Erziehungsmaßnahmen

  • Hallo Ihr Lieben...


    Welche Erziehungsmaßnahmen setzt Ihr vor Ordnungsmaßnahmen ein?


    Zum Beispiel:
    Störender Schüler der 2. Klasse (lautes Reinrufen/unter Tisch klettern/mit dem Nachbarn quatschen/undefinierbare Laute von sich geben/ etc.) wird von mir in den hinteren Teil der Klasse gesetzt, allerdings ohne seine Arbeitsmaterialien, und muss den in der Stunde zu bearbeiteten Stoff zu Hause nacharbeiten.


    Was haltet Ihr davon?
    - Gespräche habe ich schon mit der ganzen Klasse geführt
    (sind sehr viele störende Schüler)
    - auch mit den einzelnen Schülern
    - gemeinsam haben wir Verhaltensregeln aufgesetzt
    (die vereinbarten Konsequenzen greifen nun nicht mehr)
    - Ermahnungen sind mündlich erfolgt
    - Klassenbucheintrag habe ich bisher ausgelassen,
    weil ich denke, dass sie dessen Bedeutung noch nicht verstehen


    Ich überlege, wie ich in Zukunft auf störende Schüler
    meiner 2. Klasse reagieren könnte.


    Über eine rege Teilnahme bin ich Euch sehr dankbar...
    LG

  • Huhu liebe Sportskanone,


    bevor irgendwelche Ordnungs- bzw. Erziehungsmaßnahmen angedroht und ausgesprochen werden, ist es meiner Meinung nach äußerst wichtig herauszufiltern, warum dein Schüler stört. Hinter jedem (auch schlechtem) Verhalten steckt ein Grund und den gilt es in Erfahrung zu bringen. Schüler stören nicht, weil es ihnen Spaß macht, sondern weil sie durch ihr Verhalten etwas bezwecken wollen. Hast du dieses Ziel, bzw. diesen Grund herausgefunden, kannst du zunächst mit dem Schüler über ein anderes, besseres Verhalten nachdenken, mit dem er sein persönliches Ziel erreichen kann.


    Wenn all diese Bemühungen nicht fruchten kommen die Eltern des Schülers ins Boot und im gemeinsamen Gespräch mit der Beratungslehrerin müssen über weitere pädagogische Maßnahmen nachgedacht werden.


    Ich habe bei uns an der Schule die Erfahrung gemacht, dass sehr schnell zu Ordnungs- und Erziehungsmaßnahmen inklusive der dazu gehörenden Klassenkonferenz gegriffen wird ... mit sehr mäßigem Erfolg. Vor allem ist es gefährlich, denn du musst die von dir verhängten Strafmaßnahmen toppen. Anstrengend, sehr anstrengend.


    Mit lieben Grüßen

  • @ Teufelinchen: Danke dir vielmals für deine Antwort.
    Mir stellt sich die Frage, ob dass was ich vorhabe rechtens wäre.
    Es geht ja nicht nur um einen Schüler, sondern um mehrere.
    Dabei geht es mir vorrangig um das Allgemeinwohl aller Schüler,
    denn jeder Schüler hat das Recht ungestört zu lernen.
    Es handelt sich um sehr ungezogene Schüler, die mir immer wieder reinrufen, immer dazwischen reden. Widerum andere Schüler warten und
    sagen, dass es sehr laut ist. Die Klasse ist nur sehr schwierig ruhig zu bekommen.
    Welche Möglichkeiten stehen mir denn noch zu Verfügung?
    Ich finde es mittlerweile nur sehr traurig, dass ich mich gezwungen sehe
    weitere Schritte gehen zu müssen.
    LG

  • Hallo Sportkanone,


    die Frage nach dem Recht stellt sich hier für mich nicht, denn: Denk dein Szenario doch mal weiter - wie würde sich der Schüler dann verhalten? Du setzt ihn also ohne seine Arbeitsmaterialien hinten in die Klasse. Mitarbeiten kann er also nicht mehr, er sitzt da und langweilt sich. Vermutlich wird er also dann erst recht stören - und ich kann es verstehen!


    Ich versuche es immer erst mit der anderen Richtung: Lobe die Schüler, wo immer es geht. Wenn es darum geht, dass sie zu oft in die Klasse rufen, lobe sie, wenn sie es schaffen, sich zu melden und zu warten, bis du sie dran nimmst. Bei den meisten Kindern wirkt das prima und fürs Klassenklima und für das Selbstbewusstsein der Kinder ist es allemal besser.


    Ansonsten stimme ich teufelinchen voll und ganz zu: Finde heraus, warum die Kinder es nicht schaffen, sich an die Regeln zu halten. Bei mir stelle ich immer mal fest, dass es mit meiner Planung zusammenhängt: Meine Frontalphasen werden zu lang, die Kinder können nicht mehr gut aufpassen. Oder das Gegenteil: Der Stoff motiviert die Kinder in solchem Maße, dass sie sich nicht mehr zurückhalten können - dann toleriere ich das auch schon mal bis zu einem gewissen Grad.


    Gruß
    Britta

    • Offizieller Beitrag

    Bei wirklich permanenten Störungen, die über das normale Maß hinaus gehen, gehe ich folgendermaßen vor:


    - Einzelgespräch mit dem betreffenden Schüler (fühlt er sich wohl; ist zu Hause alles in Ordnung; gab es Streit; ...)
    - Gespräch mit den Eltern (s.o. plus Vereinbarungen über Konsequenzen, die nun folgen, s.u.)
    - Einzelsitzplatz (falls der Klassenraum das erlaubt; zunächst für ganze Tage, dann für Stillarbeitsphasen)
    - Pausenverbot/Sportverbot (zeitweise, da Bewegung ja wichtig ist, aber das wirkt oft Wunder; in dieser Zeit kann versäumte Arbeit nachgeholt werden; Kind kann z.B. in einem vierten Schuljahr sitzen, wo ein ganz anderer Ton herrscht; hilft oft)
    - eine oder mehrere Wochen in der Parallelklasse (Arbeitsmaterial vorher besprechen; Wochenplan für Kollegen machen; muss nicht als Ordnungsmaßnahme gewertet werden, da die Chance besteht, dass das Kind sich in der anderen Lerngruppe tatsächlich wohler fühlt)
    - Einzelstunden im Büro der Schulleitung (sehr wirksam!)
    - Versetzung in die Parallelklasse (muss auch keine Ordnungsmaßnahme sein; ich hatte eine Schülerin, die in der Parallelklasse Freunde gefunden hatte, dies aber nicht ausdrücken konnte und sich bei mir unmöglich benahm; ein anderer Schüler hatte sich in meiner Klasse alle Chancen verbaut und konnte in der Parellelklasse neu starten, was einigermaßen gut klappte)


    Die Kinder, mit denen ich bisher diese Probleme hatte, brachten alle von zu Hause ein ordentliches Päckchen Frust mit. Die Sache mit dem Lob fällt zwar schwer, ist aber für diese Kinder Seelenbalsam, den sie erstmal lernen müssen, anzunehmen. Ich versuche immer ein Mittelmaß zwischen Verständnis und Strenge zu finden, denn oft kennen diese Kinder auch keine Regeln von daheim und wissen einfach nicht, wohin mit sich, was dann im Chaos endet. Für mich belastend sind dann immer die Reaktionen der anderen Eltern, die eine Gefahr für den Lernfortschritt ihres eigenen Kindes sehen und mich dafür verantwortlich machen. Das kann man in dem Moment dann gar nicht brauchen.


    Versuche doch mal ganz konkret aufzuschreiben, worin die Störungen bestehen, wann sie auftreten usw. Mir hilft das immer, einen Ansatz für die Ursachen zu finden und daraus entwickel ich auch meine Förderpläne.

    Ein Niederrheiner ist einer, der nix weiß und alles erklären kann.
    Hanns Dieter Hüsch

Werbung