Beiträge von plattyplus

    "Gefährlich" ist die im Grunde aus einem einzigen Grund: Weil dann zu wenig politische Bildung, also auch Demokratieerziehung, stattfindet, auch wenn diese ohnehin nicht ausschließlich Aufgabe unseres Faches sein darf. Das Fach an sich zu stärken, ist eine nette Idee - es fehlen nur die Lehrer!

    Unter dem Aspekt der "Demokratieerziehung" wäre ich ganz klar dafür die Fächer Politik und Wirtschaft zu trennen und im Wiwi-Unterricht auch Lehrkräfte mit der entsprechenden Fakulta einzusetzen. In Politik kann dann die Demokratieerziehung stattfinden. Aber mit Wirtschaftswissenschaften speziell im BWL-Bereich hat das alles, was ihr hier so vorbringt, überhaupt nichts zutun.

    Zwischen dem Rechnungswesen und politischen Ideen liegt soviel Abstand wie zwischen Mathematik und Gedichtanalysem im Deutsch-Unterricht.

    Das hieße natürlich, daß so ein Ansinnen mindestens 10 Jahre Vorlauf benötigt, allein um genug Lehrkräfte mit der Fakulta Wiwi (=60) vorab für die Umstellung an den Universitäten ausbilden zu können.

    Also mich hindern zwei getrennte Unterrichtsfächer namens "WBS" und "GK" keineswegs daran im Wirtschaftsunterricht immer auch den Blick auf relevante politische Entwicklungen zu werfen, die mit dem jeweiligen Wirtschaft- oder Politikthema zsammenhängen.

    Und genau das Politische stört mich daran. Ich wäre wirklich mal für einen reinen Wirtschaftsunterricht, auf das die Schüler auch das Handwerkszeug erlernen, um damit später durchs Leben zu kommen. Leider habe ich bei manchen Kollegen immer Gefühl, daß sie eigentlich Politik pur unterrichten wollen, wohl weil sie das so mal studiert haben, und die wirtschaftlichen Basics hinten runter fallen.

    Wirtschaft an der Schule sehe ich ähnlich wie den Verkehrsunterricht an der Grundschule in Theorie und Praxis, der dann am Ende mit dieser "Fahrradprüfung" abschloß. Und ja, damals haben wir auch schon auf dem Schulhof einen Apfel hingelegt und unsere Lehrerin ist mit ihrem Auto langsam drüber gefahren, damit alle sehen, wie der Apfel unter einem Reifen zerquetscht wird. Bremswege wurden auch so grob gepaukt von wegen "Wenn Du da vors Auto rennst, kann der gar nicht mehr bremsen." ... und diese Bremswegen wurden dann auch mit den Fahrrädern praktisch auf dem Schulhof demonstriert. Jeder sollte nur mit dem Hinterrad bremsen, das aber blockierend und wir haben die Bremsspur vermessen. *cool* :pirat:

    Der verbeamtete Lehrer in der PKV verdient sehr gut!

    Und das ist auch der Punkt, den ich von Gewerkschafts- bzw. Verbandsseite zuerst angehen würde. Will sagen "Hamburger Modell", auf das der Beamte selber aussuchen kann, ob er PKV+Beihilfe bekommt oder GKV und der Staat dann das Geld für die Beihilfe als Arbeitgeberanteil an die GKV zahlt.

    @dasHiggs:
    Na, in den letzten Jahren hatten wir in D im Durchschnitt eine Inflationsrate von 2% und aktuell steigt sie steil an. In 3 Jahren werden also 6,12% (0,12% dank Zinses-Zins-Rechnung) wieder aufgefressen.

    Der Tarifabschluß wird mit 8% bejubelt, was auch stimmt, wenn man die Zines-Zins-Rechnung bemüht. Man darf eben nicht 3,2% + 3,2% + 1,4% rechnen sondern 1,032 * 1,032 * 1,014 = 1,0799 --> 7,99% mehr.

    So gesehen würde man bei den Runden bei gleichbleibender Inflation, wovon ich übrigens nicht ausgehe, 7,99%-6,12%=1,87% Plus machen.

    Jetzt kommt aber noch die kalte Progression. Wodurch inzw. sogar alleinlebende Lehrer zu Spitzenverdienern werden. von den 1,87% plus beim Brutto bleiben also nicht 1,87% im Netto sondern weniger und ggf. wird es auch negativ. Bei steigender Inflation wird es eh negativ.

    Oder fürs Annuitätendarlehen mit konstanten Zinssätzen gerechnet für eine Darlehenssumme von 300.000 € und einer jährlichen Zahlung von 15.000 €, Zinsbindung für die ersten 10 Jahre:

    • 1% Zinssatz:
      Restschuld nach 10 Jahren: 175.000 €
      Laufzeit: 22,5 Jahre
    • 3% Zinssatz:
      Restschuld nach 10 Jahren: 231.000 €
      Laufzeit: 31 Jahre
    • 5% Zinssatz:
      Restschuld nach 10 Jahren: 300.000 €, da die jährliche Zahlung komplett für die Zinsen draufgeht.
      Laufzeit: unendlich

    Vielleicht brauchen wir mal weit einfachere Steuergesetze, dann rafft das auch jeder...

    Ja, es sollte einem schon zu Denken geben, daß über 50% der weltweiten Literatur zu Steuern in deutscher Sprache abgefaßt ist, obwohl nur ca. 100 Mio. Menschen in einem Gebiet wohnen, in dem Deutsch Amtssprache ist. :teufel:


    In der Oberstufe gabs dann für alle verpflichtend Sozialwissenschaften, 2 Halbjahre lang (anders wurde es gar nicht angeboten). Aber viel "Wirtschaft" war da nicht drin, eher so Scherze wie "was ist ziviler Ungehorsam - schöne Grüße von der RAF". Durchaus interessant, aber eben ein anderes Thema.

    Ja,
    bei mir gibt es dann in BWL so spannende Themen wie das Annuitätendarlehen. Den Fachbegriff kennen viele hier wahrscheinlich nicht, aber es bezeichnet einfach nur einen Bausparkredit. Ich nehme z.B. 300.000 € als Kreditsumme auf und zahle jährlich 15.000 € für den Kredit. Bei 1% Zins werden dann im ersten Jahr 3.000 € für den Zins bezahlt und mit den restlichen 12.000 € getilgt. Im zweiten Jahr zahlt man wieder 15.000 € ab, aber da die Kreditsumme durch die Tilgung bereits geringer geworden ist, zahlt man nur noch 2.880€ Zins und tilgt entsprechend 12.120€. Das geht immer so weiter...

    Interessant wird es dann, wenn z.B. nach dem 10. Jahr die Zinsbindung wegfällt und auf einmal 3% Zinsen anfallen. Dann tilgt man nämlich auf einmal kaum noch und bei gleicher Annuität verlängert sich die Laufzeit so extrem, daß sie die Lebenserwartung des Kreditnehmers übersteigt.

    Solche Themen geben dann immer das große "Aber Hallo". :)

    Und selbst meine Techniker antworten nur noch: "Warum hat uns dann nicht mal vorher einer beispielhaft vorgerechnet, bevor wir unseren Bausparvertrag unterschrieben haben?"

    So gesehen sehe ich solche Sachen schon als Aufgabe der Schule an, egal ob nun beruflich oder allgemeinbildent. Da geht es einfach darum die Schüler für das spätere Leben in unserer Gesellschaft fitzumachen. Und ja, sowas ist ähnlich existentiell wie die Verkehrserziehung in der Grundschule. Es ist also noch weitaus wichtiger als die Frage, ob das jetzt auf eine akademische oder eher eine handwerkliche Ausbildung vorbereitet.

    Solche Themen kann ich bei uns aber auch nur bei den Vollzeitschülern unterrichten. Bei den Azubis gibt es sowas nicht. Dafür müssen sie sich mit Betriebsverfassung sowie -rat und Gewerkschaften von vorne bis hinten auskennen. Die IHK-Prüfungen sind halt doch das heimliche Kurrikulum und wer da wohl an den Prüfungsthemen mitgestrickt hat? :teufel:

    kann der Dienstherr (Schulamt) dann verlangen, dass sie den Konrektor abgibt und würde sie dann
    die A 14 verlieren?

    Sollte der Dienstherr feststellen, daß sie für den Posten "Konrektor" dienstunfähig ist, kann er veranlassen, daß sie diese Tätigkeit nicht mehr ausfüllt. Aber die a14 Bezahlung kann der Dienstherr ihr nicht mehr wegnehmen. Degradierungen bzw. Zurückstufungen (also Zurückstufungen bei der Besoldung) sind nur bei vorsätzlich fehlerhaftem Verhalten des Beamten möglich. Dafür bedarf es dann eines Disziplinarverfahrens. Es sei denn der Beamte stellt von sich aus den Antrag auf Zurückstufung. Auf eigenes Verlangen sind zurpckstufungen immer möglich. Was natürlich schön blöd wäre so einen Antrag zu stellen, wie oben schon erwähnt.

    @yestoerty:
    Das nicht, aber wir müssen auch für die "Schüler mit Absentismus-Problem" ein erreichbares Ziel formulieren können. Ganz früher war das im Ruhrgebiet: Geh in die Kohle und werd Hauer. Unter Tage den Putz von der Wand zu schlagen, dazu brauchte es nicht viel Hirn sondern Muckies, zudem wurde es sehr gut bezahlt.
    Später konnte man sagen: "Geh zu Opel, Ford oder VW ans Band und schraub den rechten Außenspiegel an."
    Aktuell sieht es bei meinen Spezis so aus, daß ein Großteil der schnell angelernten Kräfte als Fachlagerist (Internet-Handel sei dank) oder Maschinen- und Anlagenführer irgendwo im Berufsleben unterkommt.

    Und da sehe ich auch das größte Potential, um aus einer Dystopie eine Utopie zu machen. Das sie nicht allzuviele Kerzen am Kronleuchter haben, wissen die Schüler/Azubis zumeist selber vorab schon. Aber sobald sie ein erreichbares Ziel haben, läuft der Laden zumeist. Dann ist der Hr. Plattyplus dafür da, um sie durch die IHK-Prüfung zu bringen... also vorwärts. :)
    In dem Moment, wo es ein erreichbares Ziel gibt, hat dann auch das Theater von wegen "sich gegenseitig mit Stühlen bewerfen" und so schlagartig ein Ende.

    Den Hintern bekommen die hoch, wenn sie von ihren Kumpels, die eine Lehre haben, sehen, daß jeden Monat Geld reinkommt.

    Und was die Steuererklärung angeht, nölen auch erst alle. Aber wenn dann im Mai oder Juni der Steuerbescheid kommt und es 200-300,- € zurück gibt von der Azubi-Vergütung, womit die Leute dann in den Sommerferien eine Woche nach Malle fliegen können, um "Party" zu machen... das spricht sich rum und zieht.

    Aber Gott, sie haben es schon einmal in die Berufsschule geschafft, das ist schon einmal etwas.

    Dir ist aber schon klar, daß in NRW alle zum Berufskolleg gehen, egal ob in Teilzeit als Azubis oder in Vollzeit als Schüler, die bei uns noch ihre Fachhochschulreife machen wollen oder gar das Abitur... oder solche, die bei uns einfach ihre Schulpflicht absitzen, weil sie die Hauptschule im Alter von 16 nach Klasse 6 verlassen haben.


    Das Argument ist zwar schlüssig, aber dann müsste die Schule alle Aufgaben von Eltern, die versäumt haben, diesen nachzugehen, nachkommen, was nicht geht, da die Curricula jetzt schon gut gefühlt sind - von dem Erziehungsauftrag, den Eltern per Gesetz haben [Artikel 6 (2) GG], mal ganz abgesehen.

    Was meinst du denn, was bei uns in den letzterne Klassen, die ich oben aufgezählt habe, abgeht? Da üben wir wie man mit Besteck ißt.
    Erziehungsauftrag der Eltern ist ja schön und gut... und was ist, wenn sie dem nicht nachkommen und Strafen auch nicht einzutreiben sind, weil sie mit Hartz 4 eh schon am nicht mehr pfändbaren Minimum sind? :stumm:

    Ganz ehrlich, keiner meiner Schüler würde mir 2-4 Stunden dabei zuschauen, wie ich eine Steuererklärung ausfülle. Ich glaube das wären die langweiligsten und nervigsten Stunden des Jahres.

    Ok, ich mache es anders. Als Termin mache ich es immer im März und dann bringe ich eine fiktive Lohnsteuerbescheingung mit und los... oder wahlweise füllen es andere Schülewr auch gleich direkt mit ihrer Lohnsteuerbescheinigung aus. Da kontrolliere ich es dann aber nicht mehr, wenn sie etwas anderes eintragen als bei der fiktiven Lösung. Denn sonst würde ich mich ja der verbotenen Steuerberatung (siehe Steuerberatungsgesetz) schuldig machen.

    Zumeist stellen die SuS erstaunt fest, daß das Formular sexistisch ist, weil "Person A = Ehemann" und "Person B = Ehefrau" bei der Zusammenveranlagung. :ohh:

    Bei einer Steuererklärung gibt es dann aber so viele verschiedene Sonderfälle, dass ich gar nicht in der Lage wäre es für alle Schüler praktisch zu erklären und langweilig wäre es dann auch noch.

    Dann mach doch erst einmal die "Vereinfachte Steuererklärung für abhängig beschäftigte Arbeitnehmer", oder wie meine Schüler immer sagen: "Für ganz normale Leute". ;)
    --> https://www.formulare-bfinv.de/printout/034040_18.pdf

    Für diese Din A4 Doppelseite brauche ich im Unterricht je nach Leistungsfähigkeit der Schüler 2-4 Schulstunden. Das läuft also sogar in einem Exkurs ganz gut.

    Die Vereinfachte Steuererklärung können alle Arbeitnehmer abgeben, die als Arbeitnehmer in D wohnen und bei einem Arbeitgeber aus D beschäftigt sind, die keine Häuser vermieten und ihr Geld nicht im Ausland anlegen. Also für praktisch alle Arbeitnehmer reicht die.

    Gegenfrage: Warum sollte es Aufgabe der Schule sein, das Ausfüllen einer Steuererklärung beizubringen?

    Weil die Schule den Kindern noch viel mehr Kram beibringt, der noch viel weiter von der Lebenswelt weg ist. Fängt mit dem Latein-Unterricht an. :teufel:
    Wer soll den zukünftigen Steuerzahlern denn sonst beibringen, wie man eine Einkommensteuererklärung erstellt? Wir Pauker stehlen uns da meiner Meinung nach gehörig aus der Verantwortung. Unser Staat verlangt von den Bürgern die Steuererklärung, also haben wir als Repräsentaten des Staates die Bürger auch fit zu machen, wie man so eine Erklärung abgibt.

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