Wie war das denn eigentlich im Faschismus in Italien? Waren die Italiener damals nicht fast ausschließlich Katholiken? Und wäre dann die Schlussfolgerung ok, dass Katholiken faschistische Regime wählen?
Ich halte die Diskussion für insgesamt gar nicht zielführend. Ob Menschen so oder so wählen, hängt doch an so viel mehr Einflüssen als nur oder hauptsächlich der Religion/Konfession. Aber je nach Religion gibt es in der jeweiligen gesellschaftlichen Umgebung sicher Wechselwirkungen. Die sind m. E. aber sogar von Region zu Region verschieden.
Meiner Ansicht nach ist irgendeine Religion/Konfession weder notwendige oder hinreichende Bedingung für irgendein Verhalten. Sie wird nur oft für alles Mögliche und leider allzuoft Unmögliche benutzt.
Insgesamt interessanter Einwand. Ich würde zustimmen, dass es mehr Einflüsse gibt, aber in diesem Fall scheint die Religion doch ein sehr starker zu sein.
Die Diskussion befindet sich insgesamt etwas in der Schieflage, wenn einerseits eine Seite immer Quellen fordert, andererseits aber gleichzeitig mit "meiner Ansicht nach" argumentiert und genannte Fachliteratur dann ignoriert bzw. auch selbst keine beisteuert (das ist jetzt weniger "persönlich" auf MarieJ gezielt, als es sich wohl anhört).
Jürgen Falter hat in dem bereits oben zweimal genannten Werk aus meiner Sicht eine deutliche Korrelation zwischen katholischen Gegenden und schlechteren Wahlergebnissen der NSDAP aufgezeigt (für die es übrigens auch nachvollziehbare Gründe gibt, die in Italien nicht vorhanden sind s.u.). Auf der ebenso verlinkten Karte kann man sehen, dass weniger die Region als die Religion eine Rolle spielt (in protestantischen Städten mitten in Bayern bessere Wahlergebnisse der NSDAP als im restlichen katholischen Bayern).
Bzgl. Italiens bin ich nicht der Fachmann, aber ich würde anführen, dass Mussolinis Faschismus sich weit weniger radikal zeigte als die Nazis. Auch scheinen hier tatsächlich regionale Einflüsse eine starke Rolle gespielt zu haben, denn hier sind die Wahlergebnisse sehr stark in der Art "eine Landeshälfte vs. die andere". Man müsste auch die Parteienlandschaft anschauen, ob es für die Katholiken in Italien eine attraktive Partei gab, die den Faschisten Stimmen hätte kosten können (in Deutschland eben das Zentrum ... eine protestantische Partei gab es so dezidiert nicht - sicher ein Grund für die oben angeführten Wahlergebnisse).
Hab etwas nachgelesen: Ja, es gab auch in Italien eine katholische Partei. Allerdings scheint es hier so gewesen zu sein, dass der Papst / der Vatikan viel stärker und früher mit Mussolini paktierte, als die katholische Kirche in Deutschland dies tat (vgl. hier: https://www.spiegel.de/geschichte/pak…-a-1122590.html und
https://www.spiegel.de/geschichte/his…-a-1122583.html).
Ich würde (neben der starken Zentrumspartei) noch einen Grund für die höhere "Resistenz" katholischer Gegenden gegen den Nationalsozialismus sehen: den von Bismarck geführten Kirchenkampf, der der kath. Kirche in Deutschland eben schon einmal die Erfahrung eingebracht hatte, mit dem Staat / einer mächtigen politischen Kraft nicht überein zu stimmen (das preußische Kaiserreich war - wenn überhaupt - ein protestantischer Staat). Daraus entstand wohl eine etwas kritischere Haltung.
So ... jetzt mach ich mir ein Butterbrot (irische Butter).