Beiträge von tibo

    Ich hatte schon das Gefühl, einige fühlten sich angegriffen oder wie du schriebst waren frustriert, weil sie die Begriffe und Theorien nicht kannten und darauf hin wurde dann die Umfrage und die Uni teilweise diffamiert und die Erstellerin der Umfrage fühlte sich angegriffen. Ich habe die Umfrage mal durchgeklickt - teilnehmen darf ich ja nicht - und kannte sehr sehr viele der Begriffe und Theorien auch nicht, keine Sorge. Aber das frustrierte mich nicht, sondern ich habe dann mal interessiert danach gegoogelt, wie manch andere*r hier auch.

    Ist doch auch vollkommen in Ordnung, was du im zweiten Beitrag beschreibst. Irgendwer schrieb hier mal sinngemäß, dass er oder sie so und so viele (je nach Zeit) richtig geile Einheiten pro Jahr konzipiert, die dann weitestgehend in den folgenden Jahren so übernommen werden und sich der Bestand dieser Einheiten immer weiter vergrößert. Der Rest ist dann erstmal durchschnittlich. Passt doch, da muss sich niemand vor mir, als Studi, rechtfertigen.
    Mich störten einfach diese pauschal abwertenden Aussagen über die Uni und das Studium und die teilweise damit verbundene direkte Ablehnung jeglicher Kritik, sei es auch konstruktive Kritik. ;)

    Tibo, du bist, wenn ich das richtig gelesen habe, gerade aus der Praxisphase heraus, sprich noch nicht durch das Referendariat durch und hast einen Einblick in die Arbeit nach ein paar Jahren. Ich vermute, dass du in ein paar Jahren die Sache anders siehst - nicht, weil du faul geworden bist oder ähnliches, sondern weil du einfach dann im Praxisbetrieb bist und siehst, was machbar ist

    Gerade deswegen kann ich diese Ablehnungshaltung nicht verstehen - weil in der Praxisphase hatte ich das Feedback von Mentorinnen, den Dozent*innen und den Lehrkräften im Vorbereitungsdienst und es war wirklich hilfreich und praxisnah. Hilfreich übrigens auch für die Mentorinnen sprich Lehrerinnen, die dabei waren, die durchaus interessiert an den und offen für die Tipps in der Nachbesprechung waren. Die Schule arbeitet auch nicht umsonst in manchen Bereichen eng mit der Uni zusammen und Kommiliton*innen berichten nicht umsonst stolz davon, wenn manchmal die eigenen Ideen und die Ideen aus der Uni von den Lehrkräften selber übernommen wurden.
    Was machbar ist, habe ich ja nun in Ausschnitten erfahren dürfen. Und so schwer ist es nicht, Aufgaben in leichter Sprache zu formulieren; wirklich kooperative Lernformen umzusetzen; Selbstkontrollbögen einzusetzen, wenn es sich anbietet, statt eine Schlange von Schüler*innen vor dem Pult auf die Korrektur der Lehrkraft wartend stehen zu haben; sich richtige Unterrichtsthemen nach den Kriterien, die man in der Uni lernt, auszudenken; generell den Schüler*innen ein Ziel und einen Ablauf für die Stunde transparent zu machen etc. pp. Auch mal Kollegen oder Kolleginnen in den eigenen Unterricht zu lassen, Schüler*innen nach Feedback fragen, einfach offen für Anregungen sein und nicht alles als Angriff auf die eigene Person zu sehen, sondern als konstruktive Kritik, das werde ich wohl hoffentlich hinkriegen und das bekommen auch ganz, ganz viele Lehrkräfte jetzt schon hin.

    Tut mir leid für alle, die in ihrem Studium nicht so viel mitnehmen konnten - ich kann mir das ja auch durchaus vorstellen, in solchen Seminaren saß ich auch zu genüge - aber der Beitrag von Meerschwein Nele schießt da weit über das Ziel hinaus und tut einigen an der Uni einfach Unrecht, finde ich. Dazu dann die Aussage, die eben in die Richtung geht, an der Schule könne man sowieso alles vergessen, was an der Uni gelehrt wurde. Das halte ich doch für einen ziemlich schwachsinnigen Tipp.

    Hallo zusammen,
    danke an die, die mitgemacht haben.

    Da sich die Antworten zu diesem Thread mehr und mehr gegen die Universität und meine Person richten, erkläre ich das hier für mich jetzt als beendet. Danke dennoch für Ihre Beiträge.

    Gruß,
    Linda


    Nimm es nicht persönlich. Manche Lehrkräfte kommen nicht so gut mit Kritik klar. Dann starten die üblichen Abwehrreflexe und das ist ja nicht nur gegenüber universitären Institutionen zu beobachten. Andere Lehrkräfte im eigenen Unterricht werden in Form von Hospitationen oftmals abgelehnt; alles was von KMK, Schulverwaltung oder -leitung kommt sowieso, da die ja seit x Jahren nicht mehr wirklich / noch nie als Lehrkräfte gearbeitet haben; Empfehlungen von Gewerkschaften oder bei Fortbildungen seien zeitlich nicht umsetzbar und in der Uni haben sie sowieso mal keine Ahnung, da dort nie jemand an der Schule gearbeitet hat (oder sie sind wahlweise auch Fachidioten). Interessanterweise werden die Schulbücher oder Unterrichtsmaterialien, die durchaus auch oftmals von Professor*innen und Dozent*innen konzipiert werden, dann teilweise einfach unkritisch übernommen und genutzt.


    Wenn Sie irgendwann als Lehrkraft an eine Schule kommen, werden Sie vermutlich schon bald den Satz hören: "Nun vergessen Sie mal alles, was Sie an der Universität gehört haben. Sprachwissenschaft mag ja eine nette Gedankenspielerei sein, aber wir machen es hier eben so wie wir es schon immer machen." [...] Natürlich kann man den Fortschritt auch ignorieren und Traditionen pflegen, obwohl man es besser weiß. Diese Situation haben wir in der offiziellen Schulgrammatik. Wer selbst denken und verstehen möchte, wird sich damit nicht zufrieden geben.


    Das Ergebnis ist ein vielfach als solches bezeichnetes träges Schulsystem, das sich sehr erfolgreich gegen Neuerungen und Modernisierungen erwehrt.


    Wenn man nicht sofort in eine Abwehrposition gerät, würde man vielleicht erkennen, dass das Thema Motivation nicht so pseudowissenschaftlich sein kann, es sei denn Psychologie ist eine Pseudowissenschaft. Denn das Konstrukt ist primär ein psychologisches, kein didaktisches. Man würde vielleicht auch erkennen, dass die Umfrage eventuell gar keine Kritik an Lehrkräften sein soll, sondern vielleicht nur das Lehramtsstudium evaluiert.

    Hallo,

    Hast du dieses Wortungetüm selbst gebastelt? Was soll denn da Forschung sein? 20 Leuten 3 Fragen stellen?Sorry, aber irgendwann wird es Vorlesungen und Seminare zum Abreißen von Klopapier geben.
    Dennoch viel Erfolg auf deiner akademischen Laufbahn


    Nicht zum Abreißen, aber zum Aufhängen gibt es solche Studien wohl tatsächlich. Nach einer (sagen wir umstrittenen) Studie gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Aufhängen der Klopapierrollen und der Persönlichkeit in der Form, dass man eher rezissiv ist, wenn man die Klorolle so aufhängt wie auf der linken Seite des Bildes zu sehen und eher dominant ist, wenn man es aufhängt, wie es auf der rechten Seite zu sehen ist :D


    Der Begriff sieht für mich nach einer Abwandlung des Begriffes "Motivationale Orientierung" im Modell des Professionswissens von Lehrkräften nach Baumert / Kunert aus ;)

    Einerseits: Bei uns fährt selbst der Hausmeister einen SUV.
    Andererseits: Das könnte sogar der hochwertigste Wagen auf dem Schulparkplatz sein.

    Ich komme zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Hier ist für mich kein Auto notwendig. Für mich wäre es auch nicht viel mehr als ein Gebrauchsgegenstand, der mich von A nach B bringen soll. Klar, sollte meinem Auge schon gefallen, aber höchstens für einen Elektrowagen würde ich mehr ausgeben als nötig.

    Mal eine Frage an die "Inklusions-Experten": Wie macht unser Nachbar Österreich das Ganze eigentlich?


    Dazu gibt es übrigens ganz aktuell einen Artikel in der Zeitschrift "Gemeinsam lernen". Auf jeden Fall lesenswert und das kann man nicht alles hier zusammenfassen. Hier der Teaser:


    Zitat

    Bereits 1993 wurde in Österreich das Elternwahlrecht gesetzlich verankert. Damit wurden die gesetzlichen Grundlagen zur Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf - als Parallelsystem zum bestehenden Sonderschulsystem - geschaffen. Heute werden im österreichweiten Durchschnitt nurmehr 1,6% aller Pflichtschüler/-innen in Sonderschulklassen beschult, wobei es starke regionale Unterschiede gibt - von 0,6% in der Steiermark bis zu 2,5% in Vorarlberg (Bruneforth u.a. 2016).

    Jetzt ist so viel dazwischen gesagt worden, noch einmal zu tibo: Ich kenne durchaus Projekte in denen Blinden Kunst oder Tauben Musik (vor allem durch Bässe) näher gebracht werden soll. Aber dass das nicht ansatzweise dasselbe sein kann, sollte sich doch allein daraus ergeben, dass auch eine sehende oder hörende Person daran teilhaben kann (entweder mit Zusatzsinn oder mit Einschränkungen desselben). Das hat doch ein bisschen was vom Höhlengleichnis, derjenige kann die Kunst nicht in all ihren Facetten erfahren, so sehr man ihn auch daran heranführen möchte. Warum träumen wohl nicht-blind geborene Personen trotzdem in Bildern (denen kann man sicherlich auch Kunst entsprechend näher bringen), während das blind-geborenen Personen einfach nicht passiert? Ihnen fehlt überhaupt die Möglichkeit sich so etwas auszumalen.

    Und Prof. Riedel ist ein hoch anerkannter Völkerrechtler, aber das Gutachten dass du zitierst ist ein Auftragsgutachten der Landesarbeitsgemeinschaft „Gemeinsam Leben" NRW, dabei handelt es sich um einen Interessenverband für Befürworter der Inklusion. Das zählt vor Gericht nicht mehr als die Einlassung einer Streitpartei und keinesfalls als unabhängig.

    Es ist nicht dasselbe, aber das heißt ja nicht, dass es deswegen schlechter ist. Gerade Kunst und Musik sind so individuelle Sachen und zeichnen sich durch subjektive Erfahrungen aus. Nicht-blinde Menschen oder nicht-taube Menschen werden Kunst und Musik auch nie so wahrnehmen können wie blinde oder taube Menschen. Es ist eine andere Erfahrung, kann aber doch subjektiv für den einzelnen Menschen den gleichen Stellenwert, die gleiche Bedeutung haben und einnehmen.
    Deswegen ist deine Ursprungsaussage a) weiterhin zu widerlegen und b) jetzt auch schon weiter weg von deiner ursprünglichen Aussage: "Wenn man sagt, dass eine blinde Person niemals ein Kunstwerk von Picasso oder eine taube Person die Werke Beethovens (außer vielleicht er ist genauso begabt wie Beethoven) genießen kann oder, oder, oder...dann ist das keine Diskriminierung, sondern eine traurige Wahrheit für fast alle Fälle."

    Ich habe auch nie behauptet, dass es ein unabhängiges Gutachten ist. Ich vertraue da dann aber schon eher einem Experten, auch wenn dieser nicht unabhängig ist, als den Laien. Ganz davon abgesehen ist es auch in der Erklärung selber keineswegs missverständlich: "States Parties recognize the right of persons with disabilities to education. With a view to realizing this right without discrimination and on the
    basis of equal opportunity, States Parties shall ensure an inclusive education system at all levels and lifelong learning [...]".
    Riedel ist dabei ja nicht der einzige Rechtsexperte, der zu diesem Ergebnis kommt, auch wenn die anderen Personen auch nicht unbedingt unabhängig sind.

    Vielleicht liegt es daran, dass Du selbst an einer Grundschule unterrichtest, dass Du an dieser Stelle das Problem nicht erkennst? Jugendliche treten vor allem während der Pubertät in einen sehr ausgeprägten Konkurrenzkampf zueinander. Es geht die ganze Zeit nur noch ums Coolsein, um Statussymbole, um Likes und Levels ... Das "gemeinsame Interesse" ist während dieser Zeit auf gar keinen Fall ein Lerngegenstand im Unterricht ;) Da wird ein Jugendlicher mit geistiger Behinderung im besten Fall wahrscheinlich ignoriert. Mitmachen kann er bei der Show jedenfalls nicht.

    Ohne Frage, das ist ein Hindernis. Wie ich finde aber nicht unüberwindbar. Dazu kommt, dass es erstmal kein spezifisches Problem der geistigen Behinderung ist, sondern dieser pubertäre Mechanismus wohl in den meisten Klassen irgendeine Gruppe oder eine einzelne Person trifft.

    Achja, es ist tatsächlich so, dass ich eher in Bezug auf die Grundschule argumentiere. Mit den anderen Schulformen kenne ich mich nicht so gut bezüglich des Themas aus, als dass ich mir da ein endgültiges Urteil erlauben will.

    Dieses Argument

    fällt in dem Moment in sich zusammen, wenn man sich mit dem Begriff "peergroup" mal näher auseinandersetzt. Die Wikipedia-Definition lautet: "Als Peergroup (auch Peer-group; englisch peer group, kurz peers, Singular peer, dt: Gleichrangige) bezeichnet man eine Gruppe von Menschen mit gemeinsamen Interessen (Soziale Homophilie), Alter, Herkunft oder sozialem Status mit einer wechselseitigen Beziehung zwischen Individuum und Gruppe." Ja nun ... geistig-behinderte und nicht-geistig-behinderte Jugendliche sind eben keine peergroup. Also per Definition und völlig wertfrei sind sie es nicht.


    Wenn man den Artikel weiter liest ...

    Der Begriff Peergroup wird auch gleichbedeutend für „Interessengruppe“ verwendet. Teilnehmer einer Ausbildungs-, Lern- oder Arbeitsgruppe (Peer-Education) werden oft als Peergroup bezeichnet, sie praktizieren das peer learning. Sie können sozial durchaus unterschiedlichen Gruppen angehören, sind aber für eine bestimmte Zeit durch gleiche Interessen miteinander verbunden. In der Lerndidaktik (handlungsorientiertes Lernen) haben Peergroups einen besonderen Stellenwert, weil ähnliche Interessen eine lernfördernde Gruppendynamik erzeugen.


    Die Wikipedia-Definition ist doch auch passend, denn im Unterricht ist ja das Ziel, ein "gemeinsames Interesse" an einem gemeinsamen Lerngegenstand zu wecken, der dann über verschiedene Zugänge und Wege mit unterschiedlichen Zielen erschlossen werden kann. Das "gemeinsame Interesse" aus der Definition ist also in einer Unterrichtssituation gegeben.
    Darüber hinaus können Menschen mit geistiger Behinderung selbstverständlich auch zu einem Freundeskreis als peer group gehören.

    Nur zu,in der UN-Behindertenkonvention steht nämlich in Artikel 24, daß sich die Mitgliedsstaaten verpflichten "ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen" zu schaffen. Da steht "integrativ" und nicht "inkludiert"! Integrativ bedeutet für mich, daß es eben auch für diese Schülergruppe eine Schule im Bildungssystem geben muß. Das muß aber nicht die Regelschule sein.

    Hier mal der Unterschied zwischen integrativ und inkludiert: https://www.behindertenrechtskonvention.info/inklusion-3693/
    Integration wäre dann auch das, was bei mir am Heimatort gemacht wird. Da ist die Sonderschule mit ins Gebäude der Realschule eingezogen. Die Klassen sind aber komplett getrennt und werden auch von komplett anders ausgebildeten Kollegen unterrichtet.


    Auf der von dir verlinkten Seite steht es doch auch: "In der Behindertenrechtskonvention geht es nicht mehr um die Integration von „Ausgegrenzten“, sondern darum, von vornherein allen Menschen die uneingeschränkte Teilnahme an allen Aktivitäten möglich zu machen. [...] Ziel ist also der gemeinsame Schulbesuch von behinderten und nicht behinderten Kindern in einer Regelschule als „Normalfall“ – es soll keine Ausnahme sein."

    Natürlich sollte man darauf achten, wer ein Gutachten in Auftrag gibt und finanziert, das heißt aber nicht, dass die Ergebnisse dann immer automatisch falsch sind. Dann hätten wir nämlich ein Problem bei dem steigenden Grad der Privatisierung der Hochschulen.

    Was mich bei deiner Diskussion etwas stört ist, dass du auf diesen sjw (social justice warrior)-Zug aufspringst mit den ganzen -isms. Wenn man sagt, dass eine blinde Person niemals ein Kunstwerk von Picasso oder eine taube Person die Werke Beethovens (außer vielleicht er ist genauso begabt wie Beethoven) genießen kann oder, oder, oder...dann ist das keine Diskriminierung, sondern eine traurige Wahrheit für fast alle Fälle.


    Und für NRW kann man endlich einmal Game of Thrones zitieren: "I'm not going to stop the wheel. I'm going to break the wheel."

    Du meinst auf den Zug, der einen ganzen Wissenschaftszweig prägt, der im Lehramtsstudium bei uns Thema ist (z.B. Sprachsensibilität im Unterricht oder Prävention Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit), der für diskriminierte Gruppen einen hohen Stellenwert einnimmt? Das ist für mich kein Zug, das ist für mich ein Wert. Ich gebe da auch ehrlich zu, dass ich keine Lust habe darüber zu diskutieren, dafür kann sich jede*r Interessierte entsprechende Texte der Soziologie oder Cultural Studies zu durchlesen. Ich habe das schon mitbekommen, was manche davon halten ("Generation Snowflake"). Da werden beide Parteien ihren Standpunkt haben und keiner wird ihn so schnell verlassen. Diese konservativen Erhaltungsmechanismen werden irgendwann im wörtlichsten Sinne sowieso aussterben.

    Weil du es im anderen Beitrag als polemische Argumentation angeführt hast, möchte ich darauf aber inhaltlich natürlich eingehen: Erstmal ist es gut, dass der Beitrag von Voldemort gelöscht wurde. Meine Kritik war nun ja nicht inhaltslos oder unbegründet, sondern ich nenne ganz klar das Kriterium, was diesen Beitrag unter ableism fallen lässt: die Pauschalisierung. Es wurde eine Gruppe konstruiert (Menschen mit Behinderung), die denen dann aufgrund vermeintlich fehlender Aussicht das Recht auf Inklusion verwehrt bleibt. Dass diese Gruppe ja aber keineswegs homogen ist, habt ihr beide bewiesen. Beethoven, der taub eines der besten Stücke der Menschheit schreibt oder manche Autisten, die durch Inselbegabungen selbstverständlich klug genug für die Uni sind.
    Die Gruppe kann also ganz klar dekonstruiert werden und da braucht man nicht mit einer biologistischen Argumentation kommen, das wäre halt einfach so. Deine Aussage, eine blinde Person könnte niemals ein Kunstwerk genießen, ist ganz einfach zu widerlegen, denn es gibt nicht umsonst Projekte zu inklusiven Museen, inklusiver Museumspädagogik und Vernissagen. Das ist genau der Punkt, der diese Pauschalisierung aufdeckt und widerlegt.
    Diese Einstellung und Haltung ("DIE geistig Behinderten schaffen es sowieso nicht") ist doch wohl unter dem Aspekt der Lehren aus der Forschung zu self fulfilling prophecies an der Schule hochgradig problematisch.


    Das Rad Inklusion kann eben nicht gebrochen werden und es wird auch nicht gebrochen. Denn gerne gehe ich auch noch auf die rechtlichen Aspekte ein, die plattyplus ja in Frage gestellt hat. Dazu gab es nämlich ein Gutachten in dem es klar heißt: "Das in der BRK anerkannte Recht steht für eine individuelle Rechtsposition mit dem Inhalt, dass im Sinne der BRK Kinder mit Behinderung einen Anspruch auf diskriminierungsfreien Zugang zum System der Regelschule haben. Wesentlich für den inhaltlichen Umfang dieses Rechts ist, dass dem Kind nicht nur ein Zugangsanspruch zusteht, sondern auch ein Recht darauf, dass die angemessenen Vorkehrungen getroffen werden, um den Anspruch wirksam zu entfalten" (Riedel: Zur Wirkung der internationalen Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung und ihres Fakultativprotokolls auf das deutsche Schulsystem, S. 53).

    Mit der Antwort gehst du nicht so wirklich auf das ein, was ich schrieb, habe ich das Gefühl. Das sind jetzt mehr Nebendiskussionen (oder täusche ich mich?), deshalb vielleicht nur kurz:

    Ich würde eher sagen, sie halten in NRW das Rad an. Die Frage ist, ob man das rollende Rad überhaupt noch aufhalten kann. Prinzipiell hat durch die Behindertenrechtskonvention jedes Kind ein Recht auf den Zugang zu einer Regelschule. Man kann davon ausgehen, dass ein guter Teil der Eltern und Kinder dieses Recht in Anspruch nehmen wird. Eine Fortführung der Förderschulen unter der Bedingung, weniger Schüler*innen zu haben, wird vor dem Kostenhintergrund mindestens interessant. Man muss also über das wie diskutieren, denn Inklusion bleibt Realität, auch wenn das Tempo der Verbreitung vielleicht nachlässt.

    Gegenderte Sprache steht sicherlich im Spannungsverhältnis zur Leichten Sprache. Da stimme ich dir zu und da kann man bestimmt Lösungen finden. Nicht zustimmen kann ich aber bei deiner abwertenden Verwendung des Begriffes political correctness. Ich sehe die Notwendigkeit, auch die 2% der Schülerinnen in einem Text anzusprechen und nicht zu unterschlagen.

    Auch bei deinem letzten Absatz möchte ich dir nicht unbedingt zustimmen. Es ist aber auch wenig relevant für mein Argument für die Inklusion, dass nämlich Inklusion eine Förderung aller Kinder bedeutet und für mich damit auch die Förderung besonders begabter Kinder einhergeht, die Wertschätzung für diese Förderung für alle also steigt. Korrigier mich bitte, wenn ich dein Gegenargument nicht gefunden / verstanden habe.

    Ich finde, man sollte bei dieser Aussage von Lord Voldemort schon klare Kante zeigen - mehr als nur eine Nicht-Zustimmung. Auch wenn man nicht dafür belangt werden kann, entspricht das für meine Begriffe nicht den Werten unseres Grundgesetzes und der Behindertenrechtskonvention. Das ist eine abwertende Pauschalisierung gewesen, die unter dem Phänomen ableism zu fasssen ist!


    Die empirische Lage zur Inklusion in der Schule ist, wenn ich das richtig im Kopf habe, wie so oft einerseits umstritten und andererseits von der Interpretation abhängig. Aus der Uni habe ich mitgenommen, dass es in Deutschland Studien gab, welche ganz klar für die Inklusion sprachen. Diese wurden allerdings insbesondere dafür kritisiert, dass sie 'raisin picking' betrieben haben sollen, sprich: Es wurden Gruppen betrachtet, bei denen besonders gute Voraussetzungen vorlagen (kleine Klassen, hohe Motivation der Schüler*innen und dauerhafte Begleitung durch Förderschulkräfte zusätzlich zu den 'normalen' Lehrkräften). Internationale Studien und Metastudien kamen jedenfalls zu kritischeren Ergebnissen.

    Heute erst gab es einen Artikel der taz, in dem es auch um eine Studie geht, die auf Rügen stattfindet. Das Projekt, bei dem es auf der Insel mittlerweile gar keine Förderschulen mehr gibt und alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden, wird dort wissenschaftlich begleitet:
    http://taz.de/Regelschule-vs-Sonderschule/!5426787/


    Meiner Meinung nach, auch wenn es zugegebenermaßen eine Floskel ist, sollten wir uns weniger über das ob als viel mehr um das wie streiten. Ich sehe die Umsetzung in einem unter dem Paradigma des Konstruktivismus konzipierten Unterricht auf jeden Fall als möglich und förderlich für alle Kinder.
    Ausgewählte Argumente wären meinerseits, dass die Inklusion einen wesentlichen Beitrag zum sozialen Lernen und der Prävention der Radikalisierung (Stichwort: individuelle Handlungsstrategie -> Kontakt mit Minderheiten oder diskriminierten Gruppen) leisten kann. Es werden quasi nebenbei Werte vermittelt ("Menschen mit Behinderung sind Normalität in dieser, unserer, Gesellschaft").
    Im Sinne eines peer-to-peer Learnings bietet es ebenso das Potenzial, dass die Kinder gegenseitig Verantwortung füreinander übernehmen und dass bekanntlich der höchste Lerneffekt im Unterrichten Anderer besteht.
    Ein inklusiver Unterricht heißt aus meiner Sicht auch, dass es nicht nur um I-Kinder geht, sondern dass insgesamt differenziert wird, dass Hilfen auch schwächeren Schüler*innen zu gute kommen. Bestes Beispiel dafür ist das Konzept der Leichten Sprache. Dieses ist im Fachgebiet Behinderungen entstanden und kann gerade in der Grundschule Schüler*innen mit Sprachschwierigkeiten (zum Beispiel Kindern, denen nicht irgendetwas diagnostiziert wurde, sondern die kleinere Probleme mit Sprache haben, oder auch geflüchteten Kindern) helfen. Aus der Leichten Sprache wird auch ein Konzept der Einfachen Sprache entwickelt, dass sich zwischen Leichter Sprache und Standardsprache einordnen lässt. Anhand dieses Beispiels sieht man, dass Inklusion eine Differenzierung für alle ermöglichen kann. Gleichzeitig bedeutet das natürlich, dass alle Kinder gefördert und gefordert werden sollen, womit auch die Notwendigkeit einer Begabtenförderung (und alles was in diese Richtung geht) einen höheren Stellenwert bekommen sollte.
    Schaut man sich das inklusionsdidaktische Netz zum Beispiel nach Kahlert an, hat ein inklusiver Unterricht auch das Potenzial, insgesamt mehr Lernkanäle und Lernwege, mehr Zugänge zu Themen für alle zu schaffen (zum Beispiel in Form eines sensomotorischen oder emotionalen Zugangs).
    Das alles ist natürlich auch nur ein Ideal, für welches die richtigen Voraussetzungen gegeben sein müssen.

    Wie seht ihr das persönlich, wenn man immer wieder von Jungs als Bildungsverlierern liest: Ist da was dran? Sind das alternative Fakten? Sind die Jungs selber schuld? Muss/ sollte man da etwas tun?


    Ich denke schon, dass da etwas dran ist, wenn man natürlich auch nicht pauschal davon sprechen kann. Bevor aber der Feminismus abgeurteilt wird, sollte man eine Sache im Hinterkopf behalten, die hier ganz gut erklärt wird:

    Das ist wahr – es gibt auch Benachteiligungen für Männer. (Und ja, es gibt Femistinnen, die das leugnen oder für total unwichtig halten. Siehe den vorigen Punkt.) Männer haben größere Schwierigkeiten, das Sorgerecht für ihre Kinder zu bekommen, Männer sind häufiger obdachlos und landen häufiger im Gefängnis (und begehen generell mehr schwere Straftaten), männliche Servicekräfte bekommen oft weniger Trinkgeld als weibliche, männliche Opfer von häuslicher Gewalt sind zwar seltener als weibliche, haben aber mit besonderen Problemen zu kämpfen, um nur ein paar relativ willkürliche zu nennen. [...] Sollte man dagegen nicht auch etwas tun? Ja, sollte man. [...] Und die Punkte, bei denen Männer benachteiligt werden, haben ihre Ursache interessanterweise in denselben patriarchalen Vorstellungen, die zur Benachteiligung von Frauen führen: Frauen sind schwach (deswegen dürfen Männer keine Schwäche zeigen), Frauen sind emotional und kümmern sich gern um andere (deswegen lieber kein Sorgerecht für Männer), Frauen gehören an den Herd (deswegen muss der Mann für das Geld sorgen, notfalls eben auch durch kriminelle Handlungen) usw. Feminismus hilft also auch Männern, wenn er dazu führt, dass solche Vorstellungen aufgebrochen werden. Das klassische Zitat dazu lautet “patriarchy hurts men, too”. (Auch wenn der Satz unter Feminstinnen durchaus umstritten ist – Feminismus ist eben kein monolithischer Block von Meinungen.)


    Meine Thesen wären also:
    Einen Bildungsnachteil der Jungs gibt es in manchen Bereichen.
    Dieser ist auch zurückzuführen auf patriarchale Strukturen.
    Gegen diese kämpft der Feminismus.
    Erfolgreicher Feminismus somit hilft auch den Jungs.

    Meine Erfahrung widerlegt das aber ganz und gar nicht.

    Ich habe in meinem Zitat nochmal das "generell" hervorgehoben, denn darum ging es mir.
    Ich schreibe in Druckschrift schneller als in Schreibschrift. In der Debatte um Druck-, Grund- und Schreibschrift ist auch immer wieder zu hören und lesen, dass ein bedeutender Teil der Erwachsenen in Deutschland nach der Schule die Schreibschrift nicht mehr nutzt und dieser Trend sich auch schon in der weiterführenden Schule abzeichnet. Interessanter als Einzelerfahrungen sind natürlich wissenschaftlich fundierte Tests und Erfahrungen:

    Hier ein Test, in dem das Ergebnis war: gemischt-überwiegend Schreibschrift > gemischt-überwiegend Druckschrift > reine Druckschrift > reine Schreibschrift von der Schreibgeschwindigkeit her. Ebenfalls in der Quelle der Nachweis über die zunehmende Abweichung von der Schreibschrift im weiteren Verlauf der Schulzeit.

    Außerdem hier die Einschätzung eines Grundschulpädagogen:

    Ich glaube, die Debatte dreht sich vor allem um ästhetische Aspekte. Darüber kann man wundervollstreiten, aber es gibt kein Richtig oder Falsch. Unsere Aufzeichnungen von Stiftbewegungen belegen, dass gute Handschreiber dynamisch zwischen schnellen und langsamen Bewegungen abwechseln. Das ist das, was die meisten als flüssiges Schreiben bezeichnen, obwohl das Fließen von Wasser ja beispielsweise eine gleichförmige Bewegung ist: Das ist das Schreiben nicht. Für den einen Schreiber ist es dabei besser, wenn er den Stift auf dem Papier lässt, für den anderen, wenn er den Stift anhebt und neu ansetzt. Es gibt keine Regel, die für jeden Schreiber zutrifft. Aus motorischer Sicht ist es gut, wenn man den Stift ab und an abhebt. Dann können sich alle Muskeln, die daran beteiligt sind, einmal kurz entspannen, wieder durchblutet und mit Sauerstoff versorgt werden. Je länger hingegen ohne Abhebungen geschrieben wird, desto größer wird der Druck auf den Stift und das Papier und der Griff wird auf Dauer verkrampfen.

    Mein Fazit deshalb: Schreiben ist sehr individuell und jede*r entwickelt und sollte entwickeln eine individuelle, möglichst schnelle und leserliche Handschrift ohne einen Zwang zu genau der einen, vermeintlich richtigen Schreibweise.


    P.S.
    Oh ja, sorry fürs off-topic, hast Recht.

    "Moderne Grundschullehrer" sagen dann wohl: Ist halt so. Oder: Wir können nicht alle retten.

    Ich ziehe mir den Schuh mal an und sage als "moderner [zukünftiger] Grundschullehrer": Warum soll ich den Kindern vorschreiben, wann sie trinken oder sich die Nase putzen, wann sie auf die Toilette gehen oder den Bleistift anspitzen? Natürlich und selbstverständlich unter der Voraussetzung, dass es nicht ungewollt oder sogar gewollt den Unterricht stört. Aber ansonsten möchte ich doch eigenverantwortliche und selbstständige Kinder erziehen.

    Ich schreibe die Zahlen auch bis heute noch von hinten nach vorne und kann für mich nur sagen, dass ich so auch sehr gut durch Leben und Schule gekommen bin. Als ausgewiesene nicht-Fachkraft auf diesem Gebiet (Mathematik und deren Didaktik) erinnert mich das doch sehr an längst vergangene Zeiten, in denen den Kindern auch "ausgetrieben" wurde, mit links zu schreiben. Würde mich aber tatsächlich interessieren, was es da an fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Erkenntnissen zu gibt.
    Auch die Causa Druckschrift ist keineswegs so eindeutig, wie du es darstellst. Dass Druckschrift generell langsamer zu schreiben ist, ist zum Beispiel eindeutig zu widerlegen. Nicht umsonst wird (meiner Meinung nach berechtigterweise) darüber diskutiert, die Schreibschrift nicht mehr zu unterrichten.
    Weitere Aussagen von dir sind natürlich total verallgemeinernd, was dir sicherlich bewusst ist. Ich kann z.B. die Erfahrung gar nicht teilen, dass Kinder mit mir reden, wie sie gerade möchten. Natürlich nicht mehr so formell, wie es früher mal war, aber die sprachliche Distanz ist den meisten Kindern meistens sehr bewusst. Deine Darstellung der Grundschule ist ebenso verallgemeindernd und ärgerlich.
    Insgesamt klingen in deinem Beitrag für mich sehr konservative Ansichten durch, die sich zum Glück einfach geändert haben: Selbstständigkeit statt Disziplin und Gehorsam sowie Individualität statt Konformität.

    Abiturnoten & Fachwissen, Fachdidaktik, Pädagogik

    Ist immer wieder eine Freude. ;)


    Also der NC für das Grundschullehramt liegt in NRW bei den Unis, die ich mir mal stichprobenartig angeschaut habe, allein schon über diesem Durchschnittswert bei Grundschullehrkräften und ist auch im Vergleich zu den Studiengängen für das Gymnasium höher. Klar, kein hartes Argument, u.a. da darunter auch große Unis wie Köln dabei sind, aber prinzipiell könnte sich ja seit der Erhebung der Daten was geändert haben.

    Bei den Vorlesungsfolien finde ich die Grundschullehrkräfte auf einen schnellen Blick gar nicht als Vergleichsgruppe. Wäre dann auch noch die Frage offen, ob da alle auf das gleiche Fachwissen oder immer - in einem gewissen Rahmen - bezogen auf ihre Schulform hin getestet wurden.

    Ich bestreite keineswegs die Wichtigkeit der fachwissenschaftlichen Inhalte im Studium und kann SchmidtsKatze nur voll und ganz zustimmen. Fachdidaktik lässt sich auch gar nicht wirklich von der Fachwissenschaft trennen.
    Das Niveau des Unterrichts meines Zweitfaches war meines Empfindens nach wesentlich höher, weil ich auf fachdidaktisches und -methodisches Wissen zurückgreifen konnte, wo ich im Erstfach im Studium an dieser Stelle stattdessen beispielsweise Sprachkritik anhand des Chandos-Briefes behandelt habe. Und wenn ich statt zwei weiteren solcher fachwissenschaftlichen Modulen (im Gegensatz zu den sehr sinnvollen Modulen beispielsweise in Orthografie) im Master stattdessen die Praxisphase habe, dann bringt mir das mehr auf dem Weg zu einem guten Lehrer. Auch weil man dort praktisch gemerkt hat, wie wichtig die Fachwissenschaft ist und was davon man braucht, also eine Wertschätzung für das Studium entwickelt. Darum ging es mir doch, als ich auf Valerianus' Beitrag eingegangen bin und nicht darum, in irgendeiner Form in die Richtung zu argumentieren, dass ich nicht mehr als Dingwörter, Tuwörter und Wiewörter (Begriffe denen ich aufgrund des Studiums übrigens sehr kritisch gegenüber stehe) im Studium lernen müsste.

    Zu viel fachliches Wissen gibt es denke ich nicht. Man muss es natürlich zu vermitteln wissen. Es ist ja nicht so, dass mit dem Fachwissen die pädagogischen oder fachdidaktischen Fähigkeiten sinken oder anders herum.

    Stichwort Niveauabsenkung: Das Ziel ist es, das Niveau des Unterrichts zu steigern. Das Fachwissen ist nunmal kein Selbstzeck. Da ist es jetzt wohl Ansichtssache und vermutlich genau der Punkt an dem sich die Geister scheiden: Die eine Seite meint, das Niveau des Unterrichts könne durch mehr Fachwissen gesteigert werden und die andere Seite meint, das Niveau könne durch mehr pädagogische oder (mMn viel eher) fachdidaktische Inhalte gesteigert werden. Es ist für meine Begriffe also keineswegs ein Totschlagargument, es geht auch nicht um schwarz oder weiß. Es ist eine Abwägung, wie viele fachwissenschaftliche, wie viele fachdidaktische und wie viele pädagogische Inhalte in das Lehramtsstudium gehören und das Ganze unter dem Aspekt der Knappheit der Zeit.

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