Beiträge von Valerianus

    Das ist doch ein fächerübergreifendes Problem: wenn ein Schüler in Mathematik Äquivalenzumformungen absolut nicht kann, wären das früher in jeder Aufgabe konsequent 0-1 Punkte gewesen. Heute gibt es den CAS und "wenn mehr als 75% der Aufgabe richtig gelöst sind, sind alle Punkte gemäß EWH zu vergeben"-Vorgaben. Ich würde darauf wetten, dass die Hälfte der SuS einer Sek I Klasse, die z.B. das Thema Bismarck und die Reichsgründung gerade behandelt hat, eine Abiturklausur zum Thema Dank Erwartungshorizont bestehen könnte, wenn man sich vorher ein-zwei Stunden zum Thema "was gehört in eine Analyse" genommen hätte. Zum Zentralabitur in Biologie gibt es dazu sogar eine Studie, wo alles von "sehr gut" bis "mangelhaft" dabei war.

    Erwartungshorizonte nehmen dir die Freiheit zu sagen: das ist einfach so schlecht, das ist nicht besser als mangelhaft. "Thema verfehlt" ist noch so ein Ding was du mit EWH in keinem Fach mehr abgebildet bekommst.

    Was ich in den Sprachen (auch in Deutsch) sinnvoll fände, wäre eine Vetowirkung der sprachlichen Leistung. Sprachlich mangelhaft kann insgesamt nicht besser sein als ausreichend, egal wie gut das Inhalttuch ist. Der sprachliche Fokus steckt doch schon im Namen der Fächergruppe...

    Du hast nie im Schichtdienst gearbeitet oder? Wenn ich während meiner Zeit im Kinderheim einen Arzttermin oder einen Geburtstag hatte, dann hab ich vorher Bescheid gesagt und hatte den Tag dann frei oder bin von regulärem Nacht/Frühdienst auf den Spätdienst gesetzt worden.

    Wenn jemand krank geworden ist, war man oft kurzfristig am Arsch, aber da ist oft mehr Flexibilität möglich, weil da nicht jedesmal Räume/Schüler/Fächer/etc. dran hängen.

    Und ich erwähne es gerne nochmal: es ist möglich, wenn ihr es nicht braucht ist doch toll für euch, aber es gibt Kollegen die es gerne so haben und es hat ja niemand einen Nachteil dadurch, auch nicht die Kollegen die es erst spät haben wollen. Falls ihr hingegen für die Erstellung des Stundenplans zuständig seid und dagegen argumentiert... Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

    Oh, mein liebstes Beispiel, ganz vergessen: ich nutze mit Vorliebe den Film "die Todesmühlen", sobald in der Sek I irgendeine Pfeife in meiner Klasse den Hitlergruß zeigt und frage dann danach auch nach, ob dass das ist womit er (sind immer Jungen, sind immer Provokationen) sich identifiziert. Damit bringt man auch bequem eine ganze Klasse zur Ruhe und eine Hälfte davon zu Tränen in den Augen. Auch hier: keine Dissoziationen...

    Kannst du SuS im Flashback und oder in einer Dissoziation reorientieren? Was machst du, wenn in deinem Klassenraum, jemand aufgrund der Gewaltschilderungen in einen Flashback gerät und/oder Bewegungsunfähig wird?

    Wie hilft dir da die von dir genannte wertneutrale Rückzugsmöglichkeit?

    Genau darum geht es. Es geht nicht darum, schwierige Themen zu vermeiden. Sie gehören in den Unterricht. Traumasensibler Unterricht bedeutet vielmehr, auf unnötige Explizite Gewaltbeschreibungen oder -darstellungen zu verzichten, Belastungen mitzudenken und Unterricht so zu gestalten, dass möchglichst alle SuS teilnehmen können - auch diejenigen mit belastenden Erfahrungen. Sodass Schule ein Schutzraum ist.

    Wie oft hattest du diese Fälle schon im schulischen Kontext? Ein dissoziativer Anfall ist so selten, das haben vermutlich die meisten Psychologen noch nie gesehen, wenn du möchtest frage ich bei meinen ehemaligen Kollegen nach, die jetzt eine Praxis haben. Du spinnst hier an den Haaren etwas herbei was passieren könnte. Wenn man das für alle Möglichkeiten macht, die passieren könnten, dann darf meine Klasse auch keine Wasserschlacht mit Wasserpistolen auf dem Schulhof machen, irgendwem könnte ins Auge geschossen werden oder irgendwer hat ein Flashback in die Ukraine. Meine zwei ukrainischen Jungs hatten das jetzt nicht, aber irgendwer könnte das ja haben. Genau so haben wir in Geschichte mal den Film 300 mit Thukydides verglichen und uns angeschaut wie die Perser dargestellt werden (grenzwertig rassistisch in Antike und Moderne). Nie was passiert. Das Schulbuch hingehen hat Mal in Jahrgangsstufe 9 ein syrisches Mädchen zum Weinen gebracht, als es um Giftgas ging, weil Familienmitglieder noch in Syrien waren und das gerade durch die Medien ging damals. Interessehalber: bist du in dem Bereich besonders qualifiziert, so dass du damit auch in Schule häufiger zu tun hast?

    Quittengelee : Ich bin mir ziemlich sicher, dass das andere Ansätze sind, als das was man im deutschen zu "traumasensibel" findet

    Hochbegabung braucht nur (therapeutisch) keine Diagnostik, weil Hochbegabung absolut gar nicht mit

    • Psychischen Erkrankungen
    • Auffälligem Verhalten
    • Minderleistung in der Schule

    korreliert. Es gibt keinen sinnvollen Grund das eigene Kind einen Intelligenztest machen zu lassen, außer zu Forschungszwecken oder maximal noch, wenn man Teilleistungsschwächen diagnostizieren will, auch wenn das Diskrepanzkriterium auch eigentlich Blödsinn ist. Wenn ein hochbegabter Schüler nur durchschnittlich Rechtschreibung kann, dann besteht natürlich die Möglichkeit einer LRS (die durch die Hochbegabung maskiert wird) oder er ist einfach faul oder der Unterricht war halt Mist.

    Pädagogisch wäre es vielleicht sinnvoll, dass man regionale Spezialschulen wie in der DDR einrichtet, aber ist das politisch gewollt? Und dann noch mit dem Vorbild?

    So verhält es sich nach Aussage einiger Ärzte, mit denen ich gesprochen habe, auch mit AD(H)S und ASS. Es wird genauer hingesehen, es wird häufiger diagnostiziert.


    Das stimmt nicht ganz, von DSM IV zu V (Psychologen) und von ICD 10 zu 11 (Mediziner) wurden die Kriterien so aufgeweicht, dass du jeweils locker ein Viertel der Menschheit damit diagnostizieren kannst, wenn der Verdacht aufkommt. Die hätte es vor 100 Jahren aber auch gegeben, damals waren die aber Zappelphilipp oder Außenseiter.

    Quittengeleein Mathe ist das eigentlich kein Problem, in Geschichte weise ich am Anfang des Schuljahres einmal darauf hin, dass man bei Themen die man belastend findet auch rausgehen darf, aber dann danach darüber sprechen soll, was das Problem war. Hatte ich bisher eigentlich nur bei Kriegsflüchtlingen einmal bei häuslicher Gewalt gegen die Mutter, da stehst dann auch doof da als Lehrkraft, wenn das ein Fall ist, wo von Nachbarn manchmal die Polizei gerufen wird und selbst die fast nix machen können. Dann vertraut sich dir jemand an und du kannst trotzdem nicht helfen.

    Hochbegabung war ja immer schon gerne dabei, wie viele Kinder bei uns hochbegabt sind, ist schon beeindruckend.

    ASS und ADHS sind die Psychologen auch selbst dran schuld, das ist im DSM-V deutlich häufiger zu diagnostizieren als zuvor, weil es jetzt eher eine übermäßig ausgeprägte Persönlichkeitseigenschaft ist, die zur Belastung wird, als ein klar definiertes Krankheitsbild.

    Hochsensibilität ist einfach ausgedacht, da gibt's gar keine klaren Kriterien.

    Eine allgemeine Zunahme gibt es seit Corona, am meisten gelitten unter den Maßnahmen gegen Corona haben nachweislich Kinder und Jugendliche, aber thematisieren muss man viele Dinge trotzdem.

    Anderes Beispiel - Essstörungen haben massiv zugenommen, natürlich spreche ich Schülerinnen nicht vor der Klasse auf ihr Gewicht an, das wäre nicht sensibel, aber genauso natürlich kümmere ich mich darum, dass irgendwer (falls es passt auch ich) 1:1 mit ihr spricht und wenn da keine gute Erklärung für andere Gründe kommt, auch die Eltern informiert. Kann ich das therapieren oder sicher diagnostizieren? Nein, das wäre massiv übergriffig. Muss ich ein Auge darauf haben? Ja (übrigens auch leitlinienkonform). Inzwischen gibt es so viele Kolleginnen (vor allem) die ihren Klassen nichts mehr zu essen mitbringen, weil ja jemand allergisch reagieren könnte oder eine Essstörung getriggert werden könnte. Das ist nicht die Antwort auf mehr psychische Probleme. Andererseits sorgt unsere Bundesregierung ja gerade auch dafür dass es absehbar zu wenig Therapieplätze geben wird, also vielleicht ist es ökonomisch sinnvoller Weg.

    Wir sind nicht für die Therapie da, sondern quasi die erste Linie der Diagnostik. Wenn uns was auffällt, dann müssen wir Profis holen (habt ihr ausgebildete Beratungslehrer an der Schule an die man verweisen kann, die müssten eigentlich ein Netzwerk haben). Aber halt echte Profis, keine Coaches oder Heilpraktiker. Das sind wir qua Job auch schon für Kindeswohlgefährdung und sexuellen Missbrauch (siehe Schutzkonzeptsentwurf der KMK).

    Bei uns an der Schule wird in letzter Zeit halt oft Hochsensibiliät, ASS und Hochbegabung im gleichen Gespräch in den Topf geworfen als Erklärung warum beim Kind irgendwas nicht läuft, manchmal noch mit etwas ADS gewürzt und wenn du dann die Diagnostik sehen möchtest, gucken die alle doof.

    Intelligenz korreliert eigentlich fast gar nicht mit dem Charakter, beim Humor gibt es einen leichten Schlag Richtung Ironie, Sarkasmus und schwarzer Humor. Der Erklärungsansatz kommt aber bei Eltern auch oft "mein Kind stört den Unterricht nur weil es hochbegabt und gelangweilt ist" und die Antwort ist in Deutschland immer "erzieh dein Kind" und ein Verweis auf die Marburger Hochbegabtenstudie.

    Aktuelles Beispiel, ob es lächerlich ist, kannst du dann entscheiden: Referendar hat einen UB in meinem Grundkurs (Q1) gemacht und möchte da UPP vier Wochen nach den Sommerferien machen. Nach den Ferien liegt meine Doppelstunde dienstags, da hat er aber Seminartag und in der ersten Schulwoche ist dienstags auch kein Unterricht. Da wir den Stundenplan haben, hat er jetzt einen anderen Kurs, ansonsten hätte er nach den Sommerferien massiv Stress.

    Revisionen haben wir nach den Ferien zwei von denen ich weiß (ein Jahr nach Anstellung und zur Lebenszeitverbeamtung mit Anstellungstermin nach dem Referendariat im November).

    Eine Kollegin hat immer dienstags um 14:00 Psychotherapie, kann dann mit etwas Vorlauf (mehrere Monate) aber auch umbuchen, die freut sich auch wenn sie frühzeitig Bescheid weiß.

    Vielleicht sehe ich das zu sehr aus MAV Sicht, aber unser Stundenplaner bekommt es ja zuverlässig hin, warum sollten wir unsere Standards senken, nur weil du das lächerlich findest? Und wenn was geändert werden muss, dann redet man miteinander und zur Not ist halt jemand unglücklich, das muss in so einem großen System aber auch auszuhalten sein für die Schulleitung (der Stundenplaner macht eh jedes Jahr mindestens zehn Leute unglücklich, die auch "immer die schlechtesten Pläne haben" (mit Französisch und Religion bist du halt immer in der Blockung) und der Stundenplaner hat immer nachmittags frei (er ist ja auch um 7:00 im Haus für den Vertretungsplan, so sehr kann er Untis gar nicht Knechten, dass er da oft in den Nachmittagsbereich rutscht)...

    Sorry chilipaprika aber ich muss mich in der Schule schon so oft über irgendwelche Coaches oder heilpraktischen Psychotherapeuten aufregen, die mit so pseudo-wisaebschaftlichen Begriffen und anekdotischer Evidenz um sich werfen (hochsensibel und Autismus-Spektrum-Störung ist momentan bei uns ganz groß im kommen). Mir geht es nicht darum, dass man nicht sensibel mit traumatisierten Menschen umgehen soll, aber alles was ich zu "traumasensibel" gefunden habe (hab gerade noch einmal ausführlicher recherchiert) ist weder von Medizinern noch von Psychologen und man sollte keine Laien auf Menschen mit echten Problemen die Hilfe suchen loslassen.

    Die Zulassung zum Heilpraktiker bekommst du hinterhergeworfen in Deutschland, das ist echt Wahnsinn wenn du dir anguckst wie lange ein Pfleger oder ein Psychologe (ohne Therapeutenausbildung) ausgebildet werden und was die dürfen und was Heilpraktiker teilweise legal für eine Scheiße abziehen...

    Ich habe mich gerade sehr oberflächlich in "traumasensibles Arbeiten" eingelesen. Das ist nicht leitlinienkonform, weder zur Akuttherapie, noch in Bezug auf PTBS. Narrative Traumaexposition gehört immer mit dazu, auch außerhalb des Behandlungszimmers. Man muss halt wertneutral Rückzugsmöglichkeiten eröffnen.

    Die mir bekannte Inzidenz für Traumatisierung im SI Alter liegt übrigens bei über 50% (Krieg, Gewalterfahrungen, sexuelle Übergriffe, Verlust engster Bezugspersonen zusammengefasst). Du musst bei allen Themen deine Schüler im Auge haben, arbeitest lehrplan- und leitlinienkonform und bietest Unterstützung an wenn du was siehst (laut Leitlinie fallen Traumatisierungen nach der Familie am häufigsten in der Schule auf) oder alternativ lässt du halt alles weg und bist "traumasensibel"...

    In Bezug auf den Stundenplan: Unsere Referendare haben unmittelbar nach den Sommerferien UPP, bei einigen Kollegen stehen Revisionen an, da ist es auch nicht schlecht den Stundenplan zu kennen, um in den Sommerferien die Reihenplanung zu machen wenn man genau weiß welche Stunden man hat.

    Ich habe das Buch bislang nicht gelesen, fühle aber mit dir. Ich würde wahrscheinlich versuchen, das Thema zu versachlichen, indem ich...

    • vorher eine Art Triggerwarnung aussprechen würde

    Triggerwarnungen macht man nicht mehr, sind psychologisch erwiesen schädlich für traumatisierte und nicht traumatisierte Personen. Gibt eine Metaanalyse, von 2022 glaube ich, bei Interesse kann ich die raussuchen.

    Untis verschiedene Pläne generieren lassen, diese dann im Vier-Augen-Prinzip (mit seiner Vertretung) miteinander abgleichen (Parametererfüllung), bevor einer dann von Hand optimiert wird.

    Ich muss nicht fit in Untis sein (falls das auf mich bezogen war), mich hält das Land mit Schild und ASDPC (noch ein Jahr) auf Trab.

    Man kann sich doch sonst nicht lange im Voraus vorbereiten...

    Außerdem kann man dann damit angeben, dass es an der eigenen Schule besser läuft als an den anderen Schulen...

    Ganz vielleicht geht es euch um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Abstimmung von Betreuungszeiten für die Kinder, was etwas schwierig wird, wenn man den Stundenplan erst am ersten Schultag erhält.

    Ich stimme im Übrigen Moebius zu, wir sind ein System mit circa 80 Kollegen, natürlich passiert immer Mal was, das betrifft dann vielleicht 5-10 Kollegen, bei denen wird ein bisschen (im bestehenden Plan) geschoben. Das ist keine Frage von "angeben", sondern von Respekt vor dem Kollegium und anscheinend auch von Kompetenz (nicht nur beim Stundenplaner, auch bei der Personalabteilung in Bezug auf Einstellungen, etc.). Wir hatten seit 2013 nicht ein einziges Jahr in dem es für einen größeren Teil des Kollegiums Änderungen gab. Schwangerschaften und Krankheiten schlagen selbstverständlich ab und an zu, aber das machen die auch während des Schuljahres und da wird auch nicht alles umgestellt.

    Das soll nicht gemein klingen, aber versuche unbedingt die Sachbearbeiterin in Bezug auf die pauschale Beihilfe zu erreichen und zu schauen, ob da noch was geht. In NRW haben wir das nicht, aber ich hatte schon zweimal den Fall, in dem Kollegen eigentlich bereits nachversichert werden sollten (Frist beim LBV verpasst, bei zu langem Abstand zwischen Referendariat und Verbeamtung beim Ersatzschulträger) und mit ein bisschen hin und her, konnten doch alle Pensionsansprüche gesichert werden. Ob da rechtlich getrickst wurde, kann ich nicht beurteilen, aber für die Kollegen ist es bares Geld gewesen und hat gar nix gekostet. ;)

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