Erschreckend finde ich inzwischen, wie unbedarft ich mit den Kindern bis vor ca. 10 Jahren zum Schwimmen gegangen bin. Nicht nur ich, sondern alle Kolleg*innen.
Ich hatte immer nur "den kleinen" Schwimmschein, der galt in NRW ausschließlich für den Nichtschwimmerbereich. An meiner ersten Schule teilten wir die Klassen in Anfänger und fortgeschrittene Schwimmer auf, so gut es ging. Ich hatte so immer abwechselnd eine kleine Gruppe von 10-12 Kindern,
Aber alleine, ohne zweite Aufsicht. Unser Training fand im Lehrschwimmbad einer benachbarten Schule statt. Es gab ein Notfall-Telefon...
Das ging von den 90ern bis weit in die Nuller Jahre. Wir hatten Spaß und Erfolg beim Schwimmenlernen.
NIx passiert. Zum Glück.
An der nächsten Schule (Brennpunkt) gingen wir immer mir der ganzen Klasse ins öffentliche Schwimmbad. Dort gibt es neben dem tiefen Schwimmerbecken eine abgetrennten Nichtschwimmerbereich. Um dahin zu gelangen, geht man aber am großen Becken vorbei. Dort schwimmen vor allem die weiterführenden Schulen, die müssen für unsere kleinen Schwimmer dann öfter mal Bahnen frei machen.
Meistens gingen wir mit 23-28 Kindern nur mit zwei Lehrkräften zum Schwimmen. Eine mit dem DLRG-Schein, die zweite nach Möglichkeit die Klassenleitung oder wenigstens jemand, der die Kinder gut kannte. Das war die nötige Qualifikation für die zweite Aufsicht... Laut, chaotisch und unübersichtlich war es in der großen Halle. Unsere Nichtschwimmer mussten sich ihren Bereich oft sogar noch mit KiTagruppen teilen. Trotzdem: Wir hatten Spaß und Erfolg beim Schwimmenlernen.
Auch hier: Nix passiert. Ein Wunder.
Ich würde das heute nicht mehr mitmachen, die verurteilten Kolleginnen tun mir leid.
War man früher leichtsinnig? War man sich früher der Gefahren gar nicht so bewusst, oder man hat sich einfach darauf verlassen können, dass sich auch die Kinder verantwortungsvoll verhalten? Ich habe tatsächlich den Eindruck, dass die Kinder (und auch die Jugendlichen) heute gefährliche Situationen nicht mehr richtig einschätzen können, Regeln öfter ignorieren, sich überschätzen oder sogar das Risiko öfter suchen, um sich vor anderen zu produzieren.