Ja, du darfst alles sagen, da gibt es keine Grenzen, solange du damit nicht einen realen Schaden anrichtest (keinen gefühlten Schaden). Der Aufruf zu Gewalt gegen Behinderte wäre strafbar, der Aufruf keinen Kindesunterhalt mehr zu zahlen, weil Familiengerichte die Mütter bevorzugen, wäre zwar nicht strafbar, aber doch moralisch zu verurteilen (weil damit dazu aufgerufen würde der Gesellschaft als Ganzes zu schaden).
Nehmen wir deine Fälle: In jedem davon darfst und musst du etwas sagen, wenn du anderer Meinung bist (wovon ich bei den spezifischen Fällen ausgehe und was ich bei jedem Kollegen hoffe). Dein erster Fall ist mir nicht spezifisch genug. Wenn jemand die AfD als in Teile faschistische Partei bezeichnet, wird das von Anhängern dieser Partei sicherlich als Beschimpfung empfunden, die Mehrheit sind sie Gott sei Dank auch nicht, also wäre dein Fall erfüllt und ich würde vielleicht die Klappe halten.
Wenn ein Schüler einen Kollegen als Krüppel bezeichnet, ist die zentrale Frage "Wie alt ist dieser Schüler?", um die Verantwortung zu klären und damit auch die Reaktion. Eine vernünftige Diskussion was er da gesagt hat und wieso das unangemessen ist, dürfte aber sicher auch hier zielführender sein als "das darf man nicht" (da reagieren pubertierende Jugendliche meistens nicht so toll drauf).
Dein Kultusministerfall ist der eindeutigste, weil da ein Erwachsener etwas sagt, was gegen die Grundwerte fast aller Menschen in diesem Land verstößt (nicht die Ablehnung der Inklusion (da dürfte der Anteil in der Bevölkerung nicht zu gering sein), sondern die Begründung (die hoffentlich fast alle für abstoßend halten). Aber genau da muss ich ansetzen und entlang der Grundwerte argumentieren und eben nicht irgendwas verlangen, fordern oder sonstwas. Die Überlegung ist doch auch hier ganz einfach, wenn man den Fall verallgemeinert:
Eine Person sagt etwas, dem du nicht zustimmst und dass du für abgrundtief falsch hältst. Du willst dir daraufhin in gerechtem Zorn das Recht herausnehmen, die Gesellschaft zur moralischen Vernichtung dieser Person aufzurufen. (wenn du eine andere Verallgemeinerung als richtig ansiehst, schreib bitte deine)
Wo genau führt uns das als Gesellschaft hin, wenn alle (und zwar unabhängig von ihrer Position) genau so dächten? Macht uns das zu einer besseren und lebenswerteren Gesellschaft?