Beiträge von Maylin85

    Bei uns ist in Sachen Ausstattung bisher auch exakt nichts passiert. Allerdings haben wir das Glück, dass die meisten Schüler nach eigenen Angaben ausreichend ausgestattet sind und es inzwischen auch eine funktionierende Lernplattform gibt, die sich bei den Quarantäneschülern bereits im Großen und Ganzen bewährt. Fortbildungstag dazu gab es ebenfalls schon, insofern wären wir startklar und könnten recht nahtlos ins Distanzformat wechseln, denke ich. Zumindest bei den höheren Jahrgängen könnte das bei steigenden Zahlen ja durchaus sinnvoll sein.

    Stimmt, man könnte es auch noch simpler formulieren: der Lehrer ist Erklärer von Sachen, der Rechtsanwalt so Berater mit Gesetzen und der Onkel Dokter ist Verschreiber von Medizin.

    Was sollen eigentlich die Kolleg*innen an den Geistigbehindertenschulen sagen? Oder Psychiaterinnen? Oder Verhaltensbiologen, die Kakadus beim Rätsellösen beobachten? Haben die alle nicht richtig studiert, weil diejenigen, mit denen sie arbeiten, keine intellektuell ebenbürtigen Gesprächspartner sind?

    Ich habe nie gesagt, wir hätten "nicht richtig studiert". Wo liest du das raus? Aber dass das Studium eben je nach Fachrichtung nicht mit reinen Vollstudiengängen mithalten kann, ist nunmal Tatsache. Und dass wir keine Vollpädagogen sind ebenfalls, wobei ich mitgehe, dass das je nach Schulart sicherlich unterschiedlich aussehen kann. Dass wir interdisziplinär ausgerichtet einen auf die Schule und die Tätigkeit abgestimmten Mix studiert haben, streite ich weder ab noch finde ich das falsch oder in der Gesamtheit geringwertiger.

    Ich hab da keine Meinung zu. Wenn es infektionstechnisch Sinn macht und dafür alle Abschlussprüfungen ebenfalls entsprechend nach hinten rücken, sehe ich kein Problem. Die ganze Urlaubsthematik kann hier ja nicht ernsthaft ein Argument sein, wenn es darum geht, die Problematik Corona und Winter in den Schulen zu entschärfen.

    Allerdings wird das die Problamatik ja nicht lösen, sondern nur verschieben. Richtig kalt wird es auch im Februar noch.

    Natürlich sind wir keine Pädagogen. Meine Schwester hat Pädagogik als Vollstudium absolviert und da kommen wir im Lehramt über die absolut basalen Grundlagen natürlich nicht hinaus. Müss(t)en wir aber auch gar nicht - wenn Schulen mit vernünftigen multiprofessionellen Teams ausgestattet wären, in denen dieser Bereich durch Fachkräfte abgedeckt wird. Ich sehe uns als Vermittler von Fachwissen, die im Zuge dessen aufgrund der Zielgruppe zwangweise auch pädagogisch einwirken. Aber wir sind weder Pädagogen noch ist unser Bildungsauftrag unter den gegebenen Rahmenbedingungen immer mit eigentlich pädagogisch verantwortungsvollem und sinnigem Handeln vereinbar.

    Grundlagen in Didaktik machen natürlich Sinn, hier sehe ich es allerdings auch so, dass das bis zum Eintritt ins Ref überwiegend totes Wissen ist, das im Studium selbst erstmal wenig Relevanz hat. Im Referendariat hat mir der Ordner mit dem Didaktikkram aus der Uni dann allerdings doch recht gute Dienste getan.

    Je nach Entwicklung der Fallzahlen ziehe ich den Distanzunterricht dem erhöhten Infektionsrisiko am Arbeitsplatz definitiv vor. Und übrigens auch dem ständigen zeitintensiven Parallelismus von Präsenz- und Distanzunterricht, denn hier sind ja seit Wochen ständig Schüler in Quarantäne.

    Was bringt es denn, massenhaft zu testen? Explodierende Zahlen, Panik, strengere Maßnahmen, aber auch nicht mehr Erkrankte. Wem ist damit geholfen?

    Ist das ernst gemeint? Solange asymptomatisch Erkrankte das Virus weitergeben können, macht es imo durchaus Sinn zumindest bei klarer Indikation (= nachweislich erkrankte Haushaltsmitglieder) zu testen und diese Leute möglichst aus dem Verkehr zu ziehen. Sonst hat man nämlich sehr wohl im Fortsatz mehr Erkrankte.

    Inwiefern es dem Studium an fachwissenschaftlicher Tiefe mangelt, hängt sicherlich auch vom Fach ab. In Englisch sehe ich keinen wirklichen Unterschied zu den Kommilitonen, die nicht im Lehramt unterwegs waren - okay, die hatten die Didaktikveranstaltungen nicht und dafür halt in jedem Modul ein fachwissenschaftliches Seminar mehr, aber im Prinzip ist es auch völlig egal, ob ich 3 oder 4 Literaturseminare hatte. "Technisch" ist es immer das gleiche, nur der thematische Schwerpunkt unterscheidet sich halt. Hier fühle ich mich in keiner Weise schlechter ausgebildet als die "Voll"anglisten. Bei uns gab es auch übrigens sehr wohl Sprachpraxisprüfungen, mündlich wie auch schriftlich. Die Darstellung auf der vorletzten Seite erschreckt mich etwas.

    In Geographie - und hier wird es ja nun ein wenig naturwissenschaftlicher - sieht das anders aus und hier fehlt im Lehramtsprofil leider die gesamte Forschungsmethodik. Mehr als ein Statistikseminar und ein bisschen Kartieren sowie GIS auf sehr sehr (sehr!) rudimentärem Niveau war nicht Bestandteil der Ausbildung. Mich hat das immer geärgert, denn genau dieser Mangel erschwert den Ausstieg aus dem Lehramt und den Wechsel in ein fachbezogenes Berufsfeld. Auch halte ich es für durchaus wichtig, dass auch Lehrer "hinter" die Bücher schauen können und zumindest einen begrenzten Einblick in die Forschung erhalten. Hier bin ich nicht ansatzweise auf dem Ausbildungsstand eines reinen Fachwissenschaftlers und würde mir das auch nie anmaßen wollen.

    Sehe ich mich also gleichwertig ausgebildet wie ein vollstudierter Anglist und ziehe den Gehaltsvergleich zu dieser Absolventengruppe, stehe ich als Lehrer vermutlich verdammt gut dar. Mit Absolventen der Geowissenschaften kann ich fachlich nicht mithalten, aber auch hier wird tendenziell nicht mein Nettogehalt verdient.

    Anekdote aus dem IT Bereich: mein Ex war selbstständiger Softwareentwickler. Sehr gut verdient, den Winter regelmäßig in wärmeren Gefilden verbracht und 3 Monate überhaupt gar nicht gearbeitet, dafür aber das restliche Jahr durchgepowert. Gegen Ende zeichnete sich ab, dass das so allerdings auch nicht mehr funktionieren wird, denn der Markt ist so schnelllebig, dass man sich diese Auszeiten kaum erlauben kann. Zudem erwarten Kunden 24/7 Support, und zwar pronto. Mein Ding wäre es nicht gewesen und er hat dann auch irgendwann hingeschmissen und was komplett anderes gemacht. Als Backoffice-ITler in einem Großunternehmen sieht es vielleicht anders aus, aber ob man da die ganz dicken Gehälter einstreicht, ist eben auch fraglich. Mir erscheint, dass gerade die IT Branche in Bezug auf Gehälter und Arbeitsbedingungen sehr differenziert betrachtet werden muss.

    Wieso in den Schulen? Quarantäne wird doch vom Gesundheitsamt verhängt, oder irre ich mich?

    Ja schon. Ich meinte auch durch das Gesundheitsamt. Wenn dieses Gesundheitsamt es einerseits nicht für nötig hält, symptomlose Geschwister einer infizierten und im gleichen Haushalt lebenden Person in Quarantäne zu stecken oder testen zu lassen, sondern weiter zur Schule schickt... oder Mitschüler, die sich auf einer längeren Autofahrt mit einem Positivfall befunden haben... gleichzeitig aber das gleiche Gesundheitsamt bei den erwachsenen Kontakten der Infizierten im außerschulischen Bereich völlig andere Standards anlegt und beispielsweise die nur mal kurz 2 Stunden zu Besuch gekommene (ebenfalls symptomlose) Tante mit in Quarantäne verweist, dann wirken diese Entscheidungen auf mich nicht am potentiellen Infektiosgeschehen ausgerichtet, sondern dann ist die Prämisse doch sehr offensichtlich, Fälle bei Kindern möglichst gar nicht aufzudecken. Ebenso wie das für mich auch der einzig nachvollziehbare Grund ist, wieso Kinder auch bei Symptomen nur so vergleichsweise selten einen Test bekommen und statt dessen dazu geraten wird, sich einfach auszukurieren und gut ists.

    Wir sind jetzt inzwischen auch zum Risikogebiet geworden, was sich eigentlich schon seit Wochen abgezeichnet hat, und zumindest für unsere Region erscheint es mir so, dass man bei Kindern ganz bewusst nichts finden will, weil man dann ja reagieren müsste. Und niemand möchte aktuell erneute Schulschließungen oder dergleichen, daher schaut man halt besser nicht allzu genau hin. Das mag in Regionen mit weniger Fällen, wo das Contact Tracing noch besser funktioniert und man daran glaubt Ketten tatsächlich erfolgreich unterbrechen und die Zahlen drücken zu können, anders sein.

    Das eigentlich akut Bedenkliche an dem Fall ist eigentlich ohnehin nicht die Rechnung, sondern dass Kategorie 1 Kontakte weder getestet werden noch in Quarantäne gehen. Wir hatten das auch schon (bei positivem Geschwisterkind) und das ist exakt der Grund, wieso ich ganz persönlich den Eindruck nicht los werde, dass ein allzu genaues Hinschauen in den Schulen bei den potentiell Symptomlosen weder gewünscht noch angestrebt ist.

    Ja, das finde ich gut und man sollte vielleicht wirklich mal kurz von offizieller Seite bestimmte Verfahrensweisen an den Schulen transparent machen.

    Trotzdem entbindet das alles meiner Meinung nach die Eltern nicht davon, diese Rechnung selbstverständlich selbst zu begleichen.

Werbung