Quittengelee
Vlt. löst man das mal von der einseitigen Betrachtung Sachsen vs Baden-Württemberg. Deutschland ist als alternde und perspektivisch schrumpfende Gesellschaft zwangsläufig auf einen Fachkräfte-Nachschub aus dem Ausland angewiesen und in einigen Bereichen (z.B. Medizin, Pflege) sieht man das auch heute schon deutlich. Wenn gleichzeitig massiv gegen Personen aus dem Ausland gehetzt wird, dann sorgt das wiederum nicht gerade für einen Standortvorteil, der diese zum Kommen und Bleiben anregt, was sich sehr wohl auf Standortentscheidungen von Unternehmen auswirken kann. Es wirkt sich übrigens auch klar auf die Attraktivität als Wissenschaftsstandort aus, ein Sektor der sehr stark von internationalem Austausch und Personal abhängt. Der Befund ist übrigens nicht neu, schon 2015 machte sich die damalige sächsische Wissenschaftsministerin Stange darüber große Sorgen:
Wenn Flüchtlingsheime brennen, Rechtsradikale in Heidenau aufmarschieren oder Pegida durch Dresden zieht, dann hat das auch „verheerende Auswirkungen“ auf den Wissenschaftsstandort Sachsen.
„Der Imageschaden ist enorm“, sagt Sachsens Ministerin für Wissenschaft und Kunst Eva-Maria Stange (SPD). Das Problem beginne nicht erst bei Pegida. Man dürfe auch nicht vergessen, dass die NPD zwei Legislaturperioden lang im sächsischen Landtag vertreten gewesen sei. „Und das schreckt ausländische Wissenschaftler erheblich ab“, betont die SPD-Politikerin.
Das Grundproblem gibt es quasi deutschlandweit, nur war es in einigen östlichen Bundesländern bisher am offensichtlichsten sichtbar. Dass ausländerfeindliche Positionen (und Taten!) gerade dort schnell auf fruchtbaren Boden fielen, kann man sich an frühen Erfolgen der AfD und auch Bewegungen wie Pegida schnell klar machen. Dass das bei weitem nicht nur auf die neuen Bundesländer beschränkt ist, können wir an den letzten Landtagswahlen natürlich auch gut sehen. Gleichzeitig gibt es nach wie vor eine große Abwanderungsbewegung insbesondere junger Menschen aus den neuen Bundesländern, was den Fachkräftemangel und die gleichzeitige Überalterung der Gesellschaft noch beschleunigt. Dass sich dies auf den Wirtschaftsstandort auswirkt, dürfte schnell klar sein.