• Hallo


    Ich studiere Chemie/Erdkunde Sek I und II. Eigentlich ist es auch noch viel zu früh um sich ernsthafte Gedanken zu machen, aber es passiert einfach trotzdem.
    Manchmal packt mich einfach die Panik, dass ich mit diesen Fächern keine Anstellung bekomme..
    Prinzipiell bin ich bereit auch umzuziehen (wohne an der frz. Grenze) solange es nicht zuweit weg ist (als Westdeutschland als komplettes Bewerbungsgebiet ist auf jeden Fall mal drin). Ich bin auch nicht auf irgendeinen bestimmten Typ Schule fixiert, habe also kein Problem mit Berufsschule/Weiterbildungskollegs/Sek I whatever oder lasse mich nicht dadurch einschränken, dass ich unbedingt in eine Großstadt möchte (eher das Gegenteil).
    Ich möchte auch irgendwann ein 3. Fach dazunehmen um meine Chancen zu erhöhen, aber irgendwie gibt es bei allem einen Haken. Lehrer meinen immer zu mir ein Hauptfach wäre wichtig (was ich ja nicht habe). Aber Mathematik kommt definitiv nicht in Frage, in Englisch und Deutsch war ich zwar gut, aber es widerstrebt mir ehrlich gesagt eine Sprache zu studieren, weil ich, selbst wenn ich die Theorie beherrsche, Angst hätte, nachher nicht gut sprechen zu können und das Auslandsssemester wäre auch problematisch (Geld, Geographie läuft aus, eigentlich auch keine wirklich Lust darauf). Deutsch wäre noch in Ordnung, aber sagen wir so, es packt mich nicht so wie Chemie und Erdkunde und ob mir das von den Einstellungschancen her soviel bringt bezweifle ich.
    Was für mich eigentlich nur realistisch übrig bleibt ist Biologie. Das interessiert mich auch genausoviel wie Chemie und Erdkunde. Aber wenn man so die Prognosen überfliegt, taucht Bio meist weder bei den Mangelfächern noch bei den krassen Überschussfächern auf. Bringt mir das überhaupt was? Wenn ich Bio als Drittfach nehmen würde, dann wahrscheinlich auch nur abgestuft (Sek I), da ich mir sehr gut vorstellen kann, dass das sonst bei den vielen Exkursionen in Erdkunde und den Labornachmittagen in Chemie nicht machbar ist.


    Was meint ihr? Muss ich mir bei den Voraussetzungen oben wirklich so große Sorgen machen wie ich es tue? Was haltet ihr von meinen Drittfachüberlegungen?




    Ich hätte da noch eine Frage. Interpretiere ich die Grenznoten hier richtig? http://www.bllv.de/September-2014.10669.0.html
    --> Mit der Kombination Erdkunde und Chemie haben alle, die mindestens eine 1,91 hatten, in Bayern eine Planstelle bekommen? Und bei Bio/Chemie alle unter 2,63?
    Bzw 69% mit der Kombi B + Beifach und Ek/Chemie wurden eingestellt?
    Das ist zwar keine Traumquote, aber im Vergleich zu manch einer Hauptfach-Kombi scheint das ja noch ganz gut zu laufen solange man zur "besseren Hälfte" gehört oder?


    Vielen Dank!

  • Hmm, Bayern ist nicht unbedingt orientierungstauglich, wenn man überlegt, dass die einen guten Teil ihres Bedarfs über Referendare decken (sollen).


    Es ist super, dass du so flexibel bist, das wird auf jeden Fall hilfreich sein.


    Hauptfach muss nicht immer sein. Ich glaube, teilweise musst du eins haben, aber zumindest NRW und Hessen ist es nicht nötig. (Das waren meine beiden Zielländer)


    Erdkunde ist schwankend im Bedarf. Chemie auch. Aber wenn du dich sehr weit bewerben magst, sollte es kein Problem sein, einen Ort zu finden, wo sie gerade mindestens eins davon händeringend suchen. Auch wenn du vllt. erstmal einen Vertretungsvertrag machst. Die sind oft ein Fuß in der Tür.


    Ich würde nichts dazustudieren. Besser schnell fertig werden und die Reste der Pensionierungswelle mitnehmen.

    Quiet brain, or I'll stab you with a Q-Tip!

  • MSS:


    Hallo und danke für die Antwort!


    Dass Erdkunde auch mal streckenweise gesucht wird hätte ich jetzt gar nicht gedacht. Ich meine, ich kann's natürlich verstehen, weil es für mich ein wunderbares Fach ist, aber man hört halt immer wieder, dass es bis zu bestimmten Klassenstufen nur noch "GeWi" gibt oder Erdkunde einfach komplett rausfällt (was für mich vollkommen unverständlich ist). Schön, dass es anstellungstechnisch auch eventuell mal Bedarf geben könnte.


    Dass Bayern nicht stellvertretend für alle Bundesländer ist, dachte ich mir schon. Habe konkrete Zahlen aber leider nur für Bayern gefunden.


    Wenn du meinst, ich sollte mich erstmal auf die beiden Fächer konzentrieren- Ist die Note denn so entscheidend in manchen Bundesländern? Sprich: Wenn ein Chemielehrer gesucht wird- Wird dann eine Rangliste aller Chemielehrer nach Note erstellt ohne Blick aufs Zweitfach? Oder komme ich quasi erst zum Zug, wenn die Lehrer mit momentan gesuchterem Zweitfach weg sind, auch wenn sie eine schlechtere Abschlussnote als ich hätten? (mal rein theoretisch)


    Wie gesagt, Bio würde mich interessieren, aber ich kann mir gut vorstellen, dass meine Gesamtnote dann darunter leiden wird. In Bio hat man ja auch noch Labor :(


    Vielen lieben Dank jedenfalls für die Antwort, sie hat mich schonmal zumindest beruhigt.

    • Offizieller Beitrag

    das kann man nicht so beantworten.


    Es gibt Bundesländer mit nur "Bestenauslese" - das krasseste ist glaube ich Bayern, da spielt einzig die Note und niemals im Leben was anderes eine Rolle und es gibt Länder mit schulscharfen Stellenausschreibungen. Viele Länder haben eine Mischung von beidem, wobei zb in NRW und NDS fast alle Stellen über schulscharfen Ausschreibungen läuft.


    Beispiel aus NRW:
    Wenn Fach A / Fach B ausgeschrieben werden, müssen ALLE Bewerber (nicht AbsolventInnen! jeder muss / darf sich auf jede Stelle bewerben und eine Vorauswahl treffen, wo er / sie gerne hinmöchte) in der Reihenfolge ihrer Noten eingeladen werden (also Bewerbungsnote).
    Das selbe bei Fach A / beliebig. Nur, dass es da natürlich viel mehr Kandidaten gibt. Es kann sein, dass eine Schule also eigentlich Erdkunde (Fach A) absolut braucht und das Zweitfach "egal" ist. Wenn sie deine Bewerbung sehen, denken sie "wow, von Chemie als Zweitfach hätten wir nie geträumt, jetzt wollen wir den". Dann spielt aber deine Note eine Rolle, ob du überhaupt eingeladen werden kannst. (mehr als 10 Bewerber pro Stelle werden glaube ich nicht eingeladen).
    Wenn du aber eingeladen wurdest, spielen die Noten keine Rolle mehr. Dann darfst du mit allem trumpfen. deine Zusatzqualis, deine Persönlichkeit, dein Lächeln, ...


    Wenn eine Schule dich im Vorfeld (vor den Ausschreibungen) interessant gefunden hat und dich haben will (und du sie auch), kann es also sein, dass sie Chemie / Erdkunde mit Erfahrung in Jugend forscht (weil du das hast), und damit dürfen sich nur Leute bewerben, die Chemie / Erdkunde haben und die Schule darf alle Kandidaten auch bevorzugt eingeladen, die Erfahrung bei Jugend forscht haben, egal welche Note.


    Da es zur Zeit aber eine Bewerberschwemme gibt, zeigen die wenigsten Schulen noch Interesse an Vorab-Bewerbungen, sie wissen, sie werden eh sofort jemanden haben. Außer bei einzelnen Fächern.
    Man kann sich also nicht komplett darauf verlassen, es spielt aber eine Rolle.


    in NDS funktioniert leicht ähnlich, außer, dass man keinen Bewerber einstellen kann, der mehr als eine ganze Note schlechter ist als der beste Bewerber (selbe Kombi).


    chili

  • Ach vielen lieben Dank für diese ausführliche Erklärung.


    Ich denke ich kann einfach nicht richtig einschätzen, wie meine Chancen wirklich sind. Man liest zwar Listen mit" gesucht: X, Y und Z ; weniger gesucht: A, B, C", aber was "weniger gesucht" zum Beispiel wirklich heißt (z.B.) >70% finden keinen Job mit dieser Kombination oder eben ~40% finden keinen Job) steht halt nicht dabei. Das, was man aus den Medien mitbekommt, hört sich für mich zumindest nämlich so an, als würden nur ca 20% der Absolventen einen Job bekommen und das macht mir einfach Angst. Deswegen überlege ich halt einfach, ob meine Sorge real ist und ich mich lieber jetzt schon darum kümmern sollte, meine Chancen aufzubessern, oder ob ich mich mit vorausgesetzter Flexibilität in Ruhe meinem Studium widmen kann.

    • Offizieller Beitrag

    ICH bin ein Fan der 3er-Kombi, weil es im Alltag mehr Spaß und Flexibilität bringt. Aber das muss jeder für sich entscheiden.


    Hättest du Bio studiert? (wenn du zb keinen Platz in Erdkunde bekommen hättest?)
    Kannst du dir vorstellen, Bio in der Sek I zu unterrichten?
    Bist du bereit, sagen wir mal ca. 1 Jahr länger zu studieren?


    Dafür hast du:
    - deinen Einsatz auf dem Markt vergrößert
    - mehr Abwechslung im Alltag (aber natürlich potentiell mehr Lerngruppen, die du erstmals "durch" haben musst, von den Themen und so)


    insbesondere sogenannte "Kurzfächer" (also 2-stündig, nicht unbedingt Pflicht in der Oberstufe, nicht in allen Jahrgängen der Sek I) sind in einer 3er-Kombi für eine Schule goldwert.
    Ich habe 2 Hauptfächer und 1 Kurzfach zur Zeit im EInsatz. Wenn die Schule das WIRKLICH möchte, würde sie mich auch in Hauptfach A und Nebenfach B einsetzen können. Da ich aber Vollzeit habe, würde ich damit jemanden verdrängen, weil ich unbedingt meine Stunden in diesen 2 Fächern bräuchte. Da ich aber mehr anzubieten habe, habe ich noch eine Lerngruppe in HF C. Nächstes Jahr gehen mehrere KollegInnen in Elternzeit oder Pension, da wird sich soviel umschichten, dass ich womöglich fast nur noch mein Nebenfach unterrichten würde. Für ein Jahr aber nur...
    Schulen, die im Voraus denken, wissen, dass ein Lehrer mit nur 2 Kurzfächern einiges in Unruhe bringen kann, wenn zum Beispiel ein neuer Kollege mit der selben Kombi / selben Fach kommt. Soviele Lerngruppen gibt es eventuell nicht im Angebot.


    Aber das würde ich wirklich nur machen, wenn du das Fach wirklich unterrichten möchtest. Es kann ja schliesslich sein, dass deine Biokollegin in Elternzeit geht und du ein Schuljahr lang nur noch Bio unterrichtest. Nichts dauerhaftes, aber man sollte sich das schon vorstellen können.


    Und ja, im 1. Jahr nach dem Ref leide ich, was die Unterrichtsvorbereitung angeht, aber ernsthaft: ich LIIIIIEBE meine Fächer. (und: meine Erweiterungsfächer gehören zu den am wenigsten Fächern, aber genau deswegen wurde ich eingestellt: ich blockiere keine Stelle und kann trotzdem 1-2 Lerngruppen übernehmen).


    chili

  • Also zumindest in NRW wird teilweise viel gedreht, was die schulscharfen Ausschreibungen angeht. (Habe ich selbst am Rande mitbekommen) Wenn du also einen Fuß in der Tür hast, wegen Vertretungsstelle, werden sie die Stelle für dich schon zurechtschneidern, damit sie dich haben können.
    In Hessen geht immer noch sehr viel über die Rangliste. So bin ich an meinen Job gekommen, und eine Kollegin wartet z.B. noch auf ihre Beamtenstelle (hat Vertrag), weil SL sie will, aber genau einer noch vor ihr auf der Liste ist.
    Aber je nachdem was die SL für Verbindungen zum Schulamt hat, kann da wohl auch gedreht werden, habe ich als Gerücht gehört. :weissnicht:

    Quiet brain, or I'll stab you with a Q-Tip!

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