Beiträge von Sommertraum

    Ich wäre nicht bange, der SL die gleiche Antwort zu geben: Unterricht oder Digitales.

    Genau das mache ich, denn ich habe im Unterricht tatsächlich keine Zeit dafür bzw. denke ich gar nicht dran. Das Dumme ist nur, dass ich dadurch durchaus mal was für den Schulvormittag Wichtiges nicht mitbekomme. Die SL will das aber nicht gelten lassen.

    Aber die Vorstellung, man klebe dauerhaft an digitalen Geräten oder stünde unentwegt für Gespräche zur Verfügung, ist schlicht unrealistisch.

    Dumm nur, wenn sogar die SL diese Einstellung hat und regelmäßig während der Unterrichtszeit wichtige Informationen, Anweisungen etc. verteilt und erwartet, dass man diese zeitnah (also innerhalb der nächsten max. 1 Stunde) liest und umsetzt. Noch dümmer, wenn der Großteil der Kollegen das mitspielt. Das macht irrsinnig Druck auf alle, die das nicht tun.

    Ich befürchte tatsächlich, dass sich nicht viel ändern wird und viele SL im Sinne des Dienstherren knausrig sein werden mit dem, was sie alles als Arbeitszeit akzeptieren und Leerlaufzeiten, die sie als Pausen werten werden.

    Wenn wir ehrlich sind, hat doch heute schon jede SL die Möglichkeit, die Belastung für die Lehrer in Grenzen zu halten. Gerade die Anzahl von Konferenzen, Besprechungen, Zusatzprojekte, Schulveranstsltungen, Zusatz-/ Abend-/ Wochenendtermin, geforderten Konzepten, ... könnte jeder Chef sehr reduziert halten. Auch wenn man sieht, wie penibel manche Minusstunden aufschreiben und Plusstunden nicht gewähren, kann man ahnen, wie die Arbeitszeitverordnung umgesetzt werden wird.

    Warum geht ihr automatisch davon aus, dass jemand, der sich frisch weg vom Jura-Referendariat in Großkanzleien bewirbt, sofort mit Handkuss genommen und irrsinnig hohem Verdienst eingestellt wird? Meinem Eindruck nach kommen zwar viele neu-Akademiker gerade mit Jura und BWL mit dieser Einstellung aus dem Studium (bzw. starten schon mit diesem Anspruch ihr Studium) und sind dann erstmal schockiert über die Realität.

    Vielleicht sollte man da mal ansetzen? Was passiert, wenn man diese Vernachlässigung beim Jugendamt meldet? Oder die Polizei zwecks Zuführung vorbeischickt?

    Klare Antwort aufgrund jahrelanger Erfahrung: nichts.

    Abgesehen davon finden diese Leute immer einen Arzt, der großzügig Atteste ausstellt, sodass Jugendamt und Polizei sowieso nicht eingreifen.

    Willkommen in der ach so schönen Welt der PKV/Beihilfe, wo die Ärzte immer so schön abrechnen, als wären wir nur in der PKV!

    Bei mir zickt die PKV inzwischen mehr rum als die Beihilfe, was mich aber bei den unverschämten Rechnungen einiger Ärzte nicht wundert. Grundsätzlich bin ich gespannt, wie lange die Versicherungen diesen Abrechnungs- bzw. Abzockeirrsinn noch mitmachen. Immer nur die Beiträge zu erhöhen, funktioniert irgendwann auch nicht mehr.

    Genau das habe ich ausdrücklich nicht geschrieben, aber wenn man sich aufregen möchte, findet man natürlich etwas.

    Nachdem du meinen Hinweis auf A12 und 2-3 Ermäßigungsstunden im Gegensatz zu A15 am Gym (beides bezogen auf Bayern) zitierst und mit einem "Äpfel und Birnen" - Vergleich daher kommst, kann man deine Aussage kaum anders interpretieren!

    Ein Wunder, dass sich an meiner Schulart trotzdem immer wieder Kollegen breitschlagen lassen, den undankbaren Job des Systembetreuers zu übernehmen!

    Und ich zuhause mache meine IT-Administration auch ganz alleine.

    Äpfel und Birnen, nicht nur abhängig von der Schulform, sondern auch von der Frage was man in welche Umfang einsetzt. Das kann ein Job für 2 Stunden pro Woche oder für 2 Personen Vollzeit sein.

    Danke für die zügige Klarstellung, dass an den niederen Schulformen der Aufwand natürlich nicht der Rede wert ist im Gegensatz zu dem ach so aufwendigen an den Gymnasien. Ich war schon vor Abschicken des Beitrages gespannt, wie lange es dauert, bis diese Belehrung kommt. Die Wartung unserer deutlich über 100 PCs, der ca. 100 schuleigenen Tablets sowie die Unterstützung der Schüler bei ihren eigenen Tablets sind dagegen natürlich pipifax!

    Dann ist das Handy trotzdem weg und bei der Schulleitung. Dann wirds schwierig, das Kind zu erreichen. Und meine Schulleitung hätte da auch ein paar warme Worte für diese Eltern.

    Die Eltern sind oft schon vor Schulschluss des Kindes bei der SL, um das Handy wieder abzuholen und pfeiffen auf dessen warme Worte bzw. tun lautstark ihre konträre Meinung kund.

    Und ich sage es gerne jeden Tag einmal:

    Wer will, dass die Kinder was können, möge es ihnen beibringen.

    Meine Schüler kommen inzwischen mit so großen Defizite in vielen lebensrelevanten Bereichen, dass das leichter gesagt als getan ist. In Kombination mit problematischer Anstrengungsbereitschaft und geringer Konzentrationsfähigkeit gleicht das inzwischen einem Kampf gegen Windmühlen. Dass trotz aller Defizite am Ende der bestmögliche Schulabschluss ("Quali") erreicht wird, ist nicht nur für die Eltern, sondern auch für Vorgesetzte und Politik selbstverständlich.

    Wie soll man dies alles deiner Meinung nach schaffen?

    In meinem Kollegium gibt es einige Lehrer aller Altersschichten ohne u18-Kinder oder zu pflegende Angehörige, die Teilzeit arbeiten. Da Kinderlosen nur eine Reduzierung auf 24 Stunden genehmigt wird, ist das nicht viel. Ein Grund ist, dass unsere Arbeit an der Mittelschule so extrem anstrengend und belastend ist, dass man die 27 Stunden Vollzeit kaum schafft. Zum Dank hat Söder diese Woche das Alter der Kinder für familienpolitische Teilzeit auf 14 Jahre gesenkt. Sobald die Kinder von GS-, MS- und FöS-Lehrkräften 15 Jahre alt werden, sind also mindestens 24 Stunden zu leisten. Für die anderen Schularten gilt diese Zahl nicht. Ich bin gespannt, wie sich diese Änderungen auswirken wird bzgl. Krankenstand und Burnout.

    Wie so oft wird dieses Thema nur aus Sicht der Gymnasialschüler und -lehrer diskutiert. Die schwachen Kinder werden wieder einmal ausgeblendet. Aus MS-Lehrer-Sicht kann ich nur müde darüber lächeln, ich bin es gewohnt. Ich kann nur sagen, ich wäre froh, wenn die Kinder, die in der 5. Klasse zu mir kommen, drei Sachen beherrschen:

    - lesen

    - einigermaßen leserlich schreiben

    - die Grundrechenarten bei zumindest einfachen Aufgaben beherrschen


    Leider sind diese drei Kompetenzen bei zahlreichen unserer Schüler nicht mehr vorhanden. Die Schuld schiebe ich jedoch nicht den GS-Lehrkräften zu, sondern dem "System", der den Elternwillen über alles stellt, nicht selten zum Schaden des Kindes. Viele Inhalte des GS-Lehrplans sind zudem für die Schwachen nicht zu schaffen und irgendwann klinken diese sich verständlicherweise aus. Vom Übertritts-Druck, den viele Eltern auf die GS-Lehrer ausüben, will ich gar nicht reden. Förderung und Lernzieldifferenzierung werden von den Eltern abgelehnt, durchfallen kann man auch nicht, sodass manche Kinder 4 Jahre durchgezogen werden und am Ende nicht nur nichts können, sondern auch schwer frustriert sind. Die haben ihr Scheitern längst verinnerlicht.

    Irgendwo "da oben" (bei Lehrplangestaltern, in den Schulämtern, den Regierungen? - ich weiß es nicht) wurde offensichtlich vergessen, dass in der GRUNDschule GRUNDlagen gelegt werden sollen.

    Wenn mir als Lehrer ein dort gemeinter Fall bekannt wird, informiere ich das Jugendamt und nicht den Schulsozialarbeiter und das Jugendamt ist dann zeitnah vor Ort und redet selbst mit dem Schüler,

    Läuft das bei dir ehrlich immer so? Bei uns ist das Jugendamt weder für die Schulsozialarbeiter noch für die Schulleitung vernünftig erreichbar und "zeitnah vor Ort" gibt es sowieso nicht. Ich als kleiner Lehrer brauche da erst recht gar nichts melden. Deshalb wird bei uns immer wieder mal bei Gefahr in Verzug stattdessen die Polizei oder der Rettungswagen gerufen, die Kinder z.B. aus der Familie holen und/oder in eine kinderpsychologische Einrichtung bringen. Oft kommen dann die Kinder nach ein paar Tagen wieder zu uns zurück als wäre nichts gewesen und das Jugendamt ist immer noch in der Versenkung verschwunden.

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