Beiträge von Maylin85

    Ob ich nun die Arbeitsblätter für die fehlenden SuS in einem Ordner abhefte oder in Ablagekästen lege - wie wir es schon seit Jahren machen - oder dieses Arbeitsblatt auf der Lernplattform hochlade, wäre für mich kein Unterschied. Das dauert doch beides nur Minuten (zumindest, wenn ich die Arbeitsblätter in digitaler Form vorliegen haben; aber das ist bei mir fast immer der Fall). Diesen "Service" haben nun schon einige meiner KuK als "neuen Standard etabliert" (sogar schon vor Corona) und ich finde das gut so und werde es auch in Zukunft so beibehalten.

    Worin besteht denn deiner Meinung nach die viele Mehrarbeit?

    Ich digitalisiere mich sukzessive nebenbei und habe nicht alles digital vorliegen. Davon abgesehen dauert es vielleicht nur 2 Minuten eine Datei hochzuladen und kurz rüberzuschicken, was wir gemacht haben, aber auch das summiert sich in Phasen, in denen viele Kinder krank sind, auf. Wenn Unterrichtsergebnisse erwartet werden, habe ich selbst auch gar nicht alles schriftlich - oft präsentieren Schüler und zeigen ihren Hefteintrag, oft diktiere ich auch einfach nur kurz statt selbst anzuschreiben. Ich müsste die ganze Ergebnissicherung also erstmal selbst schreiben oder aus Schülerheften abfotografieren - finde ich nicht sinnvoll bzw. bin der Meinung, dass sie das bei Rückkehr auch beim Sitznachbarn abschreiben können.

    Dazu kommt dann noch, dass manches halt auch nicht selbsterklärend ist, sondern noch ein paar Sätze der Erklärung bedarf. Das mache ich sowieso, wenn der Schüler wieder da ist und persönlich vor mir sitzt, daher sehe ich wenig Nutzen darin, vorher bereits den ganzen Aufwand des Zuschickens zu betreiben.

    Ich sehe einfach überhaupt keinen (verhältnismäßigen) Grund, wieso Schüler sich nicht weiterhin bei Mitschülern über die Unterrichsinhalte informieren sollten, sondern wir diesen Service auch noch übernehmen sollen.

    Und zu guter Letzt: krank ist krank. Wenn der Schüler arbeitsunfähig ist, braucht er zu Hause auch kein Unterrichtsmaterial, sondern es reicht völlig, wenn ich das persönlich übergebe sobald er wieder da und einsatzfähig ist.

    Wenn ich diese niedrigen Inzidenzen dort oben sehe, verstehe ich, wieso die Ansichten z um Thema Corona und Schule derart unterschiedlich sind. Bei diesen Inzidenzen würde ich mir auch wenig Sorgen machen. Bei über 400 bei den Teenagern, kombiniert mit dem Wissen darum, wie selten bei den eigenen Schülern überhaupt getestet wird, sieht das etwas anders aus.
    Auf jeden Fall sehr spannend.

    Sinnvoller finde ich es nach Corona zu schauen, was sich bewährt hat und auch im normalen Präsenzunterricht einen tatsächlichen Mehrwert hat (Hausaufgaben digital einzusammeln oder kranke SuS digital mit Tafelaufschrieben und Materialien zu versorgen könnte durchaus dazugehören, Videokonferenzen müssen meines Erachtens nicht unbedingt zum Standard werden) und was man aus Gründen wie Datenschutz, Stärkung von Sozialkontakten oder auch der sinnvollen Reduktion reiner Medienzeiten nicht mehr oder nur begrenzt benötigt und weiterführen möchte.

    Genau das befürchte ich, dass dieser Service sich gerade stillschweigend als neuer Standard etabliert. Ich persönlich finde das arg bedenklich, denn das wird unweigerlich in noch mehr Mehrarbeit ausarten. Einige Eltern erwarten das schon jetzt von uns - denn hey, wir haben doch die Lernplattform. Dass die Onlinebeschulung ausschließlich für Quarantäneschüler erfolgen muss und nicht für kranke Schüler gilt, muss immer wieder aufs Neue mühsam klargestellt und diskutiert werden.

    An die Tafel schreiben ist bei euch nicht mehr erlaubt? Ich finde es auch für die Schüler schon durchauch wichtig zu sehen, wie z.B. bei einem 3erSchnitt die Verteilung aussieht und ob die Schere weit auseinder geht oder alle dicht beisammen liegen.

    An meinem Schulort kritisiert die Lokalpresse, dass das Gesundheitsamt nach wie vor keine Zahlen zu Infektionsfällen und Quarantänen in den Schulen herausgibt. Man weiß schlichtweg nichts Genaues oder aber möchte nichts herausrücken. Gleichzeitig scheint dort trotz Unterstützung durch die Bundeswehr und durch aus anderen Abteilungen abgezogene Mitarbeiter die Überlastungsgrenze deutlich überschritten worden zu sein. Viele unserer Schüler, die als "eventuell Kontaktperson, wir vervolgen das, bleiben Sie bitte erstmal zu Hause bis sie Weiteres hören" gelten, sitzen zu Hause und hören nie wieder was - WENN sie denn zu Hause sitzen, manche kommen auch einfach weiterhin in den Unterricht, da es ja auch keine spezifischen Quaratäne-Weisungen gibt. Ein Kollege wartet seit 8 Tagen auf sein Testergebnis.

    Ich habe nicht den Eindruck, dass es hier noch rund läuft. Aber immerhin wurde jetzt der Sportunterricht schonmal ausgesetzt.

    Ich verstehe ja nicht so recht, was die eine Woche bringen soll, wenn es doch sonst immer um 10-14 Tage geht. Wer sich in der letzten Schulwoche infiziert hat, ist doch immer noch wunderbar infektiös.

    Mal ganz abgesehen davon, dass das eine Bankrotterklärung ist was die "Sicherheit" der Schulen betrifft.

    Ich verstehe einerseits die datenschutzrechtlichen Bedenken, würde es aber dennoch angemessen finden, in den betroffenen Klassen über Positivfälle zu informieren. Ich habe bei meinen eigenen Schülern gesehen, dass sie - als das Virus plötzlich ganz nah war und nicht nur eine diffuse Bedrohung irgendwo außerhalb des eigenen Erlebniscosmos - doch ein wenig vorsichtiger waren, auch an den kälteren Tagen aus eigenem Antrieb aufs Lüften geachtet haben und die ganze Sache einfach ernster genommen haben. Und ich selbst wüsste es auch gerne, weil auch ich mein Verhalten dann ggf. noch anpassen würde. Für mich ist auch nicht verständlich, wieso monatelang informiert wurde und jetzt plötzlich nicht mehr.

    Ich finde die Idee überhaupt nicht gut, denn ehrlich gesagt hat man die beweglichen Ferientage in anderen Phasen des Schuljahres nötiger. Die freien Tage um Karneval sind meine lifeline im Februar :(

    Außerdem zerschießt das unseren Klausurplan und ich hoffe inständig, dass die für den Montag angesetze Klausur jetzt nicht allzu weit nach vorne gezogen wird.

    Wir haben jetzt die ersten 2 Fälle, bei denen die Eltern die Schule einfach mal gar nicht über die Infektion informiert, sondern das Kind einfach nur normal krankgemeldet haben. Auch nett. Das Gesundheitsamt hat es erst 8 Tage verspätet geschafft, die Schule zu informieren.

    Ach so, ja klar. Eigentlich sind die Zahlen einen Faktor 100 höher. So wird es sein.

    Kommt euch das nicht allmählich selbst ein bisschen verschwörungstheoretisch vor?

    JA, tut es!!! Weißt du, das Schlimme ist, dass ich eigentlich Lichtjahre entfernt bin von irgendwelchem Verschwörungs- und Schwurbelkram und nicht ansatzweise auf dieser Welle funke. Aber was ich seit Wochen sehe und erlebe, Tag für Tag, ist leider, dass offensichtlich in den Schulen (zumindest bei uns, es scheint ja durchaus regionale Unterschiede zu geben) in geradezu absurder Weise völlig konträr verfahren wird zu dem, was für den Rest der Gesellschaft gilt. Das gleiche Gesundheitsamt, das bei uns im schulischen Bereich trotz direkter Kontakte mit Positivfällen quasi alles laufen lässt, steckt außerhalb der Schule Leute in Quarantäne, die lediglich über x Ecken indirekte Kontakte hatten. Und es ist nunmal Fakt, dass bei den Schülern kaum Tests vorgenommen werden. Tut mir leid, aber ich kann leider zu keinem anderen Schluss mehr kommen, als dass hier ganz gezielt mit zweierlei Maß gemessen wird, weil man sich sonst eingestehen müsste, dass es eben doch nicht ganz so toll funktioniert wie überall verkündet wird. Wo man nicht testet, findet man auch nichts. Wo man niemanden mehr in Quaratäne schickt, muss man auch nicht erklären, wieso der Schulbetrieb nicht funktioniert.

    Natürlich liest sich die Statistik nicht beunruhigend. Dafür wird ja auch aktiv gesorgt. Wir hatten heute einen Fall, bei dem das Gesundheitsamt "keinen weiteren Handlungsbedarf" sieht, sprich es geht niemand in Quarantäne, auch nicht der direkte Sitznachbar. Das war vor ein paar Wochen noch anders, aber bei der atuellen Entwicklung der Zahlen scheint man großzüger zu werden und dafür zu sorgen, dass die Lage an den Schulen in der Statistik weiterhin ganz prima aussieht.

    Ich werde mich definitiv impfen lassen. Ich habe auch keinerlei Bedenken, dass eine zugelassene Impfung ein übermäßig großes Nebenwirkungsrisiko beinhalten könnte und die Vorbehalte gegen mRNA Impfstoffe teile ich ebenfalls nicht - vielleicht ist es sogar langfristig gut, dass Corona hier als Beschleuniger wirkt und die Technologie schneller zu etablieren hilft.

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