Ich würde da eher weniger Hoffnungen reinsetzen wollen. Zum Einen scheint diese Vorgabe im Wesentlichen das (private) Arbeitsrecht und nicht das (öffentliche) Beamtenrecht zu treffen. Zum anderen gibt es für die angesprochenen Punkte bereits Lösungen, die bei weitem nicht allen schmecken dürften. Als Beispiele seien genannt:
- Keine verpflichtende abendliche Kontrolle der Vertretungspläne für den Folgetag mehr, weil man damit die Mindestruhezeit zum nächsten Tag von 11 Stunden unterschreiten würde?
- Kriegen wir so auch für Beamte endlich die Europäische Arbeitszeitrichtlinie (11 Stunden Ruhezeit; 30 Minuten Pause ohne Schülerstörungen) an Schulen umgesetzt?
Als Lehrkraft habe ich mich vorab über den Einsatz zu informieren. Dass bis abends um 18 Uhr (oder ähnlich) tun zu können, sehe ich eher als Serviceangebot. Die Alternative bestünde möglicherweise darin, frühs zu Beginn der 1. Stunde verpflichtend anwesend zu sein. Das zieht einen Rattenschwanz an Folgen nach sich. Dazu gehören u.U. dann wirklich die Einführung von festen Lehrerarbeitsplätzen in der Schule gekoppelt mit festen Arbeitszeiten vor Ort. Finde ich persönlich im Sinne der Vereinbarkeit Beruf-Familie ungünstig. Ich denke, viele Kolleginnen und Kollegen wären auch erstaunt, wie sich dauerhafte 8-10 Stunden Arbeitstage wirklich anfühlen (je nachdem, ob man in den Ferien arbeiten möchte oder nicht). Und bevor der Shitstorm losbricht: Ja, ich weiß, dass wir nahezu alle auch solche Belastungsspitzen kennen und in Korrekturzeiten auch mal auf 10-12 Stunden kommen können.
Die 30min Pause steht ohnehin erst nach 6 (Zeit-)Stunden ununterbrochener Arbeitszeit zu. Das wäre dann die Mittagspause, bei der ich tatsächlich das Schulgelände verlassen kann, um ungestört zu sein. Man muss dann nur darauf achten, dass Busaufsichten o.ä. nicht gerade von Lehrkräften mit vorher 6 Unterrichtsstunden durchgeführt werden. Auch die 11 Stunden Ruhezeit sind nicht gefährdet, wenn man nicht zwangsweise bis 21 Uhr arbeitet. Insofern sehe ich diese Richtlinie bereits umgesetzt.
Richtig problematisch sehe ich aber die sich aus der Erfassung der Arbeitszeit per Fernüberwachung o.ä. ergebenden Kollisionen mit Erwägungen zum Datenschutz.
- Hat damit die Flat-Rate Arbeit bei uns zu den Eh-Da-Kosten (Die Kollegen sind ja eh da.) ein Ende?
- Keine überbordenden Konferenzen mehr, weil jede Stunde der Kollegen fakturiert wird und die SL sieht, daß eine Konferenz mit 80 Kollegen jede Stunde Kosten in Höhe von knapp 2.000 € verursachen?
Das wünsche ich mir aber ehrlich gesagt auch. Es wäre m.E. auch sehr heilsam, wenn in den Konferenzen genau diese Kosten auch vorab angesagt/angezeigt werden. Nicht nur für die Schulleitung, sondern auch um sich untereinander etwas zu disziplinieren und ausufernde und unnötige Redebeiträge einzudämmen.