Beiträge von WillG

    Ich wünsche dir alles Gute. Ich kann den anderen nur zustimmen und möchte nur eins ergänzen:

    Das Ganze ist mir so wahnsinnig unangenehm.

    Du solltest versuchen, diesen Gedanken abzulegen. Du bist erkrankt, das, was du hast, ist nicht anders zu bewerten wie ein Beinbruch oder eine Lungenentzündung. Krankheiten sollten dir nicht unangenehm sein. Auch nicht, dass dein Ausfall oder deine Einschränkungen das System irgendwie belasten könnten. Das System hat diese Erkrankung erst verursacht oder zumindest ermöglicht.

    Achte auf dich selbst, kümmere dich nicht darum, was andere evtl. denken oder brauchen.

    Und gute Besserung.

    In 99% der Fälle sind Planetenmodelle falsch konzipiert. Da werden die Größen der Planeten im Maßstab verkleinert und dann nebeneinander aufgehängt - was die gewaltigen Abstände im Weltall unterschlägt und ein falsches Bild in die Köpfe der Kinder setzt.

    Mit sind die Abstände durchaus bewusst. So etwas kann man aber natürlich wunderbar anschaulich darstellen bzw. erarbeiten lassen, dafür gibt es ja entsprechende Konzepte etc. Also genau passend für eine AG

    Ergänzend zu meiner Liste oben fällt mir noch ein:

    Experimente mit Sonnenprojektionen, Lochkameras etc. - ist natürlich auch deutlich weniger gefährlich als die direkte Sonnenbeobachtung mit Sonnenfilter, gerade wenn man selbst gebastelt hat.

    Ansonsten gibt es natürlich die Bausätze von Astromedia: https://astromedia.de/

    Sicherlich bei einem Budget von €200 zu teuer, um diese für die ganze Gruppe anzuschaffen, aber da kann man sich sicherlich auch noch Ideen holen, was man so alles basteln kann, mit ein wenig Geschick und Kreativität (was ich beides nicht habe) auch ganz eigenständig, ohne fertigen Bausatz.

    Wie wäre es mit einer Astronomie AG. Man kann Modelle vom Planetensystem basteln, drehbare Sternkarten - daran auch die Himmelsmechanik kennenlernen. Man kann auch für wenig Geld einfache Teleskope aus Abwasserrohren basteln. Mit €200 Budget ist dann sogar ein wenig Filterfolie für Sonnenfilter drin, zur Sonnenbeobachtung, sonst einfach ein paar SoFi-Brillen, auf der Sonne ist gerade viel los.

    Halb konkrete Ideen, wenn deine Frage gewesen wäre "wie bringe ich meine SuS, 7. Klasse Gym, zum Lesen?"
    - Kooperation mit der Stadtbibliothek: Besuch, Ausweis machen, dort einiges entdecken

    - oder habt ihr sogar eine Schulbibliothek?

    - habt ihr einen "Sommerleseclub" in der Stadt? Jetzt drüber sprechen, überlegen, wer mitgemacht hat, was toll war, ob man interne kleine solche AKtionen machen kann...

    - herausfinden: warum lesen einige nicht und was verstehen sie unter "Lesen"? Geht es "nur" um Romane? Wie sieht das Interesse (bzw. überhaupt die Informiertheit) für Sachbücher, Graphic Novels, Comics, Lieder/Songs, Gedichte, Kochrezepte, Gebrauchsanleitungen...?
    - einen bestimmten Rhythmus im Schuljahr abmachen, in welchem man bestimmte Aktionen macht? Zusammen zur Bibliothek? mit der Kunstlehrkraft ein Projekt zu Comics oder Graphic novels? Mit einem Sachfach-Kollegen etwas mit Sachtexten / Sachbüchern machen, die man selbst gestaltet? Poetry Slam organisieren? klassen- oder schulintern?

    - geschützte Räume bieten, damit keine*r "gezwungen" wird, etwas vor der ganzen Klasse zu präsentieren...

    Die Ideen sind alle ziemlich gut. Allerdings sind manche davon dann doch wieder "zielgerichtet", was zumindest meinem Ansatz bspw. mit den Lesekisten als Vermittelung des "Lesens als Selbstzweck" ein wenig widerspricht.

    Ganz wichtig finde ich aber den vierten Gedankenstrich: Schüler*innen vermitteln, dass "lesen" nicht immer gleich dicke Bücher oder Romane bedeuten muss (besonders gut gefällt mir in diesem Kontext das genannte Beispiel "Kochrezepte"). Ich sag das gerne auch mal Eltern in der Mittelstufe, die sich beklagen, dass das Kind nicht lesen möchte: Erstmal ist es fast egal, was es liest, ob das jetzt Romane oder meinetwegen der "Kicker" ist. Solange man ein wenig den Blick darauf hat, dass die Sprache halbwegs "normal" ist, weswegen ich das doom scrolling auf Reddit oder Social Media in diesem Kontext ausklammern würde.

    Ich glaube, dass wir als Deutschlehrer aufgrund der Kompetenzpläne und Lernziele oft gezwungen sind "gatekeeper" zu sein: "Buch XY ist als Klassenlektüre nicht geeignet, weil es zu einfach, thematisch zu weit weg, zu XY ist". Im Bildungsbürgertum begegnet man dieser internalisierten Einstellung oft, wenn Kollegen - gerade oft Fremdsprachenlehrkräfte - im privaten Gespräch sehr apologetisch "zugeben", dass sie beruflich so belastet sind, dass sie "nur" Krimis oder historische Romane lesen. Und das ist doch Unsinn. Lesen soll erstmal Freude machen, da muss es nicht Juli Zeh sein oder Heinrich Böll oder Saša Stanišić. Und eigentlich sollte man diese entspanntere Einstellung unbedingt den Schüler*innen vermitteln.

    Dass man natürlich im Sinne der Wissenschaftspropädeutik im eigentlichen Unterricht mit anderen Texten arbeitet und auch ander mit den Texten umgeht, ist ja auch okay. Auch diese Diskrepanz kann man Schülern ja vermitteln. Im Übrigen verwende ich auch im Unterricht oft als Beispiele für narrative Strukturen und Elemente eher populäre Filme oder Computerspiele ("Katharsis" am Beispiel von Titanic"; Charakterentwicklung am Beispiel von "The Last of Us", Erzählstrukturen am Beispiel von beliebigen RomComs oder von James Bond und deren Unterminierung am Beispiel von "Game of Thrones" etc.)

    Ich kann auch Spaß an Blumen und Bäumen haben und ein wenig im Garten dilletieren, ohne mich vertieft mit Botanik zu befassen. In der Biologie sieht die Herangehensweise sicherlich anders aus, aber warum sollte nicht ein Biolehrer einfach mal einen lockeren Spaziergang durch einen Blumengarten machen, ohne gleich zu klassifizieren (und was Biologen vielleicht sonst noch so alles machen). Und wenn ich dann selber anfange, mal ein paar Blumen im Garten auszusäen, dann kommt irgendwann die Beschäftigung mit dem eher fachlichen Hintergrund von selbst und intrinsisch motiviert.

    Wie gesagt, ich meine das nicht als Widerspruch, sondern eher so als Ergänzung.

    Als ebenfalls unkreativer, didaktisch nicht auf dem Stand stehender Deutschlehrer, der vorwiegend Oberstufe unterrichtet:

    Ich finde die Idee gar nicht schlecht, man muss halt sehen, ob es auch angenommen wird.

    Generell kommt aus meiner Sicht in der Schule das Lesen aus reiner Lesefreude, also als Selbstzweck, oft zu kurz. Ich köntne mir vorstellen, weiß es aber nicht, dass jüngere Generationen nicht mehr in dem Maße vorgelesen bekommen, wie es bei uns vielleicht eher noch der Fall war, da wäre das eine schöne Begegnung mit dem Lesen. Und 10min pro Woche finde ich zeitlich unproblematisch, ich finde, das lässt sich in Deutsch ganz gut auffangen, insb. wenn es der Beziehungsarbeit dient.

    Was ich auch schon öfter mal gemacht habe, auch in der Oberstufe, ist, dass ich Bücherkisten mit einer bunten Auswahl an Büchern (Belletristik, Jungedliteratur, Graphic Novels, Stephen King, Fantasy, Krimis etc.) mitgebracht habe. Die Schüler*innen sollten sich dann eins aussuchen, das sie irgendwie anspricht, durften sich einen schönen Platz auf dem Schulgelände suchen und eine Stunde lang einfach schmökern. Am Ende gab es eine kurze Blitzlichtrunde, in der die Schüler*innen kurz gesagt haben, ob ihnen das Buch gefallen hat oder nicht mit einer ganz knappen Begründung.

    Das war eigentlich auch immer ganz schön, aber ich mach es nicht mehr, seit ich kein Auto habe.

    Zur Lektüreauswahl: Ich würde etwas suchen, was wirklich nur Spaß macht. Viele der klassischen Schullektüren sind moralisierend oder behandeln Probleme. Wenn ich Lesefreude fördern möchte, würde ich mir keine Gedanken über den inhaltlichen oder literarischen Anspruch machen. Vielleicht die "Flüsse von London" von Ben Aaronovitch? Sehr abgedreht ist auch "Morgen mehr" von Tilmann Rammstedt. Hier ist auch die Entstehungsgeschichte witzig. Der Roman wurde als Fortsetzungroman im Internet geschrieben. Rammstedt hat die Kommentare unter jeder Veröffentlichung als Inspiration für das nächste Kapitel genommen. Die Kapitel sind entsprechend kurz und es gibt jede Menge inhaltliche Volten, die es sehr witzig und spannend machen. Allerdings ist es schon eine Weile her, dass ich es gelesen habe. Man müsste mal sehen, ob es für eine Mittelstufe geeignet ist.

    Du bekommst dann für deine NRW-Zeit (bei Eigenkündigung und keine Direkt-Übernahme!) gar keine Pension, sondern Rente.

    Deswegen ist der Ländertausch finanziell viel sinnvoller (aber manchmal geht es nur nicht immer ums Geld)

    Möglicherweise ist das auch abhängig von den beteiligten Bundesländern, aber ich weiß von einem Wechsel zwischen Hessen und Bayern, der nicht über den Ländertausch vollzogen wurde, sondern über Direktbewerbung (mit Freigabeerklärung des abgebenden Bundeslandes). Dort wurden die Pensionsansprüche übertragen.

    Sonst ist vielleicht auch die Bewerbung auf eine Funktionsstelle immer eine Möglichkeit, wobei das vor dem Hintergrund der Aussage zu den Fächern und zum Lehramtswechsel vermutlich auch wegfällt.

    Bezüglich des off-topics hast du sicherlich recht, ob es unnötig und nicht zutreffend war... let's agree to disagree.

    Ich hatte ja von Beginn an geschrieben, dass ich nicht weiß, ob man das jetzt so ausbreiten muss. Dass ich dann selber dazu beigetragen habe, liegt zum einen daran, dass ich die linguistische Dimension hier tatsächlich sehr interessant finde, und zum anderen daran, dass es so eine schöne Ablenkung von meinen letzten Korrekturen ist...

    Ich kann deine Sorgen gut verstehen und sicherlich tragen sie nicht gerade zu deiner Genesung bei.

    Die Frage ist allerdings, wie wir hier helfen können. Rein formal darfst du sicherlich nicht wegen einer Erkrankung deinen Job verlieren. Wenn du allerdings einen befristeten Vertrag hast, der bald ausläuft, kann der Arbeitgeber natürlich alle möglichen anderen Gründe konstruieren, warum du nicht verlängert wirst. Erfahrungen von anderen dürften hier kaum hilfreich sein, da es dadurch doch zu einer recht individuellen Situation wird.

    Habt ihr so etwas wie eine Schwerbehindertenvertretung, die dich beraten könnte? Sonst würde ich mich mit diesen Sorgen an den zuständigen Personalrat und/oder die Gewerkschaft wenden.

    Alles Gute für deine baldige Genesung.

    Wir drehen uns hier im Kreis, deswegen nur nochmal schnell zur Richtigstellung.

    Offenbar klingt der Begriff des Feilschens in manchem deutschen Ohr negativ. Handeln muss man dann wohl besser sagen.

    Der Begriff "feilschen" kam im Originalpost mit dem "türkischen Basar" nicht vor. Ich möchte hier niemandem Worte in den Mund legen und keinen Strohmann einbringen.

    Ich habe das Zitat aus der FAZ angeführt, weil "feilschen" für mich (!) - und anscheinend auch für andere hier - mit dem Basar assoziiert wird, da es ja im Kontext genau um dieses Verhalten ging und nicht etwa um exotische Gewürze oder so. Und weil ich auf die Schnelle nichts zur Konnotation von Basar gefunden habe. Ich wollte damit aber niemanden auf die falsche Fährte führen.

    Feilschen ist eine orientalische (aber nicht ausschließlich orientalische) Kulturtechnik. Den besten Preis für sich herauszuholen ist auch alles andere als verwerflich.

    Im Kontext des Threadthemas ging es aber eben genau um den Vorwurf, also durchaus negativ gemeint, an die Schüler, Notengespräche dazu zu verwenden, (mehr oder weniger) objektive und valide Noten noch verhandeln bzw. um Noten "feilschen" zu wollen. In diesem Kontext wurde dann eben auch das Bild des türkischen Basars verwendet.
    Es war ja gerade nicht anerkennend gemeint, um darzustellen, wie weltoffen und kulturbeflissen die Schüler in dieser Situation sind.

    Das ist einfach nicht wahr. Es geht um überhaupt keine Gruppe, es geht um das Feilschen auf Basaren, auf denen Waren offen ausliegen und Feilschen zum Kaufprozess gehört.

    Na ja, ich wiederhole die Frage, die ich oben gestellt habe: Etymologisch ist es immerhin interessant, dass sich der "türkische Basar" eingebürgert hat, nicht etwa der Bauernmarkt. Im Prinzip scheint Kern der Redewendung der Bezug zu einer orientalischen Bildlichkeit zu sein, das ist zumindest mal bemerkenswert. Darin sehe ich schon einen mithin unbewussten Bezug zu einer Gruppe. Der negative Kontext wird im konkreten Beispiel (- in beiden Beispielen! -) nicht durch die Bezugsgruppe erzeugt, sondern durch das Framing: Das Verhandeln um Noten wird als negativ empfunden, zum Teil als Anmaßung und diese Einschätzung wird durch die Verwendung des sprachlichen Bilds ausgedrückt.

    Ich hab auf die Schnelle (- ich lenke mich hier von Korrekturen ab -) nichts zur Konnotation von "Basar" konkret gefunden, immerhin aber zum "feilschen", was zumindest für mich zumindest die Assoziation im Kontext der Notenbesprechungen war. Ich geb gerne zu, dass im Originalbeitrag, in dem der "türkische Basar" eingeworfen wurde, nicht die Rede vom feilschen war, da ging es um den Begriff "Besprechung". Vielleicht ist es also nur meine Assoziation (- und scheinbar die von anderen hier; wenngleich offenbar nicht von allen).

    Zitat

    Um das Image des Feilschens steht es nicht zum besten. Das belegt ein deutsches Sprichwort: "Der viel feilscht, hat wenig Geld". Feilschen - das tut man nicht. Beim Kauf wird nicht gehandelt. Der Kunde wartet bitteschön geduldig, ob ihm der Verkäufer vielleicht einen Preisabschlag einräumt. "Rabatt" und "Skonto" klingen auch gleich viel sauberer, jedenfalls nach korrekter Buchhaltung. Im Wort feilschen klingen unangenehme Töne mit. Es ist abwertend gemeint.

    Der Große Duden läßt daran keinen Zweifel. Dort ist feilschen so definiert: "beim Kauf durch hartnäckiges, kleinliches Handeln einen möglichst günstigen Preis für etwas zu erreichen suchen" oder "den größtmöglichen Vorteil" herauszuschlagen. Damit scheint der Ausdruck eng verwandt mit dem ebenfalls negativ besetzten "schachern", das aus dem Hebräischen stammt. Gefeilscht - oder geschachert - wird nicht nur auf dem Basar. Kleinliches Gezerre gibt es auch in der Politik (um Kabinettsposten), in der Wirtschaft (um den Preis des Übernahmekandidaten) oder im Sport (um das Nachwuchstalent).

    Quelle: https://www.faz.net/aktuell/gesell…ns-1282251.html

    Ich wiederhole es gerne: Ich habe den Begriff "Rassismus" hier nicht eingebracht. Mir geht es um einen reflektierten Umgang mit Sprache, auch und vielleicht gerade von Sprachverwendung, an die wir uns unreflektiert gewöhnt haben. Ich halte auch nicht jemanden für einen Rassisten, der für Schokokuss und Paprikaschnitzel andere, eher obsolet gewordene Begriffe verwendet, finde aber, es schadet niemandem, sich darüber Gedanken zu machen, welche Implikationen die verwendete Sprache nunmal haben kann.

    (EDIT - Ergänzung: Bei "Jedem das seine" sehe ich es ähnlich. Ich persönlich verwende es nicht, finde aber, dass es linguistisch durchaus einen Unterschied gibt zwischen Wendungen, die es seit langer Zeit gibt und die von den Nazis missbraucht worden sind, und solchen, die die Nazis für sich entwickelt haben. "Arbeit macht frei" geht gar nicht, bei "Jedem das seine" sollte man zumindest wissen, was hier der historische Hintergrund ist und sich dann reflektiert entscheiden, ob man sie einsetzt.)

    Oder anders gesagt: Ich verwende in meinem Unterricht, wenn es um das Verhandeln von Noten geht, sehr bewusst das Bild vom Flohmarkt statt das vom Basar, da ich viele Schüler*innen mir arabischen Hintergrund habe und ich verhindern möchte, dass sich diese durch die kulturelle Assoziation speziell angesprochen fühlen. Muss man das machen? Nein, aber es tut auch nicht weh, ebensowenig wie es weh tut, ein Paprikaschnitzel zu bestellen. Die abendländische Kultur geht dadurch auch nicht unter.

    Ich kann mich selbst als klugscheissende Deutsche genauso auf die Schippe nehmen wie der exaltierte italienische Kollege sich selbst über seinen Caffettiera-Fetisch amüsieren kann.

    Vielleicht ist der Unterschied ja auch das "sich selbst"

    Hier ist klar, dass "schwul" als Schimpfwort gebraucht wird und dass damit eine grundsätzlich abzulehnende Lebensart gemeint ist.

    Na ja, der Kontext der Verwendung des "türkischen Basars" war sehr deutlich negativ konnotiert. Der Subtext war ganz klar, was sich die Schüler herausnehmen, wenn sie es wagen, über Noten verhandeln zu wollen. So sehr unterschiedlich finde ich die beiden Punkte gar nicht, sie unterscheiden sich eher in ihrer Dimension als im generellen Vorgehen: Eine bestimmte Gruppe, die per se nicht negativ ist, wird verwendet, um einen negativen Kontext zu erzeugen.
    Ich stimme dir aber natürlich so weit zu, dass ich jeden, der den Begriff "schwul" in dieser Art und Weise verwendet, ansprechen würde, während ich das mit dem "türkischen Basar" eher in Hinblick auf etablierten Sprachgebrauch linguistisch interessant finde.

    Nachdem du mich zitierst: In meinen Posts kam der Begriff "Rassismus" nur an einer Stelle vor, die sich nicht direkt auf den "türkischen Basar" bezogen hat, sondern auf eine Analogie, die gerade aussagt, dass es ja nicht unbedingt Rassismus sein muss, aber dass man eben manche gewohnten Verhaltensweisen und Ausdrucksweisen durchaus überdenken kann:

    Als Kind war ich oft Sternsinger und habe mir auch immer mal wieder das Gesicht schwarz angemalt. Das macht mich nicht zum Rassisten, schon gar nicht rückblickend, wenn ich heute aber in die Verlegenheit käme, Sternsinger zu betreuen, würde ich darauf sicherlich verzichten.

    Das findet auch teilweise auf dem deutschen Flohmarkt statt. Darum geht es aber nicht.

    Diesen Punkt habe ich übrigens auch schon angesprochen. Es ist immerhin interessant, dass es deutsche Beispiele gibt, die aber eben nicht herangezogen werden: Flohmärkte, Bauernmärkte etc.

    Sprachhistorisch kann man vor diesem Hintergrund schon die Frage stellen, warum für das tertium comparationis in dieser Metapher gerade ein türkischer Basar herangezogen wird. Das geht auch ganz ohne Aufregung und Empörung.

    Und es ist typisch für unseren Berufsstand sich über sowas künstlich aufzuregen.

    Wer regt sich denn auf? O. Meier hat auf eine bestimmte Lesart der Formulierung hingewiesen, ich bin an einem Austausch an Sprache interessiert. Zum Teil wird das ins Lächerliche gezogen, hier wird mit Winnetou "gedroht" etc.

    Ja, aber da spielen die TürkInnen tatsächlich keine Rolle.

    Vielleicht, vielleicht auch nicht. Als Jugendliche vor ein paar Jahren alles, was irgendwie schlecht oder negativ war, als "schwul" bezeichnet haben, haben Schwule auch keine Rolle gespielt, und trotzdem war das nicht okay. Oder ist das CIS Savior Syndrome?

    Wie gesagt, ich finde ja eigentlich gar nicht, dass man das so unbedingt breit treten muss, schon gar nicht muss man sich empören.

    Ich finde aber durchaus, dass es nicht schaden kann, den eigenen Sprachgebrauch zu reflektieren. Und das kolpotieren von Stereotypen, zumal in negativen Kontexten, erscheint mir eben durchaus geeignet dazu. Aber ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Meinetwegen.

    Es ist aber durchaus typisch für eine bestimmte Geisteshaltung, das dann ins Lächerliche zu ziehen.

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