Ich persönlich bin nicht völlig unzufrieden mit der aktuellen Regierung. Im Ukraine-Krieg halte ich den Kurs für im wesentlichen richtig, beim "Heizungsgesetz" lag der Fehler nicht im inhaltlichen, sondern darin, dass eine zu frühe Version eines sehr schwierigen Gesetzes schon in die Öffentlichkeit gelangt ist.
Für jeden, der sich auf der einen Seite beschwert, die FDP würde den Klimaschutz ausbremsen, steht auf der anderen Seite jemand, der sich beschwert, die Grünen würden die Wirtschaft ruinieren. In den Kreisen hier (überdurchschnittliches Bildungsniveau, gutes Einkommen durch eine Beschäftigung beim Staat) sind die Vertreter der ersten Variante (also eher grün-affin) relativ breit vertreten, die schimpfen dann gerne auf die FDP. Das verstellt aber schnell den Blick darauf, dass einige Dinge aktuell einfach wirklich schwer zu lösen sind. Das Heizungsgesetz sorgt nicht für Diskussionen, weil der Klimaschutz nicht entschieden genug angegangen wird, sondern weil es sehr weitreichende und teure - aber gleichzeitig notwendige - Eingriffe vorsieht. Ein noch entschiedenerer Klimaschutz wird auf noch mehr Widerstand treffen, egal wie man es kommuniziert.
Auch bei anderen Themen, wie dem 49€-Ticket, wurde lange von außen über jede Position geschimpft aber das Ergebnis ist eigentlich ein realistischer Kompromiss zwischen Machbarkeit und Finanzierbarkeit.
Leider ist das Fazit daraus trotzdem nicht erfreulich: es wird auch weiter in den kommenden Jahren wenig Geschenke zu verteilen geben, stattdessen leider eher Zumutungen. Wer auch immer Reagiert, wird dafür Prügel einstecken und es bleibt leider eine gute Ausgangslage für blaue Schreihälse, die überhaupt keine Probleme lösen.