Lehrerarbeitszeitstudie

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    Hohe Arbeitsbelastung erfordert Maßnahmen zur Reduzierung der Pflichtstundenzahl

    Maike Wiedwald, Vorsitzende der GEW Hessen, und Sebastian Guttmann vom Vorsitzendenteam der GEW Frankfurt haben heute zusammen mit dem Studienleiter Dr. Frank Mußmann die Ergebnisse der Arbeitszeit- und Arbeitsbelastungsstudie von Lehrkräften in Frankfurt vorgestellt. Die Untersuchung hatte die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen durchgeführt, deren Leiter Frank Mußmann ist.

    Frank Mußmann erläuterte zunächst das methodische Vorgehen: „Das Projekt hat sich an vergleichbaren niedersächsischen Studien aus den Jahren 2015/2016 orientiert. Auf Basis eines umfangreichen Online-Fragebogens haben wir die Arbeitsbelastung Frankfurter Lehrkräfte ermittelt. Informationen zur Arbeitszeit haben wir über eine ein- bis vierwöchige Realerhebung der Arbeitszeit mit 1.199 Teilnehmenden gewonnen.“ Von der hohen Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigte sich Mußmann überrascht: „Von den gut 4.500 Lehrkräften in Frankfurt haben sich etwa 25 Prozent beteiligt. Wir konnten so für die Frankfurter Grundschulen, für die Integrierten und die Kooperativen Gesamtschulen sowie die Gymnasien repräsentative Ergebnisse für die Arbeitszeiten ermitteln.“

    Maike Wiedwald sieht in der Studie einen Beleg für die kritischen Einschätzungen der GEW zur Arbeitssituation der Lehrerinnen und Lehrer in Hessen: „Die Arbeitsbelastung, die etwa durch die Intensität der Arbeit, die emotionalen und körperlichen Anforderungen an die Tätigkeit bestimmt ist, liegt bei den Lehrkräften deutlich über dem Durchschnittswert anderer Beschäftigtengruppen. Auch die in der letzten Zeit immer häufiger an uns herangetragenen Beschwerden über eine Zunahme der Belastungen werden bestätigt: Zwei von drei Lehrkräften berichten, dass der Arbeitsdruck im letzten Jahr deutlich zugenommen hat. Im Durchschnitt aller Branchen äußert dies nur eine von drei Beschäftigten. Eine große Rolle spielt dabei die Vielzahl außerunterrichtlicher Verpflichtungen. Viele Lehrerinnen und Lehrer in Frankfurt fühlen sich erschöpft, ausgebrannt und gestresst – das veranschaulichen die ermittelten, vergleichsweise hohen Burnout-Werte. Mit überdurchschnittlich starken Belastungen müssen Lehrkräfte an Schulen mit besonderen sozialen Herausforderungen fertig werden. Ein bemerkenswertes Ergebnis ist aus unserer Sicht auch, dass Lehrkräfte mit ihren krankheitsbedingten Fehltagen zwar unter dem Durchschnitt aller Branchen liegen, sie aber gleichzeitig überdurchschnittlich oft krank zur Arbeit gehen. Auch das spiegelt leider unsere Erfahrungen wider.“

    Mit großer Spannung, so Sebastian Guttmann, habe die GEW die Auswertung der Arbeitszeiterhebung erwartet. Diese habe höchst alarmierende Ergebnisse erbracht: „Die von den Lehrkräften in Hessen kalkulatorisch zu erbringende Soll-Wochenarbeitszeit – in diesem Fall wird die zu erbringende Jahresarbeitszeit ausschließlich auf die Schulwochen umgerechnet – liegt mit gut 47,5 Stunden höher als in anderen Bundesländern. Interessant ist hier auch ein internationaler Vergleich: die hessische Soll-Wochenarbeitszeit übertrifft den Durchschnittswert in der EU und OECD deutlich! Für drei Schulformen – die Grundschulen, die Gesamtschulen und die Gymnasien – haben die Arbeitszeitmessungen ergeben, dass eine durchschnittliche Lehrkraft tatsächlich noch länger arbeitet. Besonders viele Überstunden fallen dabei an den Kooperativen Gesamtschulen an. Und generell leisten Teilzeitkräfte überproportional Mehrarbeit.“

    Laut Frank Mußmann sollte mit Blick auf die Arbeitszeit von Lehrerinnen und Lehrern beachtet werden, dass die von den einzelnen Lehrkräften gearbeiteten Stunden stark um den Durchschnittswert streuen: „Dies ist in Hessen so, und es handelt sich hier auch um keinen ungewöhnlichen Befund. Vielmehr weisen alle verfügbaren Arbeitszeiterfassungen von Lehrerinnen und Lehrern eine große Streuung auf. Überraschend war für uns allerdings, dass immerhin 21 Prozent der Frankfurter Lehrkräfte in Vollzeit tatsächlich mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten. Dieser Wert liegt noch einmal über dem Wert, den wir im Rahmen unserer vor einiger Zeit in Niedersachsen durchgeführten Studie ermittelt haben. Auch hier fallen in Frankfurt die Kooperativen Gesamtschulen wieder besonders auf: 37 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer arbeiten 48 Stunden und länger.“

    Maike Wiedwald und Sebastian Guttmann hoffen, auf Basis der Studie, durchgreifende Verbesserungen für die Lehrerinnen und Lehrer an den hessischen Schulen erreichen zu können: „Wir streben natürlich an, mit dem Kultusministerium über die Ergebnisse der Studie ins Gespräch zu kommen. Diese zeigen deutlich auf, dass zeitnah eine Reduzierung der Pflichtstunden erfolgen muss, um den Lehrkräften mehr Zeit für pädagogische Arbeit zu geben. Nur so ist eine Verbesserung der Bildungsqualität zu erreichen. Ziel muss es sein, Burnout-Syndrome zu vermeiden und den Beruf der Lehrerin und des Lehrers wieder attraktiver zu machen. Wir möchten abschließend zu bedenken geben, dass die Studie kurz vor dem Lockdown durchgeführt wurde. Seit Ausbruch der Corona-Krise hat die Arbeitsbelastung für die Lehrkräfte deutlich zugenommen.“


    Zum Hintergrund der Studie

    Die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen hat Anfang des Jahres 2020 gemeinsam mit dem Umfragezentrum Bonn (uzbonn GmbH) eine Studie zur Ermittlung der Arbeitsbelastung und der tatsächlichen Arbeitszeit von Lehrkräften in Frankfurt durchgeführt. Zur Beurteilung der Arbeitsbelastung wurde zum Teil auf den DGB-Index Gute Arbeit zurückgegriffen. Dieser ist ein Instrument zur Messung der Arbeitsqualität aus Sicht der Beschäftigten mit bundesweit repräsentativen Vergleichsdaten für alle Branchen und Berufsgruppen.

    Anstoß für die Untersuchung waren zahlreiche, in den zurückliegenden Jahren beim Hessischen Kultusministerium eingereichte Überlastungsanzeigen – häufig von ganzen Schulkollegien – sowie die von vielen Lehrkräften mündlich an die GEW herangetragenen Klagen über die Arbeitssituation an den Schulen. Ziel der Studie ist es, die Arbeitssituation von Lehrkräften in Frankfurt wissenschaftlich zu untersuchen und die Belastungssituation qualitativ und quantitativ darzustellen. Auftraggeber sind die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen (GEW Hessen) und der Frankfurter Bezirksverband der GEW.

    Die Untersuchung begann nach dem Schulhalbjahreswechsel am 3. Februar 2020 mit einer Eingewöhnungsphase für teilnehmende Lehrkräfte. Danach folgte die Feldphase bis einschließlich Sonntag, den 8. März 2020. Nach umfangreichen Plausibilitätsprüfungen und Qualitätssicherungsmaßnahmen erfolgten die Auswertungsarbeiten. Die Veröffentlichung der Projektergebnisse schließt das Projekt ab

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  • Das sind dann so die Signale, die man bei seinen Kollege*innen nicht übergehen sollte. Von wegen "der/die macht wohl langweiligen Unterricht oder hört den Kindern nicht richtig zu." wenn die SuS über Tische und Bänke gehen und die Lehrer irgendwann keinen Nerv mehr haben, sich durchzusetzen. (Bezogen auf die verschiedenen Kommentare im anderen Thread).

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