Pfiffige Kinder fördern

  • Hallo,
    ich suche Material um pfiffige Kinder (Klasse 1/2) zu fördern.
    Sie sollen keine zukünfitigen Lerninhalte vorarbeiten, sondern lieber in die Tiefe gehen.
    Etwas bei dem auch sie ihr Köpfchen richtig anstrengen müssen.
    Ich habe hier im Bereich Mathe immer wieder von "Mathe für kleine Asse" und "Mathe-Stars" gelesen.
    Lohnt sich die Anschaffung wirklich bei ersterem? (Mag mir vielleicht jemand seine Sachen verkaufen?)
    Wie setzt ihr die Sachen im Unterricht ein? Dürfen eure fitteren Kinder damit arbeiten, während die anderen Kinder Standartaufgaben üben?


    Was macht ihr noch für die Fitteren. Ich habe Sorge, dass sie zu kurz kommen im Vergleich zu den schwächeren Kindern
    oder denen, die Ihre Aufmerksamkeit immer auf sich ziehen.
    LG
    try

  • Diese Extra-Aufgaben würde ich nur den Kindern geben, die die grundlegenden Aufgaben komplett verstanden haben. In Übungsstunden brauchen sie dann auch nicht mehr den langweiligen gleichen Kram machen, bei dem die meisten Kinder auch nach dem 12. Mal erklären noch Fragezeichen in den Augen haben. Manchmal dürfen sie selber entscheiden, ob sie noch ein wenig Übung brauchen oder ob sie sich schon sicher fühlen. Es reicht mir dann, wenn sie zwei der schwierigsten Aufgaben einmal durchrechnen und dann an ihren eigenen Sachen arbeiten.
    Den Fitten gebe ich gerne Logikrätsel oder sie dürfen sich ein Lernspiel nehmen (Somawürfel / Tangram).

  • Was meine "fitten" Kinder auch immer lieben (und was ganz einfach zu realisieren ist): Du darfst dir heute mal selbst Aufgaben ausdenken - teilweise mit vorgegebenem Schema (z.B. wir rechnen gerade Zahlenreihen oder Umkehraufgaben) oder ganz frei.


    Ansonsten haben meine Schüler verschiedene Mathe-Übungshefte (z.B. auch die Mathe-Sachaufgaben-Stars, die lassen sich aber erst am Ende des Schuljahres einsetzen, da auf jeder Seite ein neues Thema behandelt wird) unter der Bank, die Kinder nehmen die auch immer gerne mit nach Hause und arbeiten freiwillig daheim weiter. Darin dürfen die Kinder immer arbeiten, wenn sie mit einer Übung fertig sind, odeer ich das Gefühl habe, jetzt brauchen die Fitten keine Übung mehr.


    Die Bücher "Mathe für kleine Asse" habe ich auch daheim, werden aber nur selten/nie genutzt (die Aufgaben darin sind mir oft ein bisschen zu "spielerisch", z.B. rausfinden, wie man das Haus vom Nikolaus ohne Absetzen zeichnen kann oder Streichholz-Umlegespiele). Hauptsächlich nicht genutzt, weil meines Erachtens nach diese Bücher darauf abzielen, dass man vorher mit den Kindern die Aufgabenstellung bespricht und die Kinder hinterher auch (geleitet) den Weg ihrer Erkenntnisse in der Gruppe besprechen - und ich habe nicht die Zeit, mich dann mit diesen Kindern zwanzig Minuten ungestört hinzusetzen und die Ergebnisse zu diskutieren - da bietet sich wahrscheinlich eher eine "Mathe-AG" an (die würde ich gerne anbieten, meine Lehrerkollegen waren aber noch nicht so begeistert von der Idee...)


    An Arbeitsheften haben sich in den letzten Jahren v.a. die Übungshefte aus dem Mildenberger Verlag oder die Forderhefte, die jetzt von mehreren Verlagen angeboten werden, als geeignet erwiesen.


    Daneben lieben diese Kinder die "klassischen" Montessori-Materialien (mit denen sie aber zugegebenermaßen schon Inhalte handelnd vorwegnehmen).

  • Rechengeschichten erfinden:
    Du gibst ihnen eine Rechung, sie schreiben eine Geschichte dazu auf und zeichnen etwas dazu.
    Mit einfachen Additionen und Subtraktionen schaffen die meisten Kinder ganz nette Geschichten.
    Zur Differenzierung kannst du schwierigere Gleichungen ( ? minus 4 gleich 16) verwenden.


    Schreibanlässe vorgeben:
    - Was macht dich froh, traurig, ärgerlich, ruhig, übermütig, mürrisch ...?
    - Wie hast du dich verändert, seitdem du kein Baby mehr bist?
    - Hast du noch spezielle Erinnerungen an deine Zeit als Baby?
    - Was ist schwer, wenn man 8 Jahre alt ist? Was wird besser, wenn du 9 Jahre alt sein wirst?
    usw.

  • Danke für eure Antworten, gerade auch in Bezug auf das Umsetzen der einzelnen Dinge im Unterricht.
    Das hilft mir wirklich weiter. Da werde ich mir "Mathe für kleine Asse" erstmal sparen.
    Auch die anderen Ideen sind echt klasse.
    Try

  • Hallo try,
    schon lange war ich nicht mehr in diesem Forum aktiv, doch als ich den Beitrag über Differenzierung hier las, muss ich mich doch einmal zu Wort melden. Ich arbeite seit einigen Jahren sehr individualisierend mit meinen Schülern. das heißt, jeder so gut er kann und so schnell er kann. Das hat zur Folge, dass nicht alle Schüler bei einemThema verharren, bis auch der letzte es versteht. Warum sollen "pfiffige" Schüler nicht bereits an Themen arbeiten, die schwache Schüler noch nicht durchdringen? Ich denke, dass man starke Schüler ruhig weiter im Stoff führen kann. Das geht natürlich nicht im Frontalunterricht. Ich arbeite daher mit Plänen im Unterricht, mit denen sich die Schüler teilweise eigenständig neue Themen erarbeiten können. Meine Aufgabe ist es dann, Erklärungen zu geben und gleichzeitig schwachen Schülern intensive Hilfestellungen zu bieten. Ich mache damit gute Erfahrungen und habe immer Klassen, in denen die Schüler sehr motiviert und selbständig arbeiten. Es ist, meiner Meinung nach, wenig sinnvoll starke Schülern mit Material zu "parken", anstatt sie weiter durch den Stoff zu führen. natürlich muss man immer darauf achten, dass zum Ende des Schuljahres alle Schüler der Klasse die geforderten Anforderungen erfüllen. Doch wo steht geschrieben, dass ein Schüler im 2. Schuljahr z.B. nicht auch bereits am Stoff des 3. Schuljahres arbeiten darf? Natürlich sind die Pläne an sich schon für die starken Schüler mit mehr Denk- und Knobelaufgaben versehen.

  • sehrratlos
    Jeder von uns hat in seiner Schule unterschiedliche Rahmenbedingungen, mit denen er leben muss.
    Schon von dieser Seite her, ist nicht für jeden Lehrer eine derart umfassende Differenzierung möglich.
    Dazu kommt, dass der Lernerfolg aller Schüler sicher nicht nur von den Differenzierungsmöglichkeiten abhängt.
    Ein Lehrer muss sich mit seiner Art und Weise zu unterrichten auch wohlfühlen und sich darin sicher sein.
    Nur dann kann Lernen für alle erfolgreich sein.
    Aber ich zeige mich stets bemüht, auch jenseits des Referendariates an mir zu arbeiten - deshalb ja auch die Ausgangsfrage.
    Nur fänd ich es eben besser, nicht zukünftige Lerninhalte vorwegzunehmen, sondern die kognitiven Möglichkeiten anders zu nutzen.

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