Beiträge von Cogito

    Was führt denn "zu einem fachlich fundiertem Unterricht" lieber Cogito?


    War da tatsächlich der Gymnasiallehramtsstudent der meinte, anderen sagen zu müssen, wie deutsche Grammatik richtig geht?

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob diese zwei Aussagen zusammengehören, aber ich denke schon. Zunächst: Wie kommst du darauf, dass ein Gymnasiallehramtsstudent irgendwo anwesend war? Dann: Entzieht sich mir der Sinn dieser zweiten Aussage. Was wäre schlimm daran, wenn ein Gymnasiallehramtsstudent darauf hinweisen würde? Wäre es schlechter, als wenn ein anderer Lehramtsstudent darauf hinweisen würde? Es hätte doch auch ein anderer Grundschullehramtsstudent, ein Sonderpädagogikstudent oder ein Gesamtschullehramtsstudent darauf hinweisen können, oder nicht?
    Um Konkret darauf zu Antworten: Nein. Es hat niemand diese Aussage kommentiert. Ich schrieb auch explizit, dass ich mir bei solchen Aussagen die Hand vor den Kopf schlage, da ich diese Einstellung nicht vertrete. Das heißt noch lange nicht, dass ich diese Einstellung aktiv negativ kommentieren würde. Ich habe vielmehr nach dem Grund gefragt, warum sie das so sehen. Wurde zu einem netten Gespräch, hat jedoch nichts an meiner Meinung geändert :)


    Zur ersten Frage: Für mich persönlich gehört tiefgehendes und verstandenes Fachwissen definitiv dazu. Das heißt aber noch lange nicht, dass das vollständig zutreffend ist. Was für eine Antwort möchtest du von mir hören? Eine Aufzählung an Faktoren? Die Wiedergange einer Theorie? In diesem Zusammenhang, aus dem meine von dir zitierte Aussage stammt, geht es nur darum, dass die alleinige Kenntnis von Nomen, Verb und Adjektiv nicht ausreicht. Ich bezog mich damit nicht auf einen größeren Zusammenhang, sondern einzig darauf. Und wenn du dagegenhalten möchtest, dass man mit den drei Wortarten in der Grundschule allein auskommt, darfst du es gerne tun.

    @ tibo


    Ich glaube, dass keiner es so aufgefasst hat, dass du die Wichtigkeit der Fachwissenschaft bestreitest, im Gegenteil. Aus meiner Sicht plädierst du vollkommen zu Recht für ein ausgewogenes Verhältnis von Fachwissenschaft und Fachdidaktik. Denn derjenige, der sein Fachwissen nicht an die Schüler weitergeben kann, weil er nicht weiß, wie, scheitert ebenso wie derjenige, der weiß, wie, aber kein Fachwissen hat, dass er weitergeben könnte.



    Zitat von tibo

    Darum ging es mir doch, als ich auf Valerianus' Beitrag eingegangen bin und nicht darum, in irgendeiner Form in die Richtung zu argumentieren, dass ich nicht mehr als Dingwörter, Tuwörter und Wiewörter (Begriffe denen ich aufgrund des Studiums übrigens sehr kritisch gegenüber stehe) im Studium lernen müsste.

    Vollste Zustimmung!

    Zitat von Lehramtsstudent

    Bei Mathematik ist es da schon etwas anders, da das Studium nicht "Schulstoff in schwer", sondern zum Großteil schlichtweg etwas Anderes ist (das kommt aber auch auf die Uni und die gewählte Schulform an). Das führt seitens der Mathematiklehramtsstudenten häufig zu Missverständnissen und eben klischeehaften Sprüchen a la "Wofür brauche ich das später in der Schule?".

    Das passiert nicht bloß in der Mathematik. Dieses Phänomen kann in allen Fächern auftreten und ist weniger ein Missverständnis, als eine problematische Grundhaltung der Studenten. Ein Beispiel: Wenn Grundschullehramtsstudenten fragen, warum sie denn mehr über Grammatik wissen müssen, als Nomen, Verb, Adjektiv (oder am liebsten Dingwort, Tuwort und Wiewort), weil sie ja an die Grundschule wollen, schlage ich mir ehrlich gesagt, die Hand vor den Kopf :autsch: Das kann gar nicht zu einem fachlich fundiertem Unterricht führen. Darüber hinaus schließe ich mich Yummi und SchmidtsKatze an.


    Edit: Um nicht nur die Grundschullehramtsstudenten am Wickel zu haben: Wenn Sekundarschullehramtsstudenten fragen, warum sie sich mit Textaufbau und Textproduktion auseinandersetzten müssen, weil die Schüler doch schon durch die Grundschule schreiben können, ...

    (Oder haben Sie Dir einen Vertretungsvertrag für die Stunden gegeben? Dann ist rechtlich alles in Ordung.)

    Nein, solche Vertretungsverträge waren nicht ausgestellt worden, da die Studenten offiziell als Praktikanten tätig waren (mit Praktikumsvertrag zwischen Schule, Uni und Student, worin kein Wort über den Einsatz als Vertretung verloren wurde).

    Die wenigsten Lehrer werden gerne (kritisch) beobachtet. Im Alltag sind wir fast immer allein mit unseren Lerngruppen. Ich finde es ganz spannend, als Mentor bei Referendaren (mit im UB) zu sitzen, nicht nur, um ihnen eine persönliche Rückmeldung geben zu können, sondern auch, um mich selbst zu hinterfragen - mache ich das auch so? Hätte ich das grade anders gemacht? Wo sind meine Macken? Ich finde, dass wir insgesamt viel zu selten kollegiale Hospitationen nutzen, um einfach mal eine Rückmeldung zu uns selbst zu bekommen. Ich glaube aber auch, dass viele gewissermaßen "Angst" vor so einer Rückmeldung haben.


    [...]


    Und die Sache mit dem abgebrochenen Studium im ersten Semester... entweder hat sie für sich gemerkt, dass sie vor einer Gruppe garnicht klar kommt - dann ist das halt so, das ist ein sehr deutliches Zeichen und zu Beginn eines Studiums bestimmt besser als am Ende. Aber gerade in so einem Fall wäre es meiner Meinung nach fatal, so jemanden stundenlang mit den Schülern alleine zu lassen. Wenn die erste Stunde schief läuft, kann ein Mentor korrigieren, beraten, unterstützen, und Mut machen. Wobei ich Praktika im ersten Semester sowieso sehr kritisch gegenüberstehe. Das finde ich zu früh, vor allem, wenn das eigene Abi vielleicht grade ein Jahr vorbei ist.

    Ich verstehe, warum man sich nicht gern beobachten lässt, sehe darin jedoch keinen wirklichen Nachteil. Erst recht nicht während der Ausbildung zum Lehrer. Zumindest an unserer Uni wird uns Kollegiale Hospitation nahegelegt und ich hatte bereits mehrere Seminare dazu. Zudem werden unsere Unterrichtsentwürfe sowohl vom Dozenten (der in der Regel bei diesen Seminaren selbst Lehrer war und an die Uni berufen wurde - ich denke, dass nennt man so) als auch von den anderen Studenten kritisch bewertet. Ja, das ist manchmal nicht angenehm, aber ich habe gelernt, Kritik zunächst anzunehmen, dann drüber nachzudenken und zu überlegen, was ich davon annehmen und umsetzten möchte. Nachteil ist nur, dass alles auf theoretischer Basis passiert, also die Stunden nicht gehalten werden.


    Zur Kommilitonin, die abgebrochen hat, kann ich sagen, dass es nicht wegen eines "Vor-der-Klasse-stehen-Problems" war. Falls es jemanden interessiert, warum, dann kann er mir gerne privat schreiben, ansonsten belasse ich es dabei.
    Ich finde es sehr interessant, dass du ein Praktikum im ersten Semester als zu früh ansiehst. Ich würde dir einerseits zustimmen, was Alter und Erfahrung angeht, andererseits liegt der Vorteil solch früher Praktika darin, dass man nicht erst so viel Zeit mit dem Studium verliert und, dass man bereits einen kleinen Eindruck vom Lehreralltag gewinnt.

    Es ist gut, dass deine Erfahrungen so positiv verlaufen sind! Dennoch finde ich es nicht gut, dass es doch an vielen Schulen so gehandhabt wird. Da du schreibst, dass du bereits im Master warst, weise ich an dieser Stelle darauf hin, dass sich die Gespräche mit meinen Kommilitonen auf die Praktika im 1./2. Semester und 3./4. Semester beziehen :) Im Master finde ich das ehrlich gesagt deutlich weniger verwerflich.

    Die Sache mit den Praktikanten ist aber etwas anderes. Sinn eines Schulpraktikums ist natürlich, eigene Unterrichtserfahrung zu sammeln, aber doch bitte mit Rückmeldung durch die betreuenden Lehrkräfte. Dass es sich in einer einzelnen Stunde mal ergibt, dass man kurzfristig allein mit einer Klasse ist - von mir aus. Aber längerfristig, mehrere Wochen lang, geplant? Das ist ein Unding. Ich habe auch schon Praktikanten betreut (der Jüngste war 20, und das im Unterricht der Oberstufe!) und teilweise die gesamte Liste der Anfängerfehler in einer Stunde abgehakt. Wenn ich das mit denen im Anschluss nicht besprochen hätte, wäre die Lerngruppe denen in der nächsten Stunde an die Gurgel gegangen. Allein? Auf gar keinen Fall. Das ist unprofessionell und unfair.

    Ich habe meinen Kommilitonen gegenüber ähnlich argumentiert, aber die einstimmige Antwort war, dass es doch gut sei, wenn niemand einen beobachte und, dass man so viel besser eigene Erfahrungen sammeln könne. Gleichzeitig haben sie davon berichtet, dass ihnen mehrmals die Klassen durchgedreht seien, aber da müsse jeder Anfänger eben durch. Das Verhalten der Schüler hat sich dann wohl entweder gebessert, oder nicht. Von einer Kommilitonin weiß ich, dass sie deswegen im 1. Semester ihr Studium abgebrochen hat, da sie meinte, nicht für den Beruf geeignet zu sein.

    Nicht gut. So wie es dort geschildert ist, wird es auch nie passiert sein. Die erzählen irgendwelche Märchen. Das wird keine Schule machen.

    Zumindest in einem Fall habe ich es selbst miterlebt, das ist kein Scherz. Und ich unterstelle meinen anderen Kommilitonen, dass sie darin nicht übertreiben. Warum sollten sie?





    Wie kommst du denn darauf. Dann wäre das Schulsystem in Berlin schon zusammen gebrochen, denn die meisten PKB-Kräfte haben dies nicht.

    Ich hatte das bisher immer als Voraussetzung in den Ausschreibungen gelesen, daher meine Annahmen :) Danke für die Aufklärung!

    Hallo Forum,


    ich habe mich neulich mit einigen Kommilitonen über die Praktika und ihre Inhalte unterhalten. Dabei haben wir festgesellt, dass unsere Praktika bisher recht unterschiedlich verlaufen sind. Meine Kommilitonen haben schon um ein Vielfaches mehr unterrichtet als ich. Ursächlich ist, dass sie oft als Vertretung in Klassen eingesetzt worden sind, weil sie keinen Mentor hatten (Klassenfahrt, Fortbildung, ...) oder, weil der Mentor das so wollte. Das heißt, sie haben über Wochen eigenverantwortlichen Unterricht gegeben, ohne, dass sie jemand dabei betreut hat. Ich war darüber recht erschrocken, weil ich dachte, dass ist nicht erlaubt bzw. nicht Sinn dieser ersten Praktika.
    In meinen Praktika hingegen habe viel hospitiert, mit den Lehrern über Fachliches und Schulisches gesprochen, war in den Klassen 1-10 zu Besuch, habe einen Ausflug begleitet, habe CM kennengelernt, habe einen Inklusionsschüler betreut, durfte Arbeiten korrigieren (und habe festgestellt, wie verdammt anstrengend das ist ^^), habe Teilstunden übernommen und natürlich auch ein paar ganze Stunden abgehalten. Jeweils mit intensiver Vor-und Nachbetreuung. Jetzt fühle ich mich schon ein wenig doof, weil ich so wenig unterrichtet habe ...


    Jetzt habe ich zwei Fragen:


    Wie findet ihr es so, dass Studenten im Praktikum vollständig eigenständig unterrichten?


    Normalerweise darf man doch eine Vertretungsstelle außerhalb eines Praktikums erst mit dem 1. Staatsexamen oder einem Masterabschluss annehmen, oder?

    Zitat von Lehramtsstudent

    Analysis ist eher selten Teil des Grundschullehramtscurriculums für das Fach Mathematik. Es ist vereinzelt der Fall, ich meine in München und Leipzig (?), an den meisten anderen Unis kommt dieser Teilbereich der Mathematik entweder gar nicht dran oder nur abgespeckt, erst recht sowas wie Analysis II. An welcher Uni war das denn der Fall?

    An meiner Uni machen die Grundschulmathematiker Analysis I und Vertiefende Analysis (Analysis II ?). Ich kann dir aber nichts über die tatsächlichen Inhalte sagen, da ich kein Mathe studiere.

    Zitat von Lord Voldemort

    In Chemie gibt es überhaupt kein Mathemodul und in Bio ist der Chemieanteil äußerst gering.

    Vorweg: Ich bin Student, aber das ist vermutlich im Zusammenhang mit diesem Thema gar nicht so verkehrt ;)


    Zur Chemie (und Physik) in der Biologie würde ich anmerken wollen, dass es daran liegen könnte, dass Chemie (und Physik) als selbstverständlich für die Biologie gelten. So ist es jedenfalls an meiner Universität. Uns wird vermittelt, dass Biologie nicht ohne Chemie (und Physik) "funktioniert". Daher habe ich einmal meine bisherigen Biologiemodule angesehen:


    10 Module insgesamt
    davon 1 Praxismodul in der Schule
    davon 1 Modul, das explizit nichts mit Biologie, Chemie oder Physik zu tun haben durfte (über den Sinn lässt sich diskutieren)
    davon 1 Modul für außerschulische Lernorte
    davon 2 Module für die Evolution
    davon 3 Module mit selbstverständlichem/beiläufigem Chemie- und Physikbezug (Ökologie, Genetik, Stoffwechsel und Sinne des Menschen)
    davon 2 Module ausschließlich für Chemie und Physik (Einführung in die Chemie und Physik und Vertiefung der Chemie und Physik)


    Wobei natürlich nicht davon ausgegangen werden kann, dass andere Universitäten dieser Ansicht ebenfalls folgen!

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