Wenn die Quintessenz aus 2000 Jahren Christentum "habt euch lieb" ist und Leute nach 4 Jahren Studium "ihren Glauben verlieren", was immer da verloren geht, frag ich mich, wieder mal, was konfessioneller Religionsunterricht eigentlich leisten soll und kann. Aber eine Antwort darauf existiert wahrscheinlich gar nicht, er ist halt in der Verfassung verankert, weswegen wir ihn nicht loswerden.
Religionsunterricht - wie ich ihn praktiziert habe, nachdem die Schulleitung mir das zugetraut und in den Plan geschrieben hatte, ist imho im Kern Ethikunterricht und Kulturgeschichte. Relikte christlicher Kultur begegnen uns an jeder Ecke - haben unsere Gesellschaft und Geschichte geprägt und tun das - ob wir wollen oder nicht. Schüler müssen lernen, mit diesem Erbe umzugehen und es zu deuten. Auch als Herrschaftsinstrument, das in der Vergangenheit (und noch heute) vielen Millionen Menschen das Leben kostete. Genauso als Instrument gegen die Herrschaft - wie die Ereignisse des Bauernkrieges vor ziemlich genau 500 Jahren gezeigt haben, als nach Luthers Postulat von der "Freiheit des Christenmenschen" der Bauernkrieg begann.
Gleichzeitig bietet der Religions-/Ethikunterricht die Gelegenheit, verbindende Strukturen der Weltreligionen und der Kulturen aufzuzeigen - was sich ja bereits in so kleinen, gemeinsamen alltäglichen Dingen wie dem arbeitsfreien Sonntag, dem Schabatt oder dem Freitagsgebet, den Fastenregeln u.v.a.m. zeigt.
Religionsunterricht, der aus Gebetsgesängen, Lobpreisungen und mystischen Gebetshandlungen und Bibelstunden besteht, darf gerne zum Teufel gehen.