Beiträge von Moebius

    Naja, aber New York hat global schon die größere Arschkarte, selbst als Italien und Spanien und deren Gesundheitssystem ist zwar ungerecht und schweineteuer, aber eigentlich nicht schlecht (und in Bezug auf Corona ja inzwischen auch kostenfrei).

    Ja, New York ist schlimm, da hat ein ganzer Staat mit 20 Mio Einwohnern eine Inzidenz, die noch deutlich höher liegt als im Kreis Heinsberg.

    Der Blick nach Amerika verdeutlicht aber auch gleichzeitig das Problem der sehr unterschiedlichen Situationen innerhalb einer Gesellschaft. New York ist eine Großstadt, kleine Wohnungen, U-Bahn, enge Restaurants, viel internationaler Reiseverkehr etc., die schnelle Ausbreitung da ist überhaupt nicht überraschend.

    Gleichzeitig gibt es weite Teile des Landes, die kaum betroffen sind, weil sich die Menschen da sowieso nur selten näher als 3 Meter kommen. Wer schon mal ländliche Regionen der USA bereist hat, weiß, dass dort das, was wir jetzt hier als "social distancing" lernen müssen, eigentlich der Normalzustand ist. Selbst Supermärkte sind da um Dimensionen größer als bei uns und im Restaurant sitzt man normalerweise in seiner eigenen "Booth".

    Im Augenblick ziehen Spiegel und co. mal wieder gerne über Trump und seine Wähler her, die das Virus nicht ernst genug nehmen. Die Lebenswirklichkeit der meisten Trump-Wähler ist auch eine ganz andere, wer da in den landwirtschaftlich geprägten Staaten lebt ohne Corona-Fall in 100 Meilen Umkreis fragt sich durchaus zurecht, warum er nicht in seine Kirche gehen darf. (Nicht das ich das wollen würde.)

    Und bei uns gilt das ganze in abgeschwächter Form ähnlich. Irgendwann wird man von Pauschalregelungen wegkommen und differenziert nach der Lage vor Ort entscheiden müssen.

    Ich habe jetzt die beiden Artikel zum Joggen und zur Luftübertragung gelesen. Irgendwie will es bei mir noch nicht so recht ankommen.

    Ich habe verstanden, dass der Überbegriff Tröpfcheninfektion ist und es größere und kleinere Partikel gibt. Und alle Artikel zur Übertragung über die Luft schreiben immer wieder von den Wolken von Mikropartikeln, die Bioaerosole. Soweit verstanden.

    Ist dabei die Infektiösität berücksichtigt? Also ist auch sicher, dass die Aerosole infizieren können? Ist es weniger wahrscheinlich durch die Wolken von Aerosolen als durch direkten näheren Kontakt angesteckt zu werden oder sind beide Ansteckungswege praktisch gleich?

    Ich glaube, da ist viel Kaffeesatzleserei drin.

    Es gibt im Augenblick tausende mehr oder weniger qualifizierte wissenschaftliche Untersuchungen zur Übertragbarkeit von Corona und oft werden da Teilaspekte auf dem Kontext gerissen:

    - Coronaviren können Stunden oder Tage auf Oberflächen überleben (ja, aber der Nachweis ist nur unter Laborbedingungen möglich, es ist noch nicht gelungen dabei infektiöses Material zu gewinnen und eine tatsächliche Infektion über Oberflächen nach länger zurückliegendem Kontakt gilt nach wie vor als äußerst unwahrscheinlich)

    - Coronavieren werden schon beim Atmen verbreitet / verbleiben als Aerosol lange in einem Raum (ja, aber wissenschaftlich nachweisbares Vorhandensein des Virus bedeutet noch kein Infektionsrisiko, die Virenlast ist auch entscheidend - möglicherweise ist eine Aussetzung durch sehr geringe Virenmengen sogar von Vorteil, weil der Körper Antikörper bildet ohne aktiv zu erkranken)

    - Symptomfreie Übertragung ist ein großes Problem und sorgt für massenhafte Verbreitung (sie ist wissenschaftlich erwiesen möglich, das heißt aber noch lange nicht, dass jeder, der symptomfrei erkrankt ist, auch eine ausreichende Virenlast emittiert)

    - zudem beziehe sich viele der bekannten Untersuchungen nur auf den Infektions- oder Erkrankungsverlauf bei Erwachsenen, da Kinder nur selten aktiv erkranken gibt es da auch nur wenig Daten

    Die derzeitige wissenschaftliche Mainstream-Meinung ist, das der Hauptinfektionsweg eine Tröpfcheninfektion ist und zwar beim Sprechen (Singen, Schreiben,..) zwischen zwei Personen mit geringem Abstand. Das muss nicht abschließend richtig sein und dadurch, dass man diesen Weg eliminiert, wird man vermutlich auch nicht jede einzelne Infektion verhindern. Aber es ist der Aspekt, auf den man sich im Augenblick sinnvollerweise konzentrieren sollte, weil er einer gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnis noch am nächsten kommt.

    Ich gehe jetzt raus, ich suche es später, falls gewünscht.

    Nein danke, ich kenne den Begriff und kann damit umgehen.

    Diskussionen um einen Tag mehr oder weniger sind auch nicht zielführend, es geht darum, dass der ganze Begriff ungeeignet ist zur Bewertung der Situation. "In 11 Tagen haben wir 240k und in 22 Tagen eine halbe Millionen" ist eine Milchmädchenrechnung, bei der es einzig und allein darum geht Angst zu schüren.

    China stellt gerade neue Provinzen unter Quarantäne.

    Aha.

    Zitat

    +++ 09:12 Schulen in China könnten Ende April wieder öffnen +++ Die Schulen in China könnten bis Ende April wieder den Unterricht aufnehmen. Diese Einschätzung gab der Chef der Expertenkommission der Regierung im Kampf gegen das neue Coronavirus, Zhong Nanshan, nach Angaben der Zeitung "Global Times". Solange es keine neuen großen Ausbrüche mehr gebe, sei eine Öffnung der Schulen möglich. Bis auf die besonders geschützte Hauptstadt Peking und die schwer betroffene Provinz Hubei haben alle Provinzen und Metropolen bereits konkrete Pläne angekündigt, den Schulbetrieb in den nächsten Wochen wieder aufnehmen zu wollen.

    DEINE errechnete Verdoppelungszeit ist jedoch nicht die offizielle Verdoppelungszeit, daher kannst du dir deine Rechenexempel getrost in den Papierkorb stopfen - das ist Glaskugelmathematik. Die Verdoppelungszeit wird immer rückwärts festgestellt. Niemand kann die Verdoppelungsraten prognostizieren - diese bilden jedoch einen Anhaltspunkt für die zukünfige Entwicklung.

    Offiziell gilt, was offiziell verkündet wird - von fachkundiger Stelle.

    Schau einfach hier (Zahlenmaterial von heute):

    https://de.statista.com/statistik/date…laendern-maerz/

    Es entbehrt ja nicht einer gewissen Komik, dass du mir erklärst, dass ich keine Ahnung hätte und dann auf "offizielle Zahlen" verlinkst, in denen genau das steht, was ich gesagt habe, nämlich eine Verdopplungszahl von 17 Tagen für Deutschland am 10.4. .

    Verdopplungszahlen werden nicht "rückwärts" festgestellt (sonst läge sie bei 12 Tagen, denn wir lagen am 29.3. bei ziemlich genau der Hälfte von heute). Der Begriff "Verdopplungszeit" ist ein feststehender mathematische Begriff der sich aus der Basis der Exponentialfunktion bei einem Wachstumsvorgang ergibt. Das mag im Grundschullehramt weit weg sein, wenn das eigene Abitur schon lange her ist, das ist auch verständlich, weil es nicht unbedingt zu alltäglich genutztem mathematischen Wissen gehört. Aber dann solltest du dich vielleicht ein klein wenig zurück halten. Wenn du die den Begriff unsachgemäß benutzt um deine persönlichen Horrorvisionen hier zu verbreiten, musst du es auch akzeptieren, wenn man dich berichtigt.

    (Im übrigen sind die 17 Tage stark vereinfacht, weil sie sich lediglich auf die Zunahme von gestern beziehen, es wäre schon sinnvoller, über mehrere Tage zu mitten.)

    In allen Bundesländern wird von Polizei, Ministerpräsidenten und Presse aktuell fast durchgängig davon berichtet, dass die Einschränkungen funktionieren und von den allermeisten eingehalten werden. Dem gegenüber stehen subjektive Berichte bei Facebook und in Foren, in denen einzelne darüber schimpfen, dass "die Joggingstrecke voll ist", die "blöden Nachbarn schon wieder grillen" und "vor den Baumärkten lange Schlangen sind". Alles Dinge, die weder verboten noch epidemiologisch bedenklich sind, aber der durchschnittliche Deutsche braucht das wohl einfach als Ventil.

    Und das die Einschränkungen in Italien und Spanien (auf dem Papier) härter sind, hat vielleicht ein klein wenig damit zu tun, dass die Situation dort eine ganz andere ist. Deutschland hat aktuell etwa 10 000 freie Intensivbetten, nicht mitgerechnet die Reserveeinrichungen, die man inzwischen vorbereitet hat. Das sind etwa doppelt so viele, wie im Normalbetrieb. Aktuell sind ca. 2450 Coronapatienten in intensivmedizinischer Behandlung, die Zahl steigt inzwischen auch nur noch recht langsam, wenn sie dem Verlauf der Neuinfektionen folgt, müsste sie in ca. 1 Woche anfangen zu fallen. Das ist vielleicht zu optimistisch, weil aktuell wohl mehr Leute aus Risikogruppen betroffen sind, aber es ist durchaus möglich, dass wir mit der aktuellen Infektionswelle nicht einmal die Durchnittsauslastung der Intensivstationen im Normalbetrieb erreichen.

    Das ändert nichts daran, dass es führ die Betroffenen natürlich tragisch ist, wie in jedem Fall, wenn ein Mensch schwer erkrankt oder stirbt.

    Dass ich "VerdoppelungsRATE" geschrieben hatte, ist dir nicht entgangen? Wie im Begriff "Verdoppelung" ein Denkfehler enthalten sein soll, wenn man davon ausgeht, dass sich die Zahl der Erkrankten nach einer bestimmten Zeit verdoppelt hat, erschließt sich mir nicht. Da wäre ich doch auf eine klare und einleuchtende Erläuterung gespannt. Auch Grundschüler verstehen eigentlich, dass "doppelt so viel" auch "doppelt so viel" bedeutet.

    Gerne:

    120 000 Fälle, +5 000 Neuinfektionen, entspricht +4%

    exponentiell: 120 000 * 1,04^17=234 000, also eine (knappe) Verdopplung in 17 Tagen

    linear: 120 000 +5 000 * 17 = 205 000.

    120 000 + 5000 * 24 = 240 000

    Auch wenn immer noch von einer "Verdopplungszeit von 17 Tagen" in den Medien geredet ist, würde eine tatsächliche Verdopplung in der aktuellen Situation 24 Tage dauern. (Natürlich nur hypothetisch, real werden wir die Verdopplung mit der aktuellen Infektionswelle vermutlich gar nicht mehr erreichen.)

    Um es klar zu sagen: der "Verdopplungszeit 17 Tage" heißt aktuell eben nicht, dass sich die Zahl in 17 Tagen verdoppelt.

    Das Kernproblem beim Begriff Verdopplungszeit ist, dass er sich immer auf die Grundgesamtheit aller bisher positiven Tests bezieht und das ist spätestens dann eine völlig ungeeignete Größe, wenn ein Großteil dieser Personen bereits geheilt ist.

    Im Augenblick lässt der Begriff die Situation schlechter erscheinen, als sie eigentlich ist, Falls bei einer Lockerung die Fallzahlen wieder massiv steigeigen, wäre es genau umgekehrt, dann würde der Begriff einen ein falscher Sicherheit wiegen. Beispiel:

    Angenommen wir haben die Fallzahlen bei 200 000 positiv getesteten auf 100 Neuinfektionen reduziert. Und dann werden in fünf aufeinander folgenden Tagen 100/200/400/800/1600 Neuinfektionen gemessen. Dann müssten eigentlich alle roten Lichter angehen, weil wir wieder voll in einem (viel stärkeren) exponentiellem Wachstum wären. Die rechnerische Verdopplungszeit würde am fünften Tag aber fantastische 90 Tage sein, wenn man die 1600 Neuinfektionen auf die 200 000 Gesamtfälle bezieht.

    Es ist doch von allen Seiten inzwischen daraufhin gewiesen worden, dass Schulen für die Infektion kritisch sind. Die Frage ist noch, ob Schulen ein Problem sind sondern was wir dagegen machen können. Statt dessen weist du permanent darauf hin, dass die empirische Belege fehlen. Dabei ignorierst du aber, dass es auch für etliche andere Maßnahmen keine Belege gibt.

    Langsam habe ich das Gefühl, ich rede hier gegen Wände.

    Ich persönlich würde mir durchaus zutrauen für jede Jahrgangsstufe an meiner Schulform Regelungen zu finden, in denen eine Beschulung des Jahrgangs unter vertretbarer Berücksichtigung des Infektionsschutzes möglich ist. Im Kern würde es - neben diversen allgemeinen hygienischen Maßnahmen - immer darauf hinauslaufen, dass man Schülerfrequenzen reduziert, bei den Kleinen eher, indem man immer nur einen Teil der Schüler kommen lässt, die vielleicht auch nur für kürzere Zeit um die Konzentrationsfähigkeit und Disziplin nicht über zu strapazieren, bei den Älteren eher, indem man Gruppen auf mehrere Räume aufteilt.

    Letztlich kann es auch hilfreich sein, sich auf die Dinge zu konzentrieren, bei denen man mit gestalten kann.

    ...

    Verkleinern der Gruppen und Maskenpflicht sind zwei Aspekte, die man auch Schulintern anstoßen kann, wenn sie denn nicht von Außen sowieso vorgegeben werden. Ich würde es auch für sinnvoll halten Pausenregelungen zu ändern (bei schlechtem Wetter lieber im Klassenraum bleiben, nicht in die Pausenhalle) und über das Vermeiden von Vermischung der Schüler nachzudenken (Übergangsweise bis Schuljahresende kein Unterricht in gemischten Gruppen)

    ....

    Den Eltern muss klar kommuniziert werden, dass es jetzt keine garantierte Betreuung für alle von der 1.-6. Stunde geben kann.

    Ich finde auch das dauernde Nachtreten „Es gibt keine Beweise“ nicht sehr sinnig.

    Die Tatsache, dass ich eine permanent wieder vorgetragene Behauptung nicht einfach irgendwann akzeptiere ist für dich Nachtreten?

    Zum besseren Verständnis vielleicht einfach mal eine Gegentheorie:

    Bei Kindern verlaufen Infektionen meist ohne Symptome, zum großen Teil bilden Sie ohne zu erkranken Antikörper aus. Die beschriebenen Fälle von symptomfreier Weitergabe der Infektion existieren zwar, sind aber die deutliche Ausnahme und nicht die Regel. Durch diese Effekte sinkt das normalerweise bekannte R_0=3 in einer Population mit einem steigenden Anteil von Kindern. Im Bezugssystem Schule ist der Anteil an Kindern so groß, dass R_0 in dieser Gruppe sogar unter 1 sinkt. Bedeutet: Eine in einer Schule ausgebrochene Infektion breitet sich dort nicht exponentiell aus sondern läuft sich im Gegenteil sehr schnell tot. Schüler sollten sich daher möglichst viel in der Schule aufhalten und möglichst weniger in ihren häuslichen Bezuggruppen, in denen der prozentuale Anteil Erwachsener deutlich höher ist.

    Um eins klar zustellen: ich will diesen Standpunkt genau so wenig propagieren, wie die "Schule als Infektionsherd"-Theorie. Selbstverständlich ist sie erst recht nicht bewiesen und ich glaube sie auch nicht.

    Aber auch diese Argumentation ist von ihrer Logik her auch nicht abwegig. Trotzdem würden die meisten hier wohl recht empfindlich reagieren, wenn sie von einem Diskussionsteilnehmer täglich wiederholt und als Tatsache hingestellt würde. Und jemand der diese Theorie vertritt könnte das "wir müssen das jetzt so machen um Menschenleben zu retten" Argument genau so für sich in Anspruch nehmen.

    Wir wissen viele Dinge nicht. Niemand ist hier in der Position, seine persönliche Überzeugung zur moralischen Überlegenheit zu erheben.


    Moebius: Zum Zeitpunkt der Schulschließung lag die Verdoppelungsrate der Ansteckung noch bei knapp über 2 Tagen. Nun sind wir bei 16 Tagen.
    Was jedoch immer noch eine immense Steigerung der Fälle bedeutet. Heute aktuell 119.000. Bleibt es bei der Verdoppelungsrate, liegen wir in zwei Wochen bei knapp 240.000, zwei Wochen später wäre die halbe Million fällig. Und die Todesfallraten laufen analog.

    Danke für diesen Denkfehler, weil er sehr schön verdeutlicht, worauf ich hier schon mehrfach hingewiesen habe, nämlich dass der Begriff "Verdopplungszeit" im Augenblick überhaupt keine passende Bezeichnung ist. Um es noch mal klar zu sagen:

    Der Begriff macht nur Sinn bei einem exponentiellem Wachstum, also wenn der Wert konstant mit gleichem prozentualem Wert wächst. Es ist aber völlig unstrittig, dass das aktuell nicht der Fall ist. Aktuell liegt die Zunahme bei grob +5000 pro Tag (und die hatten wir vor zwei Wochen auch schon, da kann man nun wirklich nicht mehr von einer Zunahme des Wachstums reden). Offensichtlich würden sich die Zahlen mit konstanter Zunahme eben nicht in 16 Tagen verdoppelt, das wäre dann nämlich nur +80 000 insgesamt, und schon gar nicht würden sie sich in den nächsten zwei Wochen auf 500k erhöhen. Das würde nur funktionieren, wenn die tägliche Zunahme mit wächst.

    Zu einem noch offensichtlich unsinnigerem Ergebnis kommt man in China, wo aktuell auch noch Verdopplungszeiten (>1 Jahr) angegeben werden. Wenn es dort zu einer zweite Welle kommt und die Infektionszahlen auf einmal wieder explodieren, würde sich die Verdopplungszahl zunächst kaum ändern, da hier die 80000 mit gewichtet werden, die bereits genesen sind.

    Die Verdopplungszahl ist eine sinnvolle am Anfang eines Wachstumsprozesses, im späteren Verlauf oder gar in einer Wellenbewegung hat sie überhaupt keine Aussagekraft.

    Du kannst nur raten.

    Mit Raten hat das nun ganz wenig zu tun. Ich glaube ich begründe meine Meinungen oder Vermutungen recht ausführlich und jeder kann selbst beurteilen, wie plausibel mein Standpunkt ist. Das kann man dann alles für Unsinn halten, ich lese auch gerne andere Überlegungen, so lang es nicht gerade emotional vorgetragene Weltuntergangsfantasien sind.

    Es gab auch Stimmen, die die hohe Dunkelziffer eher am Anfang des Ausbruchs vermutet haben, der Aspekt ist vermutlich hochgradig unsicher. Aber die knapp 30 000 Infektionen, die am 23.3. positiv getestet waren sind Fakt und ich glaube nicht, dass bis zu diesem Zeitpunkt die begrenzte Testkapazität eine große Rolle gespielt hat. Ob es am 13.3. nun real 50k, 100k oder 200k Infizierte gegeben hat - geschenkt. Wenige Einzelfälle sind das auf jeden Fall nicht.

    Und mein Kernpunkt ist immer noch der Gleiche: Schulen als Zentrale Orte des Infektionsgeschehens werden hier immer wieder postuliert, mit mehr oder weniger plausiblen Begründungen, warum man sich das vorstellen könnte. Ein empirischer Beleg fehlt ebenfalls bis heute.

    Auch als Pessimist hinsichtlich der Problematik "Infektionsgeschehen an Schulen" könnte man ja mal die Frage stellen, warum dieser Punkt dann im aktuellen wissenschaftlichen Geschehen so vernachlässigt wird. Es sind ja nun diverse Untersuchungen zu Antikörpern, etc. in der Mache oder zum Teil schon Fortgeschritten. Soweit mir bekannt, beschäftigt sich kein einziger davon gezielt und ausdrücklich mit der Schulfrage.

    In den meisten Bundesländern wurden die Schulschließungen am 13.3. angesagt. Da gab es in Deutschland 3675 bekannte Fälle.

    6 Wochen vorher waren es 7.

    Es gab einfach deshalb keine (bekannten) Ansteckungen in Schulen, weil es kaum Fälle gab.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass dir das nicht klar ist.

    Es gab am 13.3. real in Deutschland ca. 200 000 Fälle. (da ca. 30 000 bis zum 23.3. positiv getestet und wenn man davon ausgeht, dass die Entdeckungsquote auch damals schon den 1/6 entspricht, die aktuellen Schätzungen entsprechen).

    Und und ziemlich sicher gab es auch Infektionen in Schulen, vermutlich auch welche unter den bekannten. (Wäre ja ein Wunder, wenn nicht.)

    Nur ein echter Ausbruch mit einer größeren Anzahl Infizierte in und im Umfeld einer Schule ist bis heute nicht bekannt.

    (Was auch nicht abschließend beweist, das es ihr nicht gegeben hat.)

    An das Beschulen durch mehrere Lehrer glaube ich nicht, da sind die Kosten und Reibungsverluste viel zu groß. In meinen Physikkurs auf erhöhtem Niveau kann so spontan kein anderer Kollege einsteigen, da würde ich nur wahnsinnig werden, weil der das eh nicht so machten würde, wie ich (also richtig).

    Es wäre aber kein großes Problem die Gruppe in zwei zu teilen, und zB wöchentlich im Wechsel kommen zu lassen. Dann mache ich halt in meinem Unterricht nur noch die Versuche und zentrale theoretische Grundlagen, Übung und Wiederholung müssen die Schüler dann in der jeweils andern Woche selber hinkriegen.

    Ziemlich sinnlos ist im übrigen die wiederkehrende Argumentation "An meiner Schulform / an meiner Klasse / in meinem Kollegium gibt es das Problem xyz, also kann das ganze nicht funktionieren".

    Für die nächsten 12 Wochen wird es eine Millionen verschiedenster kleiner und großer Probleme geben. Viele kann man mit Pragmatismus vor Ort lösen, viele andere auch nicht. Da wir man dann andere Wege finden. In einigen Fällen gibt es sicher auch keine Lösung, da muss dann vielleicht auch Schule im Einzelfall weiter ausfallen.

    Auf die große, allumfassende Lösung von oben, braucht man auf jeden Fall nicht zu warten.

    Ich persönlich würde mir durchaus zutrauen für jede Jahrgangsstufe an meiner Schulform Regelungen zu finden, in denen eine Beschulung des Jahrgangs unter vertretbarer Berücksichtigung des Infektionsschutzes möglich ist. Im Kern würde es - neben diversen allgemeinen hygienischen Maßnahmen - immer darauf hinauslaufen, dass man Schülerfrequenzen reduziert, bei den Kleinen eher, indem man immer nur einen Teil der Schüler kommen lässt, die vielleicht auch nur für kürzere Zeit um die Konzentrationsfähigkeit und Disziplin nicht über zu strapazieren, bei den Älteren eher, indem man Gruppen auf mehrere Räume aufteilt.

    Der Knackpunkt ist allerdings, dass das nicht in allen Jahrgängen gleichzeitig geht. Da muss die Politik halt Prioritäten setzen.

    Mal ein genereller Hinweis:

    Man kann den Betreiber dieses Forums in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten bringen, wenn man permanent komplette Artikel aus verschiedenen Zeitschriften hier zitiert.

    Es genügt völlig, die zentrale Passage, um die es einen geht, zu zitieren und ansonsten einen Link auf den gesamten Artikel zu setzen, das wird in der Regel als unbedenklich bewertet, wenn der Auszug nicht zu lang ist.

    Die Beiträge von Anja und Wolfgang auf dieser Seite sind so definitiv abmahnfähig.

    Reaktiviert wäre doch aber auch ein Problem,oder? Falsche negative Testergebnisse wäre besser.

    Richtig, aber ganz ehrlich: einen Einzelfall bei >1Mio infizierten ist für mich statistisches Rauschen, welcher Grund auch immer jetzt dahinter steckt.

    Statistisch gesehen geschehen jeden Tag auf der Welt 10 "Wunder".

    Es wurde mehr oder minder wenig über die Infektionswege gesagt. D.h. weder das Schulen besonders problematisch noch das Gegenteil.

    Genau das habe ich gesagt, nicht mehr und nicht weniger.

    Und da du ja immer auf den Begriff international anerkannte Koryphäe rumreitest: Die Uni Bonn ist durchaus keine kleine Dorf-Uni. Es mag sein, dass Koryphäe der falsche Begriff ist. Wir können uns gerne auf "international anerkannt" einigen. Das wichtige ist, dass der Mann wohl deutlich mehr Ahnung haben wird als Du und 99% der restlichen Deutschen. Insbesondere, da es -wenn ich es richtig verstanden habe- auch ein Team von mindestens 3 Fachbereichen/Professoren ist.

    Da hast du mich falsch verstanden, ich zweifle überhaupt nicht an der Kompetenz von Streecke, im Gegenteil, was ich bisher von ihm gesehen und gelesen habe macht für mich einen sehr guten Eindruck, sowohl inhaltlich als auch von der Kommunikation. Ich zitiere lediglich Firelilly und möchte darauf hinweisen, dass sie sich selektiv einzelne Aussagen von ihm rauspickt (sie hat ihn als Koryphäe bezeichnet, als sie glaubte einen Virusausbruch in einer Schule in ein Interview hineininterpretieren zu können) und völlig ignoriert, wenn weite Teile seiner übrigen Aussagen im kompletten Gegensatz zu dem stehen, was sie hier so an Schreckensszenarios verbreitet.


    Ich werde gleich wenn ich Zeit habe, mal nachzuforschen ob das auch in seriöseren Blättern steht.

    Zitat

    In Südkorea ist nach Angaben von Behörden bei 91 von einer Coronavirus-Infektion genesene Menschen die Krankheit Covid-19 erneut ausgebrochen. Der Direktor des Koreanischen Zentrums für Krankheitsbekämpfung KCDC, Joeng Eun-kyeong, erklärt, es sei eher wahrscheinlich, dass das Virus "reaktiviert" worden sei, als dass es sich um Neuinfektionen handele.

    Ich denke schon, dass die Schulschließungen was gebracht haben und genau zum richtigen Zeitpunkt waren.

    Letzteres bestreite ich nicht, ersteres wird man wissenschaftlich genau untersuchen müssen, auch um für de Zukunft zu lernen. Aber selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass irgendwann rauskommt, dass die Schulschließungen überhaupt keinen Beitrag zur Eindämmung geleistet haben, war die Entscheidung in der Situation trotzdem richtig.

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