Beiträge von Maylin85

    Ja, finde ich. Ich bin Lehrer und kein Therapeut oder Sozialpädagoge und hätte mir diese Berufe auch nicht ausgesucht. Schon allein um seine Arbeitszeit nicht komplett ausufern zu lassen, muss man sich hier meines Erachtens abgrenzen und die Kinder an die passenden Stellen für solche Probleme weiterleiten. Es ist natürlich wichtig ggf. vermittelnd tätig zu werden und dafür zu sorgen, dass sie die nötige Hilfestellung bekommen, aber ICH bin nicht derjenige, der sie aktiv leisten möchte.

    Ich hatte mal eine Schülerin, bei der ich das leider zunächst nicht konsequent gemacht habe und die hinterher arge Schwierigkeiten hatte, Grenzen zu akzeptieren. Das ging so weit, dass sie mir über Paypal Geld geschickt hat, um Kontakt und Reaktionen zu erzwingen - sehr nervig!

    Nur eine Randbemerkung:

    Kinder, die in Obhut genommen werden, haben einen Anspruch darauf, eine erwachsene Person ihres Vertrauens zu kontaktieren. Ratet mal, wen junge Kinder in den meisten Fällen auswählen. Richtig: die/den Erzieher*in oder Lehrer*in

    Schon allein daran merkt man, dass Lehrkräfte für Kinder keine reinen Wissensvermittler*innen sind.

    Das ist ja auch naheliegend, wenn neben der Familie die meiste Zeit in Institutionen verbracht wird.

    Ich frage mich da allerdings gerade, ob ich das als Lehrkraft im Fall des Falles überhaupt möchte. Natürlich legt man in so einem Fall nicht auf und lässt das Kind vor die Wand rennen, aber in meinen Aufgabenbereich fällt es auch nicht.

    Du hattest explizit nach älteren Schülern gefragt. Dass das ein wenig anders ist als bei Grundschülern, nehme ich wohl auch an.

    meine Schüler:innen dürften bis zum Besuch einer SekII-Schule auch gelernt haben, dass man Lehrkräfte in SekI und SekII-Schulen siezt

    Das ist eben der Punkt, mir sind in 10 Jahren Gymnasium fast jedes Jahr duzende Fünftklässler begegnet, also lernen sie das HIER zumindest offensichtlich nicht alle zuverlässig. Und dafür fehlte und fehlt mir das Verständnis, weil es einfach etwas so Grundlegendes ist, dass schwer nachvollziehbar ist, wieso die Grundschulen hier so nachlässig zu sein scheinen.

    Wieso muss ich das sicherstellen? Ich sehe mich ehrlich gesagt nicht als Anlaufstelle für alle möglichen Schüler-Probleme und habe das auch nie. Mein Job ist, sie in meinen Fächern fachlich angemessen auszubilden. Das heißt nicht, dass man kein offenes Ohr hat und bei Bedarf nicht gesprächsbereit ist, aber es ist auch nicht mein primäres Anliegen, mich als ultimative Vetrauensperson zu positionieren.

    Ungeachtet dessen ist mein Verhältnis zu älteren Schülern immer schon deutlich weniger distanziert gewesen als zu jüngeren. Bei den Kleinen muss man aufpassen, dass sie einen nicht plötzlich mit der Freundin verwechseln und zu distanzlos werden, wenn man zu viel Interesse an privaten Angelehenheiten zeigt. Bei älteren Schülern fühlte sich die Balance immer auf Anhieb stimmiger an.

    Ich erinnere mich an eine sehr junge Erzieherin aus der Parallelgruppe, die für uns "Kerstin" war. Alle anderen waren Frau Sowieso. War übrigens eine sehr netter Dorfkindergarten und hat Atmosphäre und Wohlfühlfaktor keinen Abbruch getan.

    Wenn das Du eine vertraute Anredeform ist,

    sollten doch Grundschüler:innen gerade diese Form für die Kommunikation mit ihren Lehrer:innen wählen.

    Ich hoffe doch, dass auch Grundschullehrer eine gesunde und angemessene Distanz wahren. Vertrautheit, wie sie innerhalb von Familie und Freundeskreis herrscht (= wo man das Du verwendet), fände ich im Schulkontext gänzlich fehl am Platz.

    Mir fällt dazu gerade ein, dass schon unsere Kindergärtnerin Frau A. war und ebenfalls gesiezt wurde. Die Duzerei von Erwachsenen passt eigentlich von klein auf nirgends.

    Hast du denn JETZT gerade eine bessere Alternative? Wenn nicht, mache es doch erstmal, guck dir an, ob derJob was für dich ist, und lote parallel die Optionen aus. Ich könnte mir vorstellen, dass die Hürden für den Quereinstieg oder eine Nachqualifizierung perspektivisch noch gesenkt werden und sich Erfahrung dann ggf. doch noch bezahlt macht, aber das ist natürlich spekulativ.

    Die genannten Aufgaben sind zumindest hier bei uns nicht immer sofort Beförderungsstellen, sondern werden häufig erst jahrelang für umme gemacht, bevor die Schule irgendwann eine Beförderungsstelle ausschreiben darf. Da würde ich also nicht direkt zu hohe Ansprüche stellen. Wenn du den Eindruck hast, dass die Schule dich unbedingt haben möchte und gewillt bist zu pokern, versuche, direkt Entlastungsstunden dafür auszuhandeln.

    Unter Erwachsenen finde ich das Duzen in Ordnung und hätte auch mit Schülern ggf. kein Problem dabei (überlege noch, bei uns an der Schule sind derzeit alle Varianten vertreten und jeder macht es anders). Bei jüngeren Schülern empfinde ich es auch als arg respektlos und "ungehörig" und war jedes Mal befremdet, wenn Fünftklässler das noch nicht hinbekommen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das zu meiner Grundschulzeit absolut niemand gemacht hat und mir erschließt sich auch nicht so recht, wieso das heute anders sein "muss" und man dort so etwas - offensichtlich über Jahre hinweg - duldet.

    Diese ganze Umkleiden/Toiletten-Debatte ist doch einfach nur absurd und vorgeschoben. Wer vor hat, solche Örtlichkeiten für Übergriffe zu nutzen, tut das immer schon (kam z.B. an meiner Uni auf abgelegeneren Toiletten öfters vor, soweit ich weiß) und unabhängig vom gestatteten Zutritt. Wer sie einfach nur für den vorgesehenen Zweck nutzt, stellt keinerlei Problem dar.

    Ich kenne es aus der Vergangenheit auch so, dass bei Krankheit Vertretungsmaterial erwartet wurde und man sich dem impliziten Druck nicht unbedingt immer entziehen konnte. Heute hätte ich in der Hinsicht ein dickeres Fell, glaube ich. Krank ist krank. Man könnte die Problematik der spontanen sinnvollen Beschäftigung ja auch einfach mit zentral vorgehaltenem Selbstlernmaterial für die verschiedenen Fächer lösen.

    Bei planbarer Abwesenheit über überschaubare Zeiträume (darunter zähle ich nicht die oben erwähnten 2 Wochen Klassenfahrt, sondern vielleicht mal 1-2 Tage) finde ich es allerdings schon zumutbar, die Schüler im Vorfeld mit Aufgaben zu versorgen.

    Ich hätte auch arge Probleme mit dem Filmen und würde es ablehnen. Wer so massive Schulangst hat, dass nachweislich nur Onlineunterricht nötig ist, muss eben eine Fernschule besuchen. Bewilligen die Jugendämter nicht gerne, aber wenn die Eingliederungshilfe diese Form der Beschulung als nicht notwendig einstuft, dann würde ich daraus ableiten, dass auch für die Regelschule keine Notwendigkeit besteht, etwas vergleichbares anzubieten.

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