, Antimon ? Oder vielleicht andere in der Schweiz tätige Kolleginnen wie FrauZipp ?

    Ne schöne Anekdote: Eine Kollegin ist in der Kleinklasse (also Kind mit Förderbedarf) eingeschult worden und hat an der ETH studiert. Gibt's wirklich.

    Eine kurze Internet-Recherche ergibt, dass es in der deutschsprachigen Schweiz - sicherlich auch regional sehr unterschiedlich - früher die Kleinklassentypen A bis D gab. Ich habe allerdings auf die Schnelle nirgendwo Definitionen dafür gefunden. Kann man diese mit den Förderschwerpunkten vergleichen oder wofür standen die? Heute gibt es wohl nur noch übergreifende Kleinklassen?

    Wenn jedenfalls auch Kinder mit Förderbedarf emotional-soziale Entwicklung oder Förderbedarf Sprache diese Kleinklassen besuchen (und so liest es sich für mich), dann ist das keineswegs so überraschend, dass da auch Kinder dabei sind, die später auch ein Studium absolvieren können. Da kenne ich auch einige.

    In den weiterführenden Schulen steht meist mehrmals am Tag ein Lehrer - und auch Raumwechsel an. Denke, dass das für die Inklusion auch nicht besonders förderlich ist. In der Grundschule haben wir es da einfacher, weil wir doch in größerem Umfang Bezugspersonen sein können und die Kinder eine meist gleiche gut strukturierte Lernumgebung vorfinden.

    Zweifellos.

    Deshalb schrieb ich ja:

    1.

    Ich bin kein absoluter Befürworter von schulischer Inklusion, erst recht nicht unter den hierzulande meist gegebenen Rahmenbedingungen

    2.

    müssen Unterricht neu gedacht und neue Formen und Lösungen gefunden werden

    Alle, die bei den entsprechenden Tempo und der Komplexität des Stoffs nicht mitkommen, sind im falschen Bildungsgang.

    Es ging doch bei der Diskussion um SuS, die schon in einem anderen Bildungsgang sind, nämlich im G-Bildungsgang (oder L). Für diese ist natürlich nicht das Ziel, die allgemeine Hochschulreife zu erreichen.

    Ich habe es schon einmal geschrieben, aber möchte noch einmal darauf hinweisen: Ich bin kein absoluter Befürworter von schulischer Inklusion, erst recht nicht unter den hierzulande meist gegebenen Rahmenbedingungen, und arbeite auch bewusst selbst an einer Förderschule.

    Aber wenn wir nun die gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen haben, dass schulische Inklusion verpflichtend, erwünscht oder zumindest möglich ist, dann kann ich nicht nachvollziehen, warum gerade Gymnasien von dieser Aufgabe ausgenommen sein sollen. Auch an der Grundschule, der Realschule und der Hauptschule sind die angestrebten Schulabschlüsse für G-SuS nicht erreichbar, und auch hier müssen Unterricht neu gedacht und neue Formen und Lösungen gefunden werden. Warum soll das nicht ebenso am Gymnasium möglich sein?

    Die hier genannten Argumente klingen für mich eher wie Standesdünkel, verbunden mit dem ausschließlichen Fokus auf intellektuell-kognitive Lernziele - die allgemeinen Ziele des schulischen Erziehungs- und Bildungsauftrages, wie sie in den Schulgesetzen der Länder festgehalten sind, gelten für Gymnasien ebenso.

    kann ein Gymnasiallehrer etwas mit Schülern anfangen, die kognitiv nicht dazu in der Lage sind, den Unterrichtsstoff zu verstehen

    Dann muss er den "Unterrichtsstoff" ändern, anpassen oder anders aufbereiten, damit die SuS in der Lage sind, ihn zu verstehen. Das ist doch unsere Kernaufgabe als Lehrer?

    Das musst du doch auch bei SuS ohne Förderbedarf? Oder verstehen die alle alles sofort und du nutzt die gleichen Unterrichtsinhalte, -materialien und Vermittlungsmethoden für alle Klassen und SuS?

    Als Arzt ist es vollkommen ok, kein Interesse an der Onkologie zu haben und es für sich selbt abzulehnen, sich um onkologische Probleme zu kümmern. Das ist vollkommen normal. Ein Orthopäde wird sich nicht um deinen Lungenkrebs kümmern (ob können und/oder wollen spielt keine Rolle).

    Auch an Krebs erkrankte Menschen können orthopädische Probleme haben. Darum ging es doch: um die Ausdrucksweise, die Arbeit mit Menschen mit Behinderung sei eine "Zumutung". Nicht darum, das nicht zum Schwerpunkt seiner Arbeit machen zu wollen - damit hat doch niemand ein Problem.

    Ich will nicht auf einer Kinderkrebsstation arbeiten. Daraus folgern zu wollen, dass ich eine Aversion gegen Kinder mit Krebs hätte, ist so offenkundiger Unsinn, dass du die Übertragung auf deine Aussage hoffentlich als zulässig ansiehst.

    Das ist eine schräge Analogie.

    Zu "Ich will nicht auf einer Kinderkrebsstation arbeiten" würde passen: "Ich will nicht an einer Förderschule arbeiten."

    Mit diesen Aussagen hat wohl niemand ein Problem.

    Zu "Ich will nicht mit Menschen mit Behinderung arbeiten" würde analog passen: "Ich will nicht mit Menschen mit Krebs arbeiten."

    Und das ist eine ganze andere Aussage, die ich durchaus auch für problematisch halte.

    Edit: Sehe gerade, dass Quittengelee schon in eine ähnliche Richtung geantwortet und du darauf reagiert hast. Imho passt die neue Analogie aber ebenso wenig.

    Es ist eine Tatsache, dass 6 Semester für 3 Naturwissenschaften an der PH keine Grundlagen für fachlich irgendwie adäquaten Unterricht an egal welcher Schulform sind. EXAKT so läuft es bei uns auch.

    Entschuldige bitte, falls ich das verwechseln sollte, aber ich meine mich an eine Diskussion vor einigen Jahren (als Silicium hier im Forum aktiv war) zu erinnern, als es um die Notwendigkeit einer wissenschaftlich fundierten Ausbildung von Grundschullehrkräften ging.

    Damals meintest du meiner Erinnerung nach sinngemäß, die 6 Semester Ausbildung (und wimre sagtest du, das an den PHen in der Schweiz sei eher eine Ausbildung als ein akademisches Studium) für Grundschulleute wären voll ausreichend, mehr brauche es dafür nicht, es würde ja in der Schweiz gut so laufen.

    Jetzt sagst du, die 6 Semester reichten an der PH im aktuellen System reichten nicht, "egal an welcher Schulform".

    Wie passt das zusammen?

    Das liegt aber nicht an der Lehre an sich, sondern daran, dass man bei so viel Pädagogik, Fachdidaktik, Psychologie und den diversen Praktika (plus Sprecherziehung) in drei Fachwissenschaften schlichtweg nicht genügend Zeit hatte, um zumindest im Rahmen der laut Studienordnung vorgesehen Kurse auch noch fachwissenschaftlich ausreichend vertieft arbeiten zu können.

    In der neuen PO ist es ja wieder auf zwei Fächer (in gleichem Umfang, meine ich?) reduziert, bei 10 Semestern Regelstudienzeit. Bei Sek. 1 habe ich - im Gegensatz zu Sopäd. und geringfügig GS - wenig Einblicke in die aktuellen Entwicklungen an den PHen, aber damit sollte doch wieder eine fundiertere fachliche Ausbildung möglich und angestrebt sein?

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