Beiträge von WillG

    ch kann euch da nur zustimmen - ein Teil der Schülerschaft ist schlichtweg nur schwer zu motivieren oder leistungsschwach oder hat Probleme, die im individuellen Empfinden schwerer wiegen als Schule. Wenn also durch die momentane Situation eher bewusst gemacht wird, dass es dies Schüler (in manchen Klassen durchaus 3/4 des Personenkreises) gibt, ist das eher positiv. Und ja, Eltern sollen durchaus auch mal sehen, dass Schule kein Selbstläufer ist

    Sag mal, wie ist das eigentlich bei dir? Unterrichtest du schon voll an einer Grundschule? Oder machst du gerade Referendariat? Das wäre schon wichtig zu wissen, um deine Äußerungen einordnen zu können.

    Nein, es geht mir um etwas ganz anderes. FLIXE beschreibt in einem seiner Posts hier im Thread stark ironisiert, wie die Schulen gefälligst dafür zu sorgen haben, dass die Kinder auch zu Hause per digitale Beschulung die ganze Zeit betreut werden (auch beim Essen und in den Pausen), damit die Eltern in Ruhe Home Office machen können. Ich finde, dass die Ironisierung hier ein wenig die gesellschaftliche Verantwortung der Schule außer Acht lässt - ebenso wie eben die Diskussion um die Betreuungspflicht.

    Dass die Schnellschüsse, die aufgrund der ungewohnten Situation kamen, nicht langfristig oder auch nur mittelfristig funktionieren können (siehe Notbetreuung durch Lehrkräfte), ist klar. Hier muss eine andere Lösung her. Aber da kann sich die Schule eben nicht rausnehmen - wie zum Teil in der Diskussion darüber, dass wir einen Bildungs- aber keinen Betreeungsauftrag haben, angedeutet wurde.

    Eigentlich geht es mir in erster Linie um die Rhetorik. Es macht weder Sinn, den Schulen hier die alleinige Verantwortung aufzudrücken, wie es bei manchen Facebook-Kommentaren etc. durchklingt, noch macht es von anderer Seite (hier die Lehrer) wenig Sinn, das komplett von sich zu weisen.

    FLIXE

    Da sind wir gar nicht weit auseinander. Mich stört - schon immer - beim Lehrerbashing und bei der Reaktion der Kollegen darauf, dass hier immer schwarz/weiß argumentiert wird. Klassischerweise war das: "Lehrer haben ja soooo viel Urlaub!" - "Neeee, ich korrigiere in allen Ferien durchgehend und bereite Unterricht vor!". Beides stimmt in dieser absoluten Darstellung einfach nicht (sage ich als D/E-Lehrermit vorwiegend Oberstufe) und macht eine echte Auseinandersetzung unmöglich.

    Gleiches gilt in dem Fall, auf den du dich beziehst. Weder der Schrei nach 100%em "Betreuungsauftrag" noch die Reaktion "Hamma nich, soll die Gesellschaft lösen" (- ich weiß, dass du das so extrem nicht geschrieben oder gemeint hast), sind hier zielführend.

    Deswegen gilt für mich, dass das Problem gesamtgesellschaftlich gelöst werden muss, wobei sich die Institution Schule als einen für diesen Bereich besonders wichtigen und betroffenen Teil der Gesellschaft begreifen muss.

    Natürlich ist es blöd, dass wir Lehrer dafür die Ausstattung nicht bekommen. Abe wenn man einen Internetzugang, einen Computer und ein Smartphone (für Videos) hat, dann kann man schon eine Menge machen - und das haben, glaube ich, die meisten.

    Das habe ich jetzt in den vergangenen Monaten auch so gesehen. Je länger die Situation anhält - je mehr Zeit der Dienstherr also hat, angemessen zu reagieren - umso mehr sehe ich ihn in der Pflicht, uns mit der notwendigen, datenschutzkonformen, Technik auszustatten.

    *Ironie aus*

    Ich weiß gar nicht, ob ich das alles so albern finde. In einem anderen Thread wurde sich darüber aufgeregt, dass auf Facebook jemand die "Betreuungspflicht" der Schulen eingefordert hat. Natürlich gibt es so eine Pflicht nicht per se, aber unsere Gesellschaft ist durchaus darauf ausgerichtet, dass die Kinder und Jugendlichen für einen bestimmten Teil des Tages verlässlich "aufgeräumt" sind. Deshalb kann man Fünftklässler auch nicht einfach um 10 Uhr nach Hause schicken, wenn die Lehrer krank sind.

    Wenn dies jetzt durch die Pandemie nicht mehr möglich ist, finde ich durchaus, dass die Schulen sich an einer Lösungsfindung beteiligen sollen - wenn sie auch natürlich nicht die alleinige Verantwortung tragen. Überspitze Darstellungen sind hierbei wenig zielführend.

    Was wird erwartet? Ich denke, gar nicht so viel. Flipper79 hat schon einiges genannt.#

    Ich ergänze mal, auch wenn es dabei zu Wiederholungen kommt. Da die Frage ja eher in Richtung gesellschaftlicher Erwartungen geht, blende ich strukturelle, technische und rechtliche Einschränkungen erstmal aus.

    1.) Sinnvolle Aufgaben, mit denen der Lernprozess weitergeführt wird. Sie sollen also nicht nur Beschäftigungstherapie sein oder endlose Wiederholungend es alten Stoffs. Dazu müssen sie natürlich sinnvoll und zielführend gestellt werden mit einer klaren Vorstellung der Lehrperson, welche Lernziele erreicht werden sollen und wie die einzelnen Schritte dahin führen - wie im normalen Unterricht eben auch.

    2.) Transparenz über den Lernprozess. Die Schüler und Eltern müssen verstehen können, dass die gestellten Aufgaben sinnvoll sind.

    3.) Klare Rückmeldungen, die dem Schüler einen Überblick über seinen Leistungsstand geben und dem Lehrenden die Möglichkeit geben, diesen zu diagnostizieren.

    4.) Die Möglichkeit, mit der Lehrperson Kontakt aufzunehmen und Fragen und Probleme zu klären.

    5.) Die Möglichkeit, sich mit anderen Schülern der Lerngruppe auszutauschen, um soziales Lernen zu ermöglichen.

    Ich glaube, so hoch sind die tatsächlichen Ansprüche gar nicht. Und dass sie immer wieder pauschal mit dem Aspekt "Digitalisierung" vermischt werden, liegt einfach daran, dass viele der Kommentatoren und Journalisten sich gar nicht eingehend mit dem Thema "Unterricht" auskennen und hier einfach verschiedene Schlagbegriffe durcheinander werfen. Meine Punkte 1-4 lassen sich klar auch ohne Digitalisierung lösen, niederschwellige digitale Lösungen (Email, Lernplattformen etc.) können hier allerdings vieles erleichtern und beschleunigen. Zu Punkt 5, der natürlich auf Videokonferenzen herausläuft, fällt mir keine gute analoge Lösung ein. Was ein großes Problem zu sein scheint, ist dass es offenbar eine unglaublich große Bandbreite gibt, wie Kollegen das Home Schooling gestalten. Ich meine das überhaupt nicht qualitativ, sondern denke, dass es wohl für viele Schüler einfach unfassbar schwierig ist den Überblick darüber zu behalten, wie der einzelne Kollege unterrichtet und was er erwartet, wenn dies für jeden anders aussieht. Klar hat auch im Präsenzunterricht jeder seine eigenen Vorstellungen, Vorgehensweisen, Rituale, aber die Rahmenbedingungen sind prinzipiell erstmal gleich.

    Insgesamt glaube ich aber, dass die Schüler, Eltern und "die Gesellschaft" an sich schon ganz zufrieden wäre, wenn die oben genannten Punkte halbwegs konsequenz und im Großen und Ganzen einheitlich erfüllt werden. Das ist der pädagogische Anspruch.

    Der technische Anspruch ist ein anderer: Lernplattformen müssen stabil sein, Datenschutz muss geklärt sein, technische Ausstattung muss für Lehrende und Lernende vorhanden sein, alle müssen damit umgehen können etc. Das ist der Teil "Digitalisierung", der hier einfach in den eigenen Topf geworfen wird, was den Diskurs erschwert, zum empörten Aufschrei und zur Verteidigungshaltung bei vielen Kollegen führt und die Fronten verhärtet.

    Ich habe mich länger nicht mehr mit den bayerischen Regelungen für Nebentätigkeiten beschäftigt, aber als ich zuletzt eine Nebentätigkeit hatte, gab es eine Reihe von Tätigkeiten, die explizit nicht genehmigungspflichtig waren. Dazu gehörten u.a. wissenschaftliche und künstlerische Nebentätigkeiten. Man müsste nochmal in die Dienstordnung und ins Beamtengesetz sehen, aber ich könnte mir vorstellen, dass Unterrichtstätigkeit auch dazu gehören würde.

    Allerdings müssen auch solche Tätigkeiten immer noch angezeigt werden.

    Sehr schlaues Vorgehen. Falls es doch noch zu einer zweiten Welle im Herbst kommen sollte und die Schulen wieder schließen müssten, sind die Kollegen dann sicher wieder ohne Weiteres bereit, ihre privaten Geräte zu nutzen...

    Du musst die Nebentätigkeit Deinem Vorgesetzten anzeigen und sie von ihm genehmigen lassen.

    Anzeigen in jedem Fall, ob sie genehmigungspflichtig ist, hängt von der konkreten Regelung im Bundesland ab. In Bayern wäre eine Dozententätigkeit nicht genehmigungspflichtig. Da müsste andersrum der Dienstherr dir erstmal nachweisen, dass sie deine dienstliche Tätigkeit beeinträchtigt, bevor er sie dir von sich aus verbieten könnte. Das mag aber in NRW anders sein, das weiß ich nicht.

    So oder so gilt, was Fossi gesagt hat:

    Eine Lehrtätigkeit in so geringem Umfang sollte absolut unproblematisch genehmigt werden, wenn Du nicht gerade massive Probleme im Hauptjob hast.

    Dank des Forums sind sie mir bekannt, sie gruseln mich und erinnern mich daran, dass ich sehr froh, nicht dort zu unterrichten.

    Das kann man so oder so sehen. Dafür ist die Stelle des Fachbetreuers/Fachsprecher hier am Gym eben für viele Fächer eine A15-Stelle, was bedeutet, dass es viel mehr Möglichkeiten gibt, auf diese Stufe aufzusteigen, wenn man denn will. Mehr als 10 A15er sind an Gymnasien keine Seltenheit. A14 bekommt man als Gym-Lehrer automatisch nach so 10-12 Jahren, wenn man kein expliziter Minderleister ist. Das erkauft man sich aber wiederum mit einer Regelbeurteilung alle 4 Jahre, für die der Chef drei unangekündigte Unterrichtsbesuche macht. Das ist nervig, erspart aber wiederum die Anlassbeurteilung mit Lehrprobe inkl. Entwurf, wenn man sich irgendwo bewerben will.

    Als ich zwischenzeitlich in einem anderen Bundesland unterrichtet habe, habe ich mich schrecklich von der Existenz eines Prüfungsvorsitzenden in den mündlichen Abiturprüfungen gegängelt gefühlt - vor allem, weil der die Prüfungsmaterialien "absegnen" musste. Da hab ich mich wie ein Ref gefühlt. In Bayern hab ich das noch nicht erlebt, da hat der Erstprüfer den Vorsitz, außer der SL kommt aus irgendeinem Grund dazu, was aber die Ausnahme ist.

    In der Zeit habe ich auch gemerkt, wie viel, na ja, "zeitsparender" viele Kollegen ohne Respizienz korrigieren. Das kann man auch so oder so sehen...

    Es muss nicht immer alles besser oder schlechter sein, manchmal ist es halt einfach nur anders.

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