Beiträge von Firelilly

    Ich liege leider relativ weit zurück, verglichen mit denen, die nach dem Chemiediplom promoviert haben und zu denen ich noch Kontakt habe. Das ist schon ein ein kleiner Frustfaktor. Während der Promotion war das Gehalt noch relativ gleichwertig (wenn man das Promotionsgehalt mit meinem Refgehalt vergleicht), wobei meine Ex-Kommilitonen beileibe nicht so über Streß und Druck plagten wie wir armen Reffis. Mittlerweile wird der Abstand immer größer. Lediglich mit einer Freundin, die in einem eher kleinen Chemieunternehmen untergekommen ist, ziehe ich gleich. Aber ihr Gehalt wird, sollte es nicht mit dem Teufel zugehen, noch deutlich wachsen mit den Jahren, während meines stagniert.
    Es ist auch gar nicht mal nur das Gehalt, sondern auch die Rahmenbedingungen die fundamental anders sind. In einem Chemieunternehmen ist man als promovierter Chemiker ein Akademiker 1. Klasse, als Lehrer (und da würde auch die Promotion nichts ändern) einer 2. Klasse.
    Ein Freund, man könnte fast sagen Mentor von mir, gibt seinen CTAs eben mittlerweile Aufträge und sagt der Sekretärin, sie solle ihm ein Fachbuch bestellen (auf Firmenkosten natürlich). Wenn ich dem Hausmeister sagen würde "Bitte bauen Sie den Versuch so auf, wie ich es Ihnen vorgemacht habe und spülen sie danach alles sauber", würde mir der Vogel gezeigt. Als Lehrer muss man ja jeden Tisch selber durch die Gegend tragen. Mein Mentor durfte letztens sein Büro neu einrichten und hat schön in Katalogen geblättert. Das ist etwas, was ich von meinem Ex-Freund auch kenne. Bei ihm musste es gar nen richtiger Chefsessel mit rückenschonender Form sein. Ich hocke auf einem harten Stuhl an einem halben Minitisch im Lehrerzimmer, Akademiker 2. Klasse eben.
    Auch müsste ich Fachbücher, die ich benötige um meinen Beruf besser auszuüben, selber bezahlen* und kann auch die Sekretärin weder bitten mir einen Kaffee zu machen, noch eine Bestellung für mich durchzuführen.

    *(Weswegen ich mir nur kaufe, was mich auch in der Freizeit interessiert, didaktische Dinge schon einmal gar nicht, sondern nur fachwissenschaftliche Bücher, wo manm in vereinfachter Form, auch etwas für die Chemie AG oder den Unterricht rausziehen kann).

    Betrachtet man es so, ist der Gehaltsvergleich eigentlich nur ein kleiner Teil der zu betrachtenden Dinge.

    Andersrum ist die Situation, in der davon ausgegangen wird, dass ich einfach so auf Privatkosten zu Hause drucke, unhaltbar. Ich würde trotzdem - gerade weil es sich ja mehr um einen symbolischen Akt des Protestes handelt - nicht einfach "heimlich" zum Ausgleich Papier einstecken, sondern dies zumindest mit der Schulleitung kommunizieren.

    Wer hat denn etwas von heimlich einstecken gesagt? Ich entnehme dem Kopierer unter den Augen von Kollegen einen kleinen Stapel, sofern ich neues Papier benötige. Für mich ist das so selbstverständlich, wie man zu den bereitgestellten Tackern greift, wenn man eben gerade etwas tackern möchte. Und ja, wenn die Schulleitung fragen würde, ob ich das mache, würde ich sagen:"Klar nehme ich Papier mit, wenn es alle ist. Ich will heute Abend schließlich die ABs für morgen ausdrucken, damit ich die morgens gleich kopieren kann."

    Im Übrigen geht deine Forderung nach einem Arbeitsplatz an der Schule mit Druckmöglichkeit in diesem Kontext (!) nicht auf, da dich ja keiner zwingt, Arbeitsblätter zu erstellen. Vor allem, wenn ihr ein Buch habt. Dass du problem-/kompetenz-/schüler-/prozess-/handlungs-/produktionsorientiert arbeiten möchtest und dafür regelmäßig ABs druckst, ist ja deine didaktische Entscheidung.

    Ja, wenn die SL sagt, dass ich zuhause nicht mehr mit Schulpapier drucken darf, dann ziehe ich meine Konsequenz und werde das offen kommunizieren.
    "Sie haben die Wahl, ich mache Dienst nach Vorschrift, in allen Bereichen, oder ich darf weiter Papier mit nach Hause nehmen und zeige erweitertes Engagement, erstelle auf die Lerngruppe abgestimmte Arbeitsblätter, bereichere den Unterricht durch neue Experimente (denn auch da muss man in der Regel eine eigene Versuchsanleitung zusammenschustern, weil viele in den Büchern nicht so 1:1 umsetzbar sind mit dem Schulequipment).".
    Wenn sich die SL dazu entschließt, dass sie von mir Dienst nach Vorschrift möchte, soll es mein Problem nicht sein. Bislang hatte ich den Eindruck, dass die SL engagierten Lehrern vertraut.
    Und ja, ich benutze das Schulpapier nach bestem Gewissen.

    Im Zweifelsfall gibt es ja sicher irgendwo einen Drucker bei euch, den du nutzen kannst, um auch mal ein AB oder eine Klausur zu drucken, so dass der Dienstherr aus dem Schneider ist.

    Es ist einfach nicht praktikabel, wenn ich abends Unterricht vorbereite und dann morgens früh die alten PCs hochfahren muss um dies dann zu drucken und noch einmal zu kopieren. Möglich ja, aber es kostet eben enorm viel Zeit und ist extrem fehleranfällig, da unsere PCs nicht immer zuverlässig funktionieren und auch einfach mal besetzt sein können. Morgens benötige ich die Zeit in aller Regel um Versuche für den Tag aufzubauen.
    Wenn der Dienstherr es allerdings möchte, dann muss er sich eben auch dafür entscheiden, dass ich nur noch das nötigste mache.
    Mal ehrlich, ich lasse mich doch nicht verarschen. Wenn ich etwas für die Schule zuhause arbeite, dann benötige ich das Arbeitsmaterial eben zuhause. Das schließt eben auch Papier ein. Ich habe mir auch schon Rotstifte im Sekretariat geben lassen und mit nach hause genommen.
    Auch da könnte ich die ja schließlich missbrauchen und anstatt nur meine Klausur damit zu korrigieren, einen roten Fisch malen und mir das Bild übers Bett hängen.

    Zitat

    Die offizielle Argumentation dürfte anders sein. Wenn Du Papier in der
    Schule einsteckst, dann "bestiehlst" du erstmal den Dienstherrn. Um den
    Vorwurft der Unterschlagung abzuwenden, müsstest du eben nachweisen,
    dass du das "gestohlene" Papier dienstlich verwendest. Ob und wie diese
    Argumentation vor Gericht Bestand hätte, weiß ich natürlich auch nicht.

    Kann ja mal eine Kamera aus der Schule ausleihen und mich mit der beim Ausdrucken der ABs filmen und dann schön erst auf den mitgenommenen Stapel und dann auf das AB zoomen, wie es aus dem Drucker kommt. :sterne:

    Mal ernsthaft, ich kann jeden morgen die Mappe aufmachen und die ABs vorzeigen, die ich zu kopieren gedenke. Wenn man es kontrollieren wollte, ich hätte nichts zu verbergen.

    Weil du zu Hause nicht nachweisen kannst, ob du mit städtischem Eigentum auch private Kopien gemacht hast (was sehr wahrscheinlich ist), steht schnell der Vorwurf der Unterschlagung und Untreue im Raum.

    Wo dann vor Gericht erstmal bewiesen werden muss, dass ich damit eben NICHT meine Kopiervorlagen von ABs ausgedruckt habe. Man muss in Deutschland schließlich nicht seine Unschuld beweisen. Ist ja auch schon irgendwie komisch, ich soll mich an Druckerpapier bereichern? Das Gegenteil ist der Fall, der Schulträger bereichert sich an den Lehrern, indem viele Kosten, die eigentlich vom Schulträger übernommen werden müssten, regelmässig von Lehrern getätigt werden. Da wäre es ein Hohn einem fleissigen Arbeitnehmer, der zuhause auf eigene Tinten- und Tonerkosten (!), mühevoll selbsterstelltes Arbeitsmaterial (auf Papier, welches Schuleigentum ist...) ausdruckt und wieder in die Schule zum Kopieren schleppt, vorwerfen zu wollen, er würde sich an diesem Papier bereichern.
    Der Fall mit der Kassiererin ist ja nun ganz etwas anderes, schließlich kann sie wohl kaum nachweisen das Geld mit nach Hause zu nehmen, seinen Wert zu erhöhen, und es dann dem Kunden wieder mitzubringen.
    Denn nichts anderes mache ich, ich erhöhe zuhause (auf eigene Kosten ) den Wert des Papiers, indem ich Arbeitsstunden reinstecke um gute ABs zu machen, das Papier z.B. mit wohlkonzipierten Übungsaufgaben zu bedrucken, die ich dann den SuS zur Verfügung stelle.
    Wenn man mir da nicht vertraut, dass ich zuhause sorgfältig arbeite, dann soll man mir einen geeigneten Arbeitsplatz in der Schule einrichten, wo ich JEDER ZEIT ausdrucken kann, Internetverbindung und RUHE habe.
    Als Lehrer ist ein Teil meines Arbeitsplatzes zuhause. Und an meinem Arbeitsplatz benötige ich Papier zum Ausdrucken. Ende der Geschichte.

    Sonst sollte man dann anfangen mich zu kontrollieren, wenn ich Versuche in der Schule teste. Es könnte ja sein, dass ich Geld des Schulträgers verbrate, weil ich aus purem Eigeninteresse eine paar chemische Versuche mit teuren Chemikalien teste, die dann nachher gar nicht im Unterricht verwendet werden.

    Ich sehe schon, ich sollte wirklich nur noch Dienst nach Vorschrift machen und kein Engagement mehr zeigen.
    Schade um die motivierenden Unterrichtseinsteige, gut konzipierten Zusammenfassungen, zusammengestellten Übungsaufgaben. In Zukunft gibt es nur noch:"Schlagt das Buch auf. Macht Aufgabe 1-4. Am Ende der Stunde vergleichen wir."

    Ich druck zu Hause regelmäßig Sachen für die Schule aus, weil ich das oft sinnvoller finde, als in der Schule rumzufummeln.

    Den Aspekt, dass man lieber zuhause in Ruhe drucken möchte kann ich gut nachvollziehen. Mein Tipp: Nimm aber zumindest regelmäßig Papier aus der Schule mit, damit Du diese Kosten für ABs nicht auch noch hast. Ist ja schon verrückt genug, dass man Tinte / Toner privat zahlt für den Beruf.
    Habe mir auch schon mal überlegt der Stadt eine Rechnung über Tintenpatronen zu schicken auf Rechnung der Fachschaft, denn immerhin druckt man ja für eine Fachschaft ABs aus und man bekommt ja auch sonstige Ausgaben für den Unterricht (gerade in Bio fällt da viel nebenher an, was man auf dem Markt besorgt etc.) vom Schulträger zurückerstattet.

    In Bio sehe ich ein großes Problem, wenn ich durchweg bzw. möglichst oft problemorientiert im Sinne des naturwissenschaftlichen Erkenntnisganges unterrichten möchte. Im Normalfall präsentieren deutsche Biobücher nämlich kein Problem/Phänomen, sondern hübsche Bildchen und Graphiken mit der Erklärung im Text nebendran. Deswegen kopiere ich oft die Abbildungen aus anderen Lehrwerken, damit die Schüler sich mit dem Problem befassen ohne ständig auf die Erklärungen im Text zu schielen. Auch ein echtes kontextorientiertes Lernen ist mit den gängigen Lehrwerken nicht möglich. Ich habe mir ein britisches Lehrwerk gekauft , das die Kontextorierung zu verschiedenen Oberstufenthemen ganz gut umsetzt. Das benutze ich auch ab und an im Unterricht.

    100% Zustimmung. Problemorientierter Unterricht ist bei mir weder in Bio noch in Chemie mit Hilfe der Bücher möglich. Einen neuen Sachverhalt problemorientiert einführen kann man nur, wenn man sein eigenes Material entwickelt. Lediglich um manche Definitionen als Tafelanschriebe zu übernehmen oder Infotexte zum Nachlesen von Sachverhalten für die SuS bereit zu stellen eignet sich das Schulbuch.
    Ich beneide die Englischlehrer mit ihren Workbooks und Büchern. Wie oft habe ich Englisch Vertretungsunterricht fachfremd gehalten, indem die SuS in ihren Workbooks arbeiteten oder einfach Aufgaben aus dem Buch gemacht haben. Die Aufgaben waren sinnvoll und gut strukturiert und ich kam damit sofort klar.
    Für mich ist es weniger anstrengend fachfremd Englisch mit einem Workbook zu unterrichten, als eine Stunde in meinem eigenen Fach vorzubereiten. Dass das natürlich keine Glanzstunden sind, ist mir klar. Aber selbst wenn ich wollte, kann ich so arbeitsunaufwändig nicht einmal in meinem Fach unterrichten.
    Das ist das Traurige an Biologie und Chemie. Man kann nicht wirklich mit den Büchern arbeiten.
    Wie soll der Schüler Erkenntnisse an einem Experiment gewinnen, wenn das passende Modell direkt auf derselben Seite beschrieben ist? Die Vorgabe ist Biologie und Chemie induktiv zu unterrichten, aber arbeiten mit dem Buch ist deduktiv (zumindest sind alle Bücher, die ich kenne, aufgebaut).
    Eine Kollegin von mir mit Englisch / Bio braucht nach ihrer Aussage drei bis viermal so lange eine Biologie Stunde vorzubereiten, wie eine Englischstunde. Eine weitere Kollegin braucht deutlich mehr Zeit eine Chemiestunde, als eine Mathestunde vorzubereiten.
    Vielleicht erklärt sich aus dieser unterschiedlichen herangehensweisen in den Fächern (problemorientierter Unterricht in Naturwissenschaft) die unterschiedliche Belastung?
    Ich zumindest halte 26 Wochenstunden mit zu problemorientierten Fächern, wo man das Buch kaum sinnvoll einsetzen kann, für schlicht nicht leistbar.

    Wie gesagt, es will ja auch niemand diese Fächer ganz herauswerfen. Dieser Artikel sagt doch im Endeffekt, dass es als Naturwissenschaftler befruchtend sein kann, wenn man auch in anderen Bereichen Kompetenzen erwirbt. Das ist per se ja auch richtig.
    Mit diesem Argument könnte man aber auch 1 Stunde pro Woche MINT auf den Plan schreiben und 29 Stunden andere Fächer.
    Ich denke aber eben, dass der Anteil an Nicht-Mint-Fächern einfach zu groß ist. Bei Sprachen ist es ja in der Regel auch so, dass man Englisch als sehr wichtig gegenüber anderen Sprachen einschätzt in der Stundentafel, weil man da die Bedeutung für Berufe hochhängt.
    (Ich weiß, es gibt auch vereinzelt Gymnasien, wo man nicht mit Englisch als 1. Fremdsprache anfängt)
    Man muss aus meiner Sicht mal überlegen, was am Wichtigsten ist und dies dann in der Stundentafel berücksichtigen. Da spielen natürlich unzählige Faktoren eine Rolle (da ist wirtschaftliche Wichtigkeit nur ein Punkt unter vielen, aber ich denke ein sehr zentraler).
    Aber ich denke eben, dass man sich da Gedanken machen muss. Welche Argumente sind es denn, die rechtfertigen so viel Geschichte, Literatur, darstellendes Spiel etc. anzubieten, und dazu im Vergleich verhältnismäßig wenig z.B. Informatik.
    Ich höre immer als erstes Argumente wie "Sonst gäbe es wieder Krieg" oder "Die SuS werden unmoralisch handeln". Ich denke diese Gefahr ist sehr übertrieben und es geht eher um kleinere Dinge. Ich glaube einfach, dass man mit 4 Stunden Informatik und 1 Stunde Religion mehr Positive Effekte erreicht als anders herum.

    Meine Hypothese ist, dass es "einfach so gewachsen ist" aus historischen Gründen, aber, dass man diese Gewichtung überdenken sollte. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man sich an einen Tisch gesetzt hat und gesagt hat:
    "Es ist heutzutage sinnvoller, dass die SuS im Laufe ihres Schullebens deutlich mehr Religions- als Informatikunterricht bekommen, denn durch diese Gewichtung erreichen wir XY"

    Ich halte es für falsch, schulische Inhalte rein nach 'wirtschaftlicher Nutzbarkeit' auszuwählen. Die Schule ist meines Erachtens kein Zulieferbetrieb für die Wirtschaft. Geisteswissenschaftliche Fächer sind von großer Wichtigkeit auch für die moralisch-ethische Bildung; wenn wir hier 'der Wirtschaft' die Deutungshoheit überlassen, möchte ich nicht sehen, wo wir ankommen werden... Ganz abgesehen davon, dass dir auch in 'der Wirtschaft' jeder sagen wird, wie wichtig gute sprachliche Kenntnisse und Fähigkeiten (in Deutsch wie Fremdsprachen) sind.

    Stimme Dir zu, rein nach wirtschaftlicher Nutzbarkeit sollte man nicht auswählen. Und auch der Nutzen moralisch-ethischer Bildung erschließt sich mir. Aber muss es denn Literaturunterricht in zig Sprachen sein und wirklich so viel Religions- und Geschichtsunterricht in der Stundentafel?
    Mal ganz abgesehen davon, dass Geschichts- und Religionsunterricht nicht per se moralisch gut handelnde Menschen erzeugt, sondern da noch ganz andere Einflüsse eine Rolle spielen.
    Ich behaupte einfach, es wäre heute sinnvoller mehr Informatik und moderne Kompetenzen zu unterrichten und die von mir genannten Fächer ein wenig in den Hintergrund treten zu lassen. Das Verhältnis ist einfach nicht zeitgemäß.

    Sind wir doch mal ehrlich, die gesamten Stundentafeln sind nicht mehr zeitgemäß. Die Schüler müssten viel mehr Stunden in Technik, Medien und Informatik unterrichtet werden. Die Bedeutung dieser Fächer ist für den Alltag und für nahezu jeden (!) Beruf wichtig.
    Woher diese Stunden nehmen? Vermutlich trete ich einen shitstorm los, aber es wäre absolut sinnvoll und angebracht die Stundentafeln zu kürzen bei Fächern wie Religion, Geschichte, Latein oder Deutsch, die überproportional (im Verhältnis zu ihrer Bedeutung) in den Stundentafeln vertreten sind, was sicherlich historisch bedingt ist. Aber dies ist eben nicht mehr zeitgemäß. Man sollte an höherer Stelle mal arg darüber nachdenken, ob man sich gesamtwirtschaftlich gesehen noch leisten kann so viele Stunden Literatur und, etwas flappsig ausgedrückt, tote oder zum Teil für internationale Forschung und Wirtschaft relativ unwichtige (Französisch?!) Sprachen zu unterrichten.
    Mir ist klar, dass dies auch zur Allgemeinbildung gehört und man es nicht ganz streichen sollte, aber der prozentuale Anteil an der Stundentafel ist einfach viel, viel zu hoch. Es werden an der Schule in zig Sprachen Gedichte interpretiert, aber für Dinge, mit denen man später den Wohlstand Deutschlands sicher könnte, nämlich durch Innovation im MINT-Bereich, bleiben oft nur wenige Stunden.
    Wenn ich das bei uns sehe, da wird Deutsch als Hauptfach auf die frühen produktiven Morgenstunden gelegt, damit die SuS ausgeschlafen einen gallery walk zu Gedichten machen können, aber Chemie, Physik und Informatik findet am Nachmittag statt, wo sich keiner mehr konzentrieren kann. Ist ja klar, denn es sind ja keine Hauptfächer. Dass diese Fächer es aber sind, ohne die wir nicht ein technisches Gerät hätten, und die uns international eventuell konkurrenzfähig machen könnten, ist ja egal.

    Ich verstehe, dass bei den Regelschullehrern (gerade am Gymnasium) auch keine Kapazitäten/Ressourcen mehr zur Verfügung stehen, nur wie soll eine Förderschullehrkraft sich "komplett um die Inklusionskinder kümmern", bei der miesen Stundenversorgung.


    Nochmal: Wir haben uns den Mist auch nicht ausgedacht, ich hab aber oft das Gefühl, wir werden dafür verantwortlich gemacht!

    Hallo Cyanscott,

    kann nachvollziehen, dass dies auch für Förderschullehrer nicht möglich ist. Dann sitzt das Kind aber eben halt einfach mal herum, das möchte ich nicht ändern auf Kosten meiner Freizeit oder Gesundheit. Meine Aufgabe ist es Schüler zum Abitur zu bringen und wer das Potential dazu nicht hat, den kann ich nur bezüglich einer anderen Schullaufbahn beraten. Ich bade nichts aus, für das keine Mittel bereit gestellt werden. Man erlässt mir einige Stunden in meinem Deputat dafür? Klar, ich machs! Man zahlt mir eine Extravergütung? Klar, ich machs. Man drückt mir diese Zusatzarbeit ohne Kompensation rein? Tschüssikowski!
    Ich warte auf den Tag an dem ich eine Dienstanweisung bekomme zusätzliches Material für die I-Kinder zu erstellen. So klug ist allerdings unsere Schulleitung schon, diese nicht zu geben.

    Eine ehemalige Kollegin regt sich heute noch über "ihre" Sonderpädagogin auf, weil sie auch A13 bekommt, aber nichts vorbereitet für die Inklusionskinder.

    Naja, dann würden die Inklusionskinder halt bei mir gar nichts bekommen (Gymnasium). Ich habe gar nicht die Kapazität (und auch wirklich nicht das know-how) da eine Extrawurst zu braten. Bei 26 Wochenstunden gelingen Extrawürste nicht einmal wirklich für die Regelschüler, wo ich zumindest von der Materie Ahnung habe. Auch werde ich keine extra Gutachten oder Berichte schreiben. Das mache ich für die Regelschüler auch nicht und die Arbeitsbelastung ist auch so schon hoch genug.
    Ich lasse die Inklusion nicht auf Kosten meiner Gesundheit austragen. Entweder ich bekomme eine massive Stundenreduktion oder die Sonderschullehrkraft übernimmt alle zusätzlich anfallenden Aufgaben.
    Ich würde übrigens richtig genervt sein, wenn eine Sonderschullehrkraft bei mir im Unterricht nur beratend dabei ist. Beratung bringt mir nichts, sie soll sich um komplett um die Inklusionskinder kümmern.

    Firelilly: Wenn das bei Euch nicht stattfindet ... wie werden dann ausfallende Stunden vertreten? Nur durch Externe?

    Auch bei uns werden die Stunden natürlich durch uns vertreten. Allerdings gibt es keine Bereitschaft und es wird nicht gezielt versucht die drei Stunden regelmässig auszuschöpfen und bloß nicht darüber zu kommen. Ich kann zumindest nicht über zu viele Einsätze klagen.
    So wie ich das mitbekommen habe, haben in Krankheitshochzeiten vor allem Angestellte Lehrer vertreten, die dann auch die Stunden bezahlt bekommen haben.
    Vielleicht drückt man mir die Vetretungen auch nicht so extrem aufs Auge, weil ich als engagiert aber wehrhaft gelte ;)
    Mit den paar Vertretungen, die ab und an anfallen kann ich leben. Das sehe ich als Einsatzbereitschaft für den Beruf. Sollte es aber zu so einer regelmäßigen Ausbeute mit gezielter Mehrarbeit von den exakt 3 Stunden kommen, würde ich giftig werden.

    Dann habe ich aber nachgeschlagen. In Bayern ist es so, dass 3 Stunden im Monat das Maximum sind, danach muss der Mehrunterricht vergütet werden. Und theoretisch (praktisch nicht) sollen diese Unterrichtsstunden, wenn möglich, zeitlich ausgeglichen werden.

    Das ist doch genau diese Frechheit. Das ist eine schleichende Arbeitserhöhung zu Kosten der Lehrer. Dann soll man doch lieber 4 Stunden im Monat vertreten müssen, damit man eben auch alle 4 bezahlt bekommt. Dass sich die Stundenplaner (vermutlich auf Anweisung der Schulleitung) bemühen diese 3 Stunden auszuschöpfen und ja keine 4. Stunde zu verordnen empfinde ich als dreist. Wenn man das mit mir so machen würde, würde ich eine 4. Vertretungsstunde verlangen und, wenn man mir diese verweigert, einen Tag frei nehmen. Doc holiday. Ich lasse mich doch nicht verarschen. Ich bin gerne bereit Einsatz zu zeigen, aber wenn man ganz gezielt und bewusst versucht mir unbezahlte Mehrarbeit unterzuschieben, dann nutze ich alle mir gegebenen Möglichkeiten entsprechend bezahlte Freizeit als "Ausgleich" zu nehmen. Zum Glück werde solche Machenschaften von unserer Schulleitung noch nicht probiert.

    Bei uns haben die Vollzeitkräfte zwei Bereitschaftsstunden im Stundenplan.

    Unsere Orga verplant mich immer so, dass ich nie über 3 Vertretungsstunden/Monat komme. Ich frage mich inzwischen, ob es da von Seiten des Ministeriums eine inoffizielle Dienstanweisung an die Schulleitungen gibt, das so zu handhaben, damit möglichst keine zusätzlichen Kosten anfallen. (So komme ich effektiv regelmäßig über meine 25,5 Std. und frage mich, ob das eigentlich zulässig ist.)

    Zwei feste Bereitschaftsstunden pro Woche? Aber das sind dann doch bereits zwei Zusatzstunden pro Woche, also pro Monat 8, denn Du bist doch gezwungen für diese zwei Stunden pro Woche Deine Arbeitskraft anzubieten. Ob Du jetzt in diesen Stunden tatsächlich vertrittst oder nicht spielt doch so weit ich weiß keine Rolle.
    Da sollte sich hier noch mal jemand äußern, der da schulrechtlich mehr Ahnung hat. Für mich klingt das nach einem Fall für Remonstration.

    Ich kann über viel jammern (Arbeitsbelastung, mangelnde Wertschätzung), aber ich sehe keinen Grund, über das Geld zu klagen.

    Die Wertschätzung der Eltern empfinde ich (zumindest bei uns) als gar nicht so gering. Auch von den Schülern bekommt man, wenn auch nicht immer so direkt gesagt, Wertschätzung. Liegt aber vielleicht an den Fächern, da man in Chemie und Biologie wirklich spannende Dinge machen kann und mit Fachwissen glänzen kann.
    Es sind eher die anderen Akademiker, die uns Lehrer oftmals nur belächeln. Was man, wenn man unserer Arbeitsbedigungen sieht und das inhaltlische Niveau unserer Arbeit irgendwo leider auch nachvollziehen kann. Dieses Herabsehen auf uns belastet mich jetzt aber nicht so, da ich weiß, dass ich mit 1er Examen durchaus die Forschung hätte aufmischen können.

    Die Wertschätzung unseres Dienstherrn empfinde ich hingegen als das eigentliche Problem. Die Wertschätzung drückt sich ja in den Arbeitsbedingungen (z.B. Arbeitsmaterial, Austattung der Schulen) aus. Als Chemielehrer muss ich da jeglichen Labordreck putzen, Glasgeräte spülen und reinigen, alles Katalogisieren etc., wo in jedem Unternehmen die Arbeitskraft des Chemikers zu wertvoll dafür wäre und man dies Laborassistenten machen lässt. Das gilt eigentlich für alle akademischen Berufe, herrje, selbst jeder Arzt hat Krankenschwestern, damit nicht er selbst die Patienten waschen muss und tausende andere Tätigkeiten, die eben auch locker von nicht studiertem Personal übernommen werden könnten.
    Das ist die Wertschätzung meiner Arbeit die mir fehlt:
    Personal, das mir zuarbeitet, einfache Verwaltungs- und Arbeitstätigkeiten für mich übernimmt. Man wird ja schon schief angeguckt, wenn man die Hausmeister freundlich fragt (!!!!), ob sie einem die Tische oder Geräte durch die Gegend tragen können, weil man die in einem anderen Raum benötigt.
    Hierzu gehört auch eine monetäre Wertschätzung auf Seiten des Dienstherren, die eben nicht gerade groß ist. Mir ist dabei schleierhaft, wie Du die Arbeitsbelastung einerseits zu viel findest, aber andererseits über das Geld nicht klagen kannst. Das hängt für mich eindeutig zusammen. Wenn Du ein deutlich besseres Gehalt hättest, könntest Du Dir es doch leisten zu reduzieren, sprich, die Arbeitsbelastung abbauen. Ich finde das Gehalt für die dazugehörige Arbeitsbelastung im Lehrerberuf einfach unangemessen.
    Wenn ich für das momentane Gehalt pro Woche anstatt 25,5 nur 18 Stunden zu unterrichten hätte, wäre das angemessen und ich wäre zufrieden. Andererseits wäre ich auch zufrieden 25,5 Stunden zu unterrichten und dann eben deutlich mehr zu verdienen.
    Nur so, wie es im Moment ist, empfinde ich es als zu viel Arbeit bei zu wenig Gehalt. Vor allem wenn man die ganzen anderen oben genannten Wohlfühlfaktoren (dringend nötiges Verwaltungspersonal, jemand der für mich kopiert, Apparaturen zusammenbaut, nach dem Unterricht abbaut, die Chemikaliensammlung in Ordnung hält usw.) mit einbezieht.

    Es ist doch auch ein deutliches Zeichen fehlender Wertschätzung, dass ich auf der Weihnachtsfeier komplett alles selber zahlen musste, während mein Ex-Freund mit dem Taxi zu einem firmenbezahlten Luxusbuffet abgeholt und wieder nach hause gebracht wurde.
    Selbst eine Freundin, die kleine Hilfskraft in einer Kanzlei ist, wurde vom Chef ins Restaurant mitgenommen wo alle Mitarbeiten ein Budget von 20 Euro bekamen für den Abend.
    Erzählt mir also nichts über Wertschätzung seitens des Dienstherrn.

    @c.p.moritz

    Wie das geht? Ansprüche runterschrauben und einmal über den Tellerrand Richtung der Unterhalb von 2500-4000 EUR-netto-Verdienenden bicken -- will heißen:

    Das Problem am Lehrerberuf ist doch, dass man sehr viel Geld in seine Ausbildung gesteckt hat, sprich ein sehr langes Studium ohne Einnahmen. Wenn man mal diese Zeit, also die verlängerte Schulzeit wegen Abiturs + Studium + Referendariat, in der man nichts oder geringst verdient hat, mit in sein aktuelles Gehalt mit einberechnet, dann wird deutlich, dass es alles andere als lukrativ ist. Bei einem durchschnittlichen Gehalt in einer Bilanz ab 16 Jahre bis zum jetzigen Alter sinkt unser Gehalt (wie das aller Studierender) im Vergleich zu unstudierten Berufsgruppen einfach gewaltig. Man darf nie nur die aktuellen Gehälter vergleichen, sondern sollte eher eine Bilanz über das Lebensgehalt ziehen.
    Im Gegensatz zu vielen anderen akademischen Berufen bleibt unser Gehalt dabei ausserdem relativ konstant niedrig. Für den Einstieg mag es okay sein (vor allem, wenn man aus dem Studium und Ref eben jeglichen realistischen Vergleich verlernt hat, weil man am Hungertuch nagte), aber spätestens, wenn man älter wird, schmerzt die stagnierende Gehaltsentwicklung. Mag sein, dass wir anfangs auch wie Ingenieure verdienen, mit Sicherheit hängen die uns aber im Laufe der Zeit ab. Zumindest gilt dies für die Vielleister: In Nichtlehrerberufen besteht die Möglichkeit für Spitzenkräfte ihre Expertise auch zu Geld zu machen.
    Wenn ich mit meinem 1er Examen und einem Referendariat mit Auszeichnung an einer Schule arbeite, dann verdiene ich genauso mager wie jemand, der mit schlechten Leistungen dort angekommen ist.

    Hinzukommt, dass die Arbeitsbelastung mit voller Stelle meist so hoch ist, dass viele ihr Gehalt noch weiter reduzieren, da sie sonst gesundheitliche Probleme bekämen.
    Man kann über den Lehrerberuf viele positive Dinge sagen, zum Beispiel die 6 Wochen Sommerferien, aber leicht verdientes, gutes Geld sucht man in dem Beruf (leider) vergebens.


    Und ja, ich finde als Bürger mit sehr gutem Abitur, sehr gutem Hochschulabschluss, einer mindestens 45 Stundenwoche und guter Arbeitsleistung usw., sollte ich mir ein Auto mit "Schnickschnack" leisten können. Vielleicht ist Lehrer da die falsche Berufswahl für, aber das ist "eigentlich" nicht okay. Deshalb sollten die Gewerkschaften da noch mehr Druck machen. Und auch die Lehrer sollten mehr einfordern. Das beginnt damit, dass man eben seinen Stundenlohn selbst angemessen erhöht, indem man die Arbeitsqualität senkt, weil man auch mal Feierabend macht und eben nicht nachts noch irgendetwas vorbereitet. Damit man einen angemessenen Stundenlohn erhält kann man nicht unzählige Stunden arbeiten. Entweder der Dienstherr entscheidet sich irgendwann, dass mehr gezahlt wird, oder die Pflichtstundenzahl wird reduziert, aber unter den momentanen Bedingungen ist immer sehr gut vorbereiteter Unterricht einfach nicht möglich ohne sein Stundenkontingent (unbezahlt) zu überziehen.

    Ich nerve vor einem UB immer alle ganz kräftig, Mentoren, Klassenlehrer/innen meiner Lerngruppe, andere Fachlehrer/innen... ;)

    Ich hingegen habe nicht einmal meinen Mentor (hatte einen für beide Fächer) zu UBs im Vorwege gefragt. Mitreferendare hatten in der Regel auch ganz andere Stile, da konnte ich nichts annehmen.
    Im Endeffekt wollte ich mein Ding machen, hatte genaue Vorstellungen wie ich den Bildungsplan am besten umsetzen würde und war überzeugt, dass ich das fachlich tiefer mit den SuS bearbeiten könnte als meine langgedienten Kollegen, die sich im Lauf der Jahre dem gesunkenen Niveau ergeben hatten, es konnten oder vllt wollten.
    Habe mir dann brav die Rückmeldungen nach so Stunden angehört und dann für mich selbst entschieden, was ich sinnvoll finde und was nicht.
    Ja, es stimmt, man sollte sich auch zum Teil an den Wünschen derjenigen orientieren, die einen bewerten. Habe mich für die UBs auch sicher ein wenig "verbogen", vor allem was den Methodenzirkus angeht. Dennoch habe ich trotzdem mein Ding gemacht, meinen Stil entwickelt und weil ich hinter dem stand, was ich gemacht habe, dieses in Nachbesprechungen auch gut vertreten können. Dies kam teilweise sehr gut an, teilweise hätten die lieber anderen Zirkus gesehen, aber gegen eine Stunde auf hohem Niveau mit Schüleraktivierung kann man per se wenig Destruktives sagen. Kann mich insgesamt überhaupt nicht beklagen über die Noten, obwohl ich weiß Gott meine eigenen Ansichten und Konzepte hatte, und kann dem Threadersteller nur raten da ein Selbstbewusstsein zu entwickeln.
    Man muss seine Stunden auch verkaufen können und muss dahinter stehen. Natürlich auch Kritik annehmen können oder zumindest gut darin sein es vorzutäuschen.

    Lass Dich bloß nicht verunsichern, wenn Du Deine Fächer inhaltlich drauf hast, dann zieh daraus Selbstbewusstsein.
    Ich allein war mir sicher, dass ich mit nahezu an eins grenzender Wahrscheinlichkeit fachwissenschaftlich mehr drauf habe als meine Prüfer, der Schullleiter und auch der Fachleiter. Wenn man allein in der Sachanalyse ordentlich einen raushaut, das Ganze dann didaktisch reduziert, weil man an der Schule ja eh nicht in die Tiefe gehen kann und der Bildungsplan nur oberflächliche Kompetenzen verlangt, dann hat man auch schon einmal eine solide Basis. Fancy Methoden waren auch nicht gerade meine Stärke, aber so what!

    Mir haben im Endeffekt einfach folgende Überlegungen bei der UB Planung geholfen:

    1. Schritt: Was steht im Bildungsplan an Zielen, was die SuS können sollen. Ein für die Reihe passendes Ziel raussuchen und sich nur noch auf dieses Ziel fokussieren.
    2. Schritt: Überlege, wie kann man dieses Ziel möglichst im Unterricht fachlich so tiefgehend bearbeiten, dass man gerade eben noch dem Vorwurf entgeht, dass die Stunde auf Uniniveau und damit über der Schülerrealität gewesen sei. (Meine Devise war, die SuS ordentlich zu fordern und wenn es dann mal Kommentare bezüglich Überforderung gab, einfach auf das gesunkene Niveau des SuS verweisen oder den Anspruch, dass das Gymnasium die allgemeine Hochschulreife vermitteln soll und man dieses Niveau erreichen möchte. Allein der Satz:"Zu ihrer Zeit, Herr "Prüfer XY", war so ein hohes Niveau ja noch Gang und Gäbe, stimmts?" hat in der Nachbesprechung schon einmal Erinnerungen an gute alte Zeiten mobilisiert.

    Schritt 1+2 mache ich auch im Alltag noch so bei der Planung einer jeden Stunde.

    Wenn man dann also inhaltlich die ambitionierten Stundenziele festgezurrt hat (z.B. Die SuS sollen einen Reaktionsmechanismus in der Chemie auf Beispiele anwenden können), dann kommt der "UB Schritt", für den man im Alltag meist zu wenig Zeit bleibt:

    "UB Schritt": Stunde aufblasen. Man kloppt jetzt einen bunten Einstieg an den Anfang, verpackt in Naturwissenschaft das Ganze irgendwie problemorientiert, zeigt hier und da nen ganz kurzen Filmausschnitt zu dem Thema, bringt ein paar Alltagsprodukte mit, bei deren Produktion die Reaktion eine Rolle spielt, denkt sich ein lustiges Spiel zum Überprüfen des Lernziels aus, bastelt irgendwelche Modelle zur Visualisierung der Vorgänge etc.
    Gerade wenn man nen Knallerniveau fährt macht es immer was her, wenn man eine abgespeckte Version für schwache SuS anbietet. Dann kann man auch immer sagen "Uniniveau hin oder her, ich habe ja auch die Version für Dummies angeboten...". Binnendifferenzierung macht man (ich zumindest nicht) natürlich nicht, wenn kein Prüfer dabei ist und man ein volles Deputat hat in den ersten Jahren, aber allein das Wort im Entwurf lässt jeden Didaktikfetischisten aufhorchen.
    Ich hab das so gemacht, dass die SuS den Reaktionsmechanismus an zwei Beispielen üben konnten, an einem simpel gebauten Molekül und für die Cracks an einem cyclischen Molekül, was einfach räumlich komplizierter gebaut war, und was eben so nicht jeder x-beliebige Lehrer macht.

    Beim Ausschmücken der Stunde kann man dann auch die ganzen modernen Dödeleien unterbringen, vom Einsatz des Smartboards über Gruppenarbeit bis hin zum, Gott bewahre, Gallery walk.
    Achtung: Ich empfehle aber dringlichst zu allererst das fachliche fest zu machen und danach zu entscheiden, was an Methodenkrams man da irgendwie reinbomben kann so, dass das irgendwie zum Stundenziel passt. Keinesfalls andersherum planen, dieser Methodenzirkus versperrt einem dann nur die Sicht auf das wichtigste, die zu erlernende Kompetenz.

    Das was ich in meiner Personalratstätigkeit eher erlebe sind Kollegen die Arztbesuche in unverantworlicher Weise auf die lange Bank schieben, weil sie nicht fehlen wollen; oder aber auch Kollegen die sich nicht krank schreiben lassen wollen (obgleich lt. Arzt dringend geboten) weil ja noch die Arbeiten anstehen. Last but not least die Kollegen die vollkommen psychisch am Ende sind, sich aber nicht trauen einen Facharzt aufzusuchen, weil sie Angst haben als Simulant abgestempelt zu werden. Vernatworlich hierür u.a. auch Kollegen wie Thorsten mit ihren Kommentaren.

    Das deckt sich leider mit meinen Beobachtungen im Kollegium. Ich kann nur jedem raten sich bei Krankheit auch krank schreiben zu lassen und sich nicht in die Schule zu quälen, weil Arbeiten anstehen oder viel Unterricht ausfallen würde. Wenn der Dienstherr die Personaldecke so dünn strickt, dann ist es einfach so gewollt, dass Unterricht ausfällt. Und für die gesunden Kollegen gilt: Seid keine Kollegenschweine und kommentiert Krankheit, Arzttermine etc. eben nicht auf so eine negative Weise. Das führt eben genau zu so einem Arbeitsklima, wo viele Angst haben zu fehlen und dann Krankheiten verschleppen und so weiter. Seid solidarisch und setzt euch dafür ein, dass man sich als Lehrer eben unbeschwert und ohne Angst im Hinterkopf bei Krankheit krankschreiben lassen kann, zum Arzt gehen kann und so weiter.
    Ihr müsst Euch immer bewusst sein, wenn ihr Euch krank reinschleppt, all Eure Operationen in die Ferien legt usw., dann schafft ihr Druck. Druck auf die Kollegen und das steigert sich in einer Spirale hoch. Wer will denn so leben und arbeiten? Es könnte so viel entspannter und zufriedener (und damit auch nachhaltiger und gesünder!) sein, wenn da alle an einem Strang ziehen würden. Wir sind (großteils) Beamte und machen uns gegenseitig das Leben so druckvoll und schwer. Warum?
    Würden wir da solidarischer sein, dann würde der Dienstherr unter Druck geraten (Stichwort: Personaldecke) anstatt die Lehrerschaft. Denkt mal darüber nach, der größte Druck kommt von unnötig überengagierten Kolleginnen, die ohne Rücksicht auf Verluste die Defizite des Dienstherrn auf ihren Schultern austragen.

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