Und... nur Akademiker können "leben", plattyplus?
Komisch... mein Vater hat "8 Jahre Volksschule", dann Kaufmann gelernt, war selbstständig... meine Erzeugerin hatte zwar nen Beruf gelernt (sogar mit Diplom), war aber zumindest finanziell nicht nötig, weiter zu arbeiten. Oma hat im (eigenen, nicht "finanzierten") Haus eine Etage drüber gewohnt, noch ne Etage drüber war ne Wohnung vermietet, beide Eltern hatten Autos mit "Stern", wir hatten wöchentlich ne Putzhilfe, es ging jedes Jahr mit dem Flieger in den Urlaub, manchmal sogar mehr als einmal... ich hatte ordentliches Taschengeld, der Klavierlehrer hat das auch nicht umsonst gemacht, wir hatten sogar eine ganze Weile ein Ferienhaus...
...war vielleicht kein "goldener Löffel", aber immerhin n silberner, würd ich sagen. Soviel zu "nur Akademiker".
Bei dem, was Du da beschreibst, hattest du den goldenen Löffel gefressen.
Meine Eltern haben es zum Vermessungs-Ing. und Vermessungstechnikerin gebracht. Beide waren Angestellte im öffentlichen Dienst. Trotzdem war so ein Leben, wie du es mit nur einem Gehalt beschreibst, nicht drin. In der Generation meiner Großeltern war es auch nicht anders. Väterlicherseits war Opa Lokführer (damals noch verbeamtet) und Oma Hebamme; mütterlicherseits Dipl.-Kaufmann in der Möbelindustrie und Näherin. Trotzdem war so ein Lebenswandel, wie Du ihn beschreibst, nie drin.
Im Kreis der weiteren Verwandten (Tante, Onkel) das gleiche Bild. Sie Lehrerin an einer Grundschule, er Studiendirektor (a15) am Gym., eine Putzhilfe gab es trotzdem nicht und beide haben volle Stellen gehabt. Oder: Er Dipl. Sozialarbeiter im Jugendamt, sie Selbstständige... auch beide in vollzeit, die Hütte war trotzdem bis zur Pension nicht abbezahlt.
Nachtrag: Das von Dir beschriebene Hausfrauenmodell habe ich nie kennengelernt. Selbst in der Zeit des Nationalsozialismus, in der das wohl mal so hochgejubelt wurde, wollten sie dann doch den Beruf der Hebamme nicht in männliche Hände geben. In einem Vergleich zwischen BRD und DDR habe ich einen prägenden Satz gehört: "In der BRD waren es Hausfrauen, in der DDR waren sie einfach arbeitslos."
Klar finde ich die Ganztagsschule auch nicht toll, aber sie ist nun einmal leider Realität und das die Löhne soweit steigen, daß ein Gehalt für eine 4-5 köpfige Familie reicht, denn so hohe Kinderzahlen bräuchten wir, um das System am Laufen zu halten, davon kann man nur träumen. Aber Realität wird sowas für die in Abhängigkeit arbeitende Bevölkerung nicht. Das geht nur, wenn jemand Selbstständig ist und dann andere Leute (= die Mitabreiter) für sich arbeiten lassen kann.