Beiträge von Alterra

    Zunächst möchte ich klarstellen, dass ich absolut nichts dagegen habe, wenn die Kids auf ein Ipad etc schreiben (ich unterrichte nur Oberstufe, ab wann ich einen Übergang von Handschrift auf Papier auf Ipad okay finde, weiß ich nicht genau, evtl Klasse 8 oder so). Was mich an der Digitalisierung stört, ist

    a) sie schreiben eben nicht mehr mit, sondern machen Fotos (den Lerneffekt bezweifele ich)

    b) ich sehe nicht, ob sie etwas zum Unterricht einsehen oder eine Nachricht der Kumpels/Insta verfolgen

    c) der Zugriff auf das Internet verhindert tw. Kenntnisabfrage

    d) ist das Netz mittlerweile so mit spezifischem Schulstoff gefüllt, dass nahezu alle Themen abgedeckt sind. Eigene Gedanken können so nicht von bloßer Wiedergabe unterschieden werden

    n Klassenarbeiten und Prüfungen dürfen die Schüler ihr Handy auch nicht benutzen.

    Und auch das Verfassen eines handschriftlichen Abituraufsatzes von 8 bis 12 Seiten muss man lernen.

    Also darf man das nicht verlernen. Und wer nie längere Texte schreibt wird sich da immer schwerer tun.

    Genau darum geht es mir im Endeffekt ja, nur verstehen das die meisten meiner Schüler nicht. Natürlich wäre es möglich und wirklich kein Mehraufwand, meine Sachen digital zu Verfügung zu stellen. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass sie so deutlich weniger mitnehmen.

    Bei uns ist es noch nicht ganz so heftig wie bei German, aber es gibt einzelne Kollegen, die mit Papierverschwendung argumentieren, wenn man für seine Klassen noch ganz oldscool Kopien anfertigt (die fahren aber u.a. mit dem fetten Auto nach Hause).

    Was ich viel schlimmer finde, sind die Äußerungen und das Verhalten vieler Schüler zu diesem Thema. Lektüre wird nicht mehr in Buchform gekauft, sondern auf dem Handy gelesen (oder besser entziffert). Oft finde ich Fehler, die in einer Klausur gemacht wurden, durch das Lesen/Anschauen des ersten Hints bei Google. Egal, ob ich einen Tafelanschrieb mache oder eine Präsentation auf den Boards mache, es wird sofort das Handy/Ipad/Was auch immer gezückt und fotografiert. Mitschreiben wird als unnötig betrachtet, ständig muss ich argumentieren, weshalb ich meine Dateien/Tafelanschriebe nicht in die Schulcloud hochlade.

    Ich hätte viel erheblichere Bedenken, wenn man früher kommen oder länger bleiben müsste.

    Und wie regelt ihr in NRW das dann?

    Bei uns kann es vorkommen, dass man eigentlich erst zur fünften Stunde Unterricht hat, aber Vertretung für die 1/2 bekommt. Dass Vertretungsstunden an den eigenen Unterricht angehängt werden, ist auch Standard

    Die "Empfehlung" kam vermutlich aus mehreren Gründen:

    1) Bei Kindkrank muss ab Tag 1 ein Attest vorliegen, d.h. du musst zum Kinderarzt, auch wenn es z.B. eine Erkältung ist, die nunmal am besten mit Ruhe und Schlaf auskuriert wird und keinerlei Medikamente nötig sind. Bist du selbst krank, meldest du das Schule und Seminar, musst aber bei 2 Abwesenheitstagen kein Attest vorlegen

    2) Die Anzahl der Kindkranktage ist begrenzt. Wegen Corona ist die Anzahl der Tage aktuell noch erhöht (30 Tage pro Kind und ArbeitnehmerIn), unter "normalen" Umständen lag die Anzahl bei 10 Tagen pro Jahr (und Beamte sogar weniger). Alleinerziehende haben den doppelten Anspruch. 10 Tage waren aber recht schnell aufgebraucht, je nach Krankheit/Kind/Kita geht das zügig

    3) Es gibt keine halben Kindkranktage. Wenn du nicht in die Schule gehst wegen der Betreuung am Morgen, dein Mann mittags während des Seminars übernimmt, ist dennoch ein ganzer Tag Kindkrank aus deinem Kontingent weg.

    Kindkrank ist also schon mit mehr Aufwand verbunden. Das heißt aber meiner Meinung nach nicht, dass man sich besser selbst krankmelden sollte

    Ich muss gerade nochmal nachfragen, weil ich irritiert bin: wenn ihr Zentralabi habt, wie ist es dann möglich, dass ihr die Literatur frei wählen könnt? Es machen doch sicher auch ein paar Kids in Deutsch schriftliche Prüfungen.

    Wir in Hessen dürfen die Literatur nicht selbst bestimmen, aber freiwillig würde ich den Taugenichts niemals im Unterricht lesen.

    Aktuell ist hier "Corpus delicti" Pflichtlektüre, das mögen auch die SchülerInnen ganz gerne.

    Gehen bei dir mdl Prüfungen nur über ein Werk? Das wäre in Hessen nicht rechtens, d.h. in mdl Prüfungen müssen mehrere HJ abgeprüft werden

    Ich habe gerade mal überlegt; mein letzter Post zu diesem Thema war im August 2022. Bis heute, also etwa 1/2 Jahr später, habe ich seitdem exakt einen Becher Glühwein am Weihnachtsmarkt und einen Sekt an Silvester getrunken. Nicht, weil ich Alkohol prinzipiell ablehne oder aus gesundheitlichen Gründen oder so, aber mir schmeckt die heiße Schokoloade am Weihnachtsmarkt eben einfach besser. Betrunken war ich das letzte Mal mit u 20

    Ich freue mich für euch, dass es bei euch anscheinend so gut geklappt hat. Hier jedoch nunmal nicht und wir waren/sind nicht die einzigen, die Situation hat sich vor Ort nämlich sogar noch verschlechtert. U.a. sind seit Wochen die Betreuungszeiten eingeschränkt, da einfach kein Personal vorhanden ist. Zufälligerweise kollidierte es bislang nicht mit meinem Stundenplan, noch nicht...

    Die Städte müssen diese Betreuung anbieten, dazu sind sie verpflichtend. Dass Kitaplätze fehlen, ist mir bewusst, deswegen gehen auch Tagesmütter. Aber in der Regel taucht dann immer doch ein Platz auf, daher: was sagt das Verwaltungsgericht nach Klageerhebung nach Ablehnung durch das Jugendamt?

    Wir sind nicht vor Gericht, da uns zwei Fachanwälte davon abgeraten haben, da eine Klage vermeintlich keinen Erfolg gehabt hätte.

    Ihr habt einen Rechtsanspruch auf Betreuung ab dem vollendetem 1. Lebensjahr.

    Ja, das mag sein und klingt theoretisch gut. Sind aber keine Plätze vorhanden, weil Personal oder Räumlichkeiten fehlen, der Träger aber z.B. durch Stellenanzeigen darum bemüht ist, bringt dir dieser Rechtsanspruch auch nichts. Ich bin damals auch blauäugig davon ausgegangen, dass ein Rechtsanspruch auch gleichbedeutend mit einem tatsächlichen Betreuungsplatz ist. Aber nein, die Realität sieht leider anders aus.

    Und dann reagiere ich zu Hause genervt, "hier" greife ich Leute an, usw. und so fort.Und eigentlich "brauchen" wir das Geld noch nicht mal unbedingt. Mein Mann und mein Kind wünschen sich aber stattdessen eine Mama, die auch mal lacht....

    Und dann überlegst du noch ernsthaft? TZ-Antrag einreichen und nach der Schule darauf ein Sektchen mit der Familie trinken! Denn die Familie geht bei dir doch bestimmt eigentlich auch vor. Eine entspanntere Mama ist ihnen vermutlich auch wichtiger als etwas mehr Kohle auf dem Familiekonto

    Hallo Haubsi,

    bis vor kurzem war ich auch der Überzeugung, dass TZ in unserem Job wenig Sinn macht und eine Reduktion finanziell nicht das wiederspiegelt, was man im Endeffekt dann doch arbeitet. Dieser Überzeugung sind zurecht auch viele hier im Forum. Ich habe sehr (zu?) lange damit gewartet, mich aber letztlich doch dazu entschieden und bin nun sehr froh darüber. Die TZ kommt nämlich absolut derjenigen entgegen, die auch der Grund dafür war/ist: meiner Tochter.

    Mein Stundenplan ist trotz deutlicher Reduktion nicht das, was ich mir wünschen würde. Ich habe einige Hohlstunden, bin in mehreren Schulformen eingesetzt (d.h. auch mehr Konferenzen und ab Ostern Abi/FH-Reife-Prüfungen) und habe -wie alle Kollegen - auch eine Klassenleitung. Was aber eben wegfällt - und das ist in meinem Fall der Zeitfresser schlechthin - ist eine Vielzahl an Korrekturen. Anstatt Klausuren zu bewerten, habe ich nun tatsächlich meist ein 2-tägiges Wochenende und kann Sa vormittags bereits mit meiner Tochter spielen bzw. Zeit verbringen, ohne ständig an die noch zu verrichtende Arbeit zu denken. Auch unter der Woche hole ich sie nun früher aus dem Kindergarten ab und genieße die Zeit mit ihr. Während ich früher immer während ihrer Tanzstunden "effizient" einkaufen war, kann ich heute zusehen. Bei Spielplatzbesuchen endet der Spaß nun wegen der einsetzenden Dunkelheit und eben nicht mehr, weil ich noch etwas für die Schule machen muss.

    Meine Empfehlung an dich wäre daher, dass du für dich herausfindest, was dich so am Schulalltag fordert und Zeit kostet und dann kannst du abwägen, ob eine Reduktion sinnvoll ist. Das Gute an unserem Job ist ja, dass wir nicht in der TZ auf ewig gefangen sind. Ich habe nicht vor die nächsten Jahrzehnte TZ zu sein, sondern nur solange es meine Tochter benötigt.

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