Im Kern geht es um die pädagogische (und rechtliche) Frage, auf welche Art Noten gebildet werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bayern dazu nur den Taschenrechner verwenden und Herz und Verstand bei Seite lassen. Falls doch, tun sie mir leid. Die Vorschrift, die ein rein arithmetisches Verfahren anordnet, hätte ich gerne schriftlich. Vielleicht ist es aber auch nur Bequemlichkeit. Beim Tippen mit dem Rechner muss man sich keinen Kopf über den Schüler machen - und die eigene Beurteilung und Leistung zudem nicht kritisch reflektieren.
Ich halte es nicht nur für legitim, sondern sogar für geboten, die eigenen Beurteilungen - selbst wenn sie bereits ins Notenbuch betoniert sind - bei der "Schlussabrechnung" nochmals Revue passieren zu lassen. Wenn ich im Vergleich der Tests bemerke, dass eine Prüfung generell schlechter ausgefallen ist als die anderen, fasse ich mich an die eigene Nase und überlege, ob meine Anforderungen darin eventuell überzogen oder missverständlich formuliert waren.
In diesem Fall wird dieser Test in der Endberechnung weniger stark gewichtet als die übrigen. Das gilt auch im umgekehrten Fall, wenn ein Test besonders gut ausgefallen ist.
In diese Überlegungen fließt auch ein, ob mein eigenes methodisch-didaktisches Arbeiten erfolgreicher oder weniger erfolgreich war. Wenn ich - und die Schüler - gemeinsam erfolgreich waren, lasse ich die Gewichtung hoch, falls die Anforderungen zu gering waren, reduziere ich die Gewichtung. Dann zählen in der Schlussrechnung manche Tests 4-fach, während ich die anderen nur dreifach oder doppelt werte. Das ist ein rechtlich zulässiges Verfahren, solange ich diese Bewertung für alle Schüler in der gleichen Weise vornehme. Die individuelle "Daumen-rauf/Daumen-runter"-Methode kommt hinzu, falls Schüler zwischen x,37 und x,62 steht - also im Rundungsbereich einer 2-3 bzw. 3-4 oder 4-5. Dann lasse ich nicht den Test, sondern den Schüler vor mir Revue passieren. Auch das ist legitim, da die Punktevergabe in den Tests mit einem Punkt mehr oder weniger schnell diesen Ausschlag ergeben.
Aber bei uns an der Hauptschule geht es sowieso pädagogischer zu als am Gymnasium. Dort herrschen Zustände wie bei Olympia mit Messungen im Hundertstel-Bereich. Und wenn dann einer "nur" Silber bekommt, fängt er an zu flennen :X: