Hallo zusammen,
nun muss ich aber mal die Direkteinsteiger verteidigen.
Ich habe bei einigen Direkteinsteigern erlebt, dass sie aus dem Schuldienst gefeuert wurden. Während der Probezeit war man nämlich nur vom Schulleiter abhängig. Selbst Kollegen, die von Fachberatern mit guten Noten versehen wurden, aber die Stelle eines Neffen des Schulleiters besetzten, mussten relativ unbegründet gehen.
Bei den Refs an unserer Schule habe ich es teilweise so erlebt, dass diese keine Lernbereitschaft zeigten, quasi beratungsresistent waren, schlecht Lehrproben hingelegt haben und am Ende hat sich, auch nach einer Ref-Verlängerung, niemand getraut, ihnen zu sagen, dass sie keine Lehrer sind.
Man kann ihnen doch nicht den weiteren Lebensweg verbauen - so die Meinung der Seminarleitung.
Ich habe in Ba-Wü teilweise den Eindruck, dass man z.B. an der Uni Stuttgart nur Technikpädagogik studieren muss, dann ins Ref geht und eigentlich fast nichts mehr schiefgehen kann. Selbst bei schlechten, katastrophalem Unterricht bekommt man irgendwie, wenn auch mit schlechten Noten, sein 2. Staatsexamen. Den Schulen bleibt dann nur noch zu kämpfen, dass der Refi nicht an der Schule bleiben darf.
Direkteinsteiger in Ba-Wü sind keine Lehrer, die sich einen faulen Lenz machen möchten. Sie haben meist jahrelang in wichtigen Positionen in der Industrie gearbeitet und vielleicht, so wie ich, schon lange zuvor mit dem Gedanken des Lehrerberufs gespielt.
Sie haben gesehen, wie's im realen Berufsleben aussieht, können etwas "wegschaffen", da sie ingenieurmäßiges Denken und Arbeiten gelernt haben und auch nicht Punkt 12 Uhr 5 das Schulgebäude verlassen.
Warum sollen es Direkteinsteiger einfacher haben? Wir haben genau die gleiche Ausbildung, die gleiche Zahl an begleitetem Unterricht und Hospitationen. Nur, dass wir eben noch ein paar Stunden "nebenher" unterrichten müssen und hierfür bezahlt werden.
Wenn ich sehe, was für Pappnasen, sorry, nach 2 Jahren Minimal-Ref in den Schuldienst im höheren Dienst mit A13 übernommen werden, wird mir schlecht.
Im Nachhinein betrachtet hätte ich es mit dem Ref einfacher gehabt, müsste heute als FH-ler vielleicht keinen Aufstiegslehrgang machen, um in Ba-Wü in den höheren Dienst zu kommen.
Es gibt bei Refis solche, die sich wahnsinnig reinhängen und solche, die den Lehrerjob nur machen, um viele Ferien zu haben.
Bei den Direkteinsteigern gibt es diese Personen auch.
Aber ein Direkteinsteiger hat meist die Möglichkeit wieder zurück zu gehen, wenn er weiß, dass es nicht hinhaut. Ein Refi steht in einer Sackgasse und zieht den Job durch, ob er glücklich ist oder nicht.
Und dass ein Direkteinsteiger mehr verdient, hängt nicht nur damit zusammen, dass er eben eigenen Unterricht hält, sondern auch damit, dass man gute Leute in den Lehrerberuf locken will.
Die Pfeifen bekommt man nämlich auch für weniger Geld.
Sorry, aber das musste jetzt echt einmal gesagt werden.
Es wäre schön, wenn sich hier vielleicht auch mal ein Schulleiter einer beruflichen Schule zu Wort melden würde. Die hätten nämlich lieber Direkteinsteiger.
Gruß
Super-Lion