Beiträge von Ratatouille

    Ich verlange ja gar nicht die ganze Zeit über Stille [...]. Ich bin keine sehr streng wirkende Person [...]. Aber wie gesagt, ich mag die Klasse, ich möchte eigentlich ein gutes Verhältnis zu ihnen haben....

    Es gibt Klassen, die zeigen einem, wer man ist. Willst du beliebt sein oder respektiert werden? Ein gutes Verhältnis zu den SUS zu haben, wird einem auf Dauer nur gelingen, wenn man sich traut zu führen. Die Klasse kann leise sein, hast es ja selbst erlebt, aber dir entgleiten sie, weil du selbst nicht weißt, was du willst. Dabei sind sie darauf angewiesen, dass du für Ruhe sorgst. Niemand außer dir kann das in der Klassensituation machen. Tipps helfen dir erst, wenn du wirklich für eine gute Lernatmosphäre sorgen WILLST.

    Weil Mindestpension plus Gehalt im Vergleich zur Teilzeitstelle als Lehrerin zuviel Geld ist im Verhältnis zur zu erbringenden Leistung und damit womöglich eine zu verlockende Option. Kann mir nicht vorstellen, dass man dieses Modell so sichtbar für andere belastete Lehrkräfte zulassen wird, von den im Urteil dargelegten Bedenken abgesehen.

    Bei uns werden die Texte übrigens oft komplett abgeschrieben. Auch kein Problem. Eigentlich müssen sie nur aufs Klo zum Spicken, solange sie sich noch unnötig unbeholfen anstellen. Oder wenn doch mehrere Lehrer von verschiedenen Seiten konzentriert aufpassen und sie kein unnötiges Zeug, auch keine Mäppchen (Smartwatch!) oder Bäckertüten, Mäntel etc. am Platz haben.

    Inzwischen rufen erboste Eltern an und beschweren sich, wenn die Lehrer nicht gemerkt haben, dass von der KI abgeschrieben wurde.

    Gerade in den sprachlichen Fächern brauchst du nichts zu fotografieren, die KI kennt die gängigen Texte. Und die Aufgabenstellung "Erläutere den inneren Konflikt des Hauptcharakters in Die Physiker von Dürrematt" ist schnell eingetippt, wenn der Schüler einigermaßen clever ist, fügt er noch "... formuliere deine Antwort auf dem sprachlichen Niveau eines leistungsstarken Zehntklässlers am Gymnasium" hinzu.

    Fotografieren ist kein Problem, das Bild muss nicht gut sein und ggf. muss man halt einen Moment warten. Die meisten Kollegen haben auch noch nicht gecheckt, wie schnell und unauffällig das geht. Jemand lenkt den Lehrer ab und die anderen fotografieren hinter dem in die Hand gestützten Kopf, hinter einem Blatt, der Bäckertüte etc.

    Eintippen muss man auch kaum was, die KI bietet von alleine einen passenden Text an, man muss sie nur machen lassen.

    innerer Konflikt Möbius Zitate.pdf

    Und gilt der Anscheinsbeweis nicht immer beim Thema Schummeln? Ich dachte, das wäre hier an anderer Stelle oft geschrieben worden. Also auch, wenn etwa zwei Leute bis zum Kommafehler dasselbe schreiben etc.

    Natürlich.

    Das Neue an Bolzbolds Beitrag ist ja auch nicht, dass der Anscheinsbeweis angewendet wird, sondern dass bei Toilettengängen während Kursarbeiten jetzt so verfahren werden soll wie im Abitur.

    Das Urteil ist schon interessant, dass bei dieser Ausgangslage nicht nur Widerspruch eingelegt wurde, sondern tatsächlich geklagt, die Fülle an dreisten Lügen, auch noch an Eides statt. Meine Fresse.

    Hier hat uns in NRW ja die Schulaufsicht nun eine konkrete Vorgehensweise an die Hand gegeben.

    Nämlich? Interessiert mich tatsächlich. Bei uns laufen die ersten Blasenentzündungs- und Nierenschwäche-Atteste ein, nach denen die SUS jederzeit und so oft sie wollen die Toilette aufsuchen dürfen. Solange das Einzelfälle bleiben, kann man damit sinnvoll umgehen. Mal schauen.

    Du kannst dir das offensichtlich nicht vorstellen, Gymshark, aber tatsächlich habe ich das in der Grundschulzeit meiner Kinder genau so erlebt, wie Palim es beschreibt. Meist wirklich liebevolle Eltern, die das Beste wollten. Hähnchenbein mit Mayo als Pausenbrot, damit das (bereits übergewichtige) Kind Kraft zum Lernen hat, Mütter, die viel Zeit mit dem Kind verbringen, halt beim Shoppen wie daheim in Italien, Schaukeln, Schwimmen oder Radfahren lernt man da eben nicht. Ein Vater ist jeden Tag gekommen, seinen Sohn abzuholen, nur war es manchmal halb elf, ein andres Mal halb zwei, nämlich wenn es bedeckt war. Da wusste er nicht, wie spät es ist, weil er den Sonnenstand nicht sehen konnte. Die Eltern waren auch nicht alle arm oder ungebildet. Wer aus Russland kommt, rechnet z.B. nicht damit, sich viel um die Schule kümmern zu müssen, weil man da als Eltern nichts mit zu tun hat. Eltern nehmen natürlich an, dass es so sein wird, wie sie es kennen. Dazu kommen Scham, Zurückweisungsgefühle, Kränkungen. Als deutsche Lehrkraft migrantischen Eltern etwas zu raten, ist ganz, ganz heikel, schon weil wir massiv die Kommunikationsregeln verletzen, die sie gelernt haben und für selbstverständlich halten. Es ist nicht so einfach und es geht nicht schnell. Erst muss Vertrauen aufgebaut werden, am besten durch Brückenbauer, die selbst auch andere Kulturen und die Probleme und Gefühle von Eingewanderten kennen. Wir brauchen viel mehr Hilfe in den Stadtvierteln, viel mehr Zeit, Räume, Strukturen und lassen es halt seit vielen Jahren mehr oder weniger einfach laufen.

    Wenn Elternteile sich nicht kümmern wollen und ihr Umgangsrecht (das halt irgendwo auch eine Pflicht ist) nicht wahrnehmen, kann gerichtlich dagegen vorgegangen werden und es können zumindest mal Ordnungsgelder verhangen werden.

    Da irrst du dich. Seit der Familienrechtsreform von 2008 widerspricht es regelhaft dem Kindeswohl, den (meist) Vater zum Umgang zu veranlassen, wenn er das nicht möchte. Das Recht dazu hat er aber, auch wenn er in der Vergangenheit gewalttätig war.

    Es läuft soweit ganz gut mit den SuS und es ist auch definitiv das, was ich später gerne machen möchte.

    Das wird mir später im Referendariat auf die Füße fallen

    Jetzt bist du im Grunde noch eine Jugendliche, im Ref. wirst du eine erwachsene Frau sein. In deinen Vertretungsstellen wirst du zudem viel lernen. Und grade läuft es doch gut. Mach dir keine Sorgen, alles ist fein.

    Zusätzlich zu vielen Punkten, die ich auch kenne (und die jemand, der der Minderheit angehört, die Karriere machen konnte, vielleicht nicht (alle) kennt), gibt es zwei für mich bedeutende Aspekte, die noch nicht zur Sprache gekommen sind.

    Zum einen ist das das unsägliche Hin und Her unausgegorener Ad-hoc-Reformen, die enorm Kraft und Lebenszeit gekostet und bei vielen Lehrkräften ein Gefühl von Sinnlosigkeit, Vergeblichkeit und Fremdbestimmung erzeugt haben. Das war manchmal unglaublich absurd. Ich sollte zum Beispiel mehrmals schuleigene Arbeitspläne zu Lehrplänen schreiben, die es noch gar nicht gab, sondern nur ein grobes Konzept auf einem Din A4-Blatt, sie währenddessen mit allen Gremien absprechen und gleichzeitig bereits umsetzen.

    Zum anderen hat die je nach Willigkeit des Schulleiters deutlich oder heftig in den Schulbetrieb durchschlagende Einflussnahme der Wirtschaft in den vergangenen 20 Jahren mich zurückhaltender gemacht. Ich habe an verschiedenen Schulen immer und immer wieder erlebt, wie gewachsene Schulprojekte zugunsten von Projekten außerschulischer "Partner" abgeräumt wurden und ständig neue von außen lancierte Projekte ohne frühzeitige Information und ohne ausreichende Diskussion installiert wurden, immer wieder auch mit manipulativer Kommunikation und unter Missachtung von Mitsprache- und Gestaltungsrechten. Oft wurde die Gesamtkonferenz einfach umgangen und nur knapp informiert. Typisch sind auch vorgeschobene hehre Ziele wie Bildungsgerechtigkeit, Begabtenförderung, Umweltschutz, Demokratieerziehung etc., wer hinschaut, nimmt aber wahr, dass es im Kern eher um HR geht oder um Marketing oder um Datensammelgelüste.

    Wer nicht zu allem Ja und Amen sagt, ist kein verlorenes Schaf, sondern vielleicht einfach kein Schaf. Es gibt viele gute und engagierte Lehrkräfte, die eben die Dinge tun, die sie richtig und wichtig finden, die ihre Arbeit mit viel Freude machen, die anderen das Rattenrennen überlassen, die den Jüngeren ihre naive Begeisterung gönnen und soweit verantwortbar einfach die Klappe halten, die manches ausgleichen ohne was zu sagen, was andere verbockt haben usw. Diese Kollegen sind das Salz der Erde und halten den Laden zusammen. Lob oder besondere Wertschätzung sind nicht das Motiv. Trotzdem ist die Leitung gut beraten zu wissen, was sie an diesen Kollegen hat.

    Interessant. Da die meisten Lehrer ihren Jahresurlaub realistisch betrachtet nur in den Sommerferien nehmen können, kann die Pflicht, Rehamaßnahmen in den Sommerferien durchzuführen, für angestellte Lehrer schonmmal nicht rechtens sein, unbezahlter Sonderurlaub für eine medizinisch notwendige Rehamaßnahme schon gar nicht (§ 9 Entgeltfortzahlungsgesetz). Für verbeamtete Lehrer vermutlich auch nicht.

    Laut § 10 Bundesurlaubsgesetz dürfen Maßnahmen der medizinischen Vorsorge und Rehabilitation nicht auf den Urlaub angerechnet werden. Der Urlaubsanspruch bleibt bestehen, und der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Arbeitnehmer für die Zeit der Reha freizustellen. Eine Anrechnung auf den Erholungsurlaub wäre unzulässig. Nach der Reha steht es Arbeitnehmern sogar zu, direkt anschließend regulären Erholungsurlaub zu nehmen, um die Genesung zu unterstützen. Der Arbeitgeber darf dies nur ablehnen, falls dringende betriebliche Gründe dagegensprechen.

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