Beiträge von Maylin85

    Passiert an den weiterführenden Schulen denn tatsächlich noch viel Rechtschreibförderung? Ich hatte den Eindruck ehrlich gesagt nicht. Ja, die Deutschkollegen bemühen sich sicherlich, aber wie viele Punkte entfallen denn in einer Unter- oder Mittelstufenklassenarbeit auf Rechtschreibung? Ist es genug, um Kindern zu verdeutlichen, dass sich das mühsame Umlernen "lohnt"? Mir scheint, dass Kindern nirgends ernsthaft vermittelt wird, dass korrektes Schreiben überhaupt sonderlich wichtig ist. In der Oberstufe ist das Kind dann halt schon lange in den Brunnen gefallen.

    Ja, ich gebe dir komplett Recht. Und ich sehe auch das Dilemma, insbesondere weil fehlerhafter und unpräziser Sprachgebrauch nicht selten die Aussagen in den Ausführungen (bzw. eigentlich Gemeintes) verfälscht. Aber ich weiß schlichtweg nicht, wie man damit noch umgehen soll. Dass in Oberstufen Schüler landen, die nicht schreiben können (und das betrifft mein altes Gymnasium gleichermaßen wie die derzeitige Schule), ist ein Versäumnis der kompletten bisherigen Schulkarriere und den Schuh, dass da 10 Jahre lang irgendwas gravierend falsch gelaufen ist, müssen wir alle (als Lehrer, als Gesellschaft) uns letztlich anziehen. Was macht man jetzt also mit diesen Leuten? Alle durchfallen lassen? Was genau würde dadurch unterm Strich besser?

    Ich bin nicht sicher, ob man sich das "Kompetenzlevel" von Oberstufenschülern in gewissen Ecken Deutschlands überall vorstellen kann. ich war auch mal an Schulen, an denen solche Fehlerhäufungen die Ausnahme waren und die Entscheidung, wie man mit den wenigen defizitären Schreibern verfährt, leichter fiel. Wenn man sich aber plötzlich in Settings findet, in denen 60-80% aller Klausuren eigentlich abgewertet werden müssten, sieht die Sache auf einmal etwas komplexer aus. Und man macht es eben nicht mehr in gleicher Konsequenz.

    Ich habe früher regelmäßig abgewertet und bin beim Thema Sprache eigentlich auch ziemlich pingelig. Aber es nimmt dermaßen Überhand, dass eh schon zunehmend schlechte Noten dann auch noch ständig im Defizit landen - an der Stelle ist man dann irgendwann an dem Punkt, an dem es gilt, Verhältnismäßigkeiten abzuwägen und zu überlegen, ob die Frage von keinem Abschluss oder knapp erreichtem Abschluss wirklich an der Sprachrichtigkeit in einem Nichtsprachfach hängen sollte.


    Find ich interessant - an unserer Schule haben wir auch ein großes Problem mit der Lesekompetenz, das sich bis in die Oberstufe zieht. Wie genau sahen diese 15 Minuten aus? Jede Person liest ein Buch der Wahl, ähnlich wie bei WillG? Wie wurde das Konzept aufgenommen?

    Welche anderen Ideen wurden vllt an euren Schulen schon (erfolgreich) etabliert? Ich verzweifle da bei uns echt manchmal…

    Es lief im Prinzip genau so, wie von WillG beschrieben: die Kinder konnten eigene Bücher mitbringen oder etwas aus der Schulbücherei ausleihen. Die Bücher sollten halt altersgerecht sein und keine Comics, andere Vorgaben gab es nicht. Einmal pro Schuljahr sollte jeder Schüler eine kurze Buchvorstellung eines Buches seiner Wahl machen. Ziel war die Verbesserung der Lesekompetenz und generell ein Heranführen ans Medium Buch. Zur Aufnahme des Konzepts kann ich nichts sagen, weil es schon fest etabliert war, als ich an der Schule angefangen habe. Die Schüler haben es durchwachsen angenommen... in Klasse 5/6 klappte es noch recht gut, in Klasse 7 ließ die Bereitschaft, in diesen 15 Minuten tatsächlich zu lesen, merklich ab.

    Mein aufrichtiges Mitgefühl galt immer den Leseratten, die nach 15 Minuten das Buch zuklappen mussten, weil dann halt der Unterricht losging. Mitten im Kapitel aufhören zu müssen, ist schon ein bisschen grausam^^

    Mich wundert das wenige Lesen ein wenig. Wir hatten sogar am Gymnasium noch für Klasse 5-7 täglich 15 Minuten Lesezeit (rotierte einfach durchs Stundenraster und hat damit alle Fächer gleichermaßen zeitlich "belastet"). Ich hätte gedacht, dass sowas an Grundschulen erst recht fest verankert ist.

    Nimm die bessere Schule.

    Meine alte Schule war in 15 Minuten erreichbar, die neue (mit der zügigeren, aber etwas längeren Streckenvariante) etwas über 50km. So sehr das Pendeln nervt und auch niemals staufrei und unter einer Stunde funktioniert: wenn die wohnortnahe Schule nicht zu den eigenen Vorstellungen passt, ist es die schlechtere Option.

    Ja und? Hat die Sozpäd. eine Glaskugel? Sie geht ihrem Job nach und du deinem. Erstmal glaubt man doch seinem Schüler/Klienten. Wenn du als Lehrkraft dann deine Erfahrung/Wahrnehmung mitteilst, dann kann man das doch ganz leicht aufklären.

    Bei diesem Beispiel finde ich eine Intervention der Sozialpädagogin allerdings grundsätzlich wenig angemessen. Wenn Schüler zu spät kommen, egal warum, kann man das als Lehrer ja wohl maßregelnd ansprechen und das muss derjenigen auch aushalten. Sozialpädagogen finde ich in anderen Bereichen sinnvoll (häusliche Probleme, Suchtproblematik, Konflikte unter Mitschülern, Probleme mit Dingen wie der Selbstorganisation etc.), aber bei Alltagsgeplänkel zwischen Schüler und Lehrkraft empfinde ich eine Beteiligung als unpassend.

    Wenn ich jemanden direkt anspreche und er genau in dem Moment zum Handy oder Strickzeug greift, um sich demonstrativ von mir abwenden zu können, empfinde ich das schon als eine kleine Kampfansage.

    Vielleicht. Aber klingt jetzt jedenfalls auch nicht nach der ultimativen Provokation, wenn man sich gleichzeitig auf die Ansprache noch konstruktiv äußert.

    Exakt das "zu schüchtern" Argument habe ich in der Realschule am Ende der Erorpbungsstufe gehört, als es darum ging, wer zum Gymnasium übertreten könnte. Toller, leistungsstarker Schüler, schriftlich überall 1, aber die einzigen, die sich für eine Wechselempfehlung ausgesprochen haben, waren ich und eine weitere fürs Gymnasium ausgebildete Vertretungskraft. Der Rest fand problematisch, dass er halt still und schüchtern war. Als gäbe es am Gymnasium nur extrovertierte Kinder... so ein Blödsinn..

    Erklärungsansätze für Unterentwicklung gibt es ja viele (vom Geodeterminismus über die klassischen Dependenz- und Modernisierungstheorien bis hin zu Ansätzen, die eine ungleich verteilte Teilhabe am Globalisierungsgeschehen konstatieren). Die Verantwortung lapidar der lokalen Bevölkerung zuzuschieben, halte ich jedenfalls auch für zu kurz gedacht. Solange strukturelle Abhängigkeiten von Entwicklungshilfezuwendungen, ausländischen Investoren und Industriestaaten bestehen, ist der Aufbau einer eigenen, stabilen Binnenwirtschaft für viele Länder faktisch verdammt schwierig bzw. wird aktiv verhindert. Und wo es nicht gelingt, Zukunftsperspektiven zu schaffen, wird Auswanderung immer ein Thema bleiben.

    Möchte man das Thema ernsthaft angehen, müsste man Ländern des Südens in erster Linie mal eine gewisse Emanzipation erlauben und aufhören, die dortigen Märkte mit hochsubventioniertem Kram aus Nordamerika und Europa zu fluten. Ich sehe dazu keine Bereitschaft.

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