Beiträge von Plattenspieler

    Wo schicke ich nun die Eltern am besten hin, um das austesten zu lassen?

    Das kommt darauf an, was genau du austesten lassen willst.
    Meine Meinung: Ihr macht eine umfassende förderdiagnostische Arbeit in der Schule; davon profitiert das Kind sicherlich mehr, als wenn es von einem Psychologen oder gar Mediziner oder wem auch immer pathologisiert wird. Oder was genau erhoffst du dir von der "Austestung"?


    Wenn ihr so ein Kind in der Klasse habt, welche Konsequenzen zieht ihr dann? Wie geht ihr mit dem Kind um? Bekommt es IMMER Extraaufgaben?

    Mit "so einem" Kind in der Klasse gehe ich um wie mit jedem anderen: Es bekommt dort spezielle Aufgaben, Differenzierungen und Anregungen, wo es sie benötigt, und wird entsprechend seinem Entwicklungsstand gefördert.


    Davon abgesehen finde es noch nicht so dramatisch, wenn ein Kind nach 1,5 Jahren Schule noch nicht perfekt lauttreu schreibt - oder wie darf ich mir seine Schreibungen vorstellen?
    Welchen Lesetest habt ihr denn gemacht und was ist dabei rausgekommen?

    Vllt. muss man auch die Perspektive ein bisschen ändern: Anstatt nur zu fragen, was die SuS an theoretischem und begrifflich abrufbarem Vorwissen haben, kann man auch an ihre konkret-handlungsbezogenen Erfahrungen mit den Unterrichtsthemen anknüpfen und diese beobachten; denn Sachunterrichtsthemen sind ja in der Regel so ausgewählt, dass sie relativ nahen Lebensbezug haben.

    Vielleicht komme nur ich kognitiv nicht mit, aber mir scheint, du wirfst einiges durcheinander und solltest dich erst einmal mit grundlegenden Begrifflichkeiten auseinandersetzen:

    - Was ist Inklusion? Welche (länderspezifischen) Konzepte zur schulischen Umsetzung werden momentan diskutiert?
    - Was ist sonderpädagogischer Förderbedarf? Wann kann er diagnostiziert werden und welche Konsequenzen hat die Zuerkennung?
    - Von welcher Form der Diagnostik sprichst du? Medizinische Diagnostik muss natürlich von Ärzten vorgenommen werden, schulische (Verhaltens-)Diagnostik ist selbstverständliche auch Aufgabe der Lehrkräfte.

    Generell erscheint mir manches etwas schwarz-weiß gedacht. Es gibt auch Schüler mit AD(H)S, die - auch ohne medikamentöse Behandlung - keine besonderen Schwierigkeiten im Unterricht haben/bereiten; andererseits gibt es auch viele Schüler, die ohne die offizielle Diagnose ADHS (die ja auch nicht unumstritten ist!) ähnliche Verhaltensweisen an den Tag legen.

    Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber in der Regel vereinfacht man Bücher und andere literarische Texte doch sowieso für den Einsatz in Unterricht/Therapie syntaktisch, aber auch lexikalisch, wenn etwas zu schwierig oder missverständlich erscheint. Deshalb hätte ich auch bei solchen Ersetzungen keinerlei Bedenken, wenn manche Ausdrücke heute anders gebraucht werden. Priorität hat meines Erachtens hier die Perspektive auf die Kinder und nicht auf den Originaltext.

    Das mit China und Mandala verstehe ich allerdings auch nicht so ganz.

    Allerdings musste ich zwar mal so ein "Gutachten" schreiben, allerdings ging es da um eine hypothetischen Fall, den jeder Lehramtsstudent mit gesundem Menschenverstand hätte bearbeiten können.

    Freu dich. Ich sitze gerade an meinem Gutachten und schreibe diesen über ein reales Kind, mit dem ich allerlei Aussprache-, Wortschatz- und sonstige Tests durchführen und nachher auswerten darf.


    Was ist denn deines Erachtens der Unterschied, über den du diskutieren möchtest?

    offtopic: Ich hab aus dem Studium noch im Kopf, dass Regelschullehrer nicht alle Diagnostikverfahren einsetzen dürfen. Ist das so? Wenn ja, kann mir da jemand eine Begründung zu nennen?

    Vielleicht weil sie dafür nicht ausgebildet sind ... ?

    Betrifft meines Wissens aber hauptsächlich IQ-Tests u.ä. Bei klassischen Schulleistungstests sehe ich jetzt weniger Probleme; da ist in der Regel im Manual ja auch eine kurze Einführung in die Testtheorie etc. dabei.

    Wenn du diese Aussage meinst:


    dann ist schlicht und ergreifend der Kompetenzerwerb des Erstlesens/Erstschreibens gemeint, welcher während des Anfangsunterrichts stattfindet.


    Auch das würde ich so nicht sehen. Das "Erstlesen" und "Erstschreiben" findet nur dann im Anfangsunterricht statt, wenn man die schriftsprachliche Entwicklung der Kinder im Elementarbereich negiert und als "Vorläuferfertigkeiten" klassifiziert. Auch diese Sicht finde ich sehr bezeichnend.

    Plattenspieler: Es ist hier vom Anfangsunterricht der Regelschule die Rede. Hierfür sind profunde Kenntnisse vonnöten, über welche i. d. R. nur Grundschulllehrer aufgrund ihrer speziellen Ausbildung verfügen.

    Na ja, ich habe in meinem Studium doch auch so einiges über den schriftsprachlichen Anfangsunterricht gehört ... durch meine gewählten Schwerpunkte denke ich sogar mehr als der durchschnittliche Grundschullehrer.

    Aber darum ging es mir auch gar nicht, sondern darum, dass im obigen Beitrag impliziert würde, der SSE beschränke sich auf diesen "Anfangsunterricht" ... das ist aber eine ziemlich enge Sichtweise ... mit weit reichenden Konsequenzen.

Werbung