Grundsätzlich scheint mir die bis zu einem gewissen Maß höhere Infektiösität inzwischen schon belegt, allerdings ist es auch offensichtlich, dass die neue Variante in Europa eigentlich seit Oktober überall aufgetaucht ist, es aber nicht überall zu einem starken Anstieg der Infektionen gekommen ist. In meinen Augen spricht schon einiges dafür, dass eigentlich nicht die Kausalkette "Die neue Variante führt zu einem sprunghaften Anstieg" lauten müsste, sondern eher "Wir haben einen sprunghaften Anstieg und erklären diesen mit der neuen Variante (weil es bequemer ist, es auf eine externe Ursache zu schieben)".
Das sehe ich anders. "Im Oktober aufgetaucht" heißt zunächst erst einmal nur, dass in Einzelfällen entsprechende Mutationen nachweisbar waren, aber noch nicht die Masse der Infektionen ausgemacht haben. Trotz höherer Infektiosität kann sich auch ein solcher Stamm anfangs nur langsam verbreiten und es dauert eine gewisse Zeit, bis dieser einen relativ großen Anteil der Neuinfektionen ausmacht und damit das Pandemiegeschehen merklich beeinflusst. Insofern passt der zeitliche Ablauf durchaus plausibel zu "Die neue Variante ist deutlich infektiöser".