Ich habe eines meiner Pflichtpraktika im Master statt am Block über ein Semester immer an einem bestimmten Wochentag an einer Schule abgeleistet. In diesem Praktikum habe ich ebenfalls komplett eigenverantwortlich einen PPL-Kurs (Klasse 5) übernommen. Es hat sich ergeben, weil in der zweiten Woche meines Praktikums ein Philosophie-Lehrer dauerhaft erkrankt ist und sie absolut keine Reserven mehr hatten die Stunden aufzufangen (und damit meine ich: Auch keine Reli- oder SoWi-Lehrer, die den Kurs fachfremd hätten leiten können, wie es dort leider Usus war). Hätte ich den Kurs nicht übernommen, hätte der den Parallelkurs unterrichtende Kollege beide Kurse zeitgleich schaukeln müssen - zusammen mehr als 50 Schüler. Ein absolutes No-Go. Also wurde ich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte*. Am nächsten Tag habe ich zugesagt. Ich fand es toll, einen eigenen Kurs zu haben und so mal wirklich ins Lehrerdasein reinzuschnuppern (wenn auch nur mit 2 Stunden pro Woche). Dass das absolut illegal war, war mir bewusst. Mein Didaktik-Prof, den ich um Rat fragte, sagte mir aber im Vertrauen, dass wenn etwas passiere, die Schule "dran" sei, da sie die Aufsichtspflicht verletzt hätten, nicht ich. Also hatte ich aus meiner damaligen Sicht nichts zu verlieren aber viel zu gewinnen. Es gab nur eine problematische Situation, nämlich eine Schülerin, die überhaupt nicht am Unterricht teilnahm. Ich hätte ihr eigentlich eine 5 setzen müssen, habe das aber nicht getan, weil ich nicht riskieren wollte, dass jemand wegen der Note Ärger macht. Schließlich wollte ich weder mir noch der Schule Scherereien bereiten.
Für mich war das damals toll, trotzdem finde ich die Praxis nicht in Ordnung. Ich war genauso (un)qualifiziert wie offiziell angestellte Vertretungslehrkräfte ohne Staatsexamen, der Unterschied lag im finanziellen Bereich: ich kostete genau 0€. Dass Geld eingespart wird indem man Praktikanten als Vertretungslehrer einsetzt darf sich aber nicht etablieren. Damit zerstört man den Stellenmarkt für qualifizierteres Personal, das keine Stelle bekommt weil es so dreist ist für seine Arbeit bezahlt werden zu wollen.
*Hintergrundinfo: Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits ein Praktikum dort absolviert und hatte seit diesem kontinuierlich 1x die Woche Nachhilfe in meinem Zweitfach im Rahmen von deren Ganztagsangebot gegeben, war also nicht ganz unbekannt an der Schule.
Aber spannend wäre es schon, gerade weil ich Berufsanfänger bin und somit z.B. der Faktor "Unterrichtsvorbereitung" bei mir vermutlich stärker ins Gewicht fällt als bei den erfahreneren Kollegen. Eigentlich schade, diese einmalige Chance nicht zu nutzen - ich werde schließlich nie wieder im ersten vollen Berufsjahr sein. Aber wie gesagt - auch nur eine Minute Freizeit ins Nachhalten der Arbeitszeit zu investieren und einen weiteren täglichen Punkt auf der To-