Beiträge von Firelilly

    Nunja.... immer noch besser als die Bezügestelle. Mein Sacchbearbeiter da war mal vor einigen Jahren "zur Verwaltungsvereinfachung" immer nur Donnerstags in der Zeit von 10:30 bis 11:00 für mich erreichbar.

    Man kann sagen was man will, aber die scheinen das richtig zu machen. An Burnout erkrankt da sicher nur ein Bruchteil. Ich versteh manchmal nicht, warum man als verbeamteter Lehrer ständig springt und erreichbar ist, so viele Dinge zügig erledigen muss. Da läuft doch etwas schief, eigentlich sollte man als Beamter doch ebenfalls entschleunigt leben. Egal wo ich hinkomme, beim Zoll, beim Einwohnermeldeamt, überall schlurfen sie gemütlich durch die Gegend, machen ne lange Klopause mittendrin und so weiter. Wenn ich sehe, wie die Lehrer in 5 Minutenpausen von Raum zu Raum hetzen, damit auch ja kein wertvoller Unterricht verloren geht, wie da der Smalltalk eingestellt wird, sobald es zur Stunde klingelt und wie Kollegen sich den Harndrang verkneifen, weil sie gerade im Unterricht sind. So einen Gedanken hatte der Zollbeamte mit Sicherheit nicht, der mich ewig hat warten lassen. Da werden ja nichtmal Privatgespräche unterbrochen, wenn man direkt daneben steht.

    Bin ich nun weniger intelligent ?
    Ich denke nicht

    Ich denke schon. Das liegt aber eben auch daran, wie man Intelligenz definiert. Mathematische Fähigkeiten werden in eigentlich allen gängigen Intelligenztests in großem Maße überprüft. Das ist natürlich kritisierbar. Nicht umsonst hat man auch Rubriken wie emotionale Intelligenz etc. erfunden, denn die gängigen Intelligenztests bilden eben nur bestimmte Fähigkeiten ab.
    Wobei ich schon sagen muss, dass ich die durch IQ-Tests ermittelte Intelligenz durchaus für ein sinnvolles Konzept halte. Auf jeden Fall ist die Überprüfung mathematischer Fähigkeiten (z.B. logisches Denken) sinnvoller, als würde man überprüfen, wie viele verschiedene Geschmacksrichtungen man erschmecken kann oder so.

    Manchen SuS ist auch die Freiteit wohl jetzt lieber als ein mögliches Auto oder ein möglicher Urlaub in x Jahren....

    Ja, aber aus denen kann doch prima ein Einzelhandelsverkäufer werden oder jemand, der mir die Fingernägel macht. Wenn die Schüler um die Konsequenzen wissen, was ihnen ihre "Freiheit" auf lange Sicht einbringt, dann ist es eben deren Entscheidung. Ich verstehe nicht, warum immer so viel über Motivation gesprochen wird. Mich hat auch niemand explizit motiviert, im Gegenteil, so kontextorientierter, schülterzentrierter Unterricht mit Experimenten habe ich nicht genossen. Trotzdem hatte ich intrinsische Motivation. Deshalb hat man mich an ein Gymnasium geschickt. Und ich habe auch noch einige Schüler, die an Chemie Spaß haben. Die meisten, die so gar kein Interesse aufbringen können bei meinem Unterricht sind einfach welche, die auch in anderen Fächern schlecht sind und dort kein Interesse haben. Selten ist mal ein Sprachler dabei, der sonst sehr motiviert ist, aber mit Naturwissenschaft so gar nichts anfangen kann. Meistens sind motivierte Schüler bei mir auch in vielen anderen Fächern einfach motiviert.
    Es gibt zwei Voraussetzungen für das Gymnasium: Ein Schüler ist lernwillig und begabt.
    Fehlt eine der beiden Voraussetzungen wird es meist schwierig. Fehlen beide, dann ist es einfach die falsche Schulart. Dann doch bitte eine Ausbildung machen. Ich freue mich über nette Menschen, die mir im Restaurant das Essen bringen. Die muss es auch geben.

    Nicht jeder Schüler entspricht dem Bilderbuch, indem er immer alle Hausaufgaben ordentlich im Heft stehend pünktlich vorzeigen kann. Ich weigere mich jedoch, hinzunehmen, dass einen Schüler eine 6 in einer Arbeit völlig kalt lässt und es keine Möglichkeit gibt, ihn zu mehr Ehrgeiz zu motivieren. Bei manchen Schülern funktioniert tatsächlich das Argument "Materialismus".

    Andererseits muss es auch Menschen geben, die eben diese Entscheidung so für sich treffen, dass sie später meine Straße sauber machen, mir beim Bäcker ein Brötchen verkaufen oder meine Hecke schneiden.
    Solche Menschen braucht es eben auch. Ich finde auch, dass man Schülern diesen Hinweis geben kann, dass Bildung ihnen "bessere" (wobei das "besser" manchmal echt fraglich ist, manchmal ist beispielsweise Handwerk deutlich besser als Studieren) Jobs ermöglicht. Wenn Schüler bei mir am Gymnasium auch nach solchen Hinweisen und einem kontextorientierten Unterricht eben zu denjenigen in der Klasse gehören, die keine Motivation aufbringen,nehme ich das eben hin. Ich mache Angebote, gebe Hinweise. Aber ich trage niemanden zu guten Noten oder einem Bildungsabschluss.

    Seien wir doch einfach mal realistisch. Jemand, der einen Krankenschein für einen Tag haben will, bekommt ihn auch - völlig egal, bei welchem Arzt man ist. Gehe ich zum Arzt und sage, dass ich mich nachts übergeben habe und Durchfall hatte, kann der keine Diagnose stellen, die an diesem Tag meiner Behauptung widerspricht. Also wird er mich für diesen Tag krank schreiben. Ziel erreicht. Natürlich müssen die SuS immerhin aus dem Haus, wenn sie die Klausur verpassen wollen und können nicht zuhause nichts tun. Aber es bringt wohl wenig Mehrwert für uns.

    Ja, völlig klar. Dennoch behaupte ich, dass allein die Hemmschwelle sich zum Arzt zu begeben (teilweise stundenlang) im Wartezimmer zu sitzen, wohlmöglich noch mit wirklich kranken Leuten, sich dann was zusammen zu lügen vor vielleicht seinem Hausarzt, doch viel größer ist, als nur mal eben in der Schule anzurufen.
    Ich habe natürlich keine Statistik darüber, aber der Vergleich einer Schule, wo es Attestpflicht gab und meiner jetzigen zeigt phänomenal unterschiedlich gefüllte Nachschreiberlisten.
    Wenn jemand wirklich krank ist oder wenn jemand andauernd (denn es gibt Kandidaten die bei locker 5 Klausuren fehlen) zum Arzt läuft inklusive Weg, Wartezeit, Arztgespräch, dann fehlt er eben. Das sind aber wenige.
    Überlege Dir mal, einmal mag man einem Arzt erzählen, dass man nachts gespuckt hat. Dann die Woche drauf? Wieder für einen Tag krankschreiben? Die nächste Woche auch? Und dann zwei weitere Termine? Und das Halbjahr für Halbjahr? Zwischendurch mal den Arzt wechseln? Neuen Weg dahin? Aufnahme in Praxis.....
    Das sind alles so viele Hemmschwellen! Ich bin mir sicher, dass die Attestpflicht einige Schlumis auf Dauer davon abhalten wird. Der Aufwand sich ständig neue Ärzte zu suchen oder seinem Hausarzt jede Woche eine andere Geschichte zu erzählen (Krankenkasse rechnet das ja außerdem auch bestimmt ab) ist einfach sehr groß. Und glaub mir mal, ein Arzt zu dem ein junger Mensch ständig kommt, der wird irgendwann auch mal eine größere Untersuchung anberaumen, Blutbild usw.!
    Zumindest werden die Schlumis das SChwänzen dadurch nicht mehr in der Regelmäßigkeit machen wie zuvor.

    Meine Tochter hat von der Schule aus Schüleraustausch mit einem spanischen Schüler gemacht. Es hat sich eine richtige Freundschaft entwickelt.

    :engel: ^^

    Der Frankreichaustausch meines Sohnes hingegen war ein Reinfall. Der Franzose hat bei uns kein Wort deutsch gesprochen. Am Ende waren wir alle bei englisch.

    Immerhin Englisch habt ihr gesprochen. Ausserdem geht es Dir doch darum, dass Dein Sohn Französisch lernt. Ob der Franzose Deutsch spricht oder nicht ist doch da nicht so tragisch, oder sehe ich das falsch?

    Das soll übrigens nicht heißen, dass eine Attestpflicht nicht sinnvoll sein kann. Aber wir sollten uns schon an die rechtlichen Grundlagen halten.

    Da müsste die GEW oder der Philologenverband sofort aktiv werden und durch Druck für Gesetzesänderungen sorgen. Ein Unding, dass man im beruflichen und universitären Bereich Atteste verlangen kann, im schulischen Bereich einem Schüler auf der Nase herumtanzen können.

    Die Einteilung erfolgte hier glücklicherweise nach einem leistungsbezogenen Einstufungstest (und nicht nach Alter), und es wurde versucht, möglichst heterogene Gruppen was Nationalitäten angeht zu erzeugen, die dafür leistungstechnisch annäherend homogen waren.

    Die Organisation hat erkannt wie es geht, Daumen hoch!
    Die Bildungspolitiker behaupten, dass homogene Leistungsgruppen nicht anzustreben sind.Auch wenn ich (was ich heute immer noch mache) bei Gruppenarbeiten die Gruppen leistungshomogen machte (und dann eben lieber an der Aufgabe schraube), wollten mir die Fachleiter erzählen, dass leistungsheterogene Gruppen (starke zu schwachen) viiiiel besser sei. Bullshit.
    Aber nun ja, heute wird munter inkludiert und homogene Leistungsgruppen verpönt.

    Gerade letztens:
    Im schönen Bildungsentwicklungsland und DER Luschipädagogikhochburg ünerhaupt, SLH, sei es gesetzlich nicht erlaubt eine generelle Attestpflicht für Klausuren zu verhängen, so sagte uns die Schulleitung als wir aufgrund von überprallen Nachschreiberlisten eine Attestpflicht forderten. Das muss doch irgendwo stehen, bislang haben wir nichts dazu gefunden?!

    Ich mache es seit eh und je so, dass ich einmal ankündige, dass ich für die Erstklausur gut machbare, abgestimmte Aufgaben zusammenstelle und bei einer Nachklausur diese dann weg sind und ich deutlich andere Aufgaben nehmen muss, zumal jemand, der die Klausur verpasst hat, seine Kollegen fragen kann UND mehr Zeit zum Lernen hat.
    Nachdem dann in meinem Profil einmal alle fünf Nachschreiber nicht einmal die 4 Punkte Marke erreichten, hatte ich ganz komischerweise kaum noch Probleme mit Schülern, die am Klausurtag krank waren. Die kommen dann lieber im Zweifel nur für die Klausur rein und gehen danach wieder. Ergebnisse sind dann deutlich besser als in Nachklausuren. Man lernt ja auch nicht an dem Tag direkt davor sondern über längeren Zeitraum.
    Und wenn jemand mal wirklich längere Zeit am Stück krank ist, dann ist es halt so. Wenn die dann einzeln Nachschreiben, kann man ja durchaus von drakonischen Nachschreibeklausuren Abstand nehmen.
    Aber sobald man Pappenheimer hat, einmal ordentlich vorlegen. Und auf einmal gehts, sie sind bei den Klausuren anwesend.

    Wenn sich eine Schule nur als zweispurige Autobahn begreift und schnelle Autos hinter dem LKW hertuckern lassen ist die Schule aber och selber n bisschen lahm. (Um im etwas simplen Bild zu bleiben.)
    Und wie clever müssen clevere Schüler sein, dass sie selbst mal was auf die Beine stellen- wie von Meike. beschrieben- anstatt die Zeit abzusitzen und ganz lethargisch zu werden wegen all der leistungschwächeren Schüler?

    Übrigens finde ich die von Meike beschriebenen Dinge nicht zwangsläufig gymnasial. Versteht mich nicht falsch, die beschriebenen Dinge sind toll und wünschenswert (an jeder Schulform):

    Das könnte man aber auch toll an einer Realschule machen oder gar an einer Hauptschule. Nicht die Aktionen an sich sind ein Zeichen für leistungsstarke Schüler, denn sie sind eher ein Zeichen für engagierte Schüler.
    Was aber zurecht bemängelt wird ist, dass das inhaltliche Niveau von vielen Schülern eben heute nicht mehr erreicht wird. (Wobei das mit der Forschungseinheit zur radikalisierten Sprache durchaus, je nachdem wie es ausgestaltet wurde, diesem Anspruch genügen könnte. Das hat ja bei richtiger Durchführung das Potential.)
    Ich finde die Liste symptomatisch, da sind so viele Dinge darauf, die an sich ja ganz nett sind, die aber eben nicht wirklich was mit tiefgehender Beschäftigung mit der Materie zutun haben.
    Das erinnert mich immer so an Unterricht, in dem Lernplakate erstellt werden: mindesten 80% der Zeit werden zum aktiven Ausmalen der Buchstaben und zur Gestaltung verwendet. Klar sind dann auch Inhalte auf dem Lernprodukt, aber die Frage ist, wie tief ist man in der Materie?

    Ich finde, dass es die richtig intelligenten Schüler am Gymnasium immer noch gibt. Die Jugend wird also nicht irgendwie per se dümmer oder schlechter. Das Problem ist, dass die intelligenten Schülern in viel größerem Maße als früher mit wenig intelligenten Schülern in einer Klasse sitzen und den daraus resultierenden Bedingungen ausgesetzt sind. Die Schüler, die früher einfach nicht auf dem Gymnasium gelandet wären gefährden aber nun, zusammen mit den Inklusionskindern, das Ausschöpfen des Potentials dieser eigentlichen Gymnasialkinder. Das führt dann langfristig dazu, dass man den Eindruck hat "die Jugend" ist schlechter geworden. In Wirklichkeit sind die guten, leistungsfähigen Schüler immer noch da, aber sie werden in ihrer Entwicklung gehemmt, leiden unter dem langsamen Tempo, den ständigen Wiederholungen, dem mangelnden Abstraktionsgrad. Da kann sich auch ein intelligenter Schüler nicht richtig entwickeln, wenn man in allen Klassen so viele schwache Schüler sitzen hat. Ein Jahr hatte ich Glück und hatte ein Chemieprofil, in dem wirklich fast nur Kinder saßen, die ans Gymnasium gehören.
    Man war das ein Arbeiten und ich behaupte, dass das Niveau dieses Kurses auch nicht schlechter war als zu meiner Schulzeit mit den LKs. Im Großteil der Kurse sitzen allerdings nur ein paar wenige Perlen und ansonsten Schüler, bei denen man sich fragt, warum die eigentlich an einem Gymnasium sind. Bis einem wieder einfällt, dass das politisch gewollt ist.
    Ist schon ärgerlich, zu viele Lastwagen auf der linken Spur (und ja, die gehören da auf Autobahnen mit Grund nicht hin) verhindern nun einmal ein zügiges Vorankommen. Da mögen auch fünf Leute Sportwagen haben, wenn die Straße verstopft ist und dann noch ein Inklusionsbus von links nach rechts über alle Spuren schlingert, dann kann der Lamborghini seinen Motor einfach nicht nutzen. Und dann tuckert der eben auch da herum und man bekommt als Lehrer den Eindruck "man sind die alle lahm hier".

    Bei uns an der Schule ist es so, dass Teilzeitlehrer während einer Klassenfahrt das Vollzeitgehalt bekommen. Es fallen aber ja neben Klassenfahrten noch andere Veranstaltungen an, die Zusatzstunden bedeuten, wie Methodentage u.a.
    Werden solche Sachen denn auch zusätzlich bezahlt? Sonst würde ich nämlich darüber nachdenken meine Stunden wieder hochzustufen.

    Schätze Dich glücklich, dass bei euch Klassenfahrten Vollzeit bezahlt werden. Bei uns zählen Klassenfahrten zu den Dienstpflichten und Teilzeitlehrkräfte fahren genauso oft wie Vollzeitkräfte und werden nicht für Vollzeit bezahlt in der Woche.
    Zusätzliche Dinge wie Methodentage werden erst recht nicht bezahlt.
    Teilzeit ist de facto unbezahlte Mehrarbeit (allein durch die unteilbaren Aufgaben und eben durch die teilbaren Aufgaben, zu denen man aber doch trotz Personalrat herangezogen wird).
    Die einzige Möglichkeit diesem ausbeuterischen System ein Schnippchen zu schlagen ist es die zusätzlichen Arbeitsstunden frei zu nehmen. Bei all dem Ärger darüber steigt der Blutdruck, die Folge ist migräneartiger Kopfschmerz.
    Zwar ethisch genauso bedenklich wie das teilweise gesetzlich legitimierte (!) Ausbeuten von Teilzeitkräften, aber oft der einzige Weg. Willkommen im Mikrokosmos Schule!

    Ich fände es nur schick (und offenbar sehen das andere hier im Forum ähnlich), wenn Kollegen mit alternativen Ideen sich an einer staatlichen Schule mit ebendiesen Ideen eher zurückhalten.

    Ich würde einen Schritt weiter gehen und Leuten mit alternativen Ideen die Lehrbefugnis entziehen oder zumindest verbieten ihre alternativen Ideen an Kinder heranzutragen. Egal an welcher Schule.

    Vielleicht Deinen Mann auch mal zum Anger Management anmelden? Als Erwachsener einen Zettel zerknütteln vor Wut / Ärger? Bitte?
    Klar kann man mit der Lehrerin beim Elternsprechtag über den Sinn dieser pädagogischen Maßnahme sprechen, besorgniserregender finde ich aber eher Deinen Mann.

    5 Leute sitzen in der Kantine des Paul-Scherrer-Instituts am Mittagstisch, es geht ums Zahlen. Macht einer den Vorschlag, er würde einfach schnell alles zahlen und wir teilen nachher durch 15. 14 Leute sind dafür, einer kräht ... aber der bla und die blubb hatten das Lammfilet, ich hatte nur Nudeln! Natürlich ein Deutscher. Der Rest guckt peinlich berührt drein und zückt das Portemonnaie. Irgendwie musste ich bei der ganzen Diskussion hier grad wieder an diese Story denken.

    Ehrlich ... wenn wir zwei Kollegen wären und ich wüsste das von Dir, dann würde ich doch im Leben nicht erwarten, dass Du mein halbes Lammfilet zahlst (jawohl, ich war eine von denen, die das blöde Lammfilet hatten).

    Erstens:
    Achso, und dann würdest Du vor den anderen 13 Leuten aufstehen und sagen "Hey stopp, Leute, wir machen das doch nicht so mit gemeinsamem Teilen, denn XY steht finanziell nicht gut!"? Sensibel kommt man aus der Nummer nicht mehr raus....

    Zweitens: Weißt Du über jeden der 15 (!!!) Leute am Tisch, wie die genau finanziell belastet sind? Sind das alles Vollzeitler? Ohne zu versorgende Eltern, deren Pflegestufe nicht reicht um die Kosten zu decken? Ohne sonstige finanzielle Verpflichtungen aus einem Unfall, den sie in jungen Jahren mal verursacht haben oder oder. Es gibt so viele Gründe, warum jemand beim Essengehen aufs Geld achten muss.

    Jemand der so einen Vorschlag im Restaurant mit der gemeinsamen Rechnung raushaut, offenbart ganz blank, dass es aber so etwas von gar kein soziales Gespür hat. Da läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Und jemand, der diese Geschichte dann auch noch als lustige Anekdote erzählt ist ja fast noch schlimmer, denn wenn man das spontan in einem geistig umnachteten Aussetzer im Restaurant vorschlägt, kann man ja Opfer einer spontanen Überlegung oder eines gutgemeinten Impulses geworden sein. So eine Geschichte hier zu tippen hingegen ist was ganz anderes! Totales Eigentor was soziales Gespür angeht!

    enau das schon erlebt, Chef lädt die ganze Abteilung zum Nobelrestaurant ein. Der war zwar Abteilungsleiter, hatte aber sicher auch kein Millionengehalt.

    An meiner Schule war es wohl bisher so, dass der Schulleiter an der Weihnachtsfeier nen Sekt ausgegeben hatte. Das finde ich OK und es zählt die Geste.

    Die Geste muss vom Arbeitgeber kommen. Die Schulleitung ist also nicht der Arbeitgeber. Es muss vom Dienstherren kommen, im Endeffekt müsste aus steuerlichen Mitteln ein Topf dafür finanziert werden. Dem Land ist die Arbeit seiner Lehrer das aber anscheinend nicht wert. Gut, das beeinflussst rückwirkend dann auch meine Zufriedenheit und mein Engagement nicht zum Positiven.

    Die "Belohnung" für den Orientierungsabend ist aber nebst dem anschliessenden Pizzaessen schlicht und ergreifend, dass man sein Gesicht in die Kamera strecken kann und man bei der nächsten wünsch-Dir-was-Runde vielleicht eher berücksichtigt wird, als eine andere Person.

    Bei uns findet Tag der offenen Tür am Samstag statt und es gibt nichts zu Essen für uns, stattdessen haben wir die Fahrtkosten selber zu tragen, auch ein Deal.
    Generell habe ich das noch nie erlebt, dass es mal Essen für uns umsonst gibt. Während des ganztägigen mündlichen Abiturs müssen Kollegen (!) nebenher ein Buffet organisieren, was natürlich von allen dann auch noch selber bezahlt werden muss. Wenn wir eine Weihnachtsfeier machen wollen, müssen wir alles selbst zahlen.
    Bei Schulentwicklungstagen müssen wir unser Essen selber zahlen und so weiter.
    So wie ich das aus meinem Nichtlehrerumfeld kenne, dass man zu gewissen Terminen im Jahr Essen und Trinken gestellt bekommt von der Firma, ist es bei Lehrern nicht. Finde ich schon erstaunlich und besonders, dass ihr immerhin zum Pizzaessen eingeladen werdet. Ich muss samstags auf eigene Kosten antanzen beim Vorstellungstag der Schule und kann dann sehen, wie ich zu meinem Essen komme.
    So etwas wie bei euch wäre schon einmal eine Geste, wo man sich für seinen Einsatz wertgeschätzt fühlt.
    Ich könnte auch jedes Mal kotzen wenn einem von der Schulleitung auf einer Konferenz am Ende des Schuljahres für den Einsatz gedankt wird. Die Worte kann man sich sonstwohin stecken. Mal als Schuljahresabschluß im Restaurant auf Kosten des Dienstherren essen gehen. Wie oft geht mein Partner auf Firmenkosten essen oder bringt vom Führungskräftetraining Präsentkörbe mit Wein, Käse und sonstwas mit.
    Bei meinen Fortbildung wird eine lausige Packung Kekse hingestellt. Schon erbärmlich, aber solange man mich nicht zu oft zwingt auf Fortbildungen zu gehen, mache ich nur das absolut Minimum.
    Achja, apropos verdienen.... selbst wenn man die Besoldung zähneknirschend akzeptiert, so kann es aus meiner Sicht nicht angehen, dass man gezwungen ist auf Klassenfahrten in irgendwelchen Jugendherbergen zu nächtigen.
    Welcher Akademiker, der beruflich reisen muss, würde sich so eine Unterkunft antun?
    Entlastungsstunden für Klassenlehrer? Nicht in Deutschland.
    In Deutschland wirst Du auch mit halber Stelle Klassenlehrerin und hast einen Leistungskurs. Entlastung gibt es fast gar nicht und Rücksicht auf Teilzeitstellen noch viel weniger.
    Ein Grund, warum man lieber volle Stelle arbeiten sollte und dann von mir aus wegen Überlastung ausfällt oder den Unterricht schludert. Das System ist einfach so.

    Weil hier unreflektiert die Inklusion als Grund für die Erkrankungen unterstellt wird. Wurde das so diagnostiziert? Könnte es auch daran liegen, dass sie die Schüler auch unabhängig von der Inklusion verändern? Liegen die Ursachen der Erkrankungen überhaupt im beruflichen Umfeld? Inwiefern sind die Fälle, sofern überhaupt Inklusion ein Rolle spielt, statistisch relevant? Außerdem: Was bezweckt der Autor?

    Ganz konkret, ich habe einen Inklusionsschüler mit Schulbegleitung. Trotz dieser wirklich guten Schulbegleitung erhöht sich durch den Schüler mein Arbeitsaufwand enorm. Ständig ist Rücksprache zu halten, die Schulbegleitung erzählt mir dieses und jenes, dann gibt es in Abständen treffen mit Vertretern des Jugendamts usw. um den Fortschritt festzustellen (und um zu klären, ob die Schulbegleitung noch nötig ist).
    Alle diese Dinge sind zusätzlich zu den eh schon stattfindenden Elterngesprächen und was man nicht alles hat. Und es ist definitiv mehr an fixen Terminen, die man da einplanen muss im Vergleich zu den "durchschnittlich normalen" Schülern.
    Ich finde es unerhört und eine Frechheit, dass man für die Wahrnehmung dieser ganzen Termine und die psychische Mehrbelastung nicht eine oder zumindest (aber das wäre schon auch frech) eine halbe Stunde Deputatsreduktion bekommt. Aber gar nichts zu bekommen empfinde ich als dreist und das bewegt mich auch immer wieder dazu mir die Zeit anderweitig wiederzuholen.

    Davon willst Du das Gehalt abhängig machen? Erfolge der Schüler bei standardisierten Tests sind also wichtig, soso, na dann werde ich während des Tests ein paar wertvolle Tipps geben.
    Rückmeldungen von Schülern und Eltern? Die werden dadurch auch besser.
    Was zählt denn da an Rückmeldungen? Beliebtheit? Lässt sich auch gut steigern....
    Nein, nein, in dem Moment wo mein Gehalt an den Erfolgen der Schüler oder der Zufriedenheit der Eltern hängt wird die Notengebung und der Lehrerberuf ad absurdum geführt.
    Man stelle sich das mal in vergleichbaren Berufen vor, wo man wichtige unabhängige Entscheidungen treffen sollte.
    Beispielsweise Ärzte die danach bezahlt werden, ob der Patient geheilt wird. Ohh Krebsverdacht.... nee, den Patienten schicke ich lieber weiter. Oder: Die Operation ist seine letzte Chance, aber wenn er verstirbt sinkt meine Erfolgsquote und dann verdiene ich weniger, ich schreib einfach ins Gutachten "inoperabel" und habe den Streß nicht....
    Man kann einfach nur froh sein, dass Du "nur" Schulleiter bist und dementsprechend wenig Schaden anrichtest mit Deinen Ideen. Man stelle sich vor diese würden im Bildungsministerium kursieren.

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