Rigides Vorgehen...

  • Liebe Kollegen und Kolleginnen,


    wie kann man mit einem Kollegen umgehen, der sehr rigide und etwas unsensibel vorgeht?


    Ich arbeite mit einem Kollegen zusammen, der sehr stark auf die "Regeln" achtet. Das ist ansich auch gut, aber er scheint gar nicht wirklich einen Kontakt zu den Schülern herzustellen.
    Schon Kleinigkeiten (ein bisschen Kippeln) nimmt er zum Anlass, um seine Autorität gegenüber den Schüler "unter Beweis" zu stellen. Damit entstand auch Unmut, der vorher, als ich noch allein war, nicht da war. Ich habe das Gefühl, das er das Vertrauensverhältnis, das ich aufgebaut hatte, unterwandert.
    Das geht so weit, dass er einen Notizblock nimmt, um störendes Verhalten aufzuschreiben, wenn ich gerade unterrichte.
    Neulich hat er sogar eine deutliche (affektive) Äußerung von sich gegeben, als sei er eine Art Schuldirektor, der sich wohlwollend darüber äußert, dass ich dem Schüler eine Grenze aufgezeigt hatte. Ich fühlte mich in dem Moment, als würde ich nicht im Unterricht unterstützt, sondern kontrolliert.

    Sollte ich das nur als eine Art ängstliches Verhalten sehen und ignorieren, weil er noch sehr jung ist?
    Oder ist das vielleicht doch schon eine Art der Ignoranz, die ich so nicht gelten lassen sollte?


    Was meint ihr dazu?

    Abwarten und Tee trinken... (Pippi Langstrumpf)

  • Ich bin eine große Freundin des Ansprechens und des "Drüberredens" - warum hast Du das bislang noch nicht gemacht?

    ~*~ Lache nicht über jemanden, der einen Schritt zurück macht - er könnte Anlauf nehmen!~*~

  • Ich habe versucht, es ihm in freundlichen Worten rüber zu bringen, er solle nicht alles auf die Goldwaage legen, nicht jede Kleinigkeit zum Anlass für einen Machtkampf nehmen. Das alles kam nicht an.
    Nun wird er außerdem bestätigt durch einen anderen Kollegen, der mich nicht mag, der auch mit "Zuckerbrot und Peitsche" arbeitet und nur freundliche Worte findet, wenn es darum geht, dass Schüler sich angepasst verhalten, aber sonst keine Beziehung zu ihnen eingeht.
    Ich habe eine Unterrichtsathmosphäre (gehabt!), in der Schüler sich auch mal über ihre Sorgen und Nöte verständigen konnten und auch gelacht werden durfte. Das ist jetzt vorbei. Jetzt wird nur noch stumpf Unterricht durchgezogen.
    Es liegt mir nicht, daraus Streit anzuzetteln und in freundlichen Worten komme ich nicht bei ihm an.

    Abwarten und Tee trinken... (Pippi Langstrumpf)

  • Es gibt nicht wenig Kollegen in der Schule, die ihre eigenen, schweren, unbewältigten Probleme aus der Kindheit verdrängt haben und oft geradezu innerlich getrieben überkompensieren.
    Überlege doch einmal, wie das ist, wenn Du als Kind kleingemacht wirst und wenn Dir dabei immer - in für dich unerreichbarerer Ferne - das vor die Nase gehalten oder gar um die Ohren gehauen wird, was als Norm von dir verlangt wird! Wenn du als Kind immer wieder verletzt und gedemütigt und erniedrigt worden bist, dann hast du am Ende nichts anderes gelernt, als zu verletzen, zu demütigen und niederzumachen und dich dabei genauso hinter einer Scheinmoral zu verschanzen wie deine Peiniger.
    Da das Leben weitergehen will, sucht es nach Möglichkeiten der Bearbeitung. Eine der häufigsten ist die Projektion. Man projiziert die eigenen Probelem in andere, Schwächere, dann kann man draufhauen.
    Nun sollte man meinen, dass in einer Instutution voller Pädagogikprofis die Chancen für eine Lösung des Problems hoch seien. Doch die Schule ist noch eine Konstruktion aus Zeiten der Leibeigenschaft, wo es immer noch in der Hauptsache ums Mitmachen, sich Einfügen und Unterwerfen geht und nicht ums genaue Hinschauen, ums tief Empfinden und um einen souveränen Umgang mit den Kräften des Lebens.
    Im Grunde sind die seelischen Prügel, die Dein Kollege austeilt, Notsignale. Die werden aber nicht als solche verstanden. Man hat nur formal zu reagieren gelernt. Man kritisiert ihn so, als ob er das alles überlegt gemacht hätte und Herr seines Tuns wäre.
    In Wirklichkeit aber ist er Sklave seiner inneren Zwänge.
    Nun, wenn ich das so tiefegehend schildere, kriegen es so manche gleich wieder mit der Angst zu tun. Das ist ja ein Fall für den Psychiater, da bin ich gar nicht kompetent, denken sie ängstlich.
    Warum aber beschert das Leben - das ja nicht dumm ist - dann dieses Problem Euch und nicht dem Psychiater? Ein Problem, das Menschen miteinander haben, können nur sie lösen - andere können allenfalls helfen dabei.
    Ich habe mit Kindern gearbeitet, die so einer Lehrkraft ausgeliefert sind. Wenn ich keine andere Möglichkeit habe, muss ich die Probleme mit dem Kind lösen - auch das des Lehrers. In der neuen Ich-kann-Schule habe ich mich damit beschäftigt.
    Da ist z.B. die 7jährige Sabrina, die täglich von ihrer Lehrerin balmiert wird und schon nicht mehr leben will. Sabrina hat schnell gelernt, mit den Talenten der Lehrerin besser umzugehen als sie selbst.
    So schlimme Dinge machen Talente mit Menschen nämlich nur, wenn es ihnen sehr schlecht geht und sie quasi am Verhungern sind. Sabrina verstand. Sie verzieh ihrer Lehrerin und schickte ihr im Geiste alles, was ihr fehlte, um gut zu sein. Das genügte. Die Lehrerin wurde ganz anders binnen kurzem. Das kleine Mädchen kann inzwischen Probleme lösen, die Lehrerin sollte es eigentlich auch einmal lernen.
    Ich schlage vor, es wie Sabrina zu versuchen. Auf meiner Coué-Seite finden sich ggf. noch ein paar Lösungsgeschichten. Mit guten Wünschen
    Franz Josef Neffe

  • Oh, ein neuer Schülerflüsterer - nett...


    Zum eigentlichen Problem:
    Wenn du das Thema bei einem jungen (jüngeren) Kollegen nicht einfach direkt - mal ohne Umwege und Umschreibungen - ansprechen kannst, wird's sicher schwierig. Manchen Kollegen bzw. Mitmenschen muss man mit dem Zaunpfahl winken und selbst dann klappt's nicht immer. Soviel Professionalität sollte vorhanden sein. Falls nicht, würde ich Ausschau nach einem 'neutralen' Kollegen halten - aber der muss dann auch von beiden Seiten als neutral akzeptiert werden können und nicht ganz neutral auf deiner Seite stehen :) - und den bitten, zu moderieren bzw. deine Sichtweise an den Mann zu bringen.


    Viel Spaß dabei...
    Holger

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