Beiträge von tibo

    Sofern die CDU nicht nochmal so ins Fettnäpfchen tritt wie Laschet damals, wird sich da natürlich nicht viel an den Ergebnissen ändern. Am Ende ist die Position der CDU und das Wahlergebnis ein Symptom unserer gesellschaftlichen Kultur, die meiner Meinung nach vollkommen abgedriftet und rückläufig ist. Entsprechend ist es für mich auch kein Argument, auf die Meinungsforschungsergebnisse zu verweisen - die Zustimmung zu dem vorgelegten Gesetz lag aber entgegen mancher Aussage meinen Informationen nach nicht bei über 50 Prozent. Meine Hoffnung ist, dass man die gesellschaftliche Kultur wieder mehr in eine demokratische, soziale und nachhaltige Kultur entwickelt. Und da wirken die Demos, die Parteiaustritte, die öffentliche Ablehnung dieser rechten Tendenzen schon - so wie sich die gesellschaftliche Debatte ungezügelt in Richtung Rechtspopulismus entwickelt hat, kann sie auch wieder gezügelt in die andere Richtung entwickelt werden. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte in einer ideellen Auslegung sollten meiner Meinung der Maßstab der Politik sein.

    Gestern habe ich noch ein Zitat von Thomas Mann an unserer örtlichen Buchhandlung gesehen, das mich sehr angesprochen hat in dieser Zeit. Sinngemäß: Freiheit ist nicht nur Spaß und Vergnügen, ein anderes Wort für Freiheit ist Verantwortlichkeit.

    Wir haben Verantwortlichkeiten. Als demokratische und vernünftige Menschen, als Menschen auf dieser Welt mit diesem einen Planeten, als wohlhabender Staat. Es wird Zeit, dass wir dieser Verantwortlichkeit gerecht werden, statt durch Egoismus, Verdrängung und Leugnung noch schnell ein fürstliches Leben zu leben. Die Moral aus der Politik herauszuhalten, ist genau der Fehler, der dazu führte, dass ein Großteil der Bevölkerung meint, politische Positionen seien beliebig und es wäre gleichgültig, ob Politik egoistische oder soziale Zwecke verfolgt.

    Moebius , die AfD hatte schon lange vor diesem Tag die Diskurshoheit und dass die Union und deren Anhänger*innen dachten, sie hätten diese, ist fast schlimmer als die Positionen, die sie vertreten. Die Union hat anscheinend nicht das Wissen und die Selbstreflexion über aktuelle politische Entwicklungen: Merz und die Union täuschen sich, wenn sie denken, dass sie die Diskurshoheit hätten. Merz und die Union täuschen sich, wenn sie denken, dass man die Stimmen der AfD-Wähler*innen zurückgewinnen könne. Ganz abgesehen von den Positionen und den Methoden der Union und selbst wenn man ihr zugesteht, dass sie wirklich die AfD und rechtspopulistische und -extreme Positionen bekämpfen wollen, sind sie dann nicht verlässlich, wenn ihr Handeln auf falschen Annahmen beruht. Und das Scheitern der konservativen Parteien ist es, das die AfD stark und gefährlich macht, nicht dass linke Parteien sich für linke Positionen einsetzen.

    Morse'

    Ich muss mich einmal mehr präziser ausdrücken: Ich meinte natürlich, dass ein angemessener Teil der Gewinne zurück in die Allgemeinheit fließt.

    Ich fände es durchaus kritikwürdig, wenn SPD oder Grüne mit Stimmen der AfD Politik machen würden (zu differenzieren sind natürlich taktische Winkelzüge der AfD bei zur Destabilisierung der Demokratie). Ich finde es auch mehr als kritikwürdig, dass die beiden linken Parteien diesen Rechtsruck in Deutschland mitmachen und Positionen deshalb ändern.

    Es macht aber trotzdem einen Unterschied, ob es die SPD oder die Grünen machen oder die Union, denn nur bei letzterer muss man sich ernsthafte Sorgen machen, dass sie die Brandmauer nach rechts fallen lassen. Die Union zündelt ja selbst schon ziemlich viel.

    Demokratie und Menschenrechte sind zwei Seiten der gleichen Medaille:

    Die Ausübung politischer Herrschaft wird zunächst durch das Rechtsstaatsprinzip beschränkt, indem die Grund- und Menschenrechte sowie die politische Organisation und die Verteilung der politischen Zuständigkeiten in (i. d. R. schriftlich niedergelegten) Verfassungen garantiert werden. Diese Rechte und Regelungen sind darüber hinaus einklagbar und gelten insb. gegenüber den staatlichen Gewalten (Rechtsstaatsprinzip).


    Die UN-Menschenrechtskonvention ist von einem Großteil der Staaten der Welt ratifiziert. Sie sind integraler Bestandteil unserer Verfassung, die als eine der modernsten Verfassungen gilt:

    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

    (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

    (3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

    Im Übrigen glaube ich nicht, dass es mit unseren Werten vereinbar ist, Trump, Musk oder die AfD mit allen Mitteln zu bekämpfen.

    Ich spezifiziere: Mit allen unserer Verfassung gebotenen Mitteln zu bekämpfen.

    Man darf gerne konstruktive Vorschläge für ein Steuersystem machen, das einer Entwicklung zur ungleichen Vermögensverteilung entgegenwirkt, leider sind diese Vorschläge in den meisten Fällen auch nicht besser durchdacht, als als per Einwurf auf "die Reichen" zu verweisen.

    (...)

    Niemand von denen hat sein Geld einfach auf der Bank liegen und die Liste entspricht gleichzeitig praktisch auch der Liste der wichtigsten Arbeitgeber in Deutschland außerhalb des öffentlichen Sektors.

    Ja, es ist richtig, dass es nicht nur um das private Vermögen geht. Eine Vermögenssteuer ist notwendig, aber nicht ausreichend. Die Top-Ökonomin und Professorin für VWL, Isabella Weber, die große Teile der neoliberalen Wirtschaftswissenschaft widerlegt hat, hat da sehr konkrete Vorschläge:

    Auch die Gewinne der Unternehmen müssen zurück in die Allgemeinheit fließen. Aktuell gibt es keinen trickle-down-Effekt. Die Gewinne der Unternehmen steigen, die Gewinne fließen in private Taschen, die Inflation geht auf Kosten der ärmsten Menschen, die fast ihr ganzes Einkommen für immer teurer werdende Grundgüter ausgeben müssen und gar nicht die Möglichkeit haben, Geld in ausreichender Menge im Aktienmarkt zu investieren, um von den Wirtschaftsgewinnen zu profitieren.

    Man muss dafür sorgen, dass die Gewinne verteilt werden. Die Arbeitnehmer*innen müssen dafür gestärkt werden. Das Streikrecht ist extrem wichtig, um die Inflation bei den Löhnen auszugleichen. Die Macht der Arbeitnehmer*innen muss auch durch ein stabiles Sozialversicherungssystem gestärkt werden. Die Gewinne dürfen nicht nur in private Taschen der Arbeitgeber*innen fließen, sondern auch in die der Arbeitnehmer*innen. Trickle-down gibt es nur mit staatlichen Eingriffen, sonst gibt keiner der Reichen freiwillig Geld ab. Eine Übergewinnsteuer ist da ein effektives Mittel. Die Macht der Unternehmen muss eingeschränkt werden durch ein Kartellrecht, das verhindert, dass zu viel Geld und Macht in einem Unternehmen vereint wird, das dann die Preise bestimmen kann. In Krisen muss der Staat Preise bestimmen: Preiskontrollen und -obergrenzen. Rationale Preise insbesondere für Grundgüter des Lebens.

    https://jacobin.de/artikel/isabel…tschaftspolitik


    Und dann bin ich auch wieder bei meiner generellen Kritik: Geld und Macht verklumpen gerade in einem demokratiegefährendem Maße. Superreiche wie Musk und sein soziales Netzwerk X müssen demokratische Grenzen gesetzt werden, indem ihre Macht begrenzt wird. Ähnlich wie beim Gewaltmonopol muss es ein Machtmonopol geben: Keiner darf mächtiger werden als die Demokratie selbst.

    Es simplifizierend und falsch zu denken, die rechtspopulistischen Parteien könnte man schwächen, indem man 'die Sorgen der Bürger ernst nimmt' und die 'Themen der genannten Parteien aufgreift'. Erstmal vernachlässigt man damit den komplexeren Zusammenhang von Meinungen in der Gesellschaft, Parteien als Repräsentation dieser und dann aber auch die Funktion von Parteien bei der Meinungsbildung (Informations-, Mobilisierungs- und Zielfindungsfunktion). Insbesondere Konservative haben hier eine besondere Verpflichtung und die Republikaner in ihrer haben in dieser Hinsicht darin versagt, Trumps offen menschenfeindliche und anti-demokratische Positionen direkt in der Partei zu moderieren und zu verhindern. Die Demokratie steht und fällt mit der Brandmauer der Konservativen. Des Weiteren gibt es politikwissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass es nicht gelingt, Wähler*innen von rechtspopulistischen Parteien zurückzugewinnen, indem man die Themen der rechtspopulistischen Parteien kopiert. Und Moebius du solltest mal darüber nachdenken, warum du von verschiedenen Menschen falsch verstanden wirst - vielleicht liegt es daran, dass du deine politischen Ziele zu verkaufen versuchst, indem du sie als Lösung gegen rechtspopulistische Kräfte darstellst, obwohl deine Lösung einfach nur bedeutet, zu machen, was Rechtspopulist*innen wollen und sie gleichzeitig - nochmal: nachgewiesenermaßen - nicht zu schwächen.

    Kommen wir dann zu den Medien: Ich denke, die These ist durchaus haltbar, dass wir oligarche Strukturen in den USA sehen, welche die Meinung in der Bevölkerung besonders beeinflusst. Am offensichtlichen wurde dies durch den Kauf von Twitter und der systematischen Umstrukturierung zu einem rechtsextremeren und libertären social network. Es wurden Accounts von offenen Neo-Nazis freigeschaltet und der Algorithmus zugunsten rechter Sichtweisen geändert. Musk hat mit X seine Diskursmacht ausgenutzt. (Wir sehen in Deutschland gleichzeitig, wie wirtschaftslibertäre Forderungen im Gleichschritt mit menschenfeindlichen Positionen Sichtbarkeit gewinnen. Es gab Angriffe auf die Rechte der Gewerkschaften, bezahlte Krankheitstage wurden in Frage gestellt, der Sozialstaat wird mit den Forderungen der Union zum Zwecke der Schwädchung der Position armer Menschen gegnüber den Arbeitgeber*innen erodieren und die Steuerpolitik der Union bevorteilt nicht nur reiche Menschen in einem meiner Meinung nach verabscheuenswerten Maße, sondern Analysen zeigen auch, dass diese wirtschaftlich gar nicht tragbar wären, weil die Gewinne durch Steuerentlastungen die Steuerentlastung selbst gar nicht ausgleichen können. Rechts und reich haben aktuell zusammengefunden und genießen gegenseitige Vorteile)

    Die Argumentation der vermeintlichen Doppelmoral ('Demokraten sind auch bei X', 'Parteien zu verbieten ist doch auch nicht demokratisch', 'die Medien sind doch sonst auch links' o.ä.) ist dann hinfällig, wenn man bereit ist anzuerkennen, dass Trump, Musk oder die AfD Feinde der Demokratie und der Menschenrechte sind. Natürlich darf sich die Demokratie als gebotene Regierungsform Praktiken bedienen, welche diese erhalten und Praktiken verbieten und unterdrücken, welche der Demokratie entgegenwirken. Das nennt man wehrhafte Demokratie.

    Und wie immer gilt: Demokratisch gewählte Menschen oder Parteien machen diese nicht zu demokratischen Menschen oder Parteien. Und vergessen wir auch nicht: Wenn Konservative das Asylrecht, Rechte für trans Menschen sowie behinderte Menschen oder eine nachhaltige Klimapolitik, kurz die Menschenrechte selbst, als links oder woke bezeichnen, haben sie die Schwelle der Demokratie mindestens mit einem Fuß verlassen. Demokratie gibt es nicht ohne Menschenrechte - da haben die USA durch die nicht-Ratifizierung der Kinderrechte schon vor Trump ein Problem als moderne Demokratie gehabt. (Vom mangelhaften System im Vergleich zu modernen Verfassungen wie in Deutschland ganz abgesehen.)

    Kurz: Wenn man sich eingesteht, dass Trump, Musk oder auch die AfD Feinde der Demokratie und der Menschenrechte sind, gilt es diese mit allen Mitteln zu bekämpfen. Stattdessen wird dies relativiert, weil Konservative sich erhoffen, eigene Ziele damit durchsetzen und Macht erhalten zu können. Konservative Parteien, die demokratie- und menschenfeindliche Agenden in konservatives Gewand kleiden, werden nicht nur selbst demokratie- und menschenfeindlich, sondern verhindern auch nachgewiesenermaßen nicht den Aufstieg dieser Parteien.

    Der Rechtsruck in Deutschland nimmt verheerende Maße an. Es geht nun immer mehr gegen die Schwächsten in der Gesellschaft. Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen, die offen homosexuell leben oder trans sind, werden auf der Straße angegriffen. Geflüchtete Menschen werden schikaniert durch erwiesenermaßen wirkungslose und nur symbolpolitische Bezahlkarten. Auch das demokratische Leben wird angegriffen, indem Lokalpolitiker*innen angegriffen werden. Die rechtsextremen Gewalttaten steigen. Gleichzeitig werden die Rechte der Gewerkschaften angezweifelt, der Druck auf Arbeitslose wird erhöht und so ihre Position auf dem Arbeitsmarkt gegenüber dem Arbeitgeber geschwächt und Karenztage bei Krankheit werden in Frage gestellt. Rechts und Reich gehen Hand in Hand.

    Gestern gab es in Köln eine Demo mit über 40.000 Menschen, die dagegen auf die Straße gingen. Ganz deutlich wurde auch die Sorge vor einer von Merz geführten Union, die keine zuverlässige Brandmauer gegen die AfD ist. Geschichts- und Politikwissenschaftler*innen wissen, dass es die Konservativen sind, welche die wichtigste Brandmauer gegen rechts sind. Fallen die Konservativen, wie es in Österreicht passiert ist, oder versagen sie in ihrer inneren Moderationsfähigkeit, wie es der Republikanischen Partei passiert ist, die Trump nicht verhindern konnten, fällt die Demokratie. Ich möchte es auch nicht verschweigen, dass ich auch von der SPD und den Grünen, also den linken Parteien, enttäuscht bin, denn auch diese stimmten in den ausländerfeindlichen Tenor mitunter ein. Welche Partei tritt aktuell dagegen ein und repräsentiert jene, die das nicht wollen?*

    Es wird Zeit: Demokrat*innen müssen sich klar positionieren für Menschenrechte und gegen rechtspopulistische Kräfte und für eine klare nachhaltige und soziale Zukunftsvision.

    Ich wünsche mir eine Politik, die eine klare Zukunftsvision hat, in der es offene Grenzen gibt und Europa gestärkt wird. Das Asylrecht gehört überarbeitet und zwar nicht restiktiver, sondern mit realistischen Möglichkeiten, in Deutschland Asyl zu bekommen, ohne an den EU-Außengrenzen abgewiesen zu werden. "Witzig", sich ohne richtige Außengrenze hinzustellen und zu sagen, wir nehmen keine Menschen aus Drittländern auf. Eine Zukunftsvision, in der die Teilhabe für alle Menschen in der Gesellschaft stark ist, in der wir nachhaltige Energien nutzen und unabhängig von autokratischen Regierungen sind, ebenso dass wir als Europa unabhängig sind von den USA sind. Eine Zukunft in der sozialer Zusammenhalt und Solidarität gelebte Werte sind und nicht der Wohlstand Einzelner, sondern der Wohlstand der Gesellschaft im Mittelpunkt steht. Da ist Bildung ein großes Puzzlestück. Schulen müssen zu demokratischen Vorzeigeinstitutionen werden. Infrastruktur für alle wie auch der ÖPNV oder Bibliotheken müssen wichtiger sein und höher geschätzt werden als private Vermögen der Superreichen. Dazu gehört die Erkenntis, dass der Kapitalismus besser reguliert werden muss. Soziale Medien brauchen demokratische Leitplanken und dürfen sich nicht bei Superreichen konzentrieren. Es kann nicht sein, dass Meta Diversitäts- und Inklusionsthemen unterdrücken und X Demokratiefeinde pushen kann. Vernunft und Moral wurden in den letzten Jahrzehnten mit Füßen getreten, dabei sind das die wahren Werte der Aufklärung. Ich möchte, dass die die demokratische Gesellschaft sich weiterentwickelt und Lösungen findet für verantwortungsbewusste Entscheidungen, auch wenn diese unangenehm sind - wir müssen einsehen, dass wir so nicht weitermachen können und es Veränderung bedarf, die nicht ungezügelte individuelle Freiheit bedeutet. Das bedarf institutioneller Anpassungen wie zum Beispiel Bürger*innenräten, aber eben auch die Haltungen in der Gesellschaft. Demokratie sind nicht die Politiker*innen und Parteien, sondern Demokratie ist die Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Die Demokratie ist ein Weg und kein Ziel, aber ganz sicher sind wir noch nicht am Ende dieses Weges angelangt und die Demokratie hat noch viele Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Neben der Frage des Umgangs mit dem Klimawandel hat man es so zum Beispiel in unserer Demokratie bis jetzt verpasst, die körperlichen Selbstbestimmungsrechte der Frauen zu stärken und Abtreibungen zu einem unanfechtbaren Recht zu erheben. Ich vermisse diese Themen im aktuellen Wahlkampf sehr und bin nicht nur überzeugt, sondern kann es durch wissenschaftliche Untersuchungen nachweisen, dass dies effektiver ist, als die Themen der Rechtspopulist*innen zu kopieren.


    *P.S.

    Und wenn ich sehe, dass in Deutschland gestern wohl 100.000 Menschen auf die Straße gegangen sind - bei Pegida waren es damals, zugeggeben regelmäßiger, 10.000, einmal 20.000 Menschen - und es auf keiner Homepage der großen deutschen Medien das Thema des Tages ist, sondern dort überall von Trump, Merz oder der Aufarbeitung der Pandemie berichtet wird, werde ich wütend und wundere mich nicht, dass diese ganze rechte Scheiße die Diskursoberhand behält.

    Per Sdui habe ich in den Neuigkeiten eine Umfrage gemacht, in welche die Eltern sich für Zeitslots eintragen konnten. Leider kann man die Antwortzahl nicht begrenzen, deswegen habe ich die Umfrage so eingestellt, dass die Eltern sehen konnten, wie viele sich für einen Slot eingetragen haben und sie darauf hingewiesen, dass die Anzahl pro Zeitslots natürlich faktisch begrenzt ist und sie darauf achten mögen, dass sich überall höchstens vier eintragen. Das klappt und entspricht dem Abfrageverfahren in analoger Form.

    Eigentlich wäre es digital aber natürlich möglich und einfacher, genaue Termine direkt mit der Wahl zu vergeben.

    Ich habe das eine lange Zeit mit Nuudel, einer kostenlosen und datenschutzkonformen Alternative zu Doodle, gemacht. Ist aber eher ein Workaround und kann natürlich nicht komplett mit dem Umfang des teuren Original mithalten. Es hat aber funktioniert.

    Nun haben wir als Schule Sdui und dort muss man leider auch etwas tricksen. Ich habe es dort mit dem Umfragetool gelöst, ein explizites Tool zur Terminvergabe wäre aber sehr praktisch.

    Wir gehen dann auch bei Gelegenheit raus. Klar sind manche Kinder nicht immer entsprechend angezogen, aber prinzipiell sind 45 Minuten bei 0 Grad draußen mit den üblichen Bewegungsangeboten auf einem Schulhof und angemessener Kleidung doch nicht unmenschlich.

    Bezüglich des Kindes ohne angemessene Kleidung würde ich natürlich eine individuelle Lösung für das Problem suchen (Teilnahme am Unterricht in anderer Klasse, Kleidung aus den zahlreichen Fundsachen). Den Eltern würde ich, erst Recht wenn sich jemand beschwert, mitteilen, dass angemessene Kleidung in Winter eben notwendig und Verantwortung der Eltern ist.

    Als eine der ersten Forschungsorganisationen Europas stellt die Fraunhofer-Gesellschaft seit Juni zusammen mit Microsoft einen internen KI-Chatbot bereit, der ähnlich wie ChatGPT von OpenAI funktioniert. Die generative Text-KI FhGenie bietet Mitarbeitenden die Möglichkeit, Texte mit nicht-öffentlichen Daten sicher zu bearbeiten, verändern oder erzeugen zu lassen. Eingeführt wird der DSGVO-konforme Dienst im Einklang mit den Handlungsempfehlungen der Taskforce »Chatbot« des Fraunhofer-Verbunds IUK-Technologie für die Fraunhofer-Gesellschaft.

    Ich habe die Umfrage bis zum Ende durchgeführt und kann jetzt nicht erkennen, dass es dort eine falsche Vorstellung von KI gibt. Was du beschreibst ist ja eine Debatte in der Informatik und Gesellschaft, in welcher der Begriff KI sich erstmal für etwas durchgesetzt hat, was in der Umfrage eben behandelt wird. Gleichwohl stimmt es natürlich, dass der Name irreführend oder ungenau sein kann und andere Begriffe in der Informatik bevorzugt werden (maschinelles Lernen als Differenzierung z.B.). Jetzt aber so zu tun, als würde dieser Begriff ein Fehler der Umfrage sein und etwas Falsches suggerieren, halte ich für realitätsfern, wenn man betrachtet, dass der Begriff KI auch von einschlägigen Gesellschaften und Firmen (Fraunhofer, SAP, Google) genutzt wird. Insbesondere weil es ja auch genau darum geht, wie Lehrkräfte die Potenziale von KI einschätzen.

    Schulen mit vergleichsweise hohen Quoten ersatzlosen Entfalls und wenig Maßnahmen mit veränderten Lerngruppen erscheinen mir dagegen spontan erstmal deutlich gesünder geführt.

    Interessant, ich hätte eine hohe Quote ersatzlosen Ausfalls eher so interpretiert, dass die Schule personell auf Kante genäht ist und viele Kolleg*innen aufgrund von Überlastung ausfallen.

    Auf der Skala von 0 "Wir haben genug Zeit, solch eine nutzlose Statistik zu führen" bis zu 10 "Wir sind aufgrund der Mängel im System und der mangelhaften Unterstützung so überlastet, dass wir krank werden" stehen wir irgendwo bei 8,5 würde ich sagen.

    Ja, das hätte ich vielleicht noch klar schreiben müssen, dass ich da jetzt nicht an den Fall dachte, in dem ein Kind eine Lehrerin mit einem Stuhl abwirft (im Ausgangspost wurden ja verschiedene Fälle angedeutet), sondern es eher allgemein formuliert war für die Arbeit am Brennpunkt. Aber ich habe ja auch gefragt, welche Unterstützung es vor Ort gibt (Schulsozialarbeiterin) oder ob es Konzepte wie den Trainingsraum gibt. Die Verstärkerpläne scheinen ja auch ein Mittel an der Schule zu sein, das eingesetzt wird, weshalb ich das Beispiel aufgriff, wie man damit konkret ins Handeln kommen kann (und in dem Rahmen zum Thema Beziehungsarbeit schrieb ich eben auch davon, ein Kind dann zu fragen, wie man ihm helfen könne). Und dass dies ja durchaus eine pädagogische Maßnahme ist und nicht Nichts gemacht wird - auch wenn das natürlich für den Fall des Stühlewerfens nicht ausreichend ist (da wird es aber auch eine Vorgeschichte geben und einen Punkt, an dem man hätte etwas machen können). Deshalb erwähnte ich aber auch, dass man über den Lehrer*innenrat oder eine Überlastungsanzeige dann Druck auf die Schulleitung ausüben kann.

    Die Situation erfordert mehr als classroom management. Ohne classroom management klappt es aber auch nicht. Die Situation erfordert mehr als Feedback und Reflexion als pädagische Maßnahme. Ohne solche pädagogischen Maßnahmen geht es aber auch nicht. Die Situation erfordert mehr als Beziehungsarbeit. Ohne Beziehungsarbeit klappt es aber auch nicht. Die Situation erfordert mehr als Ordnungsmaßnahmen. Ohne Ordnungsmaßnahmen klappt es aber auch nicht. Und gerade weil der*die TE Berufsanfänger*in ist (mit einem Studium in Pädagogik aber auch pädagogische Interventionen kennen sollte) und sich als überfordert beschreibt, fand ich es wichtig, den pädagogischen Handlungsspielraum wieder zu erweitern und Maßnahmen an die Hand zu geben, die man umsetzen kann, wenn, wie zu erwarten, die Unterstützung von außen nicht sofort am nächsten Schultag bereit steht.

    Was wünschst du dir denn, was passiert? Ich lese aus deinem Beitrag heraus, dass du dir Konsequenzen wünschst. Korrigier mich, wenn ich falsch liege. Das kann ich auch verstehen, es muss Konsequenzen geben. Ich persönlich finde nur, dass Ordnungsmaßnahmen oft wenig hilfreich sind. Die Ursachen des Verhaltens liegen oft in der Familie begründet, gibt es dann einen temporären Ausschluss, verbringen die Kinder noch mehr Zeit dort. Dadurch werden das Verhalten oder die dahinterliegenden Probleme vermutlich eher nicht besser. Die temporäre Überweisung in eine andere Klasse kann da schon eher hilfreich sein, zumindest der Ausschluss aus der Stunde wäre nötig.

    Habt ihr etwas ähnliches wie einen Trainingsraum an eurer Schule? Habt ihr Ressourcen, um die Kinder aus der Stunde zu entfernen, damit sie das Verhalten reflektieren können? Vielleicht kann eine der beiden Schulsozialarbeiterinnen es einrichten, einzelne Kinder zu übernehmen, wenn es nicht läuft? Wenn die Kinder sich dann weigern, muss die Schulleitung natürlich für dich bereit stehen und das durchsetzen, das kannst und musst du einfordern. Hast du das Gefühl, die Schulleitung lässt dich im Stich, kannst du über den Lehrer*innenrat oder eine Überlastungsanzeige den Druck auf diese erhöhen, tätig zu werden.

    "Da muss doch auch mal was passieren", höre ich in solche Fällen immer mal wieder. Ich fühle manchmal auch den Wunsch, nach einer besonders drastischen Strafe wie eben einer Ordnungsmaßnahme, merke aber auch, dass schon kleinere Konsequenzen von den Kindern als nervig oder Strafe wahrgenommen werden. Man kann sich also auch abseits der Konsequenzen durch Schulleitung in Form von Ordnugnsmaßnahmen Handlungsräume bei den Konsequenzen schaffen, bei denen man die Verantwortung nicht an die Familie überträgt, wo es eigentlich kaum Aussicht auf Verbesserung des Verhaltens gibt. Das Beispiel der Reflexion mit der Schulsozialarbeiterin nannte ich oben schon. In Pausen habe ich gemeinsam mit den Kindern schon Pausenbereiche aufgeteilt, wenn es zwischen Kindern immer wieder Streit gibt und das dann auch damit begründet, dass ich ja nur möchte, dass alle eine schöne Pause haben. Im Unterricht setze ich Kinder an andere Plätze um. Sei dir auch bewusst, dass die Kinder im Unterricht immer eine Bühne und mit den anderen Kindern Zuschauer*innen haben, die sie bedienen. Da hilft dann manchmal schon der Satz "Das geht so nicht, da werden wir nach dem Unterricht drüber sprechen müssen und das hat eine Konsequenz".

    Du nanntest Stempelkarten als Maßnahme an der Schule und ich vermute damit sind Verstärkerpläne gemeint, was ja auch eine sinnvolle Maßnahme sein kann. Wenn du die Zeit hast, nutze das Stempeln als kurze gemeinsame Zeit mit den einzelnen herausfordernden Kindern zum Beziehungsaufbau ("Ich habe gemerkt, dass du heute nicht richtig am Unterricht teilnehmen konntest. Wie kann ich dir helfen?"), auch mal als nervige Konsequenz ("Da müssen wir heute ein bisschen länger über die Stunde sprechen, während die anderen schon raus gehen"), alternative Handlungsweisen aufzuzeigen ("Du wolltest nach der Pause ein Kind schlagen, dass dich geschlagen hat. Das ist nicht richtig, das Verhalten möchten wir hier nicht. Der Streit wird dann außerdem immer schlimmer und immer weiter gehen, bis jemand blutet. Du kannst stattdessen zu mir kommen und wir Lösen den Streit gemeinsam mit dem anderen Kind ohne dass sich jemand weh tut und so, dass ihr euch danach vielleicht beide besser fühlt"). Das sind alles Maßnahmen, die anscheinend nicht gesehen werden, wenn man sagt "Da muss doch auch mal was passieren".

    Ich habe aktuell eine dritte Klasse und versuche vieles davon von Anfang an umzusetzen und bei manchen Kindern kommt diese Arbeit jetzt erst langsam an. Sie merken, dass ich ihnen wirklich helfen will; sie wissen, dass es bei Regelverletzungen eine faire Konsequenz gibt; sie bemühen sich, die alternativen Handlungsmöglichkeiten anzuwenden. Und trotzdem haben wir fast täglich Konflikte und Regelverletzungen, weil man das gelernte Verhalten der ersten sechs Lebensjahre eben nicht in zwei Jahren ändern kann.

    Apropos Verhalten ändern: Ich fand bei Menno Baumann ein Beispiel sehr erinnerungswürdig und zwar die Frage, wie man eigentlich Verhalten und soziale Normen lernt. Sein Beispiel war der Abstand, den man zu anderen Leute hält. Da gibt es nichtmal eine einheitliche soziale Norm, sondern das variiert von Person zu Person und je nach enge der Beziehung. Wie lernen Kinder das also? Sicher würde man Kinder nicht bestrafen, wenn sie zu nah zu einem stehen oder einen dabei anfassen, wenn man mit ihnen spricht. Man gibt den Kindern Rückmeldungen, die eigentlich relativ subtil sind, indem man dann selbst einen Schritt zurück geht. Und das nicht nur einmal, sondern ziemlich oft und irgendwann sagt man vielleicht auch mal, dass man nicht so nah stehen oder gar berührt werden möchte und gibt so eine verbale Rückmeldung. So lernen die Kinder das Verhalten bestenfalls schon relativ okay, bis sie in die Schule kommen. Sechs Jahre Rückmeldungen für ein relativ okayes Verhalten, bei dem man als Erwachsener vielleicht denkt, dass das doch einfach und logisch wäre. So ist es auch mit anderen Verhaltensweisen und in der Schule stehen wir dann eben noch zusätzlich vor der Herausforderung, dass das, was ein Kind implizit an Verhalten die ersten sechs Jahre gelernt hat, vielleicht sogar konträr zu dem ist, was wir ihm an Verhalten beibringen wollen. Bestes Beispiel da für mich immer die Eltern, die ihrem Kind sagen, dass es sich auch wehren soll, wenn es geärgert wird.

    Das ist mir schon bewusst. Vor Gericht würde das auf jeden Fall landen, aber ich schrieb ja, dass es genug Argumente gäbe. Man muss die gegebenem Räume eben ausnutzen - z.B. kann durchaus argumentiert werden, die AfD-Vertreter*innen aus Live-Talkshows rauszuhalten, weil sie potenziell strafrechtlich relevante Sachen sagen könnten und man könnte sich auch darauf berufen, dass die AfD in anderen Formaten wie der Tagesschau auf eine andere Art repräsentiert wird - und damit zeigen, dass die AfD keine normale und keine demokratische Partei ist. Den Menschen muss deutlich gemacht werden, dass demokratiefeindliche Positionen in der Gesellschaft nicht akzeptiert werden.

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