Beiträge von Maylin85

    Ich denke, dass die meisten Jugendlichen nach wie vor im Grundsatz nette Menschen sind. Wir können übers Wochenende oder Zukunftssorgen oder das verstorbene Haustier oder den bevorstehenden Termin beim Jugendrichter oder was auch immer quatschen, alles kein Problem. Dennoch fucked mich Unterricht mit den gleichen Jugendlichen ggf. ab, wenn sie ein beschissenes Unterrichts-, Arbeits- und (untereinander) oft auch Sozialverhalten haben. Das schließt sich doch nicht aus. Und ich bin nunmal kein Sozialarbeiter, sondern sehe meine Primärfunktion immer noch darin, Fachinhalte gemäß Vorgaben zu vermitteln. Dass das häufig gar nicht möglich ist, weil die Schüler sich nicht schuladäquat gebarden, verleidet mir den Job schon ziemlich und deswegen würde ich ihn auch nicht mehr wählen. Mich würde nicht wundern, wenn es Quereinsteigern ähnlich ginge, denn dass Schule letztlich überwiegend Verhaltensmanagement ist, stellt man sich im Vorfeld vermutlich auch nicht unbedingt so vor.

    Ich frage mich dann auch, ob man noch wertschätzend mit ihnen umgehen kann? Würde mich wirklich interessieren. Wenn ich meine SuS grundsätzlich alle für-- hier beliebige negative Eigenschaften einfügen-- halten würde, dann würde ich den Job jedenfalls nicht gut machen können, er ist so schon anstrengend genug.

    Warum sollte man das nicht können? Auf persönlicher, zwischenmenschlicher Basis kam und komme ich mit fast allen Schülern gut zurecht. Ich war auch an 2 meiner Schulen SV-Verbindungslehrer. Aber an der konkreten Unterrichtsarbeit verzweifel ich immer öfter, weil oftmals einfach kein zielführender Fachunterricht mehr möglich ist. Wenn mein Job einfach nur pädagogisches Tralala wäre, wäre mir das egal und dann mache ich eben, was uns fröhlich über den Tag bringt. Kein Ding. In dem Moment, in dem ich konkreten Lernzielen verpflichtet bin, frustriert mich die Diskrepanz zwischen formalen Leistungsvorgaben einerseits und dem, was die Schüler mitbringen und mit ihnen möglich ist andererseits, endlos. Weil man in ständiger Dissonanz lebt und dank des ständig notwendigen Verhaltensmanagements schlichtweg seine Fachinhalte nicht in gebotener Tiefe vermittelt bekommt.

    Daher: ich mache den Job sehr gerne, wenn Schüler MIT mir arbeiten. Wenn ich den Großteil der Zeit damit verbringen muss, Fehlverhalten ENTGEGEN zu wirken und überhaupt erst eine Umgebungskultur herzustellen, in der fachliches Arbeiten stattfinden kann, ätzt mich das an. Und wenn man sich so umhört, kippt an vielen Schulen das Verhältnis hier ins Letztere.

    Es verändert sich, das ist der Lauf der Zeit.

    Wenn es sich in deinen Augen nur verschlechtert, sagt das mehr über dich als über die Schüler aus.

    Eigentlich reicht da eine ganz sachliche Betrachtung. Kürzere Aufmerksamkeitsspannen und Konzentrationsfähigkeit sind nicht subjektiv herbeiphantasiert. Mehr Gewalttaten an Schulen auch nicht. Die Erosion von Verhaltensnormen lässt sich überall im öffentlichen Raum beobachten, natürlich auch in der Schule. Sinkende Leistungsbereitschaft spiegelt sich in sämtlichen Leistungserhebungsstudien, aber auch in den Stimmen von Universitäten und Ausbildungsbetrieben.

    Wo genau zeigen sich denn positive Entwicklungen?

    Nee, so geil war der gar nicht. Aber dass viele Unternehmen attraktivere Konditionen bieten, als der Landesdienst, ist halt Fakt. Dass das Verhalten der Schüler sich tendenziell zum Negativen verändert ebenfalls. Einen Zusammenhang zwischen diesen Rahmenbedingungen und den hohen Ausstiegsquoten von Quereinsteigern auszuschließen, scheint mir etwas weit hergeholt. Vielmehr ist das doch sehr naheliegend.

    Es gibt durchaus Settings und Kurse, in denen ich den Job gerne mache 😊 WBK war toll, Oberstufe am Gymnasium ging auch absolut okay. Vielleicht finde ich nochmal irgendwann eine entsprechende passende Nische. Wenn nicht -> jo, dann werde ich mich vermutlich bis zur Pension durchmotzen 🤷‍♀️ Und völlig ungeniert 😊

    Es ging aber ja auch nicht um mich, sondern darum, dass es sehr nachvollziehbar ist, wenn Quereinsteiger mit beruflichen Alternativen sich gegen ein schulisches Umfeld und eine zunehmend verhaltensgestörte Jugend entscheiden. Die Zustände in vielen Klassen dürften wohl die wenigsten Menschen als übermäßig angenehm und bereichernd empfinden.

    Für mich wäre Sport allein schon lärmtechnisch ein Graus. Onkel war sein Leben lang Teilzeit auf 20 Stunden, nicht so arg lärmempfindlich, ständig braun gebrannt, weil im Dauerurlaub (kaum Vor-/Nachbereitung und so) und hatte noch Entlastungsstunden für Vetrauenslehrergedöns. Natürlich hatte der auch das Lehrerjammergen, aber insgesamt wirkte er nicht so arg unglücklich 😊

    Nicht so arg kompliziert vermutlich, aber ohne ein vernünftiges Altersgeld noch keine Option.

    Ich hab zudem immer mal wieder Bewerbungen rausgeschickt - Fazit: schlecht bezahlt ist realistisch, darüber hinaus ist es schwer. Ich war damals bei Siemens, mit tollen Incentives, Betriebsrente, IG Metall Tarif... war einfach dumm und naiv, das aufzugeben.

    Er wollte das eigentlich schon durchaus unterrichten, Gymnasialsstellen gabs damals aber nur in Sachsen-Anhalt. Hat er kurz ausprobiert und dann doch lieber Gesamtschule in NRW gemacht.

    Wie ich hörte, war Latein dann auch eher eine etwas leidige Geschichte und man/er letztlich froh, dass das Elend nicht auch in der Oberstufe weiterging...

    Mein Onkel hatte auch Sport/Latein.

    Nie eine Klassenleitung, nie groß Korrekturen (Gesamtschule, keine Latein-Oberstufenkurse) Träumchen. Vielleicht ein heißer strategischer Tipp für den frustrierten Klassenleitungs-Nichtbeamten nebenan 😄

    Verhaltensstörungen sind das absolut größte Übel in diesem Job. Ich finde sehr plausibel, dass jemand mit beruflichen Alternativen ganz schnell zum Ergebnis kommt, sich das nicht anzutun und lieber in ein kultivierteres berufliches Umfeld zurückzukehren.

    Die Schüler dürfen aussuchen, weil sie ja ggf. schon mit Fach 1 oder 2 auf die benötigten Punkte kommen und es daher sinnvoll ist, die stärkeren Fächer nach vorne zu legen.

    Mich persönlich ärgert viel mehr, wenn Schüler freiwillige Prüfungen zur Notenverbesserung ansetzen und dann kurzfristig doch wieder absagen. Ist mir mehr als einmal passiert und maximal unnötig.

    Angestellte haben halt den dicken Vorteil, einfach kündigen und sich woanders neu anstellen lassen zu können. Als jemand, der sowieso nicht von Familienzuschlägen profitiert, würde ich mich kein zweites Mal verbeamten lassen. So groß ist der Gehaltsunterschied nach Abzug PKV nicht.

    Liest sich für mich ehrlich gesagt nach normaler Abiphase. Ich hatte mal ein Jahr mit einem LK und zwei GKs im Abi, wobei mit den Zweikorrekturen noch unter den Parallelkollegen rotiert wurde und ich auch 8 oder 9 mündliche Prüfungen in 2 Fächern hatte - war auch kein Vergnügen, aber dann wiederum war es eben der Preis für viel Unterrichtseinsatz in der Oberstufe (den ich explizit wollte).

    Es empfiehlt sich, mündliche Prüfungen weitsichtig anzugehen und nicht erst kurz vor knapp zu erstellen, dann hat man damit punktuell nicht so viel Arbeit. Ich habe für Teil 2 vor ein paar Jahren mal zu jedem Thema und in beiden Fächern eine Sammlung mit möglichen Fragen und Impulsen fürs Abitur erstellt, die fortlaufend parallel zum Q-Phasen-Unterricht eines konkreten Kurses erweitert oder verändert werden kann, so dass sich die Prüfung recht schnell daraus zusammenstellen lässt. Auch geeignetes Material für Teil 1 kann man schon über die 2 Jahre sammeln/zurücklegen und zeitig ausarbeiten. Das ist nichts, womit man sich parallel zur Korrekturphase noch belasten muss.

    Ungünstig lesen sich für mich die sonstigen Klassenarbeiten und Klausuren, die du noch erstellen musst. Müssen die terminlich mitten im Abitur liegen oder hast du sie freiwillig dort hingelegt? Ansonsten auch hier: vorher bereits erstellen, damit die Abiphase "frei" ist von allem, was über Unterricht und Abiabwicklung hinaus geht.

    Mich würde vor allem der Zusatz bezüglich der Einhaltung des § 90a StGB stören. Wenn Schüler so ein Prozedere albern finden und sich ggf. entsprechend gebarden, ist man auch noch zur Reaktion genötigt - wie überaus nervig.

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