Beiträge von Plattenspieler

    Wobei die Frage nach dem Ansehen des Lehrerberufs zu einem nicht unbeträchtlichen Anteil auch von der Schulform abhängt. Gibt ja genug Studien, wonach Grundschullehrer ein recht hohes Ansehen in der Bevölkerung genießen, wohingegen das Prestige von Gymnasiallehrern tatsächlich stetig sinkt.
    Und wenn ich mir die Beiträge von (angehenden) Gymnasiallehrern hier im Forum und die Praktiken und Meinungen, die an Gymnasien immer noch vorherrschend sind, anschaue, wundert mich das ehrlich gesagt auch nicht besonders ...

    Sie behandeln wohl in der allgemeinen Sonderpädagogik alles.

    Wobei Allgemeine Sonderpädagogik/Sonderpädagogische Grundlagen/... bei uns und auch so, wie ich es von Studenten anderer Bundesländer mitbekomme, eher einen Sammelbegriff für historische, soziologische und wissenschaftstheoretische Perspektiven darstellt, die fachrichtungsübergreifend vermittelt werden. Zweifelsohne gibt es dort sehr interessante Angebote, aber die konkreten diagnostisch-didaktischen Kompetenzen bleiben weitgehend den Fachrichtungen (und natürlich den Fachdidaktiken, aber da studieren wir ja in der Regel dasselbe wie die Regelschullehrer) vorbehalten. Das ist meines Erachtens auch sinnvoll, weil methodische Grundlagen in - je nach Zählung - 7 bis 10 Förderschwerpunkten nicht wirklich zu einer Expertise in diesen Gebieten beitragen können, sondern vielmehr zu einem unvernetzten Wissen zu vereinzelten Aspekten ohne Grundlagenwissen.

    Gleichzeitig besteht (nicht nur, aber auch wegen der Inklusion) bundesweit der Trend, den Lehr- und Prüfungsumfang der Fachrichtungen zurückzuschrauben zugunsten einer solchen (diffusen?) "Allgemeinen Sonderpädagogik". Ich sehe das nicht unkritisch, weil es meines Erachtens etwas zu unserer Deprofessionalisierung beiträgt. Andererseits muss man sich natürlich auch fragen, wie man als Spezialisist in ein bis drei Fachrichtungen damit umgehen soll, wenn man Kinder ganz anderer Förderschwerpunkte in inklusiven Kontexten unterstützen soll.

    Zitat:
    So haben sich die Rahmenbedingungen verändert. Auch die Schülerschaft verändert sich zunehmend; zur Zeit habe ich eine 5. Klasse mit 85% Migrationshintergrund, darunter 3x ADHS, 2x LRS, 1x drogenabhängige Eltern ...

    Wunderschön plakativ geschrieben - aber passiert hier im Forum ja auch teilweise in ähnlicher Form. Vermeintliche psychische Krankheitsbilder beeindrucken halt. Spiegelt leider auch eine sehr interessante Sicht auf Schüler mit Migrationshintergrund wider ... Und warum sollte ein Kind nicht auf die Realschule dürfen, weil die Eltern drogenabhängig sind?!

    Zum Glück waren weder Migrationshintergrund noch ADHS noch LRS noch drogenabhängige Eltern jemals ein hinreichender Grund für sonderpädagogischen Förderbedarf.

    Deshalb - zumindest in der Primarstufe und der Sek. 1 - eine differenzierte und rein verbale Beurteilung: Was kann das Kind schon? Was muss das Kind noch lernen?

    Dass für zentrale Abschlussprüfungen eine andere Lösung her muss und man hier auf Noten zurückgreift, ist klar.
    Aber auch für Abschlusszeugnisse halte ich eine (zusätzliche) verbale Beurteilung für sinnvoll. Davon, wenn realistisch Stärken und Defizite in kurzer, präziser Form dargestellt sind, hat doch ein potentieller Arbeitgeber viel mehr, als wenn da eine von sechs möglichen Ziffern steht und der Jugendliche nachher doch keinen Fachtext verstehen und keinen Dreisatz rechnen kann.

    Und, Elternschreck, das stimmt natürlich, dass viele Eltern da protestieren würden. De facto ist die Willkür bei Klausuren (Tagesform in Abhängigkeit von psychischen und physischen Umständen, "Bulimielernen", Auswendiglernen ohne Verständnis, ungenaue Aufgabenstellungen, Fehler bei der Bewertung etc. - und so etwas passiert auch professionellen und erfahrenen Lehrern) aber viel größer. Und das muss man den Eltern einfach klar machen; schließlich sind wir doch die Experten für Lehren und Lernen, oder? 8)

    Über vieles kann man ja diskutieren, aber dass einzelne Klassenarbeiten (über deren fehlende Objektivität, Reliabilität und Validität schon genug geschrieben worden ist) das Leistungsbild eines Schülers objektiver und realistischer widerspiegeln sollen als eine kontinuierliche Unterrichtsbeobachtung, bei der der Lehrer auch Einsicht in die Vorgehensweise und nicht nur die Ergebnisse des Schülers erhält, halte ich dann doch für lächerlich.

    Moment, wieso reden wir jetzt von Schwerpunkten? Werden die Schüler also doch aufgeteilt und verschiedenen Schwerpunkten zugeordnet?
    Ich dachte, die sollen alle gleichzeitig in einer Klasse unterrichtet werden.

    Wie siehst Du das eigentlich, wenn ein einzelner Lehrer sagen wir im Physikunterricht gleichzeitig einen Förderschüler und einen "Profilkursler" unterrichten können soll, müsste dieser Lehrer nicht Sonderpädagogik UND gleichzeitig Physik als Fach studiert haben um beiden allein von seiner Qualifikation genauso gerecht werden zu können, als würde man die Schüler trennen und den entsprechenden Experten zuführen?

    Warum sollte immer nur ein Lehrer in einer Klasse sein können? Teamteaching, Kooperation, Zusammenarbeit etc. - dann ist Binnendifferenzierung und Individualisierung auch nicht zwangsläufig mehr Arbeit, wie hier mehrfach geschrieben wurde. Es ist nur ein anderes Arbeiten. Aber mittelfristig ist es für Lehrer sogar entlastend, wenn sie sich nicht mehr vorne zum Hampelmann machen müssen, sondern auf einzelne Schüler(gruppen) gezielt eingehen können. Aufwändig zu korrigierende Klausuren entfallen so auch, weil man bei gezielten, kontinuierlichen Beobachtungen, für die dann Zeit ist, sowieso einen viel intensiveren Einblick in die Lernentwicklung der Schüler erhält.

    Silicium,

    du hast - das merkt man auch in dem anderen Thread über die Disziplin - noch viel zu sehr das klassische Bild von "Unterricht" in dir. Einer steht vorne , erzählt/zeigt/fragt etwas und alle anderen müssen es kapieren. Dass so inklusiver Unterricht nicht funktionieren kann, wurde doch schon mehrfach erwähnt. Deshalb zielen auch viele deiner Argumente ins Leere: Natürlich zeige ich nicht allen Schülern den gleichen Versuch und erwarte die gleichen Erkenntnisse von allen.
    Aber das habe ich oben damit gemeint, man gehe implizit ivon einer Homogenität aus: In deinem Profilkurs Physik würdest du so vorgehen und dabei übersehen, dass du damit auch dort die Hälfte der Schüler unter- oder überforderst.

    Und klar, am Gymnasium kann man die Schüler einfach abschieben, die Leistungsschwierigkeiten haben. Warum auch das eigene pädagogisch-didaktische Vorgehen überdenken, warum schauen, in welchen persönlichen Problemlagen der Schüler sich befindet, wenn es doch Schulen für Dümmere gibt ... :(

    Und eben das wäre an einer Schule für alle anders, wo Schüler nicht mehr nach unten durchgereicht werden können (von den psychischen Folgen einer solchen, oft mehrmaligen Herabstufung und der Gewöhnung an ein neues Umfeld möchte ich ja gar nicht erst anfangen ...), anders. Hier müsste man sich damit beschäftigen, warum der Schüler Schwierigkeiten hat und ihm helfen, wenn man ihn nicht untergehen sehen will.

    In dem Zusammenhang finde ich auch etwas unfair, wie du dich beschwerst, wenn jemand negativ konnotiert über diese Vereinigung Hamburger Eltern schreibt, du aber gleichzeitig so tendenziöse Begriffe wie "Einheitsschule" verwendest.
    Wie ich und andere schon mehrfach zu erklären versucht haben, betont eine Schule für alle ja vielmehr die Individualität der Schüler.

    Und noch zu deinem zweiten Posting. Körperhygiene bei Geistigbehinderten gehört eher weniger zu meinen Schwerpunkten, wie du den Angaben in meinem Profil entnehmen kannst. Da würde ich es mir eher zutrauen, mein studiertes Hauptfach auch in Abiturkursen zu unterrichten. Hätte ich keine Probleme damit, wenn man mich ließe.
    Aber klar, auch an einer inklusiven Schule braucht man spezialisierte Lehrkräfte sowohl für einzelne Fachwissenschaften und -didaktiken als auch für sonderpädagogische Förderschwerpunkte. Wäre ich doch der letzte, der das bestritte. Und ich habe auch schon mehrfach gesagt, dass ich die personelle und finanzielle Umsetzung der "Inklusion" auch nicht unkritisch sehe (wobei das sich ja auch je nach Bundesland stark unterscheidet).

    Aber die Grundidee einer Schule für alle halte ich nun einmal für gut. Kannst du wirklich keines der hier geäußerten Argumente nachvollziehen?
    Dabei reden wir hier ja noch nicht einmal von einer größtmöglichen Heterogenität - es gibt auch Schulen, die erfolgreich jahrgangsübergreifend Klasse 1 bis 10 unterrichten.

    man bräuchte die Schüler gar nicht mehr auf die Schularten aufzuteilen und könnte munter bis zum Abitur alle bunt gemischt unterrichten ein einer allumfassenden Gesamtschule


    Du hast es erfasst! :)

    Das ist das Ziel.

    Homogenität gibt es sowieso an keiner Schulform. Trotzdem wird so unterrichtet, als gäbe es diese, weswegen viele Schüler scheitern (an jeder Schulform).

    Eine ganz bewusste angestrebte Heterogenität hilft deshalb, den Blick für die einzelnen Schüler mitsamt seinen Stärken und Schwächen zu schärfen. Heterogenität hilft allen Schülern in ihrer Entwicklung, und letztendlich auch den Lehrern, wenn sie sich darauf einlassen.

    Es ist absolut legal und erlaubt, wenn sich eine Mutter für die Abtreibung eines Kindes (...) entscheidet.

    Das ist nicht absolut legal und erlaubt, sondern das ist eine Straftat! Diese Straftat bleibt unter bestimmten Bedingungen straffrei, bleibt aber dennoch rechtswidrig.


    Das tun viele Mütter und das ist eine nachvollziehbare Entscheidung. Genauso in Ordnung, würde sich die Mutter für das Kind entscheiden.
    Ich finde Deine Beiträge eine ziemliche Frechheit.

    Das tun leider viele Mütter; deshalb muss man es nicht gutheißen.

    Bei deiner Formulierung kommt ja noch hinzu, dass du implizit schreibst, dass die Geburt eines Kindes mit Behinderung nur aus Versehen passieren könne, wenn man es nicht rechtzeitig merke ... und das finde ich eine Frechheit!

    Darum ging es mir in der Bemerkung ja aber gar nicht primär, sondern um deine Argumentation, die "Schwachen" müssten in der Gesellschaft Platz machen für die Entfaltung und Entwicklung der "Elite".


    Strenge Erziehung bedeutet auch nicht, dass ein Kind keinen Freiraum mehr hat.

    Genau deshalb habe ich dir empfohlen, hier Fachtermini zu verwenden und nicht umgangssprachliche Formulierungen, die verschiedene Assoziationen hervorrufen können.


    ]Das ist Augenwischerei. Nur, weil man nicht mehr genau hinschaut verschwinden die Unterschiede nicht.

    Natürlich verschwinden Unterschiede nicht, im Gegenteil: Sie werden noch viel deutlicher wahrgenommen. Jedes Kind wird mit seinen Stärken und Schwächen wahrgenommen. Dadurch benötigt es Schubladen wie "behindert", "SPF" etc. nicht mehr.
    Aber klar, dass das in deine Schemata "Problemschüler" und "Intelligente" nicht hineinpasst.
    In deiner Argumentation verschwinden die Unterschiede zwischen Schülern, was sich schon daran zeigt, dass du an Sonderschülern nur Geistigbehinderte und schwer Verhaltensgestörte zu kennen scheinst, und immer wieder mit diesen Extrembeispielen argumentierst.

    Kannst Du vielleicht mal detaillierter Stellung nehmen?


    Wie du die "Intelligenten" in einem Schwarz-Weiß-Denken den "Problemschülern" gegenüberstellst, vor allem mit dieser Terminologie und mit diesen Konsequenzen...

    Dazu passt ja auch, dass und vor allem wie du andeutest, dass du die Abtreibung eines Kindes mit genetischer Störung befürworten würdest.

    Und natürlich sehr amüsant, wie du denkst, dass eine "strenge" Erziehung (wenn man als angehender Lehrer kein neutraleres Vokabular zur Beschreibung von Erziehungsstilen zur Verfügung hat, finde ich das auch bedenklich) Verhaltensstörungen verhindern könne. Dass eine Erziehung, die Kindern mehr Freiraum lässt, sich deutlich positiver auf die kognitive Entwicklung auswirkt, ist dir bekannt?

    Was Inklusion - in Abgrenzung zur Integration - eigentlich meint, hast du auch immer noch nicht verstanden. In einem inklusiven Konzept gibt es keine "Inklusionsschüler", weil Verschiedenheit von vorne herein erwartet wird und niemand deswegen klassifiziert werden muss.

    Der aber dabei war und seine Schlussfolgerungen gezogen hat. Ich möchte ihm erst einmal nicht die fehlende Professionalität unterstellen, dass er die Situation falsch einschätzt, nur weil sein Ergebnis nicht in meine Sicht der Dinge passen mag.

    Aha, hier zählt auf einmal ein subjektiver Eindruck aus einem Einzelfall, der in einem teilweise populistischen Artikel dargestellt wird, mehr als empirische wissenschaftliche Studien? Immer so, wie es gerade mit dem eigenen Weltbild übereinstimmt ... :rolleyes:


    "Dopp (...) ruft Eltern an, macht Hausbesuche, liest Fachbücher zum inklusiven Unterricht."

    Blöde Frage, ich studiere ja auch noch, aber gehören die Zusammenarbeit mit Eltern sowie die Lektüre von Fachliteratur nicht immer zum Berufsbild des Lehrers?



    "Frank Dopp musste den Eltern seiner Klasse vor Kurzem beichten, dass er von acht Lektionen im Englischbuch in diesem Schuljahr nur zwei schaffen würde."

    Hierzu hatte ich ja schon geschrieben, dass ich einen gleichschritten, schulbuchorientierten Unterricht nach "Lektionen" generell nicht mehr als zeitgemäß erachte und ich überrascht bin, dass das im Regelschulbereich immer noch Usus zu sein scheint. Individualisierung ist nicht spezifisch sonderpädagogisch, sondern Grundlage eines jeden guten Unterrichts.

    Hallo, Silicium,

    antwortest du eigentlich aus Prinzip nicht mehr auf meine Beiträge? Das fände ich schade. :(



    Das ist auch gar nicht die Aufgabe eines Lehrers und übersteigt dessen
    Kompetenzen. Für diese Diagnostik (ob ein Kind von einer
    Intelligenzminderung betroffen ist oder nicht) gibt es ausgebildete
    Experten (Psychologen, Mediziner).

    Dann frage ich mich, warum ich mich in meinem Studium intensiv in Theorie und Praxis mit der Konzeption, Durchführung und Auswertung von IQ-Tests beschäftigen muss ... Vielleicht kannst du mir das erklären?

    Darüber hinaus habe ich ja schon darzustellen versucht, dass für den Schulerfolg der "IQ" eine nachgeordnete Rolle spielt. Es gibt Kinder mit deutlich unterdurchschnittlichen Werten, die schulisch trotzdem keine Schwierigkeiten haben, und Kinder mit durchschnittlichem oder überdurchschnittlichem IQ, die verschiedene erhebliche Probleme im Lernen aufweisen. Deshalb bedarf es hier einer qualitativen (sonder)pädagogischen Diagnostik und für die sind eben gerade Sonderschullehrer ausgebildet und nicht Mediziner oder Psychologen.

    Irgendwelche Grenzen müssen ja festgelegt werden. Und ob ein Kind mit 67 intellektuell "völlig normal" ist, wie Du schreibst, sei mal dahingestellt. Der Intellekt ist auf jeden Fall nah an der geistigen Behinderung, wenn die Grenze bei 65 liegt.
    Normal würde ich eher den Bereich, der als Durchschnitt gilt, bezeichnen: 85 bis 114
    Edit: Ich hatte recht, anscheinend spricht man in verschiedenen Abstufungen von Borderline-Intelligenz bis zu verschieden schweren Formen der Intelligenzminderung.


    Oh, wir bewegen uns wieder einmal in medizinischen Gefilden.

    Also im Sinne der Gaußschen Normalverteilung ist es durchaus normal, dass es, so wie es einen gewissen Prozentsatz Hochbegabte gibt, auch einen gewissen Prozentsatz Lern-/Geistigbehinderte gibt, oder?
    Und die Hochbegabten pathologisiert man doch in der Regel auch nicht; warum sollte man es mit den weniger Begabten tun?

    Natürlich ganz abgesehen davon, dass Intelligenz und IQ-Werte ein Konstrukt sind, das nicht ohne Grund deutlich in der Kritik steht.

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