Weblogs - pädagogische Nutzung

  • Hallo!


    Im Off-Topic (siehe hier) hatten wir ja schon mal das Thema blogging - das allerdings überwiegend als Webmysterium ("Hab ich ja noch nie gehört?!") und Modephänomen ("Ist grad in Mode, braucht kein Mensch...") eingeschätzt wurde.


    In der Diskussion um eLearning - also alle Formen des Lehrens und Lernens unter Zuhilfenahme interaktiver Medien - erfreuen sich die Weblogs aber zunehmend großer Beliebtheit (ich hatte schon in dem alten thread ein paar Hinweise gepostet).


    In diesem englischsprachigen Artikel diskutieren Weblogger über die Nutzung dieses Mediums in den Bereichen Bildung, Journalismus und Politik.

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  • Hi,
    ich stehe dem Ganzen zwiegespalten gegenüber. Einerseits bieten sich interessante Perspektiven - ein Weblog plane ich bespielsweise in meinem ersten LK, wenn er denn kommen sollte, als "roten Faden" in Form von Protokollen o. ä. zu betreiben. - Zum anderen habe ich eine eigene HP für meine SuS, doch dieses Angebot wird nur wenig genutzt, und wenn, dann eher in Panikanfällen unmittelbar vor einer Klausur oder Klassenarbeit. Kaum jemand arbeitet langfristig damit, statt wikipedia wird gegoogelt... Insofern ist es auch viel Mühe mit wenig Effekt.
    Interessant wird es erst, wenn man verbindlich Hausaufgaben im Netz geben kann (in einer Lerngruppe bei mir möglich, da alle angeschlossen sind). Als ich das in die Tat umsetzte, verwunderte mich die Reaktion - die Schüler fanden es blöd, wollten "lieber 'ne Kopie!". Im Nachhinein fanden sie es dann doch sinnvoll...
    Grüße,
    JJ

  • Zitat

    Interessant wird es erst, wenn man verbindlich Hausaufgaben im Netz geben kann (in einer Lerngruppe bei mir möglich, da alle angeschlossen sind).


    Das ist das Problem, das ich auch sehe. Alle müssen sozusagen 'online' sein. Allerdings ist der Information Gap (noch'n Anglizismus für dich ollen Lateiner, Justus ;)
    ) wohl eines der kommenden gesamtgesellschaftlichen Probleme.


    Das heißt dann, für mich, aber auch: Es gehört in die Schule, die Schüler haben quasi ein Recht, daran zu partizipieren.

  • ...das Problem des Zugangs ist aber das geringere! In unserer Gesellschaft, zumindest in der gymnasialen Klientel, wird es sich weitestgehend von selbst erledigen (vgl.: Wer hat heute kein Telefon, kein TV?).
    Doch ein Weblog oder Foren leben ja davon, dass ich die SuS interessieren, dass sie sozusagen über die Pflicht hinaus auch noch motiviert sind, die "Kür" zu gestalten... und da sehe ich das größere Problem. Schule bleibt aus deren Sicht eben Schule, und viele werden erst dann ein Forum besuchen, wenn ich entweder kontrolliere oder aber sie dort HA kopieren können oder ähnliches. Höchstens projektartig, das könnte ich mir vorstellen, könnte über einen beschränkten Zeitraum Interesse und Motivation so hoch gehalten werden, dass sich nennenswerte Ergebnisse einstellen.
    Grüße,
    JJ

  • Zitat

    Doch ein Weblog oder Foren leben ja davon, dass ich die SuS interessieren, dass sie sozusagen über die Pflicht hinaus auch noch motiviert sind, die "Kür" zu gestalten... und da sehe ich das größere Problem. Schule bleibt aus deren Sicht eben Schule, und viele werden erst dann ein Forum besuchen, wenn ich entweder kontrolliere oder aber sie dort HA kopieren können oder ähnliches.


    Ja, das mit der Motivation ist ein Problem, aber wenn die Zugangsfrage gelöst ist, dann hätte ich erst mal keine Skrupel das auch via Kontrolle/Benotung einzubeziehen - z.B. Weblogeinträge wie mündliche Beteiligung im Unterricht zu behandeln. Der Vorteil eines solchen Forensystems ist ja, daß es den 45-Minuten-Rhythmus aufbricht, d. h. wenn einem um zwei Uhr morgens was Intelligentes einfällt, dann kann man es sofort 'loswerden' und in die Klassendiskussion einbringen.


    Klar, da hast du recht, erst mal müßte sich sowas wie eine 'Forenkultur' etablieren, und das wird nicht ohne Zwang von oben abgehen: den Zwang es zu lesen, den Zwang Beiträge zu schreiben etc. Aber gerade auf LK-Niveau kann ich mir vorstellen, daß da doch sowas wie ein Funken intrinsischer Motivation da sein könnte, der einen dann dazu treibt, auch nach dem Gong noch über die Unterrichtsthemen nachzudenken.


    Ich lese aus deinen Äußerungen ein bißchen heraus, daß die Weblog-Idee in dem Moment pervertiert ist, in dem sie mit Zwang umgesetzt wird und nicht als freies Projekt. Ich bin mir darüber selbst noch nicht ganz im klaren. - Aber ohne Kontrolle wird's nicht abgehen, aber das gilt doch für die meisten Bereiche (freilich verbunden mit der Hoffnung, daß diese Kontrolle sich längerfristig verflüchtigt).

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  • Mein Deutsch-Leistungskurs führt seit Anfang des Schuljahres ein Blog; ich habe immerhin genug Erfahrungen gesammelt, um es beim nächsten Mal besser zu machen.


    Am Anfang ward as Interesse groß: Das wichtigste Element dabei war, dass die Schüler die Beiträge der Mitschüler jeweils kommentieren konnten. Da wurde gescherzt, gelobt, ein bisschen geschäkert. Der Aspekt ist im Lauf des Schuljahres, als sich alle ausreichend kannten, verschwunden.


    Ein weitere Punkt war meine schwammige Zielsetzung. Ich wusste selber nicht, was ich am liebsten gehabt hätte. Traditionell sind viele Blogs ja entweder Tagebücher oder Sammlungen von interessanten Kleinigkeiten aus dem WWW oder de Buchhandel. Andererseits kann ein Kurs-Blog auch ein Unterrichtsprotokoll sein. Oder eine Sammlung von Materialien zum Unterricht.
    Am besten funktionierten tatsächlich die Protokolle: Sie waren den Schülern am liebsten, und die Ergebnisse waren am interessantesten. Der Stil war allerdings der furchtbar deutschunterrichtliche Bericht- und Protokollstil.


    Ich habe dann versucht, sie zu kommentierenderen Textsorten zu bringen - kein großes Interesse. Allerdings lernen die Schüler das im Deutschunterricht auch nicht: Sie können weder Tagebuch schreiben, noch in irgendeiner Form journalistisch schreiben. Dazu rechne ich Kino-, Theater-, Buchkritiken, Glossen, Schilderungen. Sie sind auch nicht gewohnt, für (echte) Leser zu schreiben.


    Die Schüler unserer Kollegstufe haben ein eigenes Forum, ähnlich wie dieses; in die interessantesten Bereiche kommt man als Lehrer allerdings nicht rein. 10 Schüler zeichnen für 60% aller Beiträge, mehr oder weniger aktiv im Forum sind vielleicht die Hälfte aller Schüler, also 35. Auch hier ist inzwischen nur mehr wenig los. Das Forum ist von Schülern organisiert und verwaltet und moderiert; das funktioniert gut. (Der Vorgängerjahrgang hatte ein unmoderiertes Forum mit der Möglichkeit anonymer Einträge. Fragt nicht.)


    Für das nächste Schuljahr plane ich für die Mittelstufe eine Art Online-Zeitung mit Blog-Software. Zeitungslayout, vorgegebene Zeitungstextsorten, Benotung der Pflichtbeiträge. Das ist kein Blog, aber vielleicht eine Vorstufe.


    Ein anderer Ansatz ist die Wikipedie, da habe ich mich noch zu wenig mit beschäftigt.

    Bitte, erkläre es mir nicht noch einmal. Ich glaube, ich verstehe sehr gut, was du meinst, ich teile nur deine Meinung nicht (halte sie vielleicht sogar für falsch, oder verwerflich). Das liegt nicht daran, dass ich dich nicht verstehe. Es scheint etwas anderes zu sein, was mich inkompatibel zu deiner Ansicht macht. Fern ist es von mir, irgendwem Schuld zuweisen zu wollen - so oder so, es liegt nicht am Missverstehen, wirklich nicht.

  • Zitat

    Am besten funktionierten tatsächlich die Protokolle: Sie waren den Schülern am liebsten, und die Ergebnisse waren am interessantesten. Der Stil war allerdings der furchtbar deutschunterrichtliche Bericht- und Protokollstil.


    Ich habe dann versucht, sie zu kommentierenderen Textsorten zu bringen - kein großes Interesse. Allerdings lernen die Schüler das im Deutschunterricht auch nicht: Sie können weder Tagebuch schreiben, noch in irgendeiner Form journalistisch schreiben. Dazu rechne ich Kino-, Theater-, Buchkritiken, Glossen, Schilderungen. Sie sind auch nicht gewohnt, für (echte) Leser zu schreiben.


    Das mit den Textsorten fände ich interessant, so ein blog wäre ja ein gutes Forum für den produktorientierten Umgang mit Texten.



    Zitat

    Die Schüler unserer Kollegstufe haben ein eigenes Forum, ähnlich wie dieses; in die interessantesten Bereiche kommt man als Lehrer allerdings nicht rein. 10 Schüler zeichnen für 60% aller Beiträge, mehr oder weniger aktiv im Forum sind vielleicht die Hälfte aller Schüler, also 35. Auch hier ist inzwischen nur mehr wenig los. Das Forum ist von Schülern organisiert und verwaltet und moderiert; das funktioniert gut. (Der Vorgängerjahrgang hatte ein unmoderiertes Forum mit der Möglichkeit anonymer Einträge. Fragt nicht.)


    Hm, wenn's keinen gemeinsamen roten Faden gibt, funktionieren Foren halt nicht. Und wenn sie unmoderiert sind... naja, da gibt's ungute Beispiele ;)



    Zitat

    Für das nächste Schuljahr plane ich für die Mittelstufe eine Art Online-Zeitung mit Blog-Software. Zeitungslayout, vorgegebene Zeitungstextsorten, Benotung der Pflichtbeiträge. Das ist kein Blog, aber vielleicht eine Vorstufe.


    Klingt interessant. Vielleicht ist stärkere Lenkung notwendig, zuviel Freiheit kann ja auch hemmen und überfordern.


    BTW: wenn Sie's noch nicht kennen: Seblogging - Dynamic Webpublishing, CMS and Weblogs in Education

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  • Ein paar Links zur pädagogischen Weblog-Forschungslandschaft:


    Bildungstechnologie.net (Portal des gleichnamigen Lehrgebiets der FernUniversität Hagen)


    Details of a Global Brain (Weblog von Oliver Wrede zum Thema eLearning - englischsprachig)


    BildungsBlog (Community-Weblog von Stephan Mosel, Gießen)


    Seblogging (Weblog von Sebastian Fiedler, Uni Augsburg - englischsprachig)


    BlogWalk (Weblog, das informelle Konferenzen ("BlogWalks") zum Thema 'pädagogische Weblog-Nutzung' dokumentiert - englischsprachig)


    Die Seiten sind eher theorielastig, aber gleichwohl interessant, um in der Thematik auf dem Laufenden zu bleiben

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  • In der erziehungswissenschaftlichen Zeitschrift Educause ist ein Artikel zum Thema "Educational Blogging" erschienen, der auch online verfügbar ist.


    Berichtet wird über die Nutzung an kanadischen Schulen im Fifth und Sixth Grade, wobei es sowohl um unterrichtliche Nutzung durch die Lehrer als auch außerunterrichtliche Nutzung durch die Schüler (Selbstreflexion) geht.

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