Beiträge von Philio

    Ich habe aber auch schon Kolleginnen und Kollegen erlebt, die sehr von sich überzeugt sind und wenn jemand an einer anderen vermeintlich "schlechtere" Hochschule studiert hat, das dann belächelt wird. Naja merkwürdige Menschen sammeln sich halt überall (gefühlt vermehrt im Lehrerberuf :D).

    Solche Leute kenne ich auch, aber eher von der Uni 😂 Mein damaliger Praktikumsleiter in Physik hat sich sehr was drauf eingebildet, dass er seinerzeit in Göttingen studiert und promoviert hat. Allerdings war auch in seiner Studienzeit die grosse Zeit der Uni Göttingen als Mekka der Mathematik und Physik schon längst vorbei, die bedeutenden Namen aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts kannte er auch nur aus Anekdoten.

    Für eine Unikarriere kann die Alma Mater aber durchaus bedeutsam sein. Das ist jetzt nur eine persönliche Beobachtung und vielleicht auch nur ein statistischer Effekt (zumindest kenne ich keine Studie dazu), aber viele Physik-Professoren haben ihren akademischen Weg in Heidelberg oder München begonnen.

    Aufgaben im Informatikunterricht haben exakt zwei schwierige Aspekte:

    - Es ist meist unklar wie die Aufgabenstellung gemeint ist - die Anforderungen an den Schüler sind mehrdeutig/falsch formuliert.

    - Man muss exakt wissen wie ein Struktogramm / UML-Diagramm / ERD gezeichnet wird. Vergisst man irgendwo beim Zeichnen eine Kleinigkeit bekommt man direkt Punktabzug. Wir müssen diese Diagramme sogar auf Papier zeichnen.

    Informatik an Schulen hat fast nichts mit den tatsächlichen Tätigkeiten eines Informatikers zu tun. Die ganzen Diagramme welche man lernt werden allgemein kaum verwendet. Man muss sie nur lesen können wenn man sich über Standards informieren möchte - und da hat man in der Regel diverse Suchmaschinen zur Hand mit denen man das kurz nachschaut. Statt den Schülern beizubringen wie sie Diagramme richtig zeichnen könnte man ja beibringen richtig zu programmieren und wie man Tools zur Versionierung benutzt (was heutzutage in jedem Betrieb vorausgesetzt wird). Die Möglichkeiten an nützlichen Kenntnissen sind fast unendlich...

    Ist natürlich nur das, was ich an zwei verschiedenen Schulen (BS und TG Informatik) und von mehreren Informatiklehrern gehört habe.

    So ganz stimmt das mit den Diagrammen nicht, bzw. hängt das von der Branche ab. Vor meinem Lehrerdasein habe ich mehrere Jahre als Softwareingenieuer gearbeitet, im Embedded Bereich. Vielleicht ist mein Know-How inzwischen veraltet, aber damals (vor etwa 5 Jahren) waren UML Modellierer wie Rational Rhapsody in diesem Bereich sehr in. Codeerzeugung aus einem Modell ist ziemlich cool, wenn man die entsprechenden (sehr teueren!) Tools hat. Der Platzhirsch in den Sprachen ist da C++ für Legacy Code aber auch für Neuentwicklungen wird immer noch C verwendet, für sicherheitskritische Systeme (wie Luftfahrt) auch Ada. Für Prototyping ist Python oft die Sprache der Wahl. Dafür spielen die typischen „Web-Sprachen“ wie JavaScript oder PHP dort keine Rolle. Tatsächlich wenig beachtet wird aber oft die Testseite - ich habe in meiner Zeit dort mehr automatisierte Unit-Tests geschrieben als entwickelt.

    Ah ja, und die allermeiste Zeit habe ich dokumentiert - das ist gerade in diesem Bereich durch die Vorgehensmodelle wie das V-Modell vorgeschrieben.

    Wollte damit nur sagen, dass Softwareentwicklung nicht nur Apps oder Web-Development ist, auch wenn das in der Öffentlichkeit heutzutage oft so aussieht.

    Philio: Ist OT, aber ich kenne ein Mehrfamilienhaus, bei dem ein ehemaliger Bewohner im Suff die Tür beschädigte. Bei dem ehemaligen Bewohner ist nichts zu holen, da Sozialamt, und die Eigentümerin der Wohnung weigert sich, für die Kosten aufzukommen. Die Tür ist jetzt seit über einem Jahr beschädigt. Der Vorteil bei einem eigenen Haus (bei einer eigenen Wohnung teilt man sich ja bestimmte Bereiche des Hauses mit den anderen Wohnungseigentümern) ist, dass du nicht warten musst, bis der Eigentümer etwas macht oder auch nicht, das kannst du selbst entscheiden.

    Je größer das Haus, desto mehr Arbeit macht es, das stimmt, aber bei einem Reihenhaus mit Handtuchgarten müsste sich doch die Arbeit in Grenzen halten ;) .

    Uaaaah, Reihenhaus... ganz sicher nicht. Sorry, ich hoffe, es fühlt sich jetzt niemand auf den Schlips getreten, aber das ist für mich der Inbegriff von Spiessigkeit. Never.

    Der von dir geschilderte Fall ist sicher ärgerlich, aber kann bei mir nicht eintreten. In der Schweiz werden typischerweise Verwaltungsfirmen bestellt und Anfragen werden da professionell bearbeitet, z. B. meine verwaltet sicherlich tausende von Mietshäusern, die können sich unseriöse Geschäftspraktiken nicht leisten. Wenn ich da etwas melde, dann wird das erledigt. Und, na ja, ich will jetzt nicht prätentiös klingen, aber solche Leute wohnen in meinem Mietshaus eher nicht...

    Gerade in der Corona-Krise hat sich doch gezeigt, dass wir medizinisch betrachtet vermutlich einen unsicheren Arbeitsplatz haben, dieser aber ansonsten vollkommen sicher ist.

    Ich weiß nicht, ob jemand das hier jemals in dieser Form hatte, aber existenzielle Sorgen zu haben, sich zu fragen, ob man seine Kinder noch aus eigener Kraft ernähren, kleiden, bilden kann, stelle ich mir wirklich schlimm vor. Das hatte glaube ich niemand von uns seit Antritt der ersten Planstelle.


    Aus dem Studium kenne ich diese Situation jedoch in abgeschwächter Form und sie hat mich nachhaltig geprägt. Man muss nicht seinem/r Schöpfer/in jeden Tag aufs Neue danken, dass man diese Sorgen nicht hat, aber seine Energie auf andere Dinge fokussieren zu können, ist schlichtweg unbezahlbar. Wenn man dann noch bei seinen Lebensverhältnissen bescheiden bleibt (durchschnittliche Bude, keine teuren Autos, wenige aber qualitativ hochwertige Kleidung, kein Luxusurlaub auf den Seychellen etc.), dann lebt man ein wirklich überwiegend sorgenfreies Leben. Das habe ich mit den Jahren sehr zu schätzen gelernt - in der Nachbarschaft gab es immer mal wieder Fälle, wo der Job weg war oder wegzufallen drohte - und das hat sich spürbar auf die betroffenen Personen ausgewirkt.
    Ob ich zu den reichsten 10% der Deutschen gehöre oder nicht, wird vor diesem Hintergrund Makulatur.

    Ja, das kann ich nur unterschreiben. Als jemand, der zu Studienzeiten von BAfÖG gelebt hat, weiss ich meine aktuellen Lebensumstände sehr zu schätzen. Nachdem ich ausserdem auf ein Auto verzichte und Reisen nicht so mein Ding sind, sammelt sich fast automatisch genug auf den Konto an, um mir ein finanziell sorgenfreies Leben zu ermöglichen. Mein persönlicher Luxus ist, dass ich mir Bücher und andere Dinge des täglichen Lebens leisten kann, ohne vorher meinen Kontostand checken zu müssen. Gelegentliche grössere Ausgaben für meine Hobbys sind da auch drin, ohne dass ich mich dafür einschränken muss. Mehr Luxus brauche ich nicht.

    Also ich habe an der BSA Chemie als eigenständiges Fach in der BMNA unterrichtet, BMTE hatte das auch.

    Hm, war das noch nach der alten Verordnung? Wenn ich mich verguckt habe, steht Chemie im Rahmenlehrplan nicht mehr einzeln drin... aber vielleicht wurde es ja an deiner ehemaligen Schule auch auf einzelne Fächer aufgeteilt - bin von meiner Schule ausgegangen, da unterrichtet pro Klasse eine Person alle naturwissenschaftlichen Inhalte.

    Für die Berufsschule wärst du mit Chemie und Englisch auch interessant, wobei es Chemie in der Berufsmaturität hier nicht als als einzelnes Fach gibt, sondern nur in den Kombifächern Naturwissenschaften und Technik und Umwelt. Dort würdest du Chemie in Kombination mit Physik und Biologie unterrichten, das ist aber vom Niveau her Lichtjahre vom Schwerpunktfach Chemie am Gymnasium entfernt. Chemie als einzelnes Fach könnte es noch in der beruflichen Grundbildung geben, aber da kenne ich mich nicht so gut aus - an meiner Berufsschule hat es nur kaufmännische Berufe, die haben so was exotisches nicht 😉 Von den 5 Profilen in der Berufsmaturität hat bei uns eines Naturwissenschaften und 3 Technik und Umwelt. Die Kolleginnen dort sind alle Biologinnen und seit ich dort bin (fast 6 Jahre), gab es keine Fluktuation. Lehrpersonen für Englisch haben wir in der Zeit aber schon häufiger gesucht. Aktuell würdest du bei uns eher über Englisch eine Stelle bekommen als über Chemie und sehr wahrscheinlich auch die nächsten Jahre nur Englisch unterrichten.

    Natürlich kann man auf ähnliche Weise argumentieren, dass ein lediglich einjähriges Didaktik-/Pädagogikstudium völlig kurzgegriffen ist für dern Lehrberuf und wir deutschen Lehramtsstudenten dort einen sehr großen Vorteil haben.

    Kann man schon, ja... aber ob die Eignung als Lehrperson unbedingt mit dem Umfang des pädagogischen Studienanteils korreliert, darüber lässt sich trefflich streiten. Auf Sek 2 Stufe würde ich persönlich die fachliche Kompetenz stärker gewichten.

    Deine Ausführungen bestärken da natürlich nur mein inneres Impostor Syndrom, wenn ich mir vorstelle, ich hätte dann in der Schweiz eine ausbildende Lehrkraft, die mich für von vornherein (und vielleicht zurecht?) für fachlich inkompetent hält, weil ich keinen Master in Chemie habe...

    @Wollsocken80 hat dazu schon geschrieben... auch meiner Erfahrung nach spielen die Abschlüsse keine Rolle, die persönliche Beurteilung zählt.

    Das klingt ja super interessant Philio ! Kamst du also auch nach dem (Master-)Studium in die CH, oder hast du auch dort schon studiert?

    Ich hatte in Deutschland studiert (noch Diplom) und promoviert und habe erst danach hier an der PH studiert. Mir ist damals Mathematik als zweites Fach ohne Auflagen anerkannt worden (eigentlich bin ich Physiker). Heute unterrichte ich aber nur Mathematik, keine Physik 😂

    Ich habe mich noch ein wenig dazu eingelesen und frage mich nun, ob dieser Wechsel überhaupt möglich ist mit den Voraussetzungen zum PH-Studium in CH.

    Das ist letztendlich eine Frage der Anerkennung. Die PHs kennen sich mit dem deutschen Lehramtsstudium in der Regel gut aus, vor allem die PHTG und die FHNW, da viele Deutsche aus den Grenzregionen dort studieren. Von der PHTG weiss ich, dass ein Lehramtsstudium als masteräquivalent anerkannt ist. Für die FHNW ist @Wollsocken80 die richtige Ansprechpartnerin. Es kann allerdings sein, dass du eventuell Auflagen bekommst - das kann dir letztendlich nur die PH beantworten.

    Philio - die Finanzwelt ist nicht mein Ding, ich bekomme von Finanzfragen immer Hautausschlag ;), aber ist das, was du beschreibst, nicht eine ähnliche Immobilienblase, wie vor ein paar Jahren in den USA? Muss einem das nicht irgendwann mal um die Ohren fliegen?

    kl. gr. frosch

    Solange der Wert des Wohneigentums steigt, ist das nicht zu befürchten :) Das Problem der US Immobilienkrise war ausserdem, dass die Immobilienschulden zu einem Spekulationsobjekt wurden, indem die Forderungen gehandelt worden sind. Das ist hier nicht der Fall.

    Die Schweiz wäre für mich auch äußerst attraktiv. Allerdings würde das ja noch weitere Studienzeit von einem Jahr bedeuten, ohne groß an der Schule zu sein. Oder ist das PH-Studium sehr praxisnah aufgebaut? Ich habe gelesen, dass in der Zeit viele Studenten schon Vertretungsstellen an Schulen annehmen, was es ja zumindest finanziell und auch praxis-technisch sinnvoller machen würde. Nur kann ich mir vorstellen, dass das nur mit einer (noch) nängeren Studiendauer an der PH vereinbar ist.

    Ja, so habe ich es gemacht: Mein Studium an der PH in zwei Jahren, parallel dazu 12 Lektionen (in meinem Kanton ein 50% Pensum) pro Woche Unterricht. Bedenke aber, dass 12 Lektionen schon etwa CHF 5000 - 6000 brutto pro Monat bringen, je nach Anstellungsbedingungen. Praxisnah, joah... darüber kann man streiten 😉 Jedenfalls hat man dort nur didaktisch-pädagogische Inhalte und der wirklich praktische Teil mit Unterrichtsbesuchen ist in das Studium integriert und heisst Erfahrungspraktikum - dauert ca. 6 Wochen und zwei davon müssen gemacht und bestanden werden. Ist schon zwischendurch etwas stressig, aber alles in allem doch machbar.

    Die Schweiz ist echt schweinisch teuer, das stimmt. Wer sich in der Schweiz ein EFH leisten kann, holla die Waldfee...

    OT, aber etwas Hintergrund dazu: Die Kredite für Häuser oder Wohnungen werden in der Schweiz oftmals gar nicht getilgt, es werden nur die Zinsen zurückgezahlt - mit niedrigen Zinsen und langfristigen Kreditverträgen im vergleich zu Mietzahlungen durchaus sehr lohnenswert. Um die Schulden in Höhe ab einer halben Million aufwärts macht sich keiner einen Kopf... man braucht nur mindestens 20% der zu finanzierenden Summe und ein entsprechendes Einkommen, dann nickt die Bank das in aller Regel ab.

    Nun zu meiner Frage: Ist es möglich nach abgeschlossenem Bachelor+Master in D dann in Ö als (Gym-)Lehrer zu arbeiten, oder müssen da noch weitere Leistungen nachgeholt werden? Schließlich sollten nach EU-Richtlinien ja Bachelor- sowie Master-Abschlüsse überall gleichwertig sein.

    Zu Österreich kann ich nichts sagen, aber nachdem du auch die Schweiz erwähnt hattest - hier musst du mit einem Master aus D an eine PH und dort Lehramt Sek II studieren, das geht in einem Jahr Vollzeit (60 ECTS) oder in Teilzeit entsprechend länger. Es ist möglich, dass es zusätzliche Auflagen gibt - das lässt sich aber nur individuell klären.

    Erinnert mich an 2009 und meine Masterthesis, die mein Lehrstuhl genauso versioniert haben wollte :)

    😂 Meine Diss hatte ich damals mit Mercurial versioniert. Heutzutage bin ich tatsächlich faul und vertraue meine Dokumente der Versionsverwaltung von OneDrive an... eine lokale Datensicherung habe ich nicht mehr, alles wichtige liegt auf (mehreren) Clouds. Nichts davon ist so lebenswichtig oder unersetzbar, dass ich mir über Nichtverfügbarkeit Gedanken mache 🤷🏻‍♂️

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