Ich hab meine Ausbildung bei Siemens gemacht (Schwerpunkt Vertrieb). Das ist wirklich ein schlechtes Beispiel, denn in sämtlichen Abteilungen, die ich durchlaufen habe, wurde zwar natürlich gearbeitet, aber kaputt gemacht haben sich die Allermeisten nicht und vor allem wurde wirklich alles konsequent bezahlt. Arbeitszeit wird vollständig erfasst, Arbeitsmaterial vom Laptop bis zum Kugelscheiber gestellt, bei Dienstreisen erfolgt die Unterbringung in angemessenen Hotels, der Stellplatz in der Tiefgarage war kostenfrei, Fortbildungen erfolgen innerhalb der Arbeitszeit (nicht als add on obendrauf), Wochenendeinsätze beschränken sich auf Messen oder fest eingeplante und vor allem gut vergütete Marketingevents o.ä. (nicht kurzfristig anberaumte Klausuraufsichten in Nachschreibklausuren am Samstag für umme oder solche Scherze), bei Betriebsfesten ist das Essen kostenlos (kein Mitbringgedöns oder vorheriges Geldeinsammeln über den Lehrerrat) und - und das ist für mich der größte Unterschied zum Schulbetrieb - es wird (zweifellos aus ökonomischen Motiven) effizient mit Zeit umgegangen. Sprich, es gibt keine Endlosschwachsinnskonferenzen, in denen nur heiße Luft diskutiert wird, weil die Anwesenden ja nunmal sowieso pauschal bezahlt sind und man sich ganz selbstverständlich berechtigt dazu sieht, frei über deren Zeit bis hin die Abendstunden zu verfügen, sondern Meetings müssen effizient und zielorientiert sein oder sie finden halt nicht statt. Ich habe zu zweien meiner Ex-Mitazubis noch Kontakt und die verdienen übrigens auch nicht weniger als ich.
Wo ich allerdings das komplette Gegenteil erlebt habe, war in der Messebranche (privater Veranstalter). Dort wurde in den Wochen vor großen Messen rund um die Uhr gearbeitet und eine Kollegin hatte im August bereits 3 Monate (!) Überstunden angesammelt. Als Teamassistenz. Was zu einem riesen Rüffel seitens der Geschäftsleitung führte und dazu, dass dann halt abends irgendwann ausgestempelt und trotzdem bis 23h weitergerbeitet wurde. Dagegen sind unsere Arbeitsbedingungen dann doch wieder sehr angenehm.
Letztlich stimme ich firelilly aber zu: wir werden bezahlt für 40 Stunden und es ist nur konsequent dafür zu sorgen, dass man die auch nicht überschreitet. Muss ich privat an einigen Stellen Mehraufwendungen betreiben, kann ich sie mir auch guten Gewissens an anderer Stelle wieder selbst kompensieren. Als Berufsanfänger ist es aber, denke ich, normal, dass man in den ersten Jahren höhere Belastungen hat und unterm Strich Überstunden schiebt. Man kann an der Unterrichtsplanung viel Zeit einsparen, wenn man sich ganz schnell von einem hohen Eigenanspruch verabschiedet, und man kann perspektvisch über mehrere Jahre einen Zeitausgleich anstreben. Viel mehr Optionen sehe ich nicht.