Schön, schön, internationale Studien,
die darf es dann auch gerne mal zu den Bedingungen des inklusiven Unterrichts geben.
Man müsste jetzt jede Studie einzeln nachlesen und gucken, wie die Daten erhoben wurden, wie die Bedingungen des Unterrichts in den Schulen sind und insgesamt im System.
Ähnlich einem Sozialindex für die Schülerschaft bräuchte es zusätzlich einen Personalindex, wie die Versorgung mit Lehrkräften ist - oder zumindest die Versorgung der Schule.
Genau das wurde doch in einer der Studien gemacht. Die Ressourcen waren vergleichbar, trotzdem gab es Unterschiede bei den Ergebnisse. Da wurden u.a. die Haltung als Unterschied zu den Schulen herausgearbeitet, an denen Inklusion besser funktioniert:
ZitatIm Rahmen der qualitativen Teilstudie zeigt sich, dass sich die Schulen mit durchschnittlich hohen bzw. niedrigen Leistungs- und Wohlbefindenswerten – wobei alle über eine vergleichbare Ressourcenausstattung verfügten – in einigen Punkten systematisch voneinander unterscheiden. In allen drei Schulmodellen zeichnen sich die Schulen mit hohen Leistungs- und Wohlbefindenswerten durch folgende Merkmale aus:
- ein hohes Maß an etablierten Kooperationsstrukturen und gemeinsam entwickelten Konzepten zur adaptiven Unterrichtung und Förderung von Kindern mit heterogenen Eingangsvoraussetzungen
- geteilte inklusive Werte der Lehrkräfte
- gemeinsame didaktisch-methodische Prinzipien bezüglich Individualisierung und Herstellung von Gemeinsamkeit
- grundsätzliche Akzeptanz von Heterogenität als Normalität verbunden mit einer adaptiven Leistungsorientierung; Verfolgung unterrichtsintegrierter und flankierender Maßnahmen, die an den jeweiligen Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler angepasst sind
Dazu kommt, dass in einigen BL die Wahl der FöS besteht und dann ggf. die fitteren Kinder an der Regelschule landen und die schwächeren in der FöS … oder umgekehrt oder entsprechend Sozialindex.
Um darstellen zu können, ob Kinder in der Inklusion besser beschult sind, müsste man das persönliche Profil in jungen Jahren erstellen, eine Prognose geben und später schauen, ob diese erreicht wurde - oder warum nicht.
Ich habe hier ja schon für ausgewählte Studien herausgestellt, dass z.B. die Unterschiedlichkeit der Lernvoraussetzungen der Kinder und ein Selektionseffekt bei den Schulformen durchaus dort berücksichtigt wurde. Außerdem finde ich, dass man von Wissenschaftler*innen erwarten kann, dass die Ergebnisse eingeordnet werden. Ich gehe insbesondere bei profilierten Wissenschaftler*innen erstmal davon aus, dass ihre Ergebnisse den Qualitätsmerkmalen Validität, Reliabilität und Objektivität entsprechen. Meine Darstellung kann vielleicht diese Einordnung nicht richtig wiedergeben, denn ich habe natürlich auch nicht die Zeit, ganze Studien zu lesen. Gerne lasse ich mich dann aber wie bei der Studie zu den Gelingensbedingungen an den Jakob-Muth-Preisträgerschulen mit einer Einordnung eines besseren belehren. Dann erwarte ich aber auch mehr als wischiwaschi-Aussagen, dass Studien ja gar nicht die Realität abbilden würden oder die eigenen Erfahrungen einfach anders seien.
Der Eindruck, man würde nur das halbleere Glas sehen, mag stimmen. Meiner Meinung nach zeugt aber gerade der von Haltung: Es ist die Haltung, dass man für alle SuS an allen Schulen gute Bildung verlangt und entsprechende Ressourcen erwartet.
Stattdessen sehen viele im Alltag, was fehlt, und sprechen es deutlich an, weil es täglich alle an der Schule beeinträchtigt.Denn dann bedeutet das halbe Glas eben auch, dass nur halbe Ressourcen gegeben sind, man dieses aber als „voll eingeschenkt“ vertreten oder verkaufen oder gut darstellen soll.
Ja, ich habe nie etwas anderes behauptet. Der Frust ist absolut verständlich und die Forderung nach mehr Ressourcen richtig und wichtig. Worum es mir ging, ist, dass Frust zu negativer Einstellung zu Handlungsunfähigkeit führen kann. Professionalität bedeutet dann, das Beste aus den Ressourcen zu machen. Dazu muss man negative Erfahrungen reflektieren. Wenn ich nicht daran glaube, dass Inklusion für einen großen Teil der Kinder funktionieren kann, obwohl es Studien gibt, die bezüglich Lernerfolg und Zufriedenheit durchaus dahingehend Hinweise geben, dann kann das zu einer self fulfiling prophecy werden.
Inklusion funktioniert an Schulen des Gemeinsamen Lernens für viele Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Sicher nicht für alle gleich und ganz sicher nicht perfekt, aber es reicht ja schon, mindestens so gute Leistungen wie an der Förderschule zu erzielen. Das können Studien für einen großen Teil der Schüler*innen eben belegen. Hier sind aber einige der Meinung, dass Inklusion gar nicht funktioniere, gescheitert sei oder man es gar nicht probieren sollte. Hier wird von falschen Vorannahmen ausgegangen, nicht nur was die Leistung, sondern zum Beispiel auch was die Notwendigkeit der Inklusion aus Menschenrechtsperspektive angeht. Das habe ich aufgezeigt und nie geleugnet, dass die Bedingungen schlecht und die Belastung hoch ist.
Der Frust kommt also auf, weil die Getränkelieferung für die große Hochzeit leider nur für eine kleine Familienfeier reicht. Man versucht es zu retten, wird hinterher sagen, dass es trotzdem ein sehr schönes Fest war, aber mit dem Getränke-Lieferer bleibt man unzufrieden.
Wir als Lehrkräfte sind an irgendeiner Stelle Teil dieser Lieferkette und dieser verpflichtet. Unsere Aufgabe ist es also, die Lieferung weiter so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. Hier wollen manche aber, dass die Lieferkette dann einfach so lange unterbrochen wird, bis die Bedingungen erstklassig sind. Vielleicht aus dem Grund, dass man meint, diese Feier sei von einem anderen Unternehmen besser zu beliefern. Andere meinen aber auch, dass man sich lieber auf den Großabnehmer, die Mehrheitsgesellschaft, konzentrieren und nur diesen weiter beliefern sollte. Andere finden es nicht in Ordnung, auf die Bedürfnisse eines kleinen Abnehmers Rücksicht zu nehmen und möchten ihr Angebot an Getränken nicht anpassen. Und dabei geht es um ein Menschenrecht einer Minderheit und nicht um einen Wunsch.