Beiträge von Firelilly

    Ich lasse mich grundsätzlich niemals hetzen und achte ganz dezidiert darauf, dass ich das auch körperlich umsetze. Ich werde niemals in Eile durch das Schulgebäude hetzen.

    Prinzipiell total toll. Wenn allerdings die Schulleitung immer wieder daraufhinweist, dass das Kollegium nicht erst mit dem Stundenklingeln losschlendern soll, weil ja kostbare Unterrichtszeit verloren gehen könnte, dann entsteht einfach Eile.
    Das sind so Formulierungen wie:"Aus meinem Büro kann ich auf dem Gang sehen, wer spät in die Stunden geht und früh wiederkommt. Ist manchmal ganz interessant.... *vielsagender Blick*"

    Auf Lebenszeit verbeamtet wäre es mir vermutlich nicht so wichtig, abe jetzt schwingt da einfach die Gefahr mit, dass man schlecht bewertet.
    Dass es unter Umständen sehr wichtig wäre, den Kollegenaustausch in der Pause auch noch zwei Minuten der nächsten Stunde weiterzuführen, das interessiert die Schulleitung nicht. Dann solle man sich eben nach der Schule treffen um das zu besprechen.

    Also, unter der Woche bis mindestens 19 Uhr war bei mir auch normal bisher. Ich habe eine ähnliche Strategien: Freistunden, Lücken, etc nutzen um täglich ein paar Klausuren wegzukriegen, anders geht es nicht, wenn man einen freien Wochenendtag haben will.

    Das Problem ist, dass mein Ex-Partner bei vergleichbarem Gehalt einfach deutlich mehr Zeit zur Verfügung hatte als ich. Zugegebenermaßen kam er unter der Woche später nach hause als ich (es wurde bei ihm meist 17.30 bis 18.00 Uhr), hatte dann aber den Abend immer komplett frei und musste nicht in Gedanken schon beim nächsten Tag sein. Auch war er nicht so ausgelaugt und müde wie ich am Abend. Und nein, es liegt nicht an mir, im Studium habe ich die Belastung auch locker gemeistert und konnte trotz Einhaltung der Regelstudienzeit mit sehr guten Noten abschließen, regelmässig Sport treiben und tanzen gehen. Ich bin an sich schon sehr arbeitssam und belastbar. Lehramtsfreundinnen von mir geht es auch so wie mir, welche von ihnen geht heute noch abends weg? Telefonate gehen meist darum, wie wenig Zeit man hat und was man noch alles machen muss. Telefoniere ich, was ich mittlerweile sehr ungern mache, mit denjenigen, die unsere Fächer auf Master studiert haben, höre ich immer, wie sie sich zum Cocktails trinken treffen, tanzen gehen oder Städtetouren am WE machen. Ich muss das dann immer absagen, denn dafür bin ich (und meine Lehramtsfreundinnen auch) einfach zu belastet und fertig, um das in der Regelmäßigkeit und Lockerheit zu machen. Es zerbrechen da also nicht nur Beziehungen, sondern auch Freundschaften benötigen Zeit zur Pflege.

    Ein großes Problem finde ich, dass man immer so viel für den nächsten Tag planen und schon einmal im Kopf vordenken muss. In vielen anderen Berufen kann und muss man gar nicht so viel vorplanen, da fällt das Abschalten einfach deutlich leichter.
    Auch hatte mein Ex-Partner eben, bis auf ganz extreme Ausnahmen, jedes Wochenende zwei volle Tage frei (siehe Zitat oben), während ich massivste Probleme hatte mir überhaupt einen (!) Tag freizuschaufeln. Das geht ja anscheinend uns allen so, dass man keine zwei freien Tage pro Woche hat. So anstrengend in der Wirtschaft die Arbeit eben auch ist, die meisten Arbeitnehmer haben zumindest zwei Tage Wochenende, wo man sich erholen kann.
    Die Arbeit von ihm war natürlich auch anspruchsvoll, das will ich nicht herunterspielen, aber er war auch oft in Sitzungen, von denen er aber meinte, dass er da auch mal entspannen und sich berieseln lassen kann. So würde ich auch gerne mental in Konferenzen verfahren, nur im Gegensatz zu ihm, bleibt die Arbeit eben liegen und muss dafür am WE oder am Abend unter der Woche erledigt werden. Das ist ein fundamentaler Unterschied. Er sagte immer: "Tja, wenn mich die Firma dafür bezahlen will, dass ich da teilnehme, ists mir egal. Das ist einfach abgesessenes Geld."

    Ich korrigiere auch viel schon direkt während des Unterrichts; während die Kinder an ihren Sachen arbeiten. Das geht nach kurzer Anlaufzeit sogar schon bei Erstklässlern (und bei Vierklässlern sollte das erst recht möglich sein).

    Du hast meinen vollen Neid!
    So etwas ist bei mir an der Schule leider schwer möglich zu realisieren und dazu noch extrem verpönt.
    Man wird schon schief angeschaut, wenn man in einer Lehrerkonferenz während einer mehr als unnötigen Laber- oder Diskussionsphase korrigiert, auch, wenn einen die gerade stundenlang bekakelten Inhalte nichts bringen, weil es um irgendwelche anderen Fachschaften oder Dinge geht, mit denen man konkret nichts zutun hat.
    Lieber soll mal die Korrekturen oder Vorbereitungen nachts machen, anstatt die Zeit effizient zu nutzen. Wenn ich meinen SuS allerdings sagen würde:"Wie, ihr seid schon fertig? Na, dann setzt Euch mal 20 Minuten hin und starrt Löcher in die Luft", dann würde es heißen ich müsste ihnen "sinnvolle" Aufgaben geben, weil es ja nicht sein könnte, dass man die Zeit nicht effizient nutzt (Stichwort Binnendifferenzierung).

    Wenn die Schulleitung bei uns erfahren würde, dass man während des Unterrichts korrigiert, dann wäre aber mit Sicherheit die Hölle los.
    Es wird ja schon ein Drama veranstaltet, wenn man SuS am Freitag mal fünf Minuten früher herauslässt, weil sie sehr gut mitgearbeitet haben und man das Stundenziel erreicht hat und es weder lohnt ein neues Thema anzufangen, noch die Erkenntnis der Stunde ein drittes Mal wiederholen zu lassen.
    Man würde ja die 45 Minuten nicht bis zur letzten Minute auskosten, hätte seinen Unterricht schlecht geplant und würde signalisieren, dass Unterrichtszeit nichts wert sei. Und nein, es geht gar nicht um Aufsichtspflicht.

    Zum Glück habe ich das noch nicht am eigenen Leib erfahren müssen, aber so etwas wie im Zitat beschrieben funktioniert bei uns einfach nicht.

    Auch der Lehrerberuf ist nur ein Beruf. Man arbeitet, um sein Leben zu führen, nicht umgekehrt. Wenn man Lehrer vom Auto überfahren wird und dabei umkommt, dann geht die Schule ohne Pause weiter. Es geht auch ohne einen. Und so sollte man sein Leben auch organiseren.... Bei mir persönlich rangiert die Schule hinter meiner Frau und meinen Katzen zusammen mit meinen Hobbies an dritter Stelle. Und darüber habe ich kein schlechtes Gewissen.

    Das ist eine tolle Einstellung. Leider ist dies, wenn man im Referendariat ist, oder wenn man noch nicht auf Lebenszeit verbeamtet wurde, gar nicht so einfach umzusetzen. Der Druck ist einfach groß.
    Wenn ich mich im Bekanntenkreis umhöre, dann ist der Lehrerberuf in den ersten Jahren (Ref + erste Jahre nach dem Ref) so mit der anstrengendste Beruf. So viele Beziehungen, wie im Referendariat und der Zeit danach in die Brüche gegangen sind, weil der Partner so gestresst war und zu wenig Zeit hatte, kenne ich sonst nicht.
    Liegt vielleicht auch ein bisschen daran, dass man viele Referendare als Bekannte hat, aber eigentlich bilde ich mir ein einen großen Freundeskreis mit vielen Nichtlehrern zu haben.
    Diese Phasen, wo man absolut keine Zeit hat (Prüfungen im Ref, erstes Jahr bei voller Stelle) gibt es einfach nirgendwo sonst. Die einzige, die bei uns genauso belastet ist, ist eine Freundin die nun Assistenzärztin ist. Alle anderen haben irgendwie genug Zeit zum Leben.

    Ich kann MarlboroMan84 da schon verstehen. Auch mich stört es gewaltig, dass mit der Arbeitszeit und -belastung der Lehrer so gedankenlos umgegangen wird.

    Zu meiner Situation: Als Berufsanfänger mit voller Stelle muss ich mit jeder Minute haushalten. Möchte ich meine 26 Stunden auch nur irgendwie halbwegs sinnvoll vorbereiten, so muss ich mich direkt nach der Schule an der Schreibtisch setzen können.
    Arbeiten in der Schule ist aus den oft genannten Rahmenbedingungen nahezu nicht möglich. Wenn mir dann "freie" (also für Vorbereitung, Korrekturen, Nachbereitung dringend benötigte!) Nachmittage genommen werden, weil ich stundenlang auf Fachkonferenzen warte, dann bekomme ich massive Probleme.
    Ich kann die Zeit auch nicht "vorarbeiten", denn mein Wochenende ist schon komplett mit Unterrichtsvorbereitung und Korrekturen in dem Maß belastet, dass ein Mehr zu Gesundheitsschäden (ja, wirklich, ich benötige auch etwas Ausgleich!) führen würde.
    Die Belastung, die Lehrer im Gesamten gesehen zu einer überdurchschnittlich psychisch angeschlagenen, kranken Berufsgruppe macht, wird durch so ein ineffizientes Zeitmanagement stark verstärkt.

    Ich denke also, dass eine Regelung zugunsten der Lehrer und zuungunsten der Eltern durchaus zu erwägen ist. Immerhin würde das sicherstellen, dass ich am nächsten Tag nicht übermüdet vor der Klasse stehe und vielleicht sogar einen Versuch mit den Schülern durchführen kann oder ein strukturiertes Arbeitsblatt liefere, weil ich eben nicht unnötige Stunden in der Schule verbrannt habe.

    Ich glaube auch, dass, wenn man die Arbeitszeit der Lehrer genauer erfassen und auch danach bezahlen müsste, der Dienstherr es tunlichst vermeiden würde so zeitineffizient zu sein. Er könnte es sich schlicht nicht leisten ein paar Akademiker ein paar Stunden in eine ineffiziente Warteschleife zu stecken, diese dafür zu bezahlen und dann die liegengebliebene Arbeit nachts (Unterrichtsvorbereitung) auch noch zu bezahlen.
    Aber so, wo man über die Zeit der Lehrer ungehemmt verfügen kann, weil man einen PAuschalbetrag zahlt und meint, damit sei alles abgegolten und man könne über Lehrer verfügen, wie man wollte, ist es halt ein Leichtes. Betrifft jetzt nicht nur Fachkonferenzen, sondern den Umgang mit der Zeit der Lehrer allgemein. Stichwort: Dienstverpflichtung

    Natürlich ist der Ehrgeiz der Eltern dort zum Teil übertrieben. Dennoch glaube ich, dass ein wenig mehr Eliteförderung der deutschen Wirtschaft und damit unserer aller Wohlstand gut tun würde. Wenn ich sehe, dass in Schleswig-Holstein nun das Gymnasium durchs Hintertürchen abgeschafft wird, fürchte ich um die Zukunft des Landes. Dadurch, dass durch Inklusion und die verstärkte Aufnahme von Schülern, die zum Teil eher auf die damalige Hauptschule gehören würden, das durchschnittliche Leistungsvermögen der Schüler drastisch sinkt, passt sich automatisch auch der Anspruch an. Die Folge ist eine Noteninflation für die SuS, die damals einfach ein 2er Abitur gemacht hätten und nun mit 1,x rausgehen.
    Das Problem ist auch, dass wirklich intelligente SuS nicht mehr so wie früher gefördert werden, weil das Tempo und das Niveau sich der Mehrheit anpasst. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass nur noch ein Bruchteil der SuS eine Gymnasialempfehlung hat. Der Rest eben nicht, und das aus sehr gutem Grund. Trotzdem gibt es immer wieder Kollegen, die schwache SuS in der Unterstufe auf Biegen und Brechen fördern und an der Schule halten wollen. Wenn man mit Nachhilfe (!) und Lernen in der 5. und 6. Klasse einer 4er Zeugnis hat, dann sollte man frühzeitig die Schule wechseln. Aber selbst Lehrer beraten da zum Teil anders.
    Die Folge ist, dass die wirklich intelligenten, leistungsmotivierten SuS am heutigen Gymnasium ihr Potential einfach nicht mehr ausschöpfen können.
    Deshalb kann ich mir vorstellen, dass elitärere Einrichtungen in Zukunft mehr Zulauf bekommen. Ich kann es also zum Teil nachvollziehen, wenn Eltern ihre Kinder dort hinschicken.

    Verglichen mit meiner Schulzeit (ca. 1994-2002) hat das Niveau dann aber wieder extrem (!!!) nachgelassen. Wir durften in Mathematik noch sehr viel beweisen, haben uns mit komplexen Zahlen beschäftigt, in Chemie Orbitalmodelle gehabt, in Biologie die Lotka-Volterra Regeln mit Differentialgleichungen beschrieben und so weiter. Auch die Mendelgenetik wird heute viel oberflächlicher gestriffen. Tausende Beispiele.
    Wenn ich meine alten Hefte durchschaue kann ich einen Bruchteil der Aufgaben nehmen, da die meisten einfach zu komplex für das heutige Niveau sind.

    Die Ansprüche an die Kinder sind gestiegen.
    Zumindest im Vergleich zu meiner Schulzeit ab Ende der 70er. Und ich kann es verifizieren - meine Familie hat meine alten Schulsachen aufbewahrt.
    Und natürlich gabs bei mir damals auch keine Hilfe der Eltern. Dafür konnte ich am Ender der ersten Klasse Sätze lesen wie "Fu ruft Uta. Hallo Fu."
    Meine Kinder haben am Ende von Klasse 1 die erste Klassenlektüre gelesen.

    Mathematik und Physik können echt interessant sein, wahnsinn!
    Mich würde einmal interessieren, wie der logische Zusammenhang ist, dass man aus der Anzahl der Stöße die Nachkommastellen von Pi berechnen kann. Mir ist der theoretische Versuchsaufbau klar, ideal elastischer Stoß und keine Reibungsverluste. Doch wieso verhält sich die Anzahl der Stöße exakt so, dass die Nachkommastellen von Pi herauskommen? Es kann ja nicht daran liegen, dass Kugeln verwendet werden, wo dann Pi wegen des Kreisumfangs auftritt, oder? Das Ganze müsste doch mit einem anderen Körper (z.B. Würfel) unter den Bedingungen auch funktionieren, da es nur auf die Masse ankommt? Wieso taucht in diesem Naturgesetz also Pi auf?
    Vielleicht kann mich ein Physiker / Mathematiker mal aufklären, finde das mega spannend!

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Eltern allein schon gehörig Aufruhr machen würden, wenn auch nur eine komplette Woche der Unterricht ausfallen würde wegen Streiks. Und das Ganze kann man dann eben ausdehnen bis die Forderungen erfüllt werden.
    Da viele Eltern berufstätig sind, müssten sie für teuer Geld Kinderbetreuung nehmen. Da gäbe es mit Sicherheit einen massiven Aufschrei. Ich wette es würden sogar einige Eltern den Staat verklagen dafür. Ich glaube, dass unser Dienstherr dadurch unter so massiven Handlungsdruck geraten würde, dass da relativ schnell eine Einigung erzielt würde.
    Einer der Gründe, warum es nicht funktioniert ist, dass den Lehrerberuf leider überdurchschnittlich viele Gutmenschen ergreifen, die ein schlechtes Gewissen bekämen wegen der Konsequenzen, die es für die Kinder und Eltern bedeutet.
    Kurzum, der Streik im Lehrerberuf würde hervorragend funktionieren, wenn alle nur mitmachten. Stellt Euch doch einmal vor über längere Zeit fände kein Unterricht statt, was das für Konsequenzen fürs Abitur und auf lange Sicht für die ganze Wirtschaft hätte. Deutschlandweit mehrere Jahrgänge, die, weil der Dienstherr nicht einlenken will, ein Quartal keinen Unterricht bekommen? Die Klagewelle, dass "mein Kind kein Medizin studieren kann, weil ihm ein viertel Jahr Unterricht fehlte und er deshalb das Abitur mit schlechteren Noten abschloss" und so weiter.
    Der Druck unter den der Dienstherr käme wäre enorm, aber es scheitert daran, dass die Lehrerschaft zu masochistisch, zu gutmenschlich und vielleicht auch zu ängstlich und zu faul ist. Dabei sind wir in so einer gesellschaftlich wichtigen Schlüsselposition und haben theoretisch so viel Macht, stattdessen sind wir die (auch noch studierte!) Berufsgruppe, die sich am wenigsten gegen Ausbeutung und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen wehrt.

    Scheint in S-H wirklich mager zu sein, ich habe nur dies hier gefunden:

    http://www.gew-tarifrunde.de/Binaries/Bi…r2_2015_Web.pdf


    Aber evtl. fragst du mal auf der Facebookseite.

    Hallo Susannea,
    danke für den Link. Das ist schon einmal interessant, allerdings suche ich eher einen direkten Aufruf zum Streik am Dienstag. So wie ich unser Kollegium kenne bekommt das sonst niemand mit und vor allem glaube ich, dass sonst wirklich gar niemand streikt.
    Und dann heißt es bestimmt wieder: "Die Forderungen können ja so wichtig nicht gewesen sein, wenn man nicht mal bereit ist dafür zu streiken".
    Und ja, Du hast recht, in SH ist jeglicher Widerstand, der zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen führen könnte, marginal. Generell kommt es mir von meiner Schule im Speziellen so vor, als würden die alles mit sich machen lassen. Es kommt wohl auch nicht von ungefähr, dass die Bezahlung in SH so gering und die Stundenzahl (25,5) so hoch ist. Es wehrt sich ja niemand bei irgendetwas. Traurig.
    Bei Personalratswahlen wird immer händeringend überhaupt ein Kandidat gesucht, weil das niemand machem möchte. Dabei wird in Gesprächen deutlich wie unzufrieden alle sind und der Langzeiterkranktenstand ist hoch wie nie (bei über der Hälfte weiß man, dass es Burnout und ähnliche, berufsbedingte Probleme sind!).
    Vielleicht sollte ich mich mal im Personalrat engagieren? Aber als Neuling?

    Du kannst das Thema im Lehrerzimmer verbreiten, die Informationen der GEW auslegen, vor allem dich weigern, eine angestellte Lehrkraft zu vertreten (!!) und mit den Schülern darüber sprechen, warum Frau X und Herr Y fehlen.

    Du kannst in die GEW eintreten (da kommt nämlich das Streikgeld und die Rechtsberatung für die Streikenden und die ganze Organisaton der Maßnahmen her), und dich da engagieren...

    Hallo Meike, danke für die Info. Ich würde gerne das Thema im Lehrerzimmer verbreiten und die Information der GEW auslegen. Am liebsten wäre mir, wenn ich z.B. auch eine DIN-A-4 Seite mit Aufruf zum Streik bei uns ans schwarze Brett hängen könnte. Wir haben da so einen Bereich, wo sich Lehrer gegenseitig informieren. Hat die GEW da ein Musterexemplar, was man ausdrucken könnte? Ich habe da jetzt nicht direkt so etwas gefunden.

    Welche Möglichkeit habe ich, wenn ich verbeamtet bin, diesen Streik in irgendeiner Form zu unterstützen ohne gegen das Streikverbot zu verstoßen? Ich finde es mehr als angebracht, dass die GEW endlich zu drastischeren Maßnahmen aufruft, denn so kann es mit dem Lehrerberuf nicht mehr weitergehen. Ich möchte mich den Angestellten solidarisch zeigen und möchte dennoch nicht gegen geltendes Recht verstoßen. Vielleicht kann mir jemand von den erfahreneren Kolleginnen und Kollegen einen Rat geben!

    Ich kenne da sogar erstaunlich (persönlich finde ich sogar: erschütternd) viele, die so ein Modell favorisieren (ganz daheim bleiben oder Teilzeit mit so wenig Stunden wie möglich).

    Wenn ich einen Partner hätte, der mich finanziell voll versorgt, würde ich auch lieber Hausarbeit machen anstatt arbeiten zu gehen. Ich kann
    während des Bügelns prima Musik hören und ich kann beim Putzen vortrefflich tagträumen oder Dinge planen.
    Als Lehrer muss ich bei der Arbeit in und nach der Schule immer hochkonzentriert sein und das schlaucht. Auch bleibt, ich sah das bei meinen Eltern früher, als Hausfrau immer noch genug Zeit für Hobbies, Gespräche mit den Nachbarn und Selbstverwirklichung sei es durch Lesen, Basteln oder Sport.
    Während mein Vater als Vollzeitlehrer in der Regel unter der Woche einfach nur todmüde war und nicht einmal Zeit hatte so viel zu lesen, wie er eigentlich gerne wollte, geschweige denn regelmässig zum Sport zu gehen, so konnte meine Mutter neben aller Hausarbeit noch ein Hobbystudium (Psychologie) durchführen, regelmässig sporteln und hatte eigentlich immer genug Zeit. Meine Mutter hat sogar eigene Bücher geschrieben neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau, war lange Zeit Oberligaspielerin während mein Vater zu mir sagte, als ich den Lehrberuf ergreifen wollte:
    "Such Dir lieber etwas mit geregelten Arbeitszeiten. Ich habe aus Zeitmangel nie die Dinge verwirklichen können, die ich gerne gemacht hätte."
    Jetzt wo ich Lehrer bin verstehe ich das. Als ich noch Schüler war und im Kadertraining, da ist meine Mutter mit mir vor der Schule oftmals eine Runde mitgejoggt. Mein Vater hatte dazu schlicht und einach keine Zeit und Kraft, weil der natürlich 6 Stunden unterrichten musste. Meine Mutter hat sich danach einfach noch einmal ne Stunde hingelegt und dann entspannt die Hausarbeit begonnen. Es mag sein, dass es alles auch für sie stressiger war, als wir kleine Kinder waren, aber sobald wir selbstständiger waren war es entspannt. Das hat sie selbst gesagt und das war auch immer mein Eindruck.
    Für mich ist es auch kein Wunder, warum so viele Lehrer bei uns im Lehrerzimmer nur halbe Stellen haben. Und, warum diejenigen die Vollzeitstellen haben so dick oder Kettenraucher sind. Irgendwie muss der Streß ja kompensiert werden.
    Ich sehe es an meinem Sportverein: Wir haben Lehrer und Leute aus anderen Berufen. Diejenigen, die am Freitag Abend beim Punktspiel jammern, dass sie danach eigentlich keine Zeit für ein Bier haben weil sie am WE noch so viel zu arbeiten haben und dementsprechend sich nicht erlauben können bis spät in die Nacht wegzubleiben sind (wir) Lehrer.

    Ich kann also jeden und jede verstehen, die lieber gut bezahlt den Haushalt machen anstatt sich in der Arbeit zu stressen und aufzureiben. Ich wünschte mir so sehr ich könnte auch mal einfach mich morgens, nachdem ich das Frühstück gemacht habe, noch einmal für ne Stunde oder zwei hinlegen. Oder ich könnte bei strahlendem Sonnenschein auf den Markt radeln und da einkaufen.

    Ich habe heute einen Wandertag mit meiner Klasse veranstaltet, dabei sind für mich Kosten angefallen:

    - Parkgebühr am Bahnhof

    - Bahntickets

    - Leihgebühr von Schlittschuhen

    Wir kriegen das nicht vom Dienstherren ersetzt.

    Kann man das Geld dann nicht aus der Klassenkasse nehmen und so auf die SuS umlegen? Kann doch nicht sein, dass Du für einen Wandertag auch noch draufzahlst.

    ohne etwas zu den Karrierechancen des Threaderstellers sagen zu können, wirft es IMHO ein bezeichnendes Licht auf unseren Berufsstand, wenn einer zugibt, AUCH Ambitionen auf Leitungsaufgaben zu haben und dann von allen Seiten fast nichts anderes zu hören bekommt, als dass das doch ganz "pfui" sei und man doch deswegen nicht Lehrer werde...

    Da stimme ich vollkommen zu. Ich persönlich ziehe das Unterrichten jeglicher Verwaltungsarbeit vor,
    aber wenn jemand sich gezielt für Leitungs- und Verwaltungsaufgaben interessiert, bitte! Finde ich vollkommen in Ordnung.


    Ich fände es übrigens im Allgemeinen gut, wenn es mehr Lehrer gäbe, die auch wirtschaftliche Aspekte des Berufs stark betonen anstatt sich in irgendwelchen ideellen Fantasien zu ergehen. Vielleicht wird aus solchen Reihen dann auch endlich mal ein Schulleiter rekrutiert, der Firmenkontakte herstellt für wirtschaftsnahe Praktika und Zusammenarbeit, MINT-Fächer gezielter fördert und sich dafür stark macht, dass an der Schule all die Aktivitäten groß geschrieben werden, die Bezug zu Fächern haben deren Experten in der deutschen Wirtschaft gesucht werden und mit denen SuS später einen gut bezahlten, wichtigen Job bekommen.
    Von Schulleiter/innen mit Geisteswissenschaften als Fächern, die den Großteil der Poolstunden in Theater-AGs, Darstellendes Spiel und Ähnliches stecken und lieber einen Kunst LK mit 20 SuS sowie einen dritten (!) Deutsch LK, als einen Chemie LK mit 12 hochintelligenten Cracks, einrichten, habe ich persönlich genug.
    Vielleicht wird das ja mal ein Schulleiter, der auch versteht, dass man als Lehrer kein Geld für Arbeitsmaterial ausgeben sollte und deshalb Teile des Etats darauf verwendet, dass die Lehrer Druckerpatronen und Druckerpapier (sofern sie es eh nicht aus der Schule mit nach hause nehmen) über die Schule bestellen können, damit sie die Blaupause für die Arbeitsblätter nicht auf eigene Kosten ausdrucken. Vielleicht ist so jemand auch ein Schulleiter, der keine Klassenfahrten und Austausche genehmigt, wenn es dafür keine Geldmittel gibt und ein Lehrer auch nur einen Cent selber zahlen müsste.
    So ein Schulleiter bleibt aber wohl eher Wunschdenken meinerseits ;)

    Hm, in Bezug auf Schülerinteressen kann ich mich den Vorrednern so gar nicht anschließen:

    An unserem Gymnasium erfreuen sich sowohl Biologie, als auch Geschichte großer Beliebtheit. PoWi und Sowi aber noch viel mehr. Gerade in der Oberstufe und als Abiturfach.

    PoWi und SoWi erfreut sich großer Beliebtheit im Abitur, weil die Schüler wahnsinnig interessiert sind an den Themen? Oder weil Physik, Mathe und Chemie einfach zu anspruchsvoll sind und man sich einfach durch die Wahl bessere Noten erhofft (und diese im Vergleich auch bekommt)?
    Ich beobachte dies auch in Bezug auf Biologie, was sich im Gegensatz zur Chemie oder Physik großer Beliebtheit erfreut. Da sitzen dann trotzdem relativ viele uninteressierte SuS. Ich glaube dies gilt für viele Fächer in der Schule. SuS wählen auch oftmals den leichteren Weg und das wird dann, wenn man die Zahlen derer anschaut, die einen Kurs belegen, oftmals falsch als Interesse am Fach interpretiert.

    ...das den Kollegen gegenüber, die für dich einspringen (Mehrarbeit) kollegial ist.

    Ich empfinde es genau anders herum. Nämlich, dass diese Kollegen, kollegial mir gegenüber sind, wenn sie mich entlasten, dass ich, wenn ich schon täglich 14 Stunden + 10 Stunden Bereitschaft arbeite, nicht auch noch im Vorwege der Fahrt Mehrarbeit leisten muss.
    Ich bin übrigens auch sehr gerne bereit selbiges für meine Kollegen zu machen. Sogar würde ich gerne tauschen, ihn / sie auf die Fahrt schicken und dafür seinen Unterricht vertreten.
    Denn wenn ich Vertretungsstunden leiste, dann muss ich nur zwei Stunden pro Monat leisten. Leiste ich mehr, kann ich mir die auszahlen lassen. Wie ist es mit den 14 Stunden + 10 Stunden Bereitschaft auf Klassenfahrt? Nicht so!

    Wenn der Dienstherr übrigens möchte, dass mehr als zwei Vertretungsstunden und nach Möglichkeit auch noch jeweils durch Lehrer des entsprechenden Fachs mit regulärem Unterricht stattfinden, dann soll er entsprechendes Personal zur Verfügung stellen.
    Es würde ja reichen mehr Lehrer einzustellen. Auch das reguläre Stundendeputat mal wieder abzusenken und die frei werdenden Stunden für nötige Vertretungseinsätze zu nutzen wäre eine Maßnahme gegen Unterrichtsausfall.

    Solange dem Dienstherr aber Unterricht nicht als wert genug erscheint (denn für mehr Personal um Stundenausfall durch passende Fachlehrer zu verhindern oder weniger Stundendeputat und damit hochwertigere Stunden scheint ja wohl kein Geld da zu sein), kann es ja wohl auch nicht so wichtig sein!

    Ich werde übrigens als fachfremder Vertretungslehrer durchaus weiterhin etwas spielen oder einen Film schauen (und mit Film meine ich allerdings eine hochwertige Dokumentation aus meinen Fächern). Ich sehe das als tolle Möglichkeit auch mal andere Klassen / Schüler kennenzulernen, ungezwungen ins Gespräch zu kommen. Wenn Arbeitsaufträge vorhanden sind (kam durchaus mal vor, aber eher selten), dann lasse ich die natürlich bearbeiten.

    Es ist etwas anderes, wenn ein Lehrer länger ausfällt und man den Auftrag bekommt diese Klasse längere Zeit zu übernehmen. Dann lohnt es sich natürlich regulären Unterricht zu etablieren. Und dann ist man eben auch Fachlehrer für dieses Fach.

    Müsste man dann auch konsequent im Alltag sprechen von einem

    a) Mensch mit männlicher Geschlechtszugehörigkeit anstatt Mann
    c) Mensch mit weiblichem Geschlecht und beruflicher Tätigkeit im horizontalen Gewerbe anstatt Prostituierte

    Denn wenn ich Mann sage, reduziere ich den Menschen doch auch nur auf seine Geschlechtszugehörigkeit und sehe nicht den Menschen im Vordergrund. Oder wenn ich von einer Prostituierten spreche, dann reduziere ich den Menschen auf seine Berufstätigkeit.

    Aus meiner Sicht ist es in Ordnung einen Begriff zu verwenden, der einen bestimmten Aspekt eines Menschen in den Vordergrund stellt, wenn es in dem Sachzusammenhang eben um genau diesen Aspekt geht.
    Wenn das Geschlecht in einem Zusammenhang von Bedeutung ist, dann sage ich eben "ein Mann" oder "eine Frau" und reduziere den Menschen eben ein Stück weit, weil es in dem Zusammenhang eben auch um diesen Aspekt genau geht. Deshalb habe ich auch kein Problem damit von Behinderten zu sprechen. Auch nicht von Legasthenikern, Genies, Cholerikern und so weiter.

    Ich empfinde diese ganzen gestelzten Formulierungen als Gutmenschentum und viel zu umständlich und gekünstelt für den Alltag. Diese gesamten "ein Mensch mit....." Konstruktionen. Genauso wie diese Begriffsumwandlungen in Berufen. Ich sage immer noch, dass "Putzfrauen" bei uns an der Schule arbeiten. Und ich grüße sie jeden Tag und unterhalte mich auch ab und an mal kurz mit ihnen und scherze herum, wenn sie abends in den Chemiräumen putzen.
    Ganz im Gegensatz zu so manch jungen, politisch korrekten Kolleginnen, die mich doch glatt belehren wollten, dass es "Raumpflegerinnen" sind, aber (vermutlich!) noch nicht ein Wort mit ihnen gewechselt haben. Sicher aber grußlos vorbeigegangen sind, denn das habe ich gesehen und mir dann meinen Teil zur political correctness gedacht.

    geplantes fortbleiben durch wandertag/klassenfahrt oder sonstwas, dann gibt man selbstverständlich etwas rein.

    Das habe ich nun schon öfter gehört. Warum sollte ich, wenn ich auf Klassenfahrt gehen muss oder einen Wandertag durchführe auch noch die dadurch entfallenden Unterrichtsstunden vorbereiten?
    Durch eine Klassenfahrt habe ich 14 Stunden am Tag Arbeit + 10 Stunden Bereitschaft. Wenn ich dann noch die Zeit für Unterrichtsmaterialerstellung für die ausfallenden Stunden dazurechnen müsste, dann bin ich ganz locker in Arbeitsstundenbereichen, wo der Burnout winkt.
    Entweder ich unterrichte, dann bereite ich auch Unterrichtsmaterial dafür vor, oder ich werde eben anderweitig eingesetzt. Dann mache ich sicherlich nichts für den dadurch ausfallenden Unterricht. Das wäre in meinen Augen eine dreiste Erhöhung des Arbeitsumfangs.
    Auch bereite ich nichts vor für den Fall, dass ich mal krank bin und hinterlege das irgendwo. Ich gebe im Krankheitsfall höchstens kurz und knapp Auskunft welches Thema ich gerade behandele. Kann sein, dass es später mal weniger belastend wäre, aber als Berufsanfänger ist das zeitraubendste die Erstellung des Unterrichtsmaterials und die Planung der Stunde. Das sich Hinstellen und vorbereitetes Material mit den SuS zu erarbeiten ist (für mich) das kleinste Übel. Eine gut vorbereitete Stunde mit allen Materialien hält sich (für mich) relativ entspannt, während die Planung der Stundenziele und Methoden und deren konkrete Umsetzungsvorbereitung massiv Zeit und Denkleistung erfordert.

    Man stelle sich vor so eine Erwartungshaltung würde sich in einem anderen Beruf so finden: "Ach übrigens, Frau Müller, da sie ja vielleicht einmal krank sein könnten arbeiten sie doch bitte schon einmal, selbstverständlich als unbezahlte Überstunden, vor."
    Tja, wenn dem so wäre, würde man sicher bestimmte Unterlagen deutlich schneller vom Gericht oder vom Amt zurückbekommen. So läufts aber außerhalb der Parallelgesellschaft Schule eben nicht.
    Auch habe ich noch nicht davon gehört, dass ein Arbeitnehmer bei einer genehmigten Fortbildung die Zeit des Arbeitsausfalls als Überstunden wieder reinholen muss. (Nichts anderes ist es nämlich, wenn man da im Vorwege den Unterricht regeln soll). Im Gegenteil habe ich von Freunden gehört, dass Fortbildungen vom Unternehmen inklusive Anfahrt und Übernachtung im Hotel gezahlt (!) werden. Warum sollte ich als Lehrer für so etwas selber zahlen und noch zusätzlich arbeiten?

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