Beiträge von Ratatouille

    Die Uhr ist eins von ganz wenigen Themen (Lesen in den ersten Wochen, kleines Einmaleins...), bei denen ich als Mutter von organisierten und recht schulaffinen Kindern zuhause mitgeholfen habe, weil es halt, zumindest der letzte Teil, wo es um alle Darstellungs- und Benennungsweisen geht, ganz schön unübersichtlich wird, selbst für behütete Mittelschichts-Muttersprachler.

    Gleichzeitig erleben wir jeden Tag, wie Kinder und Jugendliche mit ganz anderen Voraussetzungen oft unauffällig in der Mitte mitschwimmen. Kinder der ersten und zweiten Einwanderergeneration sprechen nicht nur fließend Deutsch, sondern lernen teilweise mehrere andere indoeuropäische Sprachen, machen in der Regel einen Schulabschluss und lernen einen Beruf, machen Abitur, oft nach Jahren konstanten selbstständigen Lernens sogar ein gutes oder sehr gutes. Manche lernen auch noch die analoge Uhr oder die meisten Kommaregeln. Aber wenn sie sich pragmatisch auf für sie Wichtigeres konzentriert hätten, würde es mir nicht einfallen, sie deswegen zu kritisieren. Einen mittleren Notenschnitt in einem mittleren Schulabschluss geschafft zu haben, kann eine riesige Leistung sein! Das sollten wir ihnen öfter sagen.

    Als Lehrer/-in kann man problemlos in Teilzeit gehen, wenn man Kinder hat, und das abstufen, wie es zum Alter der Kinder passt, und genauso problemlos wieder in Vollzeit arbeiten. Die Arbeit in Teilzeit ist nicht weniger qualifiziert als in Vollzeit. In anderen Berufen haben insbesondere Akademikerinnen in aller Regel einen riesigen Teilzeitabschlag im Gehalt hinzunehmen. Eine verbeamtete Lehrerin in Teilzeit hat netto im Verhältnis zu anderen Akademikerinnen in Teilzeit vergleichsweise viel Geld. In meiner Alleinerzieherinnenzeit war ich oft erschöpft (arbeitsintensive Fächer und Schulform). aber heilfroh über meinen Beruf.

    Wie sieht das denn gegenüber den Schülern aus? Meiner Meinung nach doch so, dass ich dämlich/gutmütig etc bin und von der Stufenleitung und anderen Kollegen, die bei den Schülern als kritisch/kleinlich gelten, gejagt werde. Kurz: lieb, aber inkompetent.

    Wenn du einen KI-Fraud einfach mit Bestnote durchwinkst, weil du Angst hast, als kleinlich zu gelten, ist das nunmal der Eindruck, den du auf deine Schüler machst, unabhängig davon, ob du "von der Stufenleitung gejagt" wirst. Wenn du respektiert werden willst, mach halt deinen Job.

    Ich verlange ja gar nicht die ganze Zeit über Stille [...]. Ich bin keine sehr streng wirkende Person [...]. Aber wie gesagt, ich mag die Klasse, ich möchte eigentlich ein gutes Verhältnis zu ihnen haben....

    Es gibt Klassen, die zeigen einem, wer man ist. Willst du beliebt sein oder respektiert werden? Ein gutes Verhältnis zu den SUS zu haben, wird einem auf Dauer nur gelingen, wenn man sich traut zu führen. Die Klasse kann leise sein, hast es ja selbst erlebt, aber dir entgleiten sie, weil du selbst nicht weißt, was du willst. Dabei sind sie darauf angewiesen, dass du für Ruhe sorgst. Niemand außer dir kann das in der Klassensituation machen. Tipps helfen dir erst, wenn du wirklich für eine gute Lernatmosphäre sorgen WILLST.

    Weil Mindestpension plus Gehalt im Vergleich zur Teilzeitstelle als Lehrerin zuviel Geld ist im Verhältnis zur zu erbringenden Leistung und damit womöglich eine zu verlockende Option. Kann mir nicht vorstellen, dass man dieses Modell so sichtbar für andere belastete Lehrkräfte zulassen wird, von den im Urteil dargelegten Bedenken abgesehen.

    Bei uns werden die Texte übrigens oft komplett abgeschrieben. Auch kein Problem. Eigentlich müssen sie nur aufs Klo zum Spicken, solange sie sich noch unnötig unbeholfen anstellen. Oder wenn doch mehrere Lehrer von verschiedenen Seiten konzentriert aufpassen und sie kein unnötiges Zeug, auch keine Mäppchen (Smartwatch!) oder Bäckertüten, Mäntel etc. am Platz haben.

    Inzwischen rufen erboste Eltern an und beschweren sich, wenn die Lehrer nicht gemerkt haben, dass von der KI abgeschrieben wurde.

    Gerade in den sprachlichen Fächern brauchst du nichts zu fotografieren, die KI kennt die gängigen Texte. Und die Aufgabenstellung "Erläutere den inneren Konflikt des Hauptcharakters in Die Physiker von Dürrematt" ist schnell eingetippt, wenn der Schüler einigermaßen clever ist, fügt er noch "... formuliere deine Antwort auf dem sprachlichen Niveau eines leistungsstarken Zehntklässlers am Gymnasium" hinzu.

    Fotografieren ist kein Problem, das Bild muss nicht gut sein und ggf. muss man halt einen Moment warten. Die meisten Kollegen haben auch noch nicht gecheckt, wie schnell und unauffällig das geht. Jemand lenkt den Lehrer ab und die anderen fotografieren hinter dem in die Hand gestützten Kopf, hinter einem Blatt, der Bäckertüte etc.

    Eintippen muss man auch kaum was, die KI bietet von alleine einen passenden Text an, man muss sie nur machen lassen.

    innerer Konflikt Möbius Zitate.pdf

    Und gilt der Anscheinsbeweis nicht immer beim Thema Schummeln? Ich dachte, das wäre hier an anderer Stelle oft geschrieben worden. Also auch, wenn etwa zwei Leute bis zum Kommafehler dasselbe schreiben etc.

    Natürlich.

    Das Neue an Bolzbolds Beitrag ist ja auch nicht, dass der Anscheinsbeweis angewendet wird, sondern dass bei Toilettengängen während Kursarbeiten jetzt so verfahren werden soll wie im Abitur.

    Das Urteil ist schon interessant, dass bei dieser Ausgangslage nicht nur Widerspruch eingelegt wurde, sondern tatsächlich geklagt, die Fülle an dreisten Lügen, auch noch an Eides statt. Meine Fresse.

    Hier hat uns in NRW ja die Schulaufsicht nun eine konkrete Vorgehensweise an die Hand gegeben.

    Nämlich? Interessiert mich tatsächlich. Bei uns laufen die ersten Blasenentzündungs- und Nierenschwäche-Atteste ein, nach denen die SUS jederzeit und so oft sie wollen die Toilette aufsuchen dürfen. Solange das Einzelfälle bleiben, kann man damit sinnvoll umgehen. Mal schauen.

    Du kannst dir das offensichtlich nicht vorstellen, Gymshark, aber tatsächlich habe ich das in der Grundschulzeit meiner Kinder genau so erlebt, wie Palim es beschreibt. Meist wirklich liebevolle Eltern, die das Beste wollten. Hähnchenbein mit Mayo als Pausenbrot, damit das (bereits übergewichtige) Kind Kraft zum Lernen hat, Mütter, die viel Zeit mit dem Kind verbringen, halt beim Shoppen wie daheim in Italien, Schaukeln, Schwimmen oder Radfahren lernt man da eben nicht. Ein Vater ist jeden Tag gekommen, seinen Sohn abzuholen, nur war es manchmal halb elf, ein andres Mal halb zwei, nämlich wenn es bedeckt war. Da wusste er nicht, wie spät es ist, weil er den Sonnenstand nicht sehen konnte. Die Eltern waren auch nicht alle arm oder ungebildet. Wer aus Russland kommt, rechnet z.B. nicht damit, sich viel um die Schule kümmern zu müssen, weil man da als Eltern nichts mit zu tun hat. Eltern nehmen natürlich an, dass es so sein wird, wie sie es kennen. Dazu kommen Scham, Zurückweisungsgefühle, Kränkungen. Als deutsche Lehrkraft migrantischen Eltern etwas zu raten, ist ganz, ganz heikel, schon weil wir massiv die Kommunikationsregeln verletzen, die sie gelernt haben und für selbstverständlich halten. Es ist nicht so einfach und es geht nicht schnell. Erst muss Vertrauen aufgebaut werden, am besten durch Brückenbauer, die selbst auch andere Kulturen und die Probleme und Gefühle von Eingewanderten kennen. Wir brauchen viel mehr Hilfe in den Stadtvierteln, viel mehr Zeit, Räume, Strukturen und lassen es halt seit vielen Jahren mehr oder weniger einfach laufen.

    Wenn Elternteile sich nicht kümmern wollen und ihr Umgangsrecht (das halt irgendwo auch eine Pflicht ist) nicht wahrnehmen, kann gerichtlich dagegen vorgegangen werden und es können zumindest mal Ordnungsgelder verhangen werden.

    Da irrst du dich. Seit der Familienrechtsreform von 2008 widerspricht es regelhaft dem Kindeswohl, den (meist) Vater zum Umgang zu veranlassen, wenn er das nicht möchte. Das Recht dazu hat er aber, auch wenn er in der Vergangenheit gewalttätig war.

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