Beiträge von Valerianus

    Man bringt den Schülern damit bei, dass sie im Betrieb gekündigt werden, wenn sie mehrfach zu spät kommen und dass man das besser frühzeitig trainiert. Ich bekomme schon einen Föhn, wenn ich sehe dass in den Kriterien der Qualitätsanalyse für NRW ernsthaft steht "Der Unterricht beginnt und endet pünktlich.", ich dachte bisher dass das kein Qualitätsmerkmal, sondern eine Selbstverständlichkeit sei, aber offensichtlich sehen das so viele Kollegen anders, dass es doch ein Qualitätsmerkmal geworden ist... 8|

    Der Ausschluss von der laufenden Unterrichtsstunde ist eine erzieherische Maßnahme in Eigenverantwortung der Lehrkraft. Als erzieherische Maßnahme muss sie verhältnismäßig und zweckmäßig sein. Bei einer einmaligen Verspätung dürfte das mit der Verhältnismäßigkeit schwierig werden, bei wiederholten Verspätungen definitiv nicht. Ich kenne das im Artikel beschriebene Verfahren noch ein bisschen anders: In meiner eigenen Schulzeit war nur das Haupttor geöffnet und dahinter wartete nach Beginn der ersten Stunde unser Schulleiter. Ganz großer Spaß wenn man zu spät kam...

    Verweigerung von Lehreranweisungen ist im Wiederholungsfall eine Disziplinarkonferenz, da sehe ich jetzt weniger Probleme...

    wenn aber ein Schüler in den unteren Klassen beim Zehnerübergang 4 + 7 =12 rechnet, egal welcher Hunderter davor steht, ist das dann jedes mal ein neuer Fehler?

    Natürlich ist das jedes Mal ein neuer Fehler (je nach Punkteanzahl für die Aufgabe meinetwegen mal nur ein halber). Aber wenn jemand bei der schriftlichen Addition beständig denkt, dass 4 + 7 = 12 sei und dadurch alles falsch rechnet, dann ist das ein massiver Fehler, vor allem in Klasse 5 (kleiner hab ich nicht)...

    Da ja die Mathematik angesprochen wurde: Wenn ein Schüler in der Oberstufe jedes Mal Produkt- und Kettenregel verwechselt und wieder und wieder die falsche Ableitungsregel anwendet, dann ist das kein Folgefehler, sondern jedes Mal ein neuer Fehler. Wenn er damit dann richtig weiter rechnet, dann ist das folgerichtig, aber man kann nicht alles Folgefehler nennen. Zurück zum Englischen: Ansonsten kann der Schüler auch jedes Mal have + Infinitiv schreiben und es wäre ein Folgefehler, die erste Lücke ist falsch, alle folgenden sind derselbe Fehler --> Folgefehler?

    Friesin: Reliabilität. ;)

    Vielleicht kann das für NRW die ADO §10 Absatz 1 klären:

    Zitat

    Zu den Aufgaben der Lehrerinnen und Lehrer gehören auch die üblichen mit Unterricht und Erziehung zusammenhängenden Arbeiten. Sie überwachen z.B. die Teilnahme der Schülerinnen und Schüler am Unterricht,beaufsichtigen und korrigieren Schülerarbeiten, achten auf die Erledigung der Hausaufgaben, erteilen Noten, fertigen Zeugnisse aus und führen Unterrichtsnachweise in Klassenbüchern bzw. Kursheften. Sie wirken mit bei der Vorbereitung und Durchführung von schulischen Prüfungen,Konferenzen und Schulveranstaltungen außerhalb des Unterrichts (z.B.außerunterrichtlicher Schulsport, Schulwanderungen, Schulfahrten,Schulfeste)

    Ich mag die Diskussionskultur, auch und gerade weil hier so viele unterschiedliche Meinungen vertreten sind.
    Ich mag die unterschiedlichen Blickwinkel, die Lehrer unterschiedlicher Schulformen und Bundesländer auf eine Problematik haben können.
    Ich mag die Moderation, die nachvollziehbar und konsequent arbeitet und dabei trotzdem dezent bleibt.

    Das hat rein inneruniversitäre Gründe. Mit Physik/beliebig und Informatik/beliebig kannst du dir deine Stellen schon fast aussuchen. Mit Physik/Informatik würde unsere Schulleitung dich sofort nehmen, so was schreibt man schon gar nicht mehr aus, weil es das einfach nicht gibt.

    Wir haben keine Kürzungen in der Stundentafel, in manchen Fächern unterrichten wir sogar mehr als vorgesehen ist. Wenn ich das damals richtig verstanden habe liegt das am durchschnittlichen Alter des Kollegiums (überdurchschnittlich jung), weshalb wir kaum Altersermäßigung haben und darüber ein paar Stunden gutmachen. Unser Konzept greift aber voll nur dann, wenn wir eine ausgeglichene Stellenlage haben und die Referendare im BdU sind (was aber ja in 2 von 3 Halbjahren der Fall ist). Zu den Klassenlehrerentlastungen kommen auch noch Korrekturentlastungen (in Summe in geringerem Ausmaß) hinzu.

    Weil es mit mehr Aufwand verbunden ist, als wenn man sich mit Sport/Biologie in der Sek I die Eier schaukelt. Wir haben theoretisch zwei Entlastungsstunden für Klassenlehrer sind aber andauernd im Unterhang, so dass es die eher selten voll gibt.

    @Ontopic: Für alle Aufgaben die mit Beförderungsstellen verbunden sind gibt es aber keine Entlastung, außer aus dem Entlastungspool für die Schulleitung und der ist für die A15 Stellen.

    Ich bevorzuge den Begriff "Sündenböcke der Nation". Wenn irgendwo in der Gesellschaft etwas schief läuft (mangelnde Qualifikation, mangelnde Umgangsformen, steigende Gewaltbereitschaft, Fremdenfeindlichkeit, Übergewicht, Handy-Sucht, Fakenews,...), dann kommt irgendein Politiker, "Bildungsexperte" oder Journalist an und verortet die Schuld selbstverständlich bei der Schule. Und da sowieso keiner eine wirkliche Lösung für die Probleme hat, stimmen anschließend alle zu, denn dafür hat man sie hat, diese "überbezahlten", "faulen Säcke". Man hat ja auch bereits "wissenschaftlich" bewiesen, dass nur die dümmsten Abiturienten Lehrer werden, also kein Wunder, dass in der Gesellschaft sovieles schief läuft... Und PISA zeigt ja andauernd, dass es überall woanders besser läuft. Es muss also an den Lehrern liegen!

    Gruß !

    Das hatten wir schon einmal, das ist für Kandidaten am Gymnasium einfach nicht wahr, für GHRS-Lehrkräfte gilt das mit dem schlechteren Abitur allerdings schon, sowohl im Vergleich zu den Gymnasiallehramtsanwärtern, als auch zu den sonstigen Studienanfängern (-0,5 Abiturnote). Die wesentlichen Studien dazu dürften alle etwas älter sein, da interessiert sich eigentlich niemand mehr für:

    Klusmann et al. (2009): Eingangsvoraussetzungen beim Studienbeginn - Werden die Lehramtskandidaten unterschätzt?
    Ludger Wössmann (2009): Boni für die Besten - ifo-Institut, Originalstudie finde ich nicht
    Udo Rauin (2007): Im Studium wenig engagiert – im Beruf schnell überfordert

    Ich hab die Zahlen für NRW zitiert, da liegt das Durchschnittsalter bei Ausbildungsbeginn jetzt bei 20,5 und früher bei 18,5. Die von dir beschworene massive Verschlechterung kann ich da irgendwie nicht erkennen und es liegt immer noch (+3,5 Jahre Ausbildungszeit) vor dem durchschnittlichen Auszugstermin daheim. Die Zahlen kannst du dir alle beim BiBB anschauen, das ist jetzt kein Hexenwerk und sie widersprechen einfach völlig deinen Aussagen.

    Es gibt Anreize für Azubis, halt eben nur für Azubis die pünktlich, ordentlich und zuverlässig sind. Einer der Hauptanreize dürfte sein, dass man zumindest als Techniker oder Meister definitiv besser verdient als ein Bachelor. ;)
    Und woher nimmst du deine Aussage, dass es nicht mehr üblich sei als Azubi zuhause zu wohnen oder dass Azubis bei Ausbildungsbeginn schon erwachsen seien? Es ist zwar richtig, dass Azubis im Schnitt etwas älter werden (was hauptsächlich an der Anforderung "Abitur" für manche Berufe liegen dürfte), aber das Durchschnittsalter liegt jetzt bei ~20,5 und lag vor 25 Jahren bei ~18,5 (in Bayern liegt es da immer noch, eventuell ein Zeichen für die Wertschätzung bayrischer Hauptschul- und Realschulabschlüsse?).

    @Valerianus:
    Hast Du schon einmal etwas von der "10.000 Stunden Regel" gehört? Getreu der Regel muß man 10.000 Stunden in sein Fachgeibet investieren, um darin wirklich gut zu werden. Also auf den Sport bezogen, um gut genug zu werden, daß es für eine Olympia-Teilnahme reicht.

    Hab ich, ist unwissenschaftlicher Humbug, den sich ein amerikanischer Zeitungsjournalist und Autor pseudopsychologischer Bücher (Malcom Gladwell) ausgedacht hat. Mir war nicht bewusst, dass das jetzt Fachliteratur ist. Dann zitiere ich in der nächsten Genderdebatte auch John Gray. :)
    Wie gesagt, ich weiß dass da einiges geht (Hint: László Polgár), aber ganz ohne Talent ist es nicht drin. Ich wäre auch mit 10.000 Stunden kein Fußballprofi geworden, genauso wenig wie ich jetzt noch Profi-Gamer werden könnten, selbst wenn ich die Zeit da hineinstecken wollte. Für das erste fehlte das Talent, für das zweite bin ich schlicht körperlich zu alt (aka zu langsam).

    @Krabappel: ich finde deine Einstellung wieder allen Realitätssinn manchmal wirklich bewunderswert, aber mal im Ernst: Du schreibst, bzw. zitierst, dass sich die Ausbildungsbetriebe ändern sollten. Sicher doch, die Ausbildung in den klassischen Handwerksberufen (Bäcker, Dachdecker, etc.) funktioniert jahrhundertelang hervorragend und jetzt stellen diese Betriebe fest, dass die Auszubildenden die gesellschaftlichen Basics nicht beherrschen und deshalb nicht ausgebildet werden können und was ist der Schluss? Die Betriebe sollen sich ändern? Echt jetzt?

    P.S.: @10.000 Stunden Regel - Malcom Gladwell hat sich das zumindest nicht völlig ausgedacht, sondern basiert das auf einer Studie von Anders Ericsson, der dieser 10.000 Stunden Regel massiv widerspricht.

    Das ist schlicht und ergreifend nicht wahr. Natürlich kann man mit entsprechendem Training einiges erreichen (László Polgár mit seinen Schachgroßmeistertöchtern), vor allem in Feldern die nicht von besonders vielen Wettbewerbern beackert werden. Aber man wird nicht Fussballprofi, weil man es so gerne möchte (das möchten viele Andere nämlich auch) und man wird auch sicher nicht Matheprofessor, weil man das so gerne möchte. Zu manchen Dingen braucht es einfach genetische Grundlagen, die bei manchen Personen einfach nicht da sind.

    In einer Sache stimme ich dir inzwischen aber dennoch zu: Abitur kann inzwischen wirklich fast jeder der den Willen dazu zeigt (um das nicht zu können, muss wirklich eine massive Intelligenzminderung vorliegen).

    @icke: Auch wenn der Psychiater sicher "können" gemeint hat und sich nicht auf sprachliche Spitzfindigkeiten einlassen wollte, immerhin hat er Medizin studiert, für die ist das weniger relevant: Warum kannst du das "sein" einfach auf juristischen Status beziehen? Es gibt viele Menschen, die ich für bessere Menschen als mich selbst halte (auf der moralischen Ebene), die mit aber natürlich juristisch gleichgestellt sind.

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