Ich habe das Gefühl, dass hier mal wieder Probleme konstruiert werden, für die es längst Lösungen aus anderen Berufsfeldern gibt. Ich sage es immer wieder: unser Beruf ist nicht so anders als andere Berufe mit Home Office, Vertrauensarbeitszeit und ungleichen Verteilung von Belastungsspitzen über das Jahr.
Zum "Mehrarbeitsproblem" fällt mir direkt das Gleitzeitmodel aus meiner Abordnung ins Amt ein. Wann ich da gekommen und gegangen bin, war um eine gewisse Kernarbeitszeit herum meine Entscheidung, aber ich habe digital ein- und ausgestempelt. Arbeitszeit wurde aber nur bis 10 Stunden am Tag erfasst, alles darüber hinaus wäre verfallen, aber es konnten durch Vorgesetzte Ausnahmen genehmig werden. Also habe ich nie mehr gemacht. Ich bin sicher, es gab auch eine Obergrenze für die Wochenarbeitszeit. Überstunden konnte ich an anderer Stelle abfeiern, das musste aber in Bezug auf den Zeitpunkt von einem Vorgesetzten genehmigt werden. Was glaubt ihr, wie viel 48 Stunden (oder was wei ich, wie hoch die maximale Arbeitszeit) in einer Woche echte Arbeitszeit wirklich sind? Wie viel man da schafft? Es wird sehr selten Gründe geben, hier eine Genehmigung für noch mehr Arbeitszeit einzuholen. Und natürlich wird das so laufen, das die Gleitzeit nur oder vor allen in den Ferien abgebaut wird.
Es wird dann auch in der Verantwortung der Lehrkräfte liegen, dafür zu sorgen, nicht erst am Donnerstag zu merken, dass jetzt leider die Wochenarbeitszeit überschritten ist und deswegen am Freitag kein Unterricht mehr möglich ist. Es wird sich also nicht so viel ändern. Nicht grundsätzlich.
Was sich ändern könnte, ist mehr Aufmerksamkeit auf ungleiche Arbeitsverteilung, so dass der NaWi Lehrer mit den Blitzkorrekturen vielleicht trotz seiner so anspruchsvollen Studiums vor 15 Jahre doch am Tag der offenen Tür zwei Stunden länger bleiben muss als der Sprachlehrer mit seinem Billostudium aber den hohen Korrekturstapeln zu Hause. (Anmerkung der Redaktion: Das Beispiel ist natürlich Polemik, die Grundaussage zur Arbeitsverteilung bleibt; vielleicht isr es weniger polemisch hier Vollzeitkräfte und Teilzeitkräfte einzusetzen). Und es wird langfristig weniger sinnlos lange Sitzungen geben.