Hier meine Antwort: Ich habe es nicht geschafft, dass meine work-life-balance stimmt. Der Lehrerberuf bestimmt zu sehr mein Leben. Ich kann nicht abschalten und oft merken die Adressaten gar nicht, dass man so viel gibt. Es ist ein undankbarer Job. Selten loben einen mal Eltern oder bedanken sich, hintenrum meckern können aber viele. Es geht so viel Energie drauf. Und in letzter Zeit verstehe ich die älteren Kollegen sehr, die in den letzten Arbeitsjahren nicht mehr so viel Motivation hatten. Das Arbeitspensum wird von der Allgemeinheit unterschätzt. Man gilt als faul und bequem, was überhaupt nicht stimmt.
Das sind sehr nachvollziehbare Punkte, die den Spaß am Beruf wirklich killen können. Der Ansatz, der für mich bislang funktioniert, ist ein Perspektivwechsel: Was kann ich für mich steuern, sodass der Beruf machbar bleibt und dauerhaft ausübbar ist?
Dazu gehören für mich persönlich u.a. folgende Aspekte:
-> Vorplanung der Arbeitszeit für die nächste(n) Woche(n) und möglichst konsequente Einhaltung. Damit verbunden ist die Beibehaltung von Hobbies und festen Zeiten für Familie usw.
-> Sinnvolle Ablagestruktur von Daten (elektronisch/ als Print), um schnell Material für U-Vorbereitung, alte Tafelbilder usw. wiederzufinden. Führt zur Zeitminimierung.
-> Nicht endlos über äußere Rahmenbedingungen beschweren. Das macht nur unzufrieden und ändert i.d.R. gar nichts. So müssen in Nds. z.B. nun einmal mind. 2 Fachkonferenzen und mind. 2 Gesamtkonferenzen im Jahr stattfinden. Beschweren kann man sich immer noch (aber an den richtigen Stellen), wenn das deutlich überschritten wird.
-> Möglichst unabhängig machen von Eltern- und Schülerfeedback. Ich freue mich auch sehr, mal ein nettes Wort zu hören, was zum Glück öfter vorkommt. Ich ärgere mich auch über Gemecker, v.a. wenn es hinten herum erfolgt. Aber eigentlich ist mir weitgehend egal, was insbesondere Eltern von mir halten. Ob ich einen guten Job mache, können diese von außen kaum einschätzen, daher kann mir auch deren Eindruck egal sein.
-> Mitarbeit im Bereich Schulentwicklung. Ja, das ist "zusätzliche" Arbeit. Arbeitet man an den für sich und die Schule passenden Stellen mit, kann das zum Erleben von Selbstwirksamkeit beitragen und die Berufszufriedenheit erhöhen.
Wie gesagt: Das sind Dinge, die mir persönlich helfen. Das mag für andere ganz anders aussehen.