Beiträge von Plattenspieler

    Ich spreche jetzt mal für die Grundschulen und da ist das schon gern gesehen bzw. in Ausschreibungstexten oft gewünscht oder sogar gefordert.
    In NRW gibt es Schulen, die Auffangklassen haben (in die die Kinder gehen, die kaum Deutsch sprechen). Dafür ist das DaF-Zertifikat schon sinnvoll und an meiner letzten Schule gab es zum Beispiel auch speziell Förderunterricht Deutsch für Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist und die einfach (noch) nicht so gut Deutsch sprechen.


    Na ja, dafür braucht man eher jemanden, der sich mit DaZ auskennt, als jemanden, der sich mit DaF auskennt. Das ist ja durchaus ein Unterschied.

    Zitat

    Wie Einer von den beiden hat nämlich nebenher auch noch einen so starken Aussprachefehler, dass die Arbeit mit der Anlauttabelle eigentlich nur mit Hilfe funktioniert.

    Was für eine Aussprachstörung konkret hat er denn? Er erhält diesbezüglich doch hoffentlich (schulisch) Förderung? Wie wird denn in dieser vorgegangen und zeigen sich da Fortschritte?


    Zitat

    Ein Kind hat einen Aussprachefehler? Klar- dann hört sie die Laute nicht raus.

    Diese Notwendigkeit ("klar") musst du mir erklären. Kinder mit rein phonetischer (Artikulations-)Störung haben meines Wissens und meiner Erfahrung nach in der Regel keine spezifischen Probleme im Schriftspracherwerb. Bei Kindern mit phonologischen Störungen muss genauer geschaut werden, welche Prozesse vorkommen und wie die rezeptive Ebene aussieht. Prinzipiell ist Schrift bei phonologischen Störungen sogar eine sehr gute Hilfe, die mündlichen Schwierigkeiten zu überwinden, wenn sie gezielt eingesetzt wird (vgl. meine obige Frage).

    Lieber Timm,

    bitte nimm nicht alles so persönlich. Und bitte geh im Gegenzug nicht mich persönlich an, indem du mir Naivität etc. unterstellst.

    Dass Noten (in unserem System) generell eine relativ subjektive Sache sind, ist keine Frage; hier gehe ich mit dir 100 % konform. Im Forum habe ich mich sogar mehrmals zu der Position bekannt, dass ich aus diesem Grund dafür wäre, Noten ganz abzuschaffen. Aber das ist ein anderes Thema.

    Weswegen ich so vehement widersprochen habe, ist, dass ich es haltlos und höchst gefährlich finde, wenn Lehrer derart abstreiten, dass in der Schule sozial benachteiligte Schüler systematisch weiter benachteiligt würden.

    Das dann nur auf eigene Erfahrungen oder Stammtischkausalitäten zu gründen widerspricht dann doch dem professionell-wissenschaftlichen Standard, nach dem Lehrer ausgebildet und gemäß dem sie in ihrer Berufsausübung auftreten sollten.
    Es ist aber die typische Herangehensweise, wie sie auch andere Forenteilnehmer öfter an den Tag legen: Die Pädagogik wird als unwissenschaftlich und ideologisch bezeichnet; wenn dann doch empirische Ergebnisse aus pädagogischen Forschungen vorliegen, so werden diese auch als nicht aussagekräftig dargestellt.

    Klar, ein kritischer Blick ist wichtig - keine Frage.

    Gerade deshalb ein paar Anmerkungen:
    Mit welcher Methodik und auf Basis welcher Quellenlage die (namhaften) Autoren vorgegangen sind, kann man über den Link relativ einfach herausbekommen.
    Des Weiteren kenne ich einige Studien, die sehr ähnliche Ergebnisse liefern und teilweise noch drastischere Schlussfolgerungen ziehen. Diesen Text habe ich herausgesucht, weil er einige Erkenntnisse, die meinem Wissensstand zufolge weitgehend Konsens sind, sehr schön auf den Punkt bringt.
    Im Gegenzug ist mir keine einzige Untersuchung bekannt, die das Gegenteil belegen würde: Dass Herkunft und sozialer Stand keinen oder nur geringen Einfluss auf unseren Bildungsweg haben, wie du es darzustellen versuchst. Kannst du mir hierfür eine Studie nennen?

    Aber klar, das ist alles nur von der GEW initiiert und den bösen Linksideologen forciert ... :rolleyes:

    Ich möchte nicht ewig offtopic schreiben (meinetwegen kann man die ganze Diskussion auch wieder auslagern), aber ich werde nicht aufhören, zu bestimmten Äußerungen Gegenpositionen einzubringen, denn die Diskussion, soziale Benachteiligung münde nicht in schulische Benachteiligung, wird auf dem Rücken der sozial benachteiligten Schüler ausgetragen und führt damit zu einer noch größeren Benachteiligung und Stigmatisierung dieser, wenn ihnen indirekt vorgehalten wird, ihre Herkunft sei "keine Ausrede" und aufs Gymnasium könne ja jeder ...


    "Das Gymnasium ist vor allem die Schulform für sozioökonomisch und soziokulturell priviligierte Schüler"

    Halte ich für ausgemachten Unfug mittlerweile. Das war mal so. Heute sieht es anders aus. Jeder kann, wenn er will.

    (...) Welche Lehrer nehmen denn das bei der Benotung unter die Lupe?


    Dein Kommentar zeugt in erster Linie von mangelnden Erfahrungen an anderen Schulformen.

    Natürlich benotet niemand absichtlich sozial schlechter gestellte Schüler schlechter.
    Gerade bei so heiklen Fragen wie der Bewertung anderer Menschen sollte man sich als professioneller Lehrer aber auch unbewusster Mechanismen bewusst sein:

    Quelle: http://www.aktionsrat-bildung.de/fileadmin/Doku…rat_Bildung.pdf , S. 51 f., Hervorhebungen von mir

    Zitat Plattenspieler :

    Nein ! 8)

    Wenn ich an meine eigene Gymnasialzeit denke, die so lange nicht zurückliegt, so muss ich sagen, dass ich dort viele Mitschüler hatte (und auch jetzt viele Kommilitonen habe), die ich definitiv nicht als "besonders lernwillig" oder "besonders leistungsfähig" bezeichnen würde. An Mitgymnasiasten aus der sozialen Unterschicht kann ich mich hingegen nicht erinnern.

    Ein anderes Bild zeigte sich mir in diversen Praktika an Grund-, Haupt- und Sonderschulen. Hier gibt es viele Kinder, die sehr gerne lernen wollen und zum Teil auch erstaunliche Leistungen zeigen. Gleichzeitig bekommen viele von ihnen wenige häusliche Unterstützung, haben geringe finanzielle Möglichkeiten und und sind schlichtweg nicht mit dem impliziten Verhaltenskodex des Bildungsbürgertums vertraut - sie haben einfach einen anderen Habitus.

    Diese Erfahrungen werden bestätigt von der empirischen Bildungsforschung, die bestätigt, dass es viele Überschneidungen in den schulischen Leistungen von Haupt-, Real- und Gymnasialschülern gibt und dass andererseits das deutsche Schulsystem vor allem sozial hoch selektiv ist.

    Der Zusammenhang zwischen Bildung und beruflichem Erfolg ist nicht mehr erkennbar in Deutschland. Wer in der Schule scheitert kommt immer noch ganz gut klar in diesem Land. Unser Sozialsystem läd viele ein sich nicht weiter anzustrengen. Denn man kommt ja auch so klar. Der Betreuer in den Familien ist nicht bezahlbar und bringt genauso wenig. Eine Not sich anzustrengen damit es die Familie bald besser hat fehlt! (Das ist das Tabuthema hier!) Kein Politiker traut sich das auszusprechen. Denn dann würde er nicht mehr gewählt. Wie will man von Kindern von Hartz4-Empfängern denen es zwar nicht gut geht aber gut genug erwarten, dass sie sich für die Schule anstrengen.

    Und wer nicht arbeitet, soll auch nichts essen ... :rolleyes: Gell, barmeliton?


    Allerdings frag ich mich: können Schüler in so einem vollgepackten Raum überhaupt noch irgendetwas wahrnehmen? Ich finde das eher kontraproduktiv....

    Das dachte ich auch sofort; so in Richtung "Reizüberflutung" ...

    Außerdem vermisse ich eine Bücherecke oder generell irgendeinen gemütlichen Teil mit einem Sofa o.ä. Ist das in England nicht üblich?

    Hallo, Tesafilm,

    im Rahmen welcher "Konzeption" bekommst du denn 4,25 h pro Schüler?
    Welches Schulamt (oder wer ist für die Stundenbemessung zuständig?) "gibt" euch denn so viele Stunden? (Hierauf kannst auch per PM antworten bzw. musst natürlich auch gar nicht antworten, wenn dir das zu persönlich ist und deine Anonymität zum Teil aufheben würde.)

    Ich frage nur, weil ich hier in BW in Praxis und Theorie nur eine Zumessung von 2 h pro S-Schüler mitbekommen habe und das auch aus anderen Bundesländern so kenne. Sprachbehinderte sind ja die scheinbar am leichtesten zu inkludierenden Schüler, "weil sie ja sowieso nach Grundschullehrplan unterrichtet werden" ... :rolleyes:

    Aber mit 13 h in einer Klasse bei 3 S-Schülern kann man schon etwas erreichen, denke ich. Blöd natürlich mit der Grundschulkollegin, aber vielleicht wird es ja doch noch eine andere oder vielleicht stellt es sich nachher, wenn die Sache angelaufen ist, doch als besser heraus, als es zunächst schien. Man muss schon auch die Regelschullehrer verstehen, für die das auch alles neu ist und die größtenteils gar keine richtige Vorstellung davon haben, um was für Schüler es sich da überhaupt handelt (sehr schön in diesem Thread nachzuvollziehen) und die auch deshalb gleich mal in eine Abwehrhaltung gehen.

    Viel Erfolg auf jeden Fall. Handelt es sich um eine neue erste Klasse? Kennst du denn die Schüler schon oder weißt schon etwas über die?

    Als einführende Überblickswerke kann ich persönlich Werning et al. [Anzeige] sowie Borchert [Anzeige] empfehlen. Aber da gibt es viele ähnlich aufgebaute Bücher und das sind nur meine persönlichen Präferenzen.

    Wenn es mehr didaktisch sein soll, ist vielleicht etwas fachrichtungsspezifisches geeigneter? Welcher Förderschwerpunkt/welche Förderschwerpunkte betreffen dich denn? Im Bereich Lernen ist Heimlich/Wember [Anzeige] ein tolles Unterrichtshandbuch, das theoretische Konzeptionen darlegt, aber auch sehr praktisch orientiert auf alle relevanten Unterrichtsfächer und Lernbereiche eingeht. Hier habe ich das Inhaltsverzeichnis online gefunden (bin mir nicht sicher, ob das die aktuelle Auflage ist, aber viel hat sich auf keinen Fall geändert).

    Warum ist der Thread im Subforum "Primarstufe"?
    Es geht um die Elementarstufe und es schreiben (bislang) nur Lehrkräfte der Sekundarstufe ... Warum gibt es hier eigentlich keinen eigenen Bereich zur Elementarstufe?

    Und, um auch noch was thematisch sagen zu können: Ich bin ja ein Freund vorurteilsbewusster Erziehung (die umfasst aber ja auch deutlich mehr als den "Gender"-Aspekt), aber klar: Das aus dem Artikel ist lächerlich. Mir tun die Kinder leid.
    Einer der wenigen Threads, in denen ich Silicium größtenteils zustimmen kann.

    Edit: Im Grunde ist vorurteilsbewusste Erziehung ja etwas ganz anderes, denn die macht auf Unterschiede aufmerksam. Hier werden Unterschiede "neutralisiert".

    Ich möchte katta zustimmen und ein weiteres Mal auf folgende Studie über das Prestige verschiedener Berufe verweisen: http://www.ifd-allensbach.de/uploads/tx_rep…cs/prd_1102.pdf , wo der Lehrer auf Platz 3 vor Berufen wie Ingenieur, Professor, Rechtsanwalt etc. gelandet ist.
    Auch wenn man das Vorgehen methodisch kritisieren kann, so trifft das Argument Siliciums, die Leute würden einem die Missachtung nur nicht direkt ins Gesicht sagen, hier wohl nicht zu.

    Auch ich habe in den wenigen Elterngesprächen (Elternabende und Einzelgespräche), denen ich bislang beigewohnt habe, eher die Erfahrung gemacht, dass es schwierig ist, pädagogisch-didaktische Aspekte sprachlich so vereinfachen, dass sie nachvollzogen werden können - und da waren durchaus auch Akademiker-Eltern dabei, die sich mitunter über die Entwicklungsbeeinträchtigungen ihres Kindes schon merklich eingelesen hatten.

    Auch für Studentenpartys oder Gespräche mit anderen Studenten kann ich Siliciums Erfahrungen nicht bestätigen - das mag in einer PH-Stadt mit vielen Lehrämtlern aber auch prinzipiell anders sein.

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