Beiträge von Maylin85

    Ich hab meine Ausbildung bei Siemens gemacht (Schwerpunkt Vertrieb). Das ist wirklich ein schlechtes Beispiel, denn in sämtlichen Abteilungen, die ich durchlaufen habe, wurde zwar natürlich gearbeitet, aber kaputt gemacht haben sich die Allermeisten nicht und vor allem wurde wirklich alles konsequent bezahlt. Arbeitszeit wird vollständig erfasst, Arbeitsmaterial vom Laptop bis zum Kugelscheiber gestellt, bei Dienstreisen erfolgt die Unterbringung in angemessenen Hotels, der Stellplatz in der Tiefgarage war kostenfrei, Fortbildungen erfolgen innerhalb der Arbeitszeit (nicht als add on obendrauf), Wochenendeinsätze beschränken sich auf Messen oder fest eingeplante und vor allem gut vergütete Marketingevents o.ä. (nicht kurzfristig anberaumte Klausuraufsichten in Nachschreibklausuren am Samstag für umme oder solche Scherze), bei Betriebsfesten ist das Essen kostenlos (kein Mitbringgedöns oder vorheriges Geldeinsammeln über den Lehrerrat) und - und das ist für mich der größte Unterschied zum Schulbetrieb - es wird (zweifellos aus ökonomischen Motiven) effizient mit Zeit umgegangen. Sprich, es gibt keine Endlosschwachsinnskonferenzen, in denen nur heiße Luft diskutiert wird, weil die Anwesenden ja nunmal sowieso pauschal bezahlt sind und man sich ganz selbstverständlich berechtigt dazu sieht, frei über deren Zeit bis hin die Abendstunden zu verfügen, sondern Meetings müssen effizient und zielorientiert sein oder sie finden halt nicht statt. Ich habe zu zweien meiner Ex-Mitazubis noch Kontakt und die verdienen übrigens auch nicht weniger als ich.


    Wo ich allerdings das komplette Gegenteil erlebt habe, war in der Messebranche (privater Veranstalter). Dort wurde in den Wochen vor großen Messen rund um die Uhr gearbeitet und eine Kollegin hatte im August bereits 3 Monate (!) Überstunden angesammelt. Als Teamassistenz. Was zu einem riesen Rüffel seitens der Geschäftsleitung führte und dazu, dass dann halt abends irgendwann ausgestempelt und trotzdem bis 23h weitergerbeitet wurde. Dagegen sind unsere Arbeitsbedingungen dann doch wieder sehr angenehm.

    Letztlich stimme ich firelilly aber zu: wir werden bezahlt für 40 Stunden und es ist nur konsequent dafür zu sorgen, dass man die auch nicht überschreitet. Muss ich privat an einigen Stellen Mehraufwendungen betreiben, kann ich sie mir auch guten Gewissens an anderer Stelle wieder selbst kompensieren. Als Berufsanfänger ist es aber, denke ich, normal, dass man in den ersten Jahren höhere Belastungen hat und unterm Strich Überstunden schiebt. Man kann an der Unterrichtsplanung viel Zeit einsparen, wenn man sich ganz schnell von einem hohen Eigenanspruch verabschiedet, und man kann perspektvisch über mehrere Jahre einen Zeitausgleich anstreben. Viel mehr Optionen sehe ich nicht.

    Kris24

    Nee, 6 Wochen muss man bis zur vollständigen Impfung nicht mehr rechen. Da ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, wird derzeit auch wieder im Abstand von 4 Wochen geimpft.

    Wer partout nicht mit der Maske zurecht kommt oder sonstige ""Komplikationen" hat, hat ja objektiv einen guten Grund sich ggf. krank schreiben zu lassen. Dagegen würde ich nie was sagen. Ich kenne - nicht im Kollegenkreis, aber im Freundeskreis - aber halt auch genug Leute, die ganz offen sagen, dass sie eigentlich gut zurecht kommen, aber trotzdem ins Beschäftigungsverbot gegangen sind.

    Letztlich muss das auch jeder selbst wissen und für sich entscheiden. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass ich gut finde, dass angesichts der Impfung eine Schwangerschaft keinen Automatismus in Sachen Beschäftigungsverbot mehr bedeutet. Das kann ja auf Dauer keiner ständig vertreten...

    Ich habe auch den Eindruck, dass ein erheblicher Anteil der Schwangeren sich möglichst schnell ins Beschäftigungsverbot "begibt".

    Schwangere können sich (endlich auch mit Stiko Empfehlung) impfen. Ich sehe eigentlich keinen Grund, wieso hier noch länger Sonderregelungen gelten sollten.

    Könnte es sein, dass dein Unterricht für Schüler, denen ganz grundlegende Kompetenzen fehlen, evtl. auch einfach zu anspruchsvoll ist und dass sie sich deswegen ausklinken? Wer nicht in der Lage ist, einen geraden Satz aufs Papier zu bringen, braucht in Förderstunden (meines Erachtens, als ebenfalls Englischlehrerin) kein Hörverstehen oder längere Textproduktionen (in denen unweigerlich viele Fehler auftauchen werden und die schon im Regelungerricht zu erbringen sind und zu Frust führen), sondern gezieltes Aufarbeiten von Defiziten. Wenn das Grammatik der 5. Klasse ist, dann ist es eben Grammatik der 5. Klasse. MEIN Ansatz wäre daher, nicht mit schön geplanten Stunden in diese Förderstunden zu gehen, sondern die Hauptproblembereiche bei der Sprachproduktion zu diagnostizieren und dann transparent daran zu arbeiten. Kein schöner Einstiegsimpuls mit irgendwelchen inhaltlich netten Schwerpunkten a la video games, sondern "Mir ist aufgefallen, dass ihr noch große Probleme mit der Wortstellung habt. Wenn wir es hinbekommen das aufzuarbeiten, schaffen wir es, eine große Fehlerquelle auszuschalten und eure Texte/Klassenarbeiten werden schlagartig deutlich besser aussehen." Und dann würde ich ganz kleinschrittig anfangen mit Grammatik und Übungsblättern, die ein überschaubares Anforderungsniveau haben, auch schwachen Schülern Erfolgserlebnisse beim Durcharbeiten ermöglichen, und den Schwierigkeitsgrad langsam von geschlossenen Aufgaben hin zur freien Textproduktion steigern. Die Vorgabe, einen freien Text zu formulieren, hat für Schüler, die die Sprache schlichtweg nicht beherrschen, wenig Anreiz und ist eigentlich ein vorgrogrammierter Misserfolg.

    Wenn es dann auf Klassenarbeiten zugeht, kann man immer noch gezielt schauen, welche Textformate dort beherrscht werden müssen, und den Schülern gezielte Hilfen an die Hand geben, um dort einigermaßen okay-ish abzuschneiden. Wer im Förderkurs sitzt, wird keinen supertollen Text abliefern (können). Aber vielleicht kannst du mit ihnen z.B. gezielt Phrasen für Einleitungssätze und conclusions üben, sie zu Übungszwecken Texte aus vorformulierten Textbausteinen schreiben lassen, Überleitungsphrasen trainieren, etc.

    Also kurz gesagt: ich glaube nicht, dass Schüler in diesem speziellen Förderkontext bei "klassischen" Englischstunden mitziehen werden, egal, wie motivierend das Material und die Themenauswahl gestaltet sind. Sie haben aber vermutlich ein gewisses Interesse daran, in der nächsten Klassenarbeit evtl. mal eine 4 zu schaffen. Wenn du transparent machen kannst, dass das euer gemeinsames Ziel ist und dass du deine Inhalte gezielt darauf zugeschnitten hast, dass sie das auch erreichen können, erkennen sie vielleicht einen Mehrwert in deinen Stunden und lassen sich darauf ein.

    Ich "warte" auf weniger hohe Inzidenzen in der Altersgruppe unserer Schüler. 5-14 liegt hier über 200, 15-34 auch über 100. Ich mache mir geimpft keinen großen Kopf um einen potentiell schweren Verlauf, ich möchte es aber trotzdem nicht haben.

    Generell würde ich es logischer finden, die Erkältungszeit abzuwarten, bevor die Maskenpflicht fällt.

    Maylin85: Anti-Kopftuch, egal mit welchem Hintergrund, ist halt schlichtweg keine klassisch linke Ansicht. Ohne jetzt die genauen Antworten bei dieser Frage mir angeschaut zu haben, würde ich mal behaupten, dass die "linkeste" Partei, die dieser Frage zustimmt, überhaupt erst die CDU ist.

    Ja, das wird so sein. Aber eben deswegen passt es für mich eben nicht, komplexe Sachverhalte in einfache Statements zu packen.

    Ich habe beim Wahl-o-mat dieses Jahr auch viele rechte Parteien weit vorne. Meines Erachtens sind die Statements extrem unglücklich gewählt. Ich kann mich z.B. gegen das Kopftuch in Schulen positionieren, weil ich GENERELL der Meinung bin, dass religiöse Symbole nichts in der Schule verloren haben. Dahinter steckt aber keine rechtsgerichtete Gesinnung.

    Gleichzeitig werden Themen, die ich durchaus relevant fände, nicht abgebildet.

    Nun ja, war schonmal treffender... das Lesen von Wohlprogrammen (Langfassung) ersetzt man damit jedenfalls besser nicht.

    Es gibt auch noch die Variante, sich vor einer Infektion schützen zu wollen (z.B. durch Maske und Abstand) und trotzdem unsicher zu sein bezüglich der Impfung. Genau diese Unsicherheit betrifft etliche Kinder ab 12, deren Eltern einer Impfung (noch) nicht zustimmen. (By the way: Unser Kind ist geimpft).

    Man kann aber auch keine ewige Rücksichtnahme auf irrationale Ängste erwarten. Wir haben zugelassene, vertrauenswürdige Impfungen. Wer sich dagegen entschieden hat, muss eben mit der ungeschützten Infektion leben.

    Ich war letzte Woche zur Auffrischung der Tetanusimpfung und auch dieser Arzt empfängt in der Praxis keine Patienten mit Erkältungssymptomen. Die sollen anrufen, bekommen Beratung und Attest telefonisch oder werden am Fenster im Hinterhof zum Testabstrich empfangen.

    Wenn vielen Menschen dadurch möglich wird, höhere Abschlüsse zu erreichen, gibt es in der Gesellschaft einen hohen Bildungsgrad.

    Diese These kann man nur aufrecht erhalten, wenn man ausblendet, dass das Abitur nicht automatisch auch bedeutet, dass die Schüler die entsprechenden Kompetenzen erworben haben.

    Zwischen dem Gymnasium im Ruhrgebiet, an dem ich arbeite, und meiner letzten Stelle im Münsterland, liegen im Niveau Lichtjahre. Auf dem Papier sind die Abidurchschnitte aber recht ähnlich. Ebenso liegen zwischen uns und der benachbarten Gesamtschule Welten.

    Man schult in der Praxis eben nicht die Hälfte eines Jahrgangs aus, auch wenn man eigentlich der Meinung ist, dass die auf der falschen Schulform rumlaufen. In der Praxis passt man das Niveau nach unten an und verändert den Bewertungsstandard. Das funktioniert bis ins Abitur hinein, denn die EWHs lassen ja meistens doch ein wenig Spielraum.

    In unseren fünften Klassen hat teilweise 1/3 keine Gymnasialempfehlung. Aber auf die Resterampe-Gesamtschule mit sozial problematischem Klientel möchte halt verständlicherweise möglichst auch niemand sein Kind schicken. Die wenigen verbliebenen Realschulen haben leider superwenig Schulplätze und sind sehr gefragt.

    Je größer die Leistungsheterogenität, desto mehr passt sich das Niveau schleichend nach unten an. Das möchte zwar niemand hören und ist politisch vermutlich nicht korrekt, aber es ist eben eine Illusion, dass in einem hiesigen schulischen Setting Individualisierung von Lernprozessen so prima funktioniert, dass die Unterschiede adäquat abgefangen werden. Ein dreigliedriges Schulsystem mit bestmöglicher Förderung und stärkerer Durchlässigkeit nach oben, wäre imo die nachhaltigste Variante.

    Eine FFP2 Maskenpflicht würde ich auch befürworten, die lassen sich auch schwieriger unter der Nase tragen. Aber dann müsste man natürlich auch dafür sorgen, dass Maskenpausen eingelegt werden können. So viel Konzeption ist wohl nicht zumutbar.

    Entspannt wäre ich, wenn meine Arbeitszeit nicht pauschal abgegolten wäre, sondern wenn ich ordnungsgemäß eingestempelt auf den Schüler warten würde und auch die Konzeptionszeit korrekt erfasst wäre. Was solche Vorfälle mehr als nur ärgerlich macht, ist dass es ohnehin unbezahlte Mehrarbeit ist, die man da absitzt. Natürlich ist ein Nichterscheinen kein persönlicher Angriff seitens der Schülers, aber schon allein damit das nicht ständig passiert und uns unnötig belastet, sollte es auch über das Nichtbestehen hinausgehende Folgen haben, die die Hemmschwelle für Schüler erhöhen. Eine schnöde Mail reicht ja bereits und sollte zumutbar sein.

    ...und GERADE weil wir Pädagogen sind, finde ich diese sehr netten, unverbindlichen, schülerorientierten Handhabungen aller möglicher Anliegen übrigens generell etwas fragwürdig. Es wäre schön, wenn in der Schule allgemein mal etwas mehr Wert auf Verbindlichkeiten gelegt werden würde und es mehr Konsequenzen gäbe.

    Schulrechtlich sehe ich hier aber keinen Spielraum für Erziehungs- oder gar Ordnungsmaßnahmen. Der Nichtantritt einer Prüfung stellt für sich genommen noch keinen schwerwiegenden Pflichtverstoß dar, der über die Bewertung mit "nicht bestanden" hinaus noch zu ahnden wäre. Was wäre denn deiner Meinung nach eine angemessene Konsequenz darüber hinaus?

    Dass es keine schulrechtliche Grundlage dafür gibt, mag leider sein. Angemessen würde ich finden, dass solche Kandidaten mal 2-3 Nachmittage Freizeit in der Schule verbringen und gemeinnützig beim Hausmeister arbeiten dürfen oder dergleichen. Irgendwas, was verdeutlicht, dass ein solch einigermaßen dreister Umgang mit Zeit und Arbeitseinsatz anderer auch mit eigener Zeit und Arbeiteinsatz abgegolten wird.

    Die niedersächsische Abinachprüfungsregel ist ja mal ausgesprochen schülerfreundlich und ein ziemlicher Arschtritt für alle betroffenen Lehrkräfte. Wir brauchen dringend eine korrekte Arbeitszeiterfassung 😊

    Mich würde es zwar auch stören, wenn ich entweder extra hätte zur Schule fahren müssen, mir die Arbeit für das Konzipieren der Prüfung gemacht hätte, aber wie bereits gesagt wurde, kann ich die Prüfung dann zu einem anderen Zeitpunkt ggf. noch mal verwenden (auch wenn es erst mal ein schwacher Trost ist).

    Ich hatte das letzte Mal 2017 eine, sigar zufällig im gleichen Jahrgang, und seitdem haben sich Lehrplan und Stoffverteilung verändert, davon war also nichts verwertbar. Ist also jetzt nicht so, als wäre das reguläre Routinen😊

    Mich erstaunt, wie relaxed das gesehen wird. Ich habe in meine 3 Prüfungen mal locker 5-6 Stunden Vorbereitung gesteckt und musste für den schriftlichen Teil bereits letzte Woche extra dafür zur Schule fahren. Ein Kollege musste deswegen früher von einer Familienfeier abreisen. Wenn da nun der Schüler nicht auftaucht, würde ich das nicht schulterzuckend abtun, sondern wäre mal so richtig massiv angepisst.

    Ganz abgesehen davon gehört es sich auch einfach nicht, Termine ohne Absagen platzen zu lassen. Wir haben nunmal auch einen Erziehungsauftrag und der Umgang mit Verbindlichkeiten gehört für mich absolut ohne Diskussion dazu. Wenn jemand ohne Absage fern bleibt, liegt offensichtlich ein Erziehungsdefizit vor, daher -> Erziehungsmaßnahme absolut zu befürworten.

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