Beiträge von Maylin85

    Auch an Gesamtschulen muss man keine Schulabschlüsse verschenken. Wenn sie diese Hürde nicht nehmen, landen sie eben am BK und können nochmal einen neuen Anlauf nehmen - ich hab den Eindruck, für manche ist die Erkenntnis, dass man mit Nichtstun sogar in NRW tatsächlich auch scheitern kann, ganz heilsam.

    Mir wäre als Lehrkraft wichtig, dass ich gewissenhaft die entsprechenden Angebote mache, um allen zu ermöglichen gut durchzukommen. Wenn Schüler diese Angebote nicht annehmen oder nicht ernst nehmen, dann liegt das außerhalb des eigenen Gestaltungsrahmens und im Verantwortungsbereich der einzelnen Schüler.

    Ich verstehe das Konzept der didaktischen Jahresplanung sowieso nicht. Im Vergleich zu klassischen Curricula an allgemeinbildenden Schulen steht da so wenig drin, dass der Wert doch eher zweifelhaft ist. Ich hab mich jedenfalls noch an keiner Schulform vorgabentechnisch so lost gefühlt, weil es kaum Konkretisierungen gibt.

    Aber auch die internen Curricula an allgemeinbildenden Schulen sind im Prinzip komplett witzlos. Irgendwer legt vor, lädt sein Curriculum dankenswerterweise auf die Schulwebsite, und 99% aller anderen Schulen schreiben im Folgenden mehr oder weniger voneinander ab. Man könnte das alles auch einfach direkt verbindlich in die offiziellen Lehrpläne reinschreiben.

    Ich finde immer schwierig, wenn direkt von "Mobbing" geschrieben wird. Rein basierend auf dem, was du schreibst, sehe ich keins. Dass sich Unterrichtsbesuche mehren, wenn es im Unterricht nicht ganz rund läuft (was ich jetzt einfach mal aus der Nachfrage schließe, ob du dein Fach studiert hast und aus dem Satz gegenüber den Eltern, der ja vermutlich eine Reaktion auf Kritik oder Probleme ist), ist im Rahmen der Ausbildung normal. Würde ich das unangenehm finden? Ja, definitiv. Aber das macht es in der Sache nicht falsch oder gängelnd. Schlechtere Stundenpläne sind bei Änderungen der Regelfall und kein gezielter Angriff, das wurde ja bereits mehrfach erläutert. Den Satz der Schulleitung würde ich entsprechend auch nicht als "Bedrohung" werten, sondern als klare Ansage, dass der Wechsel deine Gesamtsituation nicht verbessern wird. Das kann sich auf den Stundenplan ebenso beziehen wie auf Zwischenmenschliches, wenn dadurch die Unterrichtsverteilung verschoben wird, Kollegen ebenfalls schlechtere Stundenpläne bekommen etc. Was vor Schülern oder Eltern gesagt wird, ist nicht immer sensibel, aber auch hier unterscheiden sich manchmal Eigen- und Fremdwahrnehmung. Ebenso der Satz mit dem Hospitz - was ist denn daran verwerflich, wenn man unmittelbar mitbekommt, wie jemand mit der Doppelbelastung überfordert ist und immer wieder ausfällt?

    Dem Eindruck nach, den du hier vermittelst, reagierst du extrem angefasst und sensibel auf Dinge, die in der Gesamtheit eigentlich ziemlich harmlos klingen. Das ist in einer Belastungssituation sicherlich nicht ungewöhnlich, ich würde allerdings auch hier ansetzen - zieh dich eine Weile raus, wenn es nötig ist, sortier dich neu, such dir therapeutische Hilfe. Zauberwald hat Recht damit, dass man entweder nicht arbeitsfähig oder aber voll einssatzfähig und belastbar ist - dazwischen liegt in der Schule wenig Spielraum.

    Das hat nichts mit anwesenden Eltern zu tun, auch unter dieser Vorgabe sind deutlich frühere Konferenzen möglich. Hier will die Schulleitung nicht und schiebt die Eltern vor.

    Das Ding ist, dass die Zeiten stadtweit völlig üblich sind. Die Kollegen fanden das normal. Als jemand, der aus einer anderen Region kam, bin ich aus allen Wolken gefallen und merke bis heute, dass solche Rahmenbedingungen sehr von regionalen Gepflogenheiten geprägt sind.

    Meine Fachleiterin im Ref gab uns als Faustformel mit, dass in Klasse 5/6 der freie Text 1/4 bis 1/3 der Gesamtpunkte zählen sollte, in Klasse 7 50% und ab 8 2/3. Wenn seitens der Fachschaft nichts anderes festgelegt war, hab ichs auch meistens so beibehalten.

    Ich habe allerdings nie so viele Kompetenzen in einer Klassenarbeit abgefragt, sondern nur alternierend Hörverstehen und Leseverstehen, Grammatik, Mediation und freies Schreiben. Für Wortschatz gibts Vokabeltests 🙃


    Ich würde an deiner Stelle erstmal dem Tipp folgen, sich mal mit den Kollegen in den Parallelklassen auszutauschen.Es ist immer gut, wenn man schulintern mit jemand anderem "mitziehen" kann.

    Ein junger Mann, der mehrere Pronomen hat...! Dann mal los...! Wenn meine Tochter "He goes"..schreib , gab es einen Punktabzug. Der Mann ist kein Mann...! Alles klar...!

    Wo genau gab es denn den Punktabzug und mit welchem Korrekturzeichen war der Fehler gekennzeichnet? Das würde mich wirklich interessieren.

    ... denn Punkte würde ich auch abziehen, ich überlege nur, wo genau^^
    (ich tendiere zur kommunikativen Textgestaltung)

    Nicht zwingend, z.B. nicht, wenn ein Ausgangstext sowohl eine Person mit "they/them" (etc.) referiert als auch unter Nennung des z.B. biologischen Geschlechts dieses als Orientierungspunkt eröffnet. Ob der Verfasser des Ausgangstexts hier "they/them" (etc.) nutzte, ist nicht das verbindliche Argument, dies ihm gleichzutun - du schreibst es selbst, es geht u.a. um Kohärenz und die DIskurskonstruktion.

    Das sehe ich anders, denn der Ausgangstext setzt nunmal den Diskursrahmen. Eine Schülerleistung, die das ignoriert, bewegt sich außerhalb des Textbezugs und wird sprachlich wie inhaltlich ungenau.

    Zur juristischen Seite: mir ging es nicht um Tatbestandsjuristerei, sondern um den gesellschaftlichen Maßstab. Die bewusste Falschansprache kann durchaus als Ehrverletzung gelten (weswegen ich RosaLaunes Ausführungen zum Punkt Würde auch zustimme) und damit sind wir längst an einem Punkt, an dem Selbstdefinition nicht mehr rein subjektiv ist, sondern und sozial und rechtlich relevant.

    Ich sehe in der Verwendung non-binärer Pronomen auch keine Affirmation, sondern einfach eine sprachliche Präzision, die im Einklng mit dem Ausgangstext steht. Unabhängig von der Frage des Repekts vor der Person und ihrer Identität ist es sprachlich einfach inkohärent, eine them/they referierte Person in der Analyse mit anderen Pronomen zu belegen. Entscheidet sich ein Schüler dennoch dafür, wird in dieser völlig unnötigen Abwandlung bewusst Ablehnung zum Ausdruck gebracht - und da haben wir dann plötzlich tatsächlich Ausdruck von Weltanschauung, die in diesem Format unangemessen ist.

    Zitat

    BTW: Ich finde es... problematisch, dass du auch Begriffe mir ggü. als Zitate markierst, die ich nicht verwendet habe.

    Ist richtig, sorry. Das war sinngemäß das, was mir hängen geblieben ist, ohne nochmal dezidiert nazulesen.


    Zitat

    Du stelltest es ja bereits fest: Wir widersprechen und kommen diesbzgl. nicht zueinander. Können wir beide, so vermute ich, auch am Ende gut mit leben.

    👍

    Nun gut, dann doch nochmal.

    Linguistisch geht es bei Pronomen nicht um "weltanschauliche Performanz", sondern schlicht um korrekte Referenz. Zweck ist, eine Person kohärent zu benennen - und zwar so, wie sie im jeweiligen Diskurs konstruiert ist. Wenn ein Ausgangstext eine Person mit they/them einführt, dann ist das der festgelegte sprachliche Referenzrahmen, dem die Auseinandersetzung im Rahmen der Klausur zu folgen hat. Es geht nicht um einen "ideologischen Akt" oder Performanz, sondern um Deixis. Die bewusste Verwendung anderer Pronomen wäre demnach ein Referenzfehler.

    Dass das they/them für nonbinäre Personen "arbiträr" oder "idiosynkratisch" sei, ist meines Erachtens auch einfach so nicht richtig. Die Form ist Standard in den Style Guides von z.B. APA, MLA, New York Times, Guardian, etc. und auch im Oxford English Dictionary oder Cambridge Grammar of English ist das singular-they als reguläre Form verzeichnet. Es ist also längst konventionalisiert und Teil des deskriptiven Sprachgebrauchs.

    Weiterhin: wenn du schreibst, es sei "willkürlich", die Selbstdefinition einer Person als Orientierungspunkt zu nehmen, blendest du aus, dass genau das mittlerweile zumindest hierzulande im Selbstbestimmungsgesetz als rechtlicher Maßstab festgelegt ist. Bewusste Falschansprache erfüllt den Tatbestand der Beleidigung und kann rechtlich verfolgt werden (wurde es auch bereits). Eine zur Selbstwahrnehmung des Gemeinten passende Referenz ist also nicht Ausdruck von Weltanschauung, sondern es geht - neben Respekt, den man als halbwegs normal gestrickter Mensch meines Erachtens einfach generell wahren sollte - auch ganz schnöde um Rechtskonformität. Und Geschlechtsidentität ist auch kein "Standpunkt", sondern ein personenbezogenes Merkmal, das vom Grundgesetz geschützt wird.

    Schüler dürfen jede Meinung zu Geschlechtertheorien haben, aber wenn ein Text eine non-binäre Person beschreibt, ist he/him halt einfach aus diverserlei Gründen inadequat.

    Der einzige Kommentar, der tatsächlich elaboriert-reflektierter pro ausschl.(!) Verwendung geschlechtsneutraler Pronomen argumentierte, war derjenige von Maylin85, wobei auch dort (noch) keine Antwort auf meine Replik (dass dies m.E. nicht verfängt) erfolgt ist.

    Dazu ist auch alles gesagt. Du stellst die Alternativlosigkeit in Frage, ich halte sie im gegebenen Kontext für absolut geboten und eine bewusst gesetzte Anrede, die die Identität des Angsprochenen missachtet, für unangenessen.

    Wir werden an der Stelle nicht zusammen kommen und die Argumentationslinie des jeweils anderen nicht überzeugend finden.

    Womit der "furchtbare Korintenkacker" aber auch einfach Recht hatte. Die Lösung kann nicht sein, die rechtlichen Bedingungen zu ignorieren, sondern die Aktionen, die man so plant, den rechtlichen Bedingungen anzupassen. Also entweder man führt den Tag mit allen Schülern durch, oder man reduziert den Aufwand des Tages deutlich,

    Oh ja, natürlich hatte er zweifellos Recht.

    Dieser Tag war dermaßen aufwändig, es hätten gar nicht alle Schüler beschult werden können, weil quasi alle Kollegen in irgendwelchen Aktionen gebunden waren.

    Also eigentlich muss das möglich sein, denn an meiner Schule wird dieser Ausgleichstag gewährt. Die Lehrerkonferenz stimmt darüber ab, welcher es sein soll.

    Wenn das nicht möglich ist, scheint meine Schulleitung ja illegal zu handeln. Kann ich mir kaum vorstellen. Schon gar nicht, dass sie das seit Jahren tut, ohne dass es jemals Konsequenzen gibt.

    Bei uns lief es vorher jahrelang auch so. Kräht vermutlich auch kein Hahn nach.

    Der Nachfolger war ein furchtbarer Korinthenkacker und hat so vieles abgeschafft, was "schon immer" problemlos lief. Argument war hier, dass am Tagbder offenen Tür nicht alle Schüler anwesend seien und man den Nichtbetroffenen keinen Tag Beschulung nehmen dürfe.

    Ich finde es etwas bizarr, wie von einschlägiger Seite regelmäßig in entsprechenden Diskursen z.T. recht vehement dementiert wird, dass es bspw. seitens einiger Lehrer einen Zwang zum (i.w.S.) Gendern (auch z.B. mittels Punkteabzug) gebe (k.A. ob das hier auch der Fall ist, dafür beobachte ich die Diskussionen noch nicht lang genug), man sich bspw. über entsprechende Erlasse u.ä. in manchen Bundesländern echauffieren, weil diese das Gendern in der in- und externen öffentlichen Kommunikation im ÖD, an Schulen etc. auch mit präemptiven Begründungen verboten haben, wo das doch ein Phantomproblem beheben würde, aber hier quasi unisono Lehrer (OK, bei genauerer Betrachtung auch nur eine Hand voll, die in keiner Weise repräsentativ ist) einem genau solchen vorgehen laudieren und es trotz der offensichtlichen Problematik (s.o.) als uproblematisch, nein sogar geboten erachten.

    Verstörend... und gefundenes Fressen für die, denen man das vielleicht nicht auf dem Silbertablett servieren möchte. :angst: Rechtlich sowieso nicht haltbar.

    Es geht hier nicht ums Gendern. Es geht lediglich darum, eine spezifische non-binäre Person mit den für sie angemessenen Pronomen anzusprechen.

    Ich gender nicht, würde es aber als sehr unpassend empfinden, jemanden bewusst mit Pronomen anzusprechen, mit denen er oder sie sich nicht identifiziert. Das hat nichts mit Gendersprache zu tun, sondern mit Respekt vor Mitmenschen.

    Warum nicht? Warum sind objektives sex u./o. intersubjektivierbare gender attribution keine legitimen Orientierungspunkte für Pronomen, sondern vermeintl. nur subjektive gender identity? Sorry, aber die Verwendung von gender identity-basierten Pronomina sind einerseits bereits deskriptiv-linguistisch nicht die Norm (es ist unerheblich, ob dies in Teilen der Gesellschaft, der Belletristik o.ä. gelebte Praxis ist), andererseits ein weltanschaulich-performativer Akt, den wir den Schülern nicht abverlangen können - Sie müssen diese Eigenheiten anderer Personen vielleicht tolerieren (das ist tatsächlich ein Wert, der sich aus usnerer fdGO ergibt), nicht aber akzeptieren oder gar respektieren (d.h. bestätigen, wertschätzen etc., was aber performativ mit Nutzung entsprechender Pronomina einhergeht). Das könnte auch der Grund sein, warum die Tochter hier (legitimerweise) keine geschlechtsneutralen Pronomina nutzt.

    Pronomen orientieren sich am referierten Subjekt, nicht an der subjektiven Meinung des Klausurschreibers über dessen Geschlecht. Wenn jemand eine bestimmte Zuordnung für sich wünscht, ist das zu respektieren - insbesondere in Zeiten, in denen dieser Wunsch mit dem Selbstnestimmungsgesetz auch rechtliche Formen annehmen kann. Aus dem Kontext ergibt sich, dass es hier nicht um das biologische Geschlecht geht, sondern um das soziale Geschlecht, daher ist eine bewusste Missansprache weder plausibel noch angemessen. Daher: ein Satz mit rein auf das biologische Geschlecht abzielenden Pronomen mag zwar grammatikalisch richtig sein, hat im Kontext des Ausgangstexts aber eben einen Bezugsfehler, wenn es um eine non-binäre Person geht.

    Sprache und sprachliche Konventionen verändern sich im Zuge gesellschaftlichen Wandels. Das hier ist ein Beispiel und ein zentrales Lernziel der Sequenz ist nunmal die Heranführung an einen zeitgemäßen sprachlichen Umgang mit der Thematik der Geschlechtervielfalt. They/them ist in den style guides führender anglophoner Medienhäuser mittlerweile definierter Standard und absolut weitverbreitet gebräuchlich, daher ist es auch angemessen, Schüler damit vertraut zu machen und ihnen in geeigneten Kontexten die eigene Verwendung abzuverlangen.

    Und nein – niemand verlangt, dass Lernende diese "Eigenheit" (ich würde es ja eher Identität nennen, aber okay) non-binärer Personen „wertschätzen“ müssen. Aber sie müssen - wie du richtig sagst - tolerieren ud angemessen schreiben. Respekt ist in der Schule keine Frage der eigenen Weltanschauung, sondern der professionellen Haltung.

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